Monat: Februar 2014

Nachruf auf Hermann Rieger

Lieber Hermann,

nun bist Du von uns gegangen und nicht nur der Trapper ist sehr, sehr traurig!

Tapfer hast Du in den vergangenen Jahren gegen deine schweren gesundheitlichen Probleme angekämpft und dabei nie deinen Optimismus, deine freundliche, ja herzliche Art des Umgangs gegenüber jedermann verloren. Bewundernswert! Absolut bewundernswert!

Ich werde nie vergessen, wie Du als Muskelpaket mit dem Koffer bewaffnet auf das Spielfeld eiltest, um unsere Spieler zu versorgen. Bezeichnend, dass noch nach vielen Jahren ehemalige Spieler äußerten, dass zwar längst der Kontakt zum Verein eingeschlafen sei, Du ihnen aber immer (mindestens) im Gedächtnis geblieben bist. Einer der wenigen, die immer für sie zur Stelle waren. Stets ein offenes Ohr und mindestens eine helfende Hand.

Unvergesslich bleibt mir auch, dass ich Dir einst vor Jahren Genesungswünsche schrieb. „So sind sie, meine HSV-Fans!“, sollst Du nach der Lektüre gesagt haben, „sensationell, diesen Brief werde ich ab jetzt immer bei mir tragen!“. Nein, stolz war ich darüber nicht. Ich habe mich einfach nur gefreut, dass ich Dich offenbar in deinem Herzen erreicht hatte. Das war es, was ich aus meiner Sicht Dir längst schuldig war: Wenigstens einmal ein persönliches Zeichen meiner übergroßen Wertschätzung, die ich immer für Dich empfunden habe.

Wenige Tage später liefen wir uns am Hamburger Hauptbahnhof fast über den Haufen. Du wusstest nicht, dass ich es war, und ich sah keinen Grund, mich Dir persönlich vorzustellen. Denn ich war doch nicht wichtig, um mich ging es doch nicht. Dennoch schaute ich natürlich verblüfft in dein Gesicht. Und Du bemerktest meinen Blick, lächeltest kurz und zeigtest deinen berühmten, optimistisch nach oben gerichteten Daumen.

Ich bin froh, dass Du nun nicht länger leiden musst. Und ich bin froh, dass Du den Abstieg deines, unseres geliebten Vereins, so er denn kommen sollte, nicht mehr erleben musst. Aber zugleich bin ich auch so unendlich traurig, dass deine letzten Wochen mit Sorge um diesen Verein verstrichen. Denn an den HSV und an uns, seine Fans und Mitglieder, hast Du bestimmt bis zuletzt gedacht. Da bin ich mir sicher. Du hättest Besseres verdient gehabt. Viel Besseres!

In meinem Brief, das fällt mir gerade wieder ein, äußerte ich die Hoffnung, dass es uns beiden noch vergönnt sein möge, unsere Mannschaft eines Tages erneut auf dem Rathausbalkon als Deutscher Meister feiern zu sehen. Nun bleibe nicht nur ich allein zurück. Und ich bin auch zornig! Zornig darüber, dass Inkompetenz, Unvermögen und Geltungssucht in und rund um den Verein stets verhindert haben, dass dieser Moment zu deinen Lebzeiten wahr werden konnte. Du aber gehst als Meister aller HSV-Herzen. Du bist nicht Zweifach- oder Dreifach-Sieger. Auf diesen Titel hast Du ein Abonnement in jedem Jahr und über deinen Tod hinaus. Von wem darf man das schon behaupten? Ruhe in Frieden!

Dein Trapper