Lebenszeichen. SV Darmstadt 98 – HSV 0:2 (0:1)

Besondere Ereignisse rechtfertigen, so sagt man, außergewöhnliche Maßnahmen. Und nach dem mir in den vergangenen Monaten (Jahren) zunehmend die Lust abhanden gekommen war, die nur noch als absolut ungenügend zu bewertenden Leistungen des HSV – auf diversen Ebenen – hier fortlaufend im Blog zu kommentieren, hat auch der HSV mit dem gestrigen Sieg gegen die Lilien zumindest sportlich ein deutliches Lebenszeichen gesendet. Immerhin, ihr werdet dies vielleicht bemerkt haben, war viertermann.com unverändert online wenn auch eben schweigsam. Ich nehme den Erfolg des Clubs  daher zum Anlass, um als Blogger ebenfalls ein Lebenszeichen zu senden. Doch genug der Vorrede.

Der HSV trat zum dritten Mal infolge in unveränderter Aufstellung zu diesem unerhört wichtigen Duell gegen einen unmittelbaren Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg aus der Bundesliga an:

Mathenia -Douglas Santos, Jung, Djourou, Diekmeier – Ostrzolek, Sakai – Kostic (84. Ekdal), Holtby, N. Müller (89. Hunt) – Gregoritsch (74. Wood)

Man darf diese Aufstellung getrost als Notelf bezeichnen, denn wohl die wenigsten Beobachter hätten vor der Saison im defensiven Verbund mit einer derartigen Rollenverteilung gerechnet. Sie ist (und bleibt?) allein dem seit Wochen andauerdenden Ausfall vor allem wichtiger Defensivspieler geschuldet und belegt aus meiner Sicht einmal mehr hinreichend, dass und wie ungenügend vor der Saison auf Führungsebene gearbeitet wurde. Aber kapitale Fehleinschätzungen und nachfolgend eklatante Versäumnisse bei der Kaderzusammenstellung sind seit so vielen Jahren zu beobachten, dass ich geneigt bin, dies spöttisch als Markenzeichen wenn nicht gar schon als Teil des Markenkerns des Clubs zu bezeichnen.

Der (nicht mehr ganz so) neue Trainer, Markus Gisdol, hat, wer will es ihm eigentlich ernsthaft verübeln?, einige Wochen benötigt, um unter personell schwierigsten Umständen „seine“ Formation zu finden. Seit den letzten Spielen gegen Hoffenheim, Werder und nun Darmstadt 98 sehen wir stets die gleiche Elf zu Spielbeginn. Dass Gregoritsch erneut begann, obwohl Wood nach abgelaufener Sperre prinzipiell wieder zur Verfügung stand, dürfte maßgeblich auch auf taktischen Überlegungen des Trainers zurückzuführen sein. Immerhin galt der Amerikaner Vielen als bislang bester Neuzugang. Für Gregoritsch aber sprach nicht nur dessen deutliche Formsteigerung seit seiner Versetzung in die absolute Sturmspitze sondern auch die zu erwartende Spielanlage der gestrigen Gastgeber. Kampf um jeden Ball, viele lange und hohe Bälle –  genau das war zu erwarten. Da passte ein unübersehbar im Aufschwung befindlicher, großer und kopfballstarker Stürmer besser zum Gegner als der trickreiche, flinke und wendige Bobby Wood. Aber während Wood zweifellos mindestens als jederzeit denkbare Option für künftige Startformationen anzusehen sein wird, sollten sich Lasogga und der HSV ernsthafte Gedanken machen, ob nicht eine Beendigung der Zusammenarbeit spätestens im kommenden Sommer für beide Seiten die beste Lösung wäre. Stürmer Nummer drei, das kann, das darf nicht der Anspruch Lasoggas sein. Und aus Sicht des HSV erscheint er aus dieser Perspektive betrachtet mutmaßlich als viel zu teuer.

Aus taktischer Sicht agierte der HSV zuletzt aus einem 4-2-3-1.  Je nach Spielsituation lässt sich daraus aber auch sehr schnell ein 4-3-2-1 oder 4-3-3 ableiten. Dass Gisdol den Versuch mit den inversen Flügelspielern (Kostic als ROM, Müller als LOM) unterdessen mindestens vorerst beerdigt hat, bedauere ich aus grundsätzlichen Erwägungen, dürfte jedoch aus meiner Sicht vor allem den offensichtlichen Anpassungsproblemen beider Spieler auf der für sie jeweils „falschen“ Seite und dem Zeitdruck geschuldet sein. Immerhin war bereits ein Drittel der Saison absolviert. Da musste vor allem endlich kontinuierlich gepunktet werden, da blieb kaum noch Zeit für länger währende Experimente. Ich hoffe jedoch, dass er diese Variante in der Vorbereitung zur Rückrunde und in dem einen oder anderen Testspiel weiter üben lassen wird. Denn nicht nur beim FC Bayern lassen sich die Vorteile einer solchen Aufstellung seit Jahren besichtigen.

Auch die Gastgeber begannen ihr Spiel in einem 4-2-3-1, und es entwickelte sich eine kampfbetonte und mitunter hektische Partie, in welcher beide Teams meist auf einen geordneten Spielaufbau verzichteten. Mit einer Vielzahl der bereits angesprochenen langen und hohen Bälle versuchten beide Mannschaften, möglichst schnell viel Raum zu überbrücken, um dann über die Flügel  jeweils zum Abschluss zu kommen.

Nach der ersten Viertelstunde bekam der HSV das Spiel zunehmend besser in den Griff und ließ erkennen, dass man individuell über die im Vergleich zu den Gastgebern eindeutig höhere Qualität verfügt. Ansich eine pure Selbstverständlichkeit angesichts der beiden Vereinen zur Verfügung stehenden Etats, nach bisherigem Saisonverlaufs dennoch von mir ausdrücklich lobend zu erwähnen. Denn Qualität und HSV, das ist so eine Sache. Bleibt doch Qual oder Quälerei bis auf Weiteres das, was der HSV seinen Anhängern seit nunmehr mehreren Jahren überwiegend zumutet. Auf allen Ebenen.

Ich will keineswegs behaupten, dass man gestern auf Seiten des HSV die hohe Schule der Fußballkunst demonstrierte. Immerhin aber ließen sich erneut wie schon in den beiden vorangegangenen Partien gravierende Veränderungen erfreulicherweise beobachten:

  1. Es steht endlich eine Truppe auf dem Platz, in der man füreinander arbeitet, kämpft, sich hilft anstatt dem jeweiligen Kollegen gleichzeitig mit dem Ball oder Gegenspieler allein beste Wünsche auf ein gutes Gelingen zu überantworten;
  2. Es ist ein aufkeimendes aber dennoch unübersehbares zartes Pflänzchen an Spielkultur insbesondere im Offensivspiel zu beobachten  (- beinahe hätte ich #AusGründen formuliert: zu bestaunen).
  3. Der oft und zurecht gescholtene Ostrzolek und Sakai, machen ihre Sache auf der „6“ immer besser. Sakai wurde bekanntlich unlängst von Gisdol zum Kapitän befördert (was keineswegs nur deswegen perspektivisch die Frage nach einem Verbleib Djourous beim HSV über den kommenden Sommer hinaus aufwerfen dürfte); Ostrzolek darf inzwischen alle Ecken und den Großteil der Freistöße ausführen. Beides klare Anzeichen gestiegener Wertschätzung für beide Spieler und zugleich auch so etwas wie Teil der oft gesuchten Handschrift eines Trainers. In diesem Fall Gisdols.
  4. Das Offensivpressing nach Gisdols Vorstellungen funkioniert immer besser, was auch daran liegen dürfte, dass nun tatsächlich das Team als Ganzes besser funktioniert.
  5. Kostic kommt, auch wenn in Sachen Leistung weiter viel Luft nach oben zu konstatieren bleibt, immer besser in Schwung. Selbiges gilt auch eindeutig für Holtby, wovon letztlich dann auch Spieler wie Nicolai Müller und Gregoritsch profitieren.

Die Entstehungsgeschichte des Hamburger Führungstreffers spiegelt letzteres wieder: Holtby verschaffte Kostic Zeit und Raum für eine gut getimte scharfe Flanke, und Gregoritsch hatte nachfolgend keine Mühe per Kopf zum 0:1 zu vollstrecken (30.). Und dem HSV gelang es dieses Mal die Führung in die Halbzeitpause mitzunehmen. Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

Die zweite Spielhälfte begannen die Hausherren erkennbar darum bemüht, auf den Ausgleichstreffer zu drängen. Es gelang ihnen in aller Regel jedoch nicht, dies lässt sich auch über das gesamte Spiel bilanzieren, die Abwehr des HSV in ernste Schwierigkeiten zu stürzen. Je länger das Spiel dauerte desto klarer und selbstbewusster spielte der HSV seine Konterangriffe. Das sah im Ansatz zum Teil recht hübsch aus, aber, und dieser kräftige Schuss Wasser muss für eine objektive Bewertung in den Wein!, er versäumte es, frühzeitig das Spiel gegen einen zunehmend überfordert wirkenden Gegner durch den zweiten Treffer zu entscheiden. Ostrzolek war es schließlich, der nach feinem Zuspiel Sakais aus halblinker Position aus 14m zum 0:2 (90.) einnetzte und zugleich seine Torpremiere feiern durfte.

Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken). Wusste mit seiner Ansprache an die Akteure in der aufgeheizten Atmosphäre  zu gefallen. Im Zweifel sicher nicht auf Seiten der Gastgeber. Einmalig mit kapital falscher Abseitsentscheidung gegen Darmstadt (32.)

Fazit: Dem HSV gelingt keineswegs zufällig endlich, endlich wieder ein Sieg. Auch damit ist der nun seit drei Spielen anhaltende Leistungsaufschwung der Mannschaft unter Gisdol nachzuweisen. Aber in dieser Verfassung, das soll den grundsätzlich angebrachten Respekt vor den Lilien keineswegs schmälern, werden diese wohl absteigen. Daher ist nach der langen Durststrecke aus Sicht des HSV die Freude über den Dreier nachvollziehbar, jede Euphorie aber angesichts des Gegners und der unverändert prekären Tabellenpositionierung vollkommen unangebracht. Spannend wird zu beobachten sein, wie Gisdol die Mannschaft aufstellt sobald alle defensiven Spieler wieder zur Verfügung stehen. Sakai dürfte vermutlich als Kapitän gesetzt bleiben und auf seinen angestammten Platz als RV zurückkehren. Wohin aber z.B. mit Ostrzolek, der deutlich verbessert wirkt (und gestern mt 72 % gewonnen Zweikämpfen bester Zweikämpfer des Teams gewesen ist!)? Douglas Santos hatte nämlich offenbar nur im Derby ausnahmsweise total verwachst, macht seine Sache aber gewöhnlich erstaunlich nüchtern und abgeklärt, wie ich finde.
Grundsätzlich hoffe ich, dass der HSV tatsächlich zeitnah aus den zahlreichen kapitalen Irrtümern der letzten Jahre endlich die überfälligen und angemessenen Lehren zieht. Ausdrücklich auf allen Ebenen. In der Defensive muss dringend nachgebessert und die Verpflichtung eines fähigen Sportdirektors sollte tunlichst nicht erneut verschlafen werden. Was den aktuellen Vorstand angeht, so scheinen mir ohnehin seit Jahren jeder Hopfen und Malz verloren.

Kein Grund zur Panik, wohl aber Anlass zur Sorge. Hertha BSC- HSV 3:0 (1:0)

Eigentlich waren alle Voraussetzungen für ein mindestens ordentliches Fußballspiel vorhanden: Wunderbar sonniges Herbstwetter mit milden Temperaturen, ein gut gefülltes wenn auch bei Weitem nicht ausverkauftes Stadion, und zwei Mannschaften, die man vor der Partie annähernd auf Augenhöhe wähnen durfte. Eigentlich.

Tatsächlich entwickelte sich eine Partie, der man bestenfalls unterdurchschnittliches Bundesliganiveau attestieren durfte. Zu schwach war das, was beide Mannschaften über weite Strecken ihrem Publikum boten.

Aus Hamburger Sicht deutete sich dies m.E. bereits beim Aufwärmen vor dem Spiel an. Während die Berliner diszipliniert ihr Programm absolvierten, spulten die Hamburger mehr pflichtschuldig ihre Übungen herunter, als stünde allenfalls ein bedeutungsloser Freundschaftskick auf dem Spielplan. Kaum Körperspannung, ohne wirkliche Konzentration, Larifari eben. Und exakt so spielten die Hamburger nachfolgend über weite Strecken der Partie.

Zwar begann der HSV die Begegnung fast schon im Stile  einer Heimmannschaft, war zunächst feldüberlegen und konnte eine Mehrzahl der Zweikämpfe für sich gewinnen, doch im Grunde war das alles brotlose Kunst. Vor, zurück, kreuz und quer und wieder zurück. Herausgespielte, echte Torchancen blieben weitestgehend Mangelware. Das war umso ärgerlicher, weil der Hertha-Defensive in der ersten Viertelstunde eine gewisse Nervosität deutlich anzumerken war.  Der Berliner Torwart Jarstein wirkte insbesondere bei der Spieleröffnung mit dem Fuß unsicher, und Lustenberger wäre um ein Haar früh in der Partie ein kapitales Eigentor unterlaufen. Aber der HSV mindestens der letzten Jahre wäre nicht der HSV, würde es ihm nicht erfolgreich gelingen, einen schwächelnden Gegner aufzubauen…

Ich behaupte: ein wirklich zielstrebig agierender, selbstbewusst und tatsächlich konzentriert aufspielender, anderer Gegner hätte bei dieser Hertha bereits frühzeitig die Weichen auf Sieg gestellt. Nicht so der HSV. Im Folgenden möchte ich versuchen, einige Gründe für die Niederlage der Hamburger herauszuarbeiten:

  1. Für die Besetzung der gesamten linken Seite ist bisher unverändert keine optimale Lösung gefunden worden. Ostrzolek ist gemessen an seinen Leistungen für den FCA nur noch ein Schatten seiner selbst. Während der ersten Spielhälfte mit zwei eklatanten technischen Fehlern bei der Ballkontrolle, zaudernd und ohne Zutrauen in der Offensive – ein Totalausfall, so hart muss man dies bewerten, der vollkommen zu Recht von Labbadia in der Halbzeitpause erlöst wurde. Mit Ilicevic vor ihm fehlte in den vergangenen Wochen des Öfteren die an sich nötige Unterstützung. Holtby auf gleicher Position wirkt regelmäßig verschenkt. Gleiches gilt für Aaron Hunt.
  2. Abgesehen davon, dass vor allem Diaz gegen Hertha deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb, war die Abstimmung zwischen dem kleinen Chilenen und Ekdal erneut wie schon gegen Schalke 04 (während der damaligen ersten Halbzeit) gleich mehrfach ungenügend. Ekdal ist fleißig und bemüht, stopft das eine oder andere Loch, aber wirklich produktives kommt dabei zu selten heraus. Und wie schon gegen Schalke konnte Diaz vor dem 1:0 seinen Gegenspieler nicht entscheidend stören. Die Frage muss erlaubt sein, ob dieses Duo tatsächlich über mehr Entwicklungspotenzial verfügt als weiland das ebenfalls grundsätzlich talentierte Gespann Badelj/Arslan…
  3. Mangelhafte Konzentration/Einstellung. Wenn bei anderen Bundesligamannschaften von den Spielern verlangt wird, dass sie ihrem Mitspieler den Ball in den richtigen Fuß spielen, werden beim HSV serienweise die Bälle in dessen Rücken gespielt. Die Konsequenz ist ein erheblicher Verlust an Zeit/Tempo und am Ende auch von Kreativität und Torgefährlichkeit. Ähnliches gilt auch für die schon seit Jahren fast notorisch schlampig ausgeführten eigenen Einwürfe, welche die eigenen Leute zu oft in Hüfthöhe (oder höher) erreichen.
  4. Es gelingt bisher viel zu selten, Lasogga überzeugend in das eigene Angriffsspiel einzubinden. Wenn er überhaupt die meist hohen Anspiele erreichen kann, dann muss er sie „blind“ verlängern, oder es fehlt seinen Ablagen jede Präzision. Läuferisch wirkt er ohnehin unverändert wie ein Diesel unter lauter Benzinern.
  5. Der Hertha gelang es nach nervösem Beginn mit relativ einfachen Mitteln, das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden. Beide Außenbahnen wurden erfolgreich geschlossen, sodass sich auch für den zuletzt deutlich formverbesserten Diekmeier meist keine Lücken fanden. Damit fehlte dem Spiel des HSV mit Lasogga ein fast unverzichtbares Element, die Flanken. Mit zunehmender Spieldauer und Sicherheit gelang es den Berlinern zudem immer häufiger, mannorientiert erfolgreich die zentrale Achse der Hamburger im Spielaufbau (Spahic/Djourou; Diaz/Ekdal; Hunt) zu pressen, was die Hamburger zu Quer- und Rückpässen zwang und eben nicht zu aussichtsreichen Angriffen des HSV führte.
  6. Spätestens mit der Auswechslung von Diaz ging dann jede Ordnung verloren. Das Duo Holtby/Ekdal wirkte auf mich bei allem verständlichen Bemühen, den Ausgleich zu erzwingen, zu offensiv denkend und zu wenig strategisch agierend.
  7. Ilicevic versuchte zunächst nach seiner Einwechslung, dem Spiel des HSV neue Impulse zu verleihen. Leider schien er mir bereits nach 10 Minuten auch mangels Unterstützung zu resignieren. Beispielhaft nur eine Kontersituation, die er mangels mitgelaufener Mitspieler abbrechen musste. Bemerkenswert vielsagend auch eine Szene, als Lasogga nach einer missglückten Aktion des Kroaten auf dem linken Flügel mit einer deutlich abwertend-resignierenden Geste reagierte. Für meinen Geschmack haben sich Teile des Teams ohnehin viel zu früh der Niederlage ergeben. Die Behäbigkeit, mit der man nach eigenem Ballgewinn aus der Abwehr herauslief schlenderte (sic!), mag hier als weiteres Indiz dienen.

Fazit: Eine inakzeptable Vorstellung des HSV, der einer bestenfalls hausbacken aufspielenden Berliner Hertha auch in dieser Höhe vollkommen verdient unterliegt. Ohne optimale Einstellung, ohne Konzentration, ohne Präzision und ohne Kreativität kann man angesichts der hohen Konkurrenzdichte in der Liga keinen Blumentopf gewinnen.
Die Leistungsentwicklung bei Ostrzolek stimmt mich sehr nachdenklich. Es ist vernünftigerweise nicht davon auszugehen, dass der Junge das Fußballspielen verlernt hat. Daher muss man die Gründe wohl im mentalen Bereich vermuten. Auch wenn sich Sakai unmittelbar nach seiner Einwechslung mit einem schlampigen Zuspiel auf Spahic denkbar schlecht einführte, wirkte er auf mich selbstbewusster als sein Konkurrent. Meiner (unmaßgeblichen)  Meinung nach sollte man dem Japaner in den nächsten Spielen das Vertrauen schenken.
Auch der Einsatz des bekanntlich über seine Laufbereitschaft und seinen Einsatzwillen kommenden Schipplock und damit eine vorübergehende Abkehr von einem auf Lasogga zugeschnittenen taktischen Ansatz sollte m.E. ernsthaft erwogen werden.
Bei aller scharfen Kritik angesichts dieser insgesamt ärgerlich schwachen Vorstellung des HSV darf aber die grundsätzlich positive Entwicklung der Mannschaft unter Labbadia nicht in Vergessenheit geraten. Zur Panik besteht absolut gar kein Anlass, gleichwohl sollte man sich jedoch tunlichst auch nicht allzu sehr in Sicherheit wiegen. Diese Hamburger Mannschaft hat unverändert die Möglichkeit, die Saison im gesicherten Mittelfeld zu beenden. Wenn ein jeder an seine Leistungsgrenze geht. Klappt dies nicht, egal aus welchen Gründen, auch dies zeigte dieses Spiel mehr als deutlich, kann es auch diese Saison noch sehr ungemütlich werden.

Aufstellung: Drobny – Ostrzolek (46. Sakai), Spahic, Djourou, Diekmeier – Holtby, Ekdal, Diaz (62. Ilicevic), N. Müller (74.Olic) – Hunt – Lasogga

Torfolge: 1:0 Kalou (17.); 2:0 Ibisevic (77.); 3:0 Ibisevic (79.)

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München). Insgesamt gut. Gab im Zweifel dem Spielfluss den Vorrang. Allerdings fiel das 3:0 aus stark abseitsverdächtiger Position. Da war die Messe jedoch längst gelesen.