Unbefriedigende Punkteteilung im Volkspark

HSV – Erzgebirge Aue 1:1 (1:1)

Hannes Wolf überraschte einmal mehr mit seiner Startformation gegen Erzgebirge Aue. Mit der Rückkehr zum fluiden 4-2-3-1/ 4-1-4-1 als taktische Grundformation konnte man rechnen, aber es waren einige Personalentscheidungen, die so nicht unbedingt zu erwarten waren. Papadopoulos und Jung nicht einmal im Kader, dafür Lacroix und Wintzheimer in der Startelf. Dass Özcan begann, damit konnte man trotz der Genesung von Hunt durchaus rechnen, denn angesichts dessen Verletzungshistorie wäre wohl ein Einsatz des Kapitäns über 90 Minuten zu früh gekommen. Da auch Holtby nach abgesessener Sperre wieder zur Verfügung stand, standen mit Lasogga, Hunt, dem ebenfalls wieder einsatzbereiten Hwang und eben Lewis Holtby nach längerer Zeit endlich wieder zahlreiche namhafte Alternativen auf der Bank zur Verfügung. Besonders gespannt war ich, wie sich Wintzheimer als Sturmspitze bei seinem Startelfdebüt präsentieren würde.

Startelf: Pollersbeck – Sakai, Lacroix, van Drongelen, Douglas Santos – Mangala, Janjicic – Narey, Özcan (64. Hwang), Jatta (68. Lasogga) – Wintzheimer (76. Hunt)

Der Trainer der Auer, Meyer, sagte vor dem Spiel, dass auch er durch aggressives Anlaufen der Hamburger Defensive das Spiel des HSV stören lassen wollte. Er ließ daher seine Mannschaft in einem 4-4-2 mit zwei laufstarken Spitzen, Zulechner und Krüger, beginnen. Allerdings war dann von einem hohem Anlaufen durch Aue wenig zu sehen. Vielmehr zogen sich die Gäste bei Ballbesitz Hamburgs bis in die eigene Hälfte zurück und verdichteten dort geschickt die Räume.

Je tiefer sich die Auer zurückfallen ließen desto höher verschoben die Hamburger. Narey, Mangala, Özcan und Jatta bildeten eine vordere Viererkette, dahinter sicherte Janjicic defensiv das Zentrum. Von den beiden eingerückten Außenverteidigern war es in der ersten Halbzeit vor allem Douglas Santos, der aus dem linken Halbraum regelmäßig bis ins Zentrum vorstieß und das Hamburger Spiel aus diesem Diagonalraum ankurbelte.

Die Gäste aus Aue verteidigten stark mannorientiert. Sie konnten immer wieder die designierten Hamburger Kreativspieler, Douglas Santos, Mangala und Özcan entscheidend stören. Da sie zeitgleich jeweils den ballnahen offensiven Außen des HSV ebenfalls zustellten, versandeten viele Angriffsbemühungen der Gastgeber in ihrer engmaschigen, vielbeinigen Abwehr und zwangen den HSV zum beständigen Neuaufbau seiner Angriffe. Beide Flügelstürmer, Jatta und Narey, fanden über die gesamte Spieldauer kaum je die Räume, in die sie gewöhnlich mit schnellen Läufen gefährlich vorzustoßen versuchen. Und kam doch einmal eine Flanke in den Strafraum, so war diese für die Innenverteidigung der Gäste gegen den beweglichen aber eben nicht sehr großen Wintzheimer problemlos zu verteidigen. Optisch erreichte der HSV somit zwar ein klares Übergewicht, tatsächlich jedoch fehlte es ihm an konkreten Torchancen. Vermisst habe ich auch überraschende, diagonale Läufe in die Tiefe und einmal mehr schnelle Flügelwechsel. Wintzheimer hielt meist diszipliniert die Sturmmitte, insgesamt mangelte es m.E. jedoch zudem an einem fluiden eingespielten positionellen Wechselspiel vor allem mit Özcan und dem sehr offensiven Mangala. Hier mag eine Rolle spielen, dass Witzheimer erst seinen zweiten Einsatz und sein erstes Spiel von Anfang an bestritt. Außer einem Fernschuss der Hamburger, der klar das Tor verfehlte (31. van Drongelen), und einem Kopfball des Auers Fandrich, den Pollerbeck mühelos parieren konnte (32.) blieb die erste Halbzeit daher ohne nennenswerte Höhepunkte. Bis Pollersbeck in der 43. Minute nach einem Eckball für die Erzgebirgler ein kapitaler individueller Fehler unterlief. Er kam bei dem hoch in den Hamburger Strafraum hereingeschlagenen Eckstoß aus dem Tor, sprang aber mehr in den Gegenspieler als hoch zum Ball, den er deswegen auch verfehlte. Am langen Pfosten erreichte der Ball daher Zulechner, der aus kurzer Distanz zur überraschenden Halbzeitführung der Gäste vollstrecken konnte (43.).

Die zweite Halbzeit begann der HSV zunächst in derselben personellen Besetzung. Die Gäste zogen sich noch weiter zurück, sodass sich gelegentlich bis auf Pollersbeck alle Spieler, also auch beide Hamburger Innenverteidiger, in ihrer Spielhälfte aufhielten.

In der 53. Minute hatte Narey endlich einmal Raum und Zeit auf der rechten Außenbahn. Seine gute Flanke flog quer durch den Strafraum und wurde von Mangala am langen Pfosten stehend dann artistisch zurückgelegt, sodass Wintzheimer in der Mitte mühelos zum 1:1 einschießen konnte. Kritisch anzumerken ist, dass es eine der wenigen guten Aktionen von Narey blieb, der sich ansonsten kaum gegen die aufmerksame Auer Außenverteidigung durchsetzen konnte. Wie schon öfter beobachtet, übertrieben vor allem er und auch Mangala es mit Einzelaktionen. Beide verpassten es öfter, sich rechtzeitig vom Ball zu trennen.

In der 64. Minute nahm Hannes Wolf den weitestgehend blass gebliebenen Özcan aus dem Spiel und brachte den wiedergenesenen Hwang. Der HSV spielte ab diesem Moment ebenfalls in einem 4-4-2 mit dem Koreaner als zweiter Spitze neben Wintzheimer. Kurze Zeit später kam dann mit Lasogga ein kopfballstarker Stürmer für Jatta (68.). Dessen Planstelle auf der linken Außenbahn übernahm kurzzeitig Wintzheimer, während Hwang meist zweite Spitze nun neben Lasogga blieb. Diese Wechselspiele blieben jedoch weitestgehend ohne Wirkung. Hamburg drückte, allein es fehlten dem HSV weiterhin die zündenden Ideen. Daher war es fast zwingend, dass Wolf in der 76. Minute Aaron Hunt ins Spiel brachte. Narey wechselte nun auf die linke Seite. Nicht ganz nachvollziehen konnte ich jedoch, warum Hunt die damit frei gewordene Position auf der rechten Außenbahn bespielte. Hier hätte ich mir auch andere Varianten, Narey weiterhin rechts, Hwang links (oder umgekehrt) und Hunt als hängende Spitze halbrechts vorstellen können. Ob dies allerdings zu einem anderen Spielausgang geführt hätte, bleibt natürlich spekulativ.

In der 85. Minute wäre der HSV beinahe dennoch zum Siegtreffer gekommen, doch Hunts sehenswerter Freistoß traf nur den Querbalken. Eine letzte Torchance verpasste Lasogga in der Nachspielzeit, als er das Zuspiel im Strafraum offenbar etwas überrascht nicht optimal verarbeiten konnte. So blieb es am Ende bei der aus Hamburger Sicht enttäuschenden Punkteteilung.

Fazit: Der HSV verpasst einmal mehr den so wichtigen „Dreier“ und darf sich bei der ebenfalls schwächelnden Konkurrenz bedanken, dass er unverändert auf einem direkten Aufstiegsplatz steht. Dieses Unentschieden fühlt sich wie eine Niederlage an. Man sah, dass die Mannschaft „wollte“, allein es fehlten ihr im entscheidenden Moment die Mittel, oder sie scheiterte im letzten Moment auch am eigenen Unvermögen. Eine Vielzahl von kleineren und größeren Faktoren verhindern derzeit den Erfolg. Wintzheimer ist ein gänzlich anderer Stürmertyp als Lasogga, auf den das Spiel der Mannschaft in den letzten Monaten ausgerichtet war. Daher darf es nicht verwundern, wenn die Feinabstimmung hier nicht vorhanden war.

Das Ausspielen diszipliniert defensiv stehender Gegner fällt auch vielen anderen, klar besseren Mannschaften schwer. Dennoch hätte der HSV das Spiel gewonnen, wäre dem gewöhlich sicheren Pollersbeck nicht ausnahmsweise ein schwerer Torwartfehler unterlaufen.

Aue tat im Gefühl der eigenen individuellen Unterlegenheit fast nichts für das Spiel und profitierte am Ende dennoch von Pollersbecks Patzer. Das ist neutral bewertet völlig legitim und aufgrund ihrer disziplinierten Abwehrarbeit auch nicht unverdient.

Im Schneckenrennen um den Aufstieg ist aus Hamburger Sicht die Rückkehr von Hunt ermutigend. Mit Wintzheimer steht zumindest eine laufstarke, bewegliche Alternative im Sturm zur Verfügung, mit der ggf. auch schnelles Umschaltspiel durch die Mitte funktionieren sollte. Wenn er allein aufgeboten wird, muss er gänzlich anders in Szene gesetzt werden als eine Pierre Michel Lasogga. Es fehlt der Mannschaft in den entscheidenden Augenblicken unverändert an Handlungsschnelligkeit und ohne Aaron Hunt auch an Übersicht.

Der HSV spielt nicht zum ersten Mal optisch dominant und in den Ansätzen gut, aber der Aufwand steht im krassen Missverhältnis zum bescheidenen Ertrag. Es fehlen die für den Gegner überraschenden Tempoverschärfungen, es fehlt an Läufen in die Tiefe und an präzisen Schnittstellenpässen. Wo Übersicht gefragt wäre, verrennt man sich zu oft in sinnlosen Einzelaktionen, die dann zu vermeidbaren Ballverlusten führen. Am Ende ist es auch eine Frage der Qualität und Reife. Der jungen Mannschaft des HSV mangelt es in dieser Verfassung an beidem.

Schiedsrichter: Dr. Jöllenbeck (Freiburg). Souveräne, unaufgeregte Spielleitung ohne grobe Fehler.

Einzelkritik:

Pollersbeck: Das 0:1 geht klar auf seine Kappe. Eiserne Regel: Wenn der Torwart aus dem Tor kommt, muss er den Ball haben. Ansonsten fast beschäftigungslos.

Sakai: Eins seiner besseren Spiele. Vor allem in der zweiten Halbzeit Antreiber und Ballverteiler. Defensiv allerdings auch kaum gefordert.

Lacroix: Souverän.

van Drongelen: Stieß zum Teil bis weit in die gegnerische Hälfte vor. Gut.

Douglas Santos: Erste Halbzeit ganz stark. Verteilte da klug die Bälle und versuchte Vieles. Zweite Halbzeit unauffälliger, da konsequenter von Aue gestört.

Janjicic: Spielte im Vergleich mit Mangala den klassischen, defensiveren Sechser. Das machte er ordentlich ohne jedoch zu glänzen.

Mangala: Sehr fleißig. Spielte eher im Achterraum mit Zug nach vorne, d.h. als zentraler Mittelfeldspieler halb links. Versuchte Vieles, verpasst es manchmal im Übereifer, sich rechtzeitig vom Ball zu trennen.

Narey: Da die Auer die Räume in der eigenen Hälfte starkt verengten, fehlte ihm oft der Platz, den er für sein Spiel braucht. Schöne Flanke vor dem Ausgleich (als er ausnahmsweise Raum und Zeit hatte). Wollte zu oft mit dem Kopf durch die Wand (s.h. Mangala) und trennte sich zu oft zu spät vom Ball.

Özcan: Blieb unauffällig, da von Aue meist gut zugedeckt.

Jatta: Spielte glücklos und wirkte etwas überspielt. Auch ihm kam die defensive Spielanlage des Gegners nicht zugute.

Wintzheimer: Wirkte sehr beweglich. Zweiter Einsatz, zweites Tor. Konnte mit dem Ausgleichstreffer weiter Werbung in eigener Sache betreiben.

Hunt: Wirkte auf mich auf der rechten Außenbahn deplatziert. Beinahe wäre ihm dennoch mit dem sehenswerten Freistoß an den Querbalken der Siegtreffer gelungen. Gut, dass er endlich wieder dabei ist.

Hwang: Blieb mit seinen Dribblings regelmäßig hängen. Zog zu oft nach innen statt die rechte Außenbahn besetzt zu halten. Glück- und wirkungslos.

Lasogga: Konnte sich mangels Gelegenheiten kaum auszeichnen.


Werbeanzeigen

Ein gefühlter Auswärtssieg für den HSV

1. FC Köln – HSV 1:1 (1:0)

Vor dem Auswärtsspiel des HSV in Köln war HSV-Trainer Hannes Wolf angesichts der Ausfälle von Lasogga, Hunt und Holtby wahrlich nicht zu beneiden. Auch wenn ich mich hier bereits mehrfach kritisch mit Pierre Michel Lasogga auseinandergesetzt habe, so darf nicht übersehen werden, dass dieser der zentrale Stürmer im Kader des HSV ist, auf den das gesamte Spiel der Mannschaft seit Monaten ausgerichtet war. Annähernd gleichwertige personellen Alternativen in der Sturmspitze, wie sie der 1. FC Köln mit Terodde, Córdoba und Modeste fast schon im Übermaß besitzt, hat der HSV nicht zu bieten. Auch der unverändert andauernde verletzungsbedingte Ausfall von Aaron Hunt, dessen große Bedeutung ich hier inzwischen als bekannt voraussetze, wog schwer. Da Holtby dank einer 5. gelben Karte ebenfalls gesperrt ausfiel, stellte sich die Mannschaft fast schon von alleine auf. Die zu beantwortende Frage vor der Partie aber war, wie der HSV mit drei nominellen Sechsern und ohne den gewohnten Zentralstürmer in der Startformation offensiv gefährlich werden wollte. Hannes Wolf entschied sich für ein fluides System, in welchem Özcan die Rolle der s.g. „falschen Neun“ zufiel. Zudem nahm er Papadopoulos aus mikro-taktischen Gründen aus der Mannschaft und brachte stattdessen Lacroix als zweiten Innenverteidiger neben Rick van Drongelen.

Mannschaftsaufstellung: Pollersbeck – Sakai (81. Wintzheimer), Lacroix, van Drongelen, Douglas Santos – Jung (64. Vagnoman), Janjicic – Mangala – Narey, Jatta – Özcan

Angekurbelt wurde das HSV-Spiel wie gewohnt durch den starken Douglas Santos, der aus dem linken Halbraum viele Angriffe initiierte. Von den drei nominellen Sechsern spielte Janjicic den defensivsten und Mangala den offensivsten Part. Jung spielte ebenfalls deutlich offensiver als zuletzt und stieß gelegentlich in Lücken im zentralen offensiven Mittelfeld. Vorne unterstützten Narey und der auffällig stark aufspielende Jatta Özcan, sodass in der Angriffsreihe wie auch im Mittelfeld dahinter immer wieder Rautenformationen entstanden.

Köln beginnt stark, der HSV versteckt sich nicht

Vom Anpfiff an entwickelte sich eine sehenswerte Partie. Die Kölner Gastgeber drückten sofort auf das Tempo, und der ersatzgeschwächte HSV versteckte sich keineswegs, sondern war seinerseits erkennbar bemüht, wann immer sich die Gelegenheit bot nach vorne zu spielen.

Bereits in der 1. Minute konnte Lacroix gerade noch einen Schuss von Terodde blocken. Auch im weiteren Verlauf der ersten Spielhälfte blieb der 1. FC Köln das dominierende Team. Der stetige hohe Druck auf die HSV-Defensive führte zu einer Vielzahl von Standardsituationen meist zugunsten der Gastgeber. Insbesondere Sakai zeigte sich zunächst gleich mehrfach überfordert, die rechten Abwehrseite gegen die Kölner Angreifer zu schließen. Dies wurde jedoch im weiterem Verlauf der Partie aus Sicht des HSV etwas besser, da er mehr Unterstützung durch seine Kollegen erhielt.

In der 26. Spielminute führte einer der bereits angesprochenen Standards zur 1:0-Führung des 1. FC Köln. Ein Eckstoß von der rechten Kölner Angriffsseite wurde per Kopf vom einlaufenden Höger in Richtung langer Pfosten verlängert, sodass der dort lauernde Drexler praktisch keine Mühe hatte, den Ball aus kurzer Distanz über die Linie zu drücken. Sakai, der als rechter Außenverteidiger korrekterweise am langen Pfosten stand, sehe ich hier weitestgehend schuldlos. Es sind die Vielzahl an verursachten Standardsituationen, sowie das verlorene Kopfballduell von van Drongelen und Lacroix, die hier ursächlich waren.

Nach dem Führungstreffer der Gastgeber verhielt sich der HSV taktisch klug. Statt kopflos seinerseits auf den umgehenden Ausgleichstreffer zu drängen, zog sich die Mannschaft zunächst etwas zurück und konsolidierte zunächst die eigene Defensive. Man kam nun mit allen Leuten hinter den Ball, verengte die Räume in der eigenen Spielhälfte und störte die Kölner erst ca. 15 Meter vor der Mittellinie. Auffällig wurde nun, dass Pollersbeck im Spielaufbau nicht nur einige sehr gute tiefe Pässe durch die Kölner Schnittstelle auf Mangala gelangen, sondern dass er auch des Öfteren kontrolliert abwarf, statt den langen, hohen Ball zu spielen. In Zukunft bitte gerne mehr davon!

Zwei Halbzeiten, zwei Gesichter

Nach der Halbzeitpause begann der HSV personell unverändert. Bei Gideon Jung, der besser spielte als zuletzt, sah man dennoch weiterhin deutlich das Formdefizit nach seiner langen Verletzungspause. In der 64. Minute wurde er von Hannes Wolf durch Vagnoman ersetzt, nachdem er unmittelbar davor bereits gelb verwarnt durchaus glücklich nach einem weiteren Foulspiel der Ampelkarte entgangen war. Dieses Mal reagierte Wolf also zeitnah auf das drohende Spiel in Unterzahl.

Vagnoman besetzte sofort die rechte offensive Außenbahn, während nun vermehrt Narey in die Sturmspitze vorstieß, und Özcan sich etwas in Richtung des halbrechten offensiven Mittelfelds fallen ließ.

Etwa ab diesem Zeitpunkt begann der HSV zunehmend den Spielverlauf zu dominieren. Hatte Kölns Markus Anfang seine Elf zunächst offensiv mit einem 3-1-4-2 in das Spiel geschickt, so stellte er im weiteren Verlauf der zweiten Halbzeit nun schrittweise auf ein defensives 5-4-1 um. Dies war der Tatsache geschuldet, dass der über die ganze Partie bereits keineswegs ängstlich agierende HSV nun mit Macht auf den Ausgleichstreffer drückte. Der personell ungleich besser besetzte und klar favorisierte 1. FC Köln wurde über weite Strecken förmlich in der eigenen Hälfte durch Hamburgs Notelf eingeschnürt und war erkennbar nur noch bemüht, das knappe Ergebnis über die Zeit zu bringen. Allein dies ist schon ein Kompliment für den HSV.

In der 83. Minute nahm Wolf erneut mit Sakai den rechten Außenverteidiger vom Feld, setzte alles auf eine Karte und brachte mit Wintzheimer einen echten Stürmer. Beide Innenverteidiger, van Drongelen und Lacroix fächerten nun breiter auf, und Pollersbeck spielte eine Art Libero im Titz’schen Sinne.

Beinahe wäre Narey mit einem fulminaten Weitschuss bereits der Ausgleichstreffer gelungen, doch letztlich kam der flatternde Ball zu zentral, sodass ihn Horn im Tor des FC per Faustabwehr entschärfen konnte. Eine Minute später jedoch war es soweit: Aus einem Gewühl im Strafraum der Gastgeber war es ausgerechnet der kurz zuvor eingewechselte Wintzheimer, dem ein von Sobiech abgefälschter Ball fast vor die Füße fiel und dem dann das 1:1 aus kurzer Distanz gelang. Der inzwischen mehr als verdiente Ausgleich (85.)

Bemerkenswert war, dass die Hamburger Mannschaft danach keineswegs auf Ergebnisverwaltung umschaltete, sondern sich bis zum Abpfiff erkennbar um den Siegtreffer bemühte. Dieser sollte jedoch nicht mehr fallen, sodass es am Ende bei der Punkteteilung blieb.

Fazit: Ein Unentschieden, dass sich aus Hamburger Sicht angesichts der Personallage wie ein Auswärtssieg anfühlt. Und ein Unentschieden der besseren Sorte. Eine temporeiche, spannende Begegnung mit vielen Zweikämpfen, bei der die Gastgeber die erste Halbzeit, die Gäste die zweite Halbzeit dominierten. Hannes Wolf ist es gelungen, trotz der personellen Ausfälle ein taktisches Konzept zu entwickeln, das gegen den klar zu favorisierenden Gegner funktioniert hat. Insgesamt geht die Punkteteilung völlig in Ordnung. Dem HSV sollte diese Leistung, auch wenn wieder kein Sieg gelang, Zuversicht für die schweren Aufgaben im Saisonfinale geben.

Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen). Ließ bei Jungs Foul Gnade vor Recht ergehen, indem er nicht die Ampelkarte zückte. Leitete eine hart umkämpfte Partie mit vielen Fouls ansonsten unaufgeregt und ohne grobe Fehler.

Einzelkritik

Pollersbeck: Fehlerlos. Beste Saisonleistung in Sachen Aufbauspiel.

Sakai: Schwächen im Zweikampfverhalten.

Lacroix: In manchen Situationen war ihm die mangelnde Spielpraxis anzumerken. Meist jedoch „Herr der Lüfte“. Auch wenn Herr Born am Mikrofon von SKY es nicht gesehen hat mit einigen guten Defensivaktionen. Wirkte mit zunehmender Spieldauer sicherer.

van Drongelen: Verlor das Kopfballduell vor dem 1:0. Dennoch gut.

Douglas Santos: starker Antreiber aus dem Halbraum. Ein schwerer Verlust, sollte er nach der Saison gehen.

Janjicic: blitzsaubere Partie. Verteilte die Bälle mehrfach sehr klug.

Jung: fleißig aber mit fast schon gewohnten Stockfehlern. Besser als zuletzt, aber die Defizite u.a. beim Timing sind unverkennbar. Hätte bereits den Ausgleich erzielen können, traf aber nicht den Ball sondern den Gegner. Stand nicht zufällig vor dem Platzverweis.

Mangala: Stark. Auch er wird am Ende der Saison leider gehen. Auch dies ist ein schwerer Verlust.

Özcan: fleißig, konnte jedoch als falsche Neun zunächst kaum ins Spiel eingebunden werden.

Narey: Gute Leistung.

Jatta: Ganz starke Leistung offensiv wie defensiv. Enormes Laufpensum und einige gute Pässe mit Übersicht.

Vagnoman: Fügte sich nahtlos ein.

Wintzheimer: Nutzte seine Chance.