Monat: August 2014

Von Rucksäcken, Baustellen und Blumentöpfen: Der HSV verpatzt die Heimpremiere.

AKTUALISIERUNG: Badelj verlässt den HSV und wechselt zum AC Florenz. Green wird für ein Jahr ohne Kaufoption, Holtby für ein Jahr mit Kaufoption ausgeliehen.

Ich gebe zu, auch nach einer Nacht des Überschlafens steckt mir das gestrige Spiel noch in den Kleidern. Ich beginne daher zunächst mit etwas Positivem.

Vor dem ersten Heimspiel der Hamburger gegen den Aufsteiger SC Paderborn 07 verdichteten sich die Meldungen, dass sich der HSV weiterhin um die Verpflichtung zweier neuer Spieler bemüht: Julian Green und Lewis Holtby.

Der hochtalentierte Außenbahnspieler, Julian Green (19), stammt aus der Jugend des FC Bayern München, besitzt dort einen Vertrag bis 2017 und soll leihweise für ein Jahr für den HSV auflaufen. Er ist gelernter Linksaußen, schießt jedoch beidfüßig und kann auch auf der rechten Außenbahn und im Sturm eingesetzt werden. Eine Verpflichtung, die mir aus gleich mehreren Gründen sinnvoll erscheint. Denn ich sehe im derzeitigen Kader unverändert zwei Problemzonen. Eine davon ist beinahe schon traditionell die rechte offensive Außenbahn. Nicolai Müller, der als Konkurrent/Ersatz für den langzeitverletzten Maxi Beister vom 1. FSV Mainz 05 verpflichtet wurde, verpasste einen Großteil der Vorbereitung mit der hamburger Mannschaft und plagt sich bekanntlich mit einer hartnäckigen Adduktorenverletzung, sodass er unverändert nicht zur Verfügung steht. Arslan und Rudnevs können zwar ebenfalls auf dieser Seite spielen, doch bleibt dies in beiden Fällen eine Notlösung. Ilicevic erscheint mir, ich schrieb das erst neulich, auf der linken Außenbahn stärker. Zudem habe ich den Eindruck, dass Ilicevic derzeit ein gutes Stück von seiner Bestform entfernt ist.

Bei Holtby (23) ging ich bisher davon aus, dass seine mögliche Verpflichtung aus finanziellen Gründen von einem kurzfristigen Abgang van der Vaarts oder Badeljs abhängig sei. Offenbar habe ich mich getäuscht, denn Beiersdorfer scheint einen anderen Finanzierungsweg gefunden zu haben. Wenn die Verpflichtung des Ex-Schalkers denn klappen sollte, dann kann ich dies gerade auch unter dem Eindruck des gestrigen Spiels nur begrüßen. Denn die zweite Baustelle, das wurde m.E. einmal mehr offensichtlich, ist das zentral-offensive Mittelfeld. Womit ich beim gestrigen Spiel wäre.

Die Vorzeichen schienen ach so günstig! Vom Interesse der Hamburger an den beiden genannten Spielern hatte der örtliche Boulevard erfreulicherweise wieder einmal erst im letzten Moment erfahren, was mir unverändert lobenswert erscheint, denn als Anhänger des HSV war man ja jahrelang ganz anderes gewohnt. Das Stadion war überraschenderweise fast ausverkauft. Und dies nach einer absoluten Horror-Saison und gegen einen, die Paderborner mögen mir dies verzeihen, für Erstligaverhältnisse namenlosen Gegner. Das nach dem Rückzug der CFHH befürchtete Stimmungstief beim Support des Teams konnte ich mindestens bis zur Halbzeit ebenfalls nicht ausmachen. Dass man als Zuschauer, die vorangegangene Saison noch allzu gut  im Gedächtnis, angesichts der erneut absolut enttäuschenden Darbietung der Heimmannschaft nach einem 0:2-Rückstand ab der 69. Minute in Schweigen verfällt, halte ich für vollkommen nachvollziehbar und durch die Mannschaft selbstverschuldet.

Slomka vertraute zu Beginn der Partie derselben Mannschaftsaufstellung, die in der Vorwoche gegen den 1. FC Köln eine ordentliche Leistung abgeliefert und ein torloses Remis erreicht hatte:

Adler – Diekmeier, Djourou Westermann, Jansen (71. Ostrzolek) – Behrami, Badelj, Arslan (46. Stieber), Ilicevic – van der Vaart (37. Rudnevs) – Lasogga

Dass Slomka erneut, von Behrami einmal abgesehen, auf den Einbau der neuen Spieler zu Beginn verzichtete, halte ich bei aller verständlichen Neugier und Ungeduld mancher Fans für ebenfalls nachvollziehbar. Gerade beim Brasilianer Cléber wird man einige Wochen Geduld aufbringen müssen, bis er trotz mangelnder Sprachkenntnisse die Abläufe so verinnerlicht hat, dass sein Einsatz kein allzu großes Risiko darstellt. Man stelle sich vor, Cléber hätte gleich bei seinem ersten Einsatz aufgrund eines Missverständnisses in der seit Jahren umstrittenen Innenverteidigung ein Gegentor verschuldet – davon haben sich in Hamburg schon ältere, gestandene Spieler wie Gravgard und Rozehnal nicht mehr erholt. Was Stieber und Ostrzolek angeht, so ist zunächst die Tatsache, dass sie neu sind, für sich allein genommen kein Argument für einen Einsatz von Beginn an. Sie müssen, das halte ich für ganz normal, entweder im Training klar besser sein als ihre Konkurrenten, oder sich über Kurzeinsätze empfehlen. Dass Slomka hier zunächst die etablierten Spieler, Jansen und Ilicevic, favorisierte, ist ohne Kenntnis der täglichen Trainingsleistungen m.E. nicht zu beanstanden.

Das Spiel: Der HSV kam zunächst gut in das Spiel. In der ersten Viertelstunde lief der Ball flüssig durch die hamburger Reihen, die wie von Slomka auf der PK angekündigt, erkennbar bemüht waren, offensiv und druckvoll zu agieren. Man stand in der Abwehr hoch und war bemüht, das Spielgeschehen in die gegnerische Hälfte zu verlagern. Leider fehlte es, wie schon gegen Köln,  spätestens im letzten Drittel eklatant an Durchschlagskraft.

Der SC Paderborn war vor allem zu Beginn der Partie darum bemüht,  durch aggressiv-offensives Anlaufen der Abwehr bereits den Spielaufbau ihrer Gastgeber zu stören. Dennoch gelang es dem HSV zunächst, das Spiel in die Hälfte der Gäste zu verlagern. Dort angekommen traf man aber mit fortschreitender Spielzeit auf einen Gegner, der die Außenbahnen geschickt doppelte und sein aggressives Pressing ins Mittelfeld verlagerte. Resultat: weder über die Außenbahnen noch durch die Mitte konnte sich der HSV durchsetzen. Das Spiel der Hamburger wirkte von Minute zu Minute zunehmend hilf- und harmlos.

Auffällig aus hamburger Sicht, wie schnell sich der HSV im heimischen Stadion von den mutig aufspielenden Paderbornern den Schneid abkaufen ließ. Die Ostwestfalen wirkten, daran ändert auch die nach dem Spiel ausgeglichene Zweikampfstatistik (51 zu 49 %) nichts, griffiger, engagierter. Insbesondere bei den s.g. Zweiten Bällen hatten die Hausherrn meist das Nachsehen. Beides war enttäuschend, denn sowohl die Zweikampfstärke der Paderborner als auch die Bedeutung der Zweiten Bälle waren laut Slomka Gegenstand der Vorbesprechung vor der Partie. Enttäuschend auch, weil man von der Mannschaft der Hamburger nach der letzten Saison zumindest kämpferisch eine andere, bessere Einstellung erwarten konnte.

Nach der durchaus ordentlichen ersten Viertelstunde verfiel der HSV in alte Muster. Ganz vorne stand man zwar zeitweilig mit vier Leuten auf einer Linie, doch es fehlten Staffelung und vor allem Bewegung. Da sich die vordersten Leute fast durchweg im Deckungsschatten aufhielten, fehlte es dem jeweils ballführenden HSVer viel zu oft an möglichen Abnehmern. In Kombination mit der giftigen, entschlossenen Zweikampfführung der Gäste war es daher zunehmend nur eine Frage der Zeit, bis die Bälle aus Sicht des HSV verloren gingen. Auffällig auch, dass mit fortschreitender Spielzeit vor allem Behrami um Ordnung und Konstruktivität bemüht war. Badelj, der nach meinem Verständnis den offensiveren Part im Mittelfeld einnehmen sollte, und der daher in erster Linie für die Anbindung der Spitzen zuständig gewesen wäre, habe ich in dieser Funktion kaum positiv wahrgenommen. Es ist ein Jammer! Fußballerisch ist Milan sicher einer der stärksten Spieler im Kader der Hamburger, aber ihm fehlt derzeit viel, zu viel. Keine Explosivität, kaum Ideen, kein Selbstvertrauen. Stoisch verrichtet er, so wirkt es jedenfalls auf mich, sein Tagewerk. Statt neben einem Behrami entlastet aufzublühen, scheint er mir derzeit völlig abzutauchen. Aber, darauf sei noch einmal hingewiesen, wen will man auch anspielen, wenn sich kaum keiner bewegt?

Bereits in der 17. Minute hatte Stoppelkamp nach einem feine Lupfer von Vrancic die Doppelchance zum Führungstreffer für die Gäste, aber Adler konnte den Rückstand noch mit Mühe verhindern. Sechs Minuten später verpasste auch der exzellente Kachunga aus 7m und halblinker Position den Torerfolg. Mit Glück, Geschick und vereinten Kräften konnten dieses Mal Adler und Westermann gerade noch den Rückstand verhindern (23.). Mir schien es, als hätten diese beiden großen Chancen der Gäste den Hamburgern jegliches Selbstvertrauen geraubt. Zunehmend wirkte es, als bettelte man förmlich um das Gegentor.

Kachunga ließ sich jedenfalls nicht lange bitten und vollstreckte erneut nur sechs Minuten später  im Nachschuss zum 0:1, nachdem Adler den ersten Schuss von Koc gerade noch parieren konnte. Vorausgegangen war ein Ballverlust von Arslan in der Vorwärtsbewegung, der den Konter der Paderborner einleitete. Da sich auch Diekmeier in der Vorwärtsbewegung befand, war zunächst die rechte Hamburger Seite offen wie ein Scheunentor, sodass Djourou ins Eins gegen Eins musste. Ob er dabei zu passiv blieb, kann man sicher diskutieren. Verantwortlich für den Rückstand bleiben aber Arslans Ballverlust, die fehlende Absicherung und die keineswegs optimale Rückwärtsbewegung der Hamburger.

Vom HSV war offensiv während der gesamten ersten Hälfte erschreckend wenig zu sehen, was auch, aber das kann letztlich nicht als alleinige Begründung dienen!, am frühzeitigen Ausfall von van der Vaart lag, der bereits in der 37. Minute mit Wadenproblemen das Feld verlassen musste.

Zur Halbzeit musste Arslan in der Kabine bleiben. Für ihn kam Stieber, der wie erwartet die linke Außenbahn bespielte, während der bemühte, aber oft glücklos agierende Ilicevic wie schon gegen Köln auf die rechte Außenbahn wechselte. Mit anderen Worten: Slomka wechselte von einem 4-4-1-1 auf ein 4-4-2 mit Rudnevs neben Lasogga als zweiter Spitze.

Zunächst schien es, als würde sich diese Umstellung auszahlen. Zwischen der 55. und der 63. Spielminute kam der HSV nun zu einigen, wenigen Torgelegenheiten, die aber allesamt vergeben wurden. Lasogga war wie immer fleißig, aber ihm fehlt verständlicherweise noch die Explosivität und auch die Form, sodass er, in der 61. Minute zentral vor dem gegnerischen Tor stehend, einen feinen Querpass von Jansen nicht verwerten konnte. Nur zwei Minuten später traf Ilicevic einmal mehr(!) beim Abschluss den Ball nicht sauber, und auch Rudnevs kam anschließend am langen Pfosten nicht an den „Querschläger“. Nicht nur bei Ilicevic habe ich den Eindruck, dass ihm die Misserfolge der letzten Saison wichtiges Selbstvertrauen geraubt haben. Derzeit befindet er sich auf dem Weg zum Chancentod. Allerdings ist auch lobend festzuhalten, dass er derzeit einer der wenigen Spieler beim HSV ist, der sich überhaupt Chancen erarbeitet.

In der 69. Minute, der HSV hatte im eigenen Strafraum den Ball erobert und setzte  gerade zum Konter an, wollte Rudnevs vor dem eigenen Sechzehner quer auf Lasogga spielen. Abgesehen davon, dass man Querpässe vor dem eigenen Strafraum tunlichst vermeiden sollte, und abgesehen davon, dass Rudnves Passversuch sowohl Präzision als auch der nötige Druck fehlte, hatte ich grundsätzlich den Eindruck, dass das Freilaufen nach Balleroberung viel zu langsam und unentschlossen erfolgte. Mehrfach war zu beobachten, dass Adler das Spiel gerne beschleunigt hätte, aber den Versuch abbrechen musste, weil sich offensichtlich niemand anbot. Aber hier mögen die Fernsehbilder möglicherweise einen falschen Eindruck erweckt haben. Jedenfalls bedankte sich Vrancic für dieses Geschenk, umkurvte Adler und vollstreckte zum vorentscheidenden 0:2.

In der 71. Minute kam mit Ostrzolek (für Jansen) der nächste Neue auf Seiten der Hamburger auf das Feld. Beide, Stieber und Ostrzolek haben m.M.n. andeuteten können, warum der Verein sie geholt hat, auch wenn sie keine ganz großen Glanzpunkte setzen konnten. Zu begrüßen ist in jedem Fall, dass sich der Konkurrenzkampf im Team weiter verschärft. Insbesondere im zentral-offensiven Bereich dürfte sich dies, sofern die Verpflichtung von Holtby tatsächlich gelingt, leistungsfördernd auswirken.

Nur der vollständigkeitshalber sei das 0:3 in der 87. Minute erwähnt, als sich der HSV einmal mehr über seine linke Seite auskontern ließ. Stoppelkamp vollstreckte aus halbrechter Position humorlos ins lange Eck. Dieser letzte Gegentreffer mag für manchen Zuschauer das Fass zum überlaufen gebracht haben, er ist aber in meinen Augen der geringen verbleibenden Restspielzeit und eben dem Rückstand geschuldet. Das ist also aus meiner Sicht nur ein Fall für die Statistik.

Schiedsrichter: Dankert (Rostock). Versagte dem SC Paderborn 07 in meinen Augen einen regulären Treffer (zum 0:2) wegen angeblicher Abseitsstellung. Hatte ansonsten keine Mühe mit der Spielleitung.

Fazit: Der HSV verliert hochverdient sein Auftaktspiel gegen einen diszipliniert und engagiert auftretenden  Aufsteiger mit 0:3 (0:1). Glückwunsch an Trainer André Breitenreiter und den SC Paderborn 07! In dieser Form werden auch noch andere etablierte Erstligisten ihre liebe Müh‘ und Not gegen die Ostwestfalen haben.

Der HSV ist fast alles schuldig geblieben. Von dem druckvollen Offensivfußball, den Slomka zuvor angekündigt hatte, war einmal mehr nichts zu sehen. Das Bemühen will ich der Mannschaft nicht absprechen, aber der Rucksack der Verunsicherung, mangelnde Kreativität, und Geschwindigkeitsdefizite in der Spielentwicklung sind offensichtlich.

Individuelle Fehler (Arslan, Rudnevs) sind prinzipiell nicht völlig zu vermeiden. Was mich wirklich verärgert hat, ist, dass man ohne Gelbe Karte aus einem Heimspiel kommt, obwohl man um die Bissigkeit der Paderborner in den Zweikämpfen wusste, und obwohl man nach der letzten Saison dem heimischen Publikum mindestens eine Top-Leistung in kämpferischer Hinsicht schuldig war. Sich nicht mit dem absoluten Willen in einen Zweikampf zu begeben – das kann man nicht mit fehlendem Selbstvertrauen aus der letzten Saison entschuldigen. Das ist eine Frage der Einstellung!

Was der SC Paderborn 07 geboten hat, das war ohne Frage gut, aber bei allem Respekt eben auch kein Fußball von einem anderen Planeten. Diszipliniert die Räume verengen, Lauf- und Kampfbereitschaft, all dies sind unverzichtbare Grundlagen, kein Hexenwerk.

Dieses Spiel ist für mich nicht aufgrund der Niederlage enttäuschend, sondern aufgrund der Art und Weise ihres Zustandekommens. Es besteht für mich derzeit kein Grund, eine Trainerdiskussion zu beginnen,  oder mich an einer solchen zu beteiligen. Gleichwohl erwarte ich (s.o, meine Einleitung), dass sich der verschärfte Konkurrenzkampf in den nächsten Wochen deutlich leistungsfördernd auswirkt, auch wenn man in diesem Zusammenhang nicht sofort Wunder erwarten darf.

In meinen Augen gibt es einige Kandidaten, die für einen Bankplatz in Frage kämen. Für weitere Einsätze empfehlen konnten sich die Wenigsten. Insbesondere für Badelj, Arslan und Rudnevs dürften meiner Meinung nach, sollten Holtby und Green kommen und Müller fit werden, härtere Zeiten anbrechen. Aber auch Diekmeier täte es vielleicht ganz gut, wenn er den Atem eines Konkurrenten im Nacken spüren würde, denn Flanken dürfen auch mal ankommen…

Es bleibt bei der Erkenntnis der letzten Saison: Mit einer solchen Leistung, wie sie der HSV in diesem Spiel einmal mehr abgeliefert hat, kann man in der Ersten Bundesliga keinen Blumentopf gewinnen. Nicht einmal gegen, dabei bleibe ich, den größten Außenseiter. Zu den absoluten Grundvoraussetzungen gehören Kampf und Konzentration. Wer das in dieser Mannschaft immer noch nicht verstanden hat, der ist bald raus. Und das ist gut so.

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Vor dem Spiel gegen den SC Paderborn 07

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Je näher das Ende der Transferperiode rückt, desto mehr brodelt die Gerüchteküche. So auch beim HSV.

Jacques Zoua weilt in der Türkei. Angeblich steht die obligatorische sportmedizinische Untersuchung unmittelbar bevor – ein sicheres Indiz für einen bevorstehenden Wechsel. Dem Vernehmen nach soll Zoua für ein Jahr an den türkischen Erstligisten Kayseri Erciyesspor ausgeliehen werden. Ich hielte dies, sofern der Transfer zustandekommt, für eine gute Entscheidung, da Zoua sowohl im Sturmzentrum als auch auf der rechten Außenbahn beim HSV derzeit wohl bestenfalls nur die dritte Wahl wäre.

Ebenfalls vor einer Ausleihe steht dem Vernehmen nach Kerem Demirbay, der sich wohl für eine Jahr dem 1. FC Kaiserslautern anschließen soll. Nach dem Transfer von Valon Behrami und nachdem sich abzuzeichnen scheint, dass weder van der Vaart noch Badelj den Verein verlassen werden, halte ich auch hier eine Ausleihe für absolut sinnvoll. Demirbay konnte zwar bei seinen bisherigen Einsätzen im Trikot der Rothosen durchaus sein Talent andeuten, hat aber verletzungsbedingt im letzten Jahr kaum Spielpraxis sammeln können. Umso wichtiger  erscheint mir für seine Entwicklung, dass er nun endlich regelmäßig spielt. Etwas, was beim HSV angesichts der derzeitigen Konkurrenzsituation im Mittelfeld unwahrscheinlich ist, jedenfalls sofern Badelj, an dem gerüchteweise immer mal wieder andere Vereine Interesse bekundet haben sollen, den HSV nicht doch noch kurzfristig verlässt. Aber selbst im Falle eines Abgangs des Kroaten böte der Kader für Slomka auch ohne Demirbay ausreichend viele Alternativen.

Für den meisten Wirbel sorgt die angedachte einjährige Ausleihe von Jonathan Tah, den sich viele für diese Saison bereits als Stammspieler in der Innenverteidigung der Hamburger gewünscht haben. Ich habe durchaus Verständnis für die Kritik an diesen Gedankenspielen (meines Wissens gibt es bisher jedoch noch kein Angebot für Tah). Die Angst, hier könnte ein großes Talent vergrault werden, muss vor dem Hintergrund des wenig rühmlichen Umgangs des Vereins mit seinen größten Talenten in den letzten Jahren gesehen werden. Nachdem man sich aus unterschiedlichen Gründen bspw. von Sam, Son oder Öztunali getrennt hat, sind die verbreiteten Zweifel an der Nachwucharbeit des Clubs für mich grundsätzlich nachvollziehbar. Gleichwohl gilt, was Beiersdorfer (oder war es Peters?) sagte: Ein Verbleib Tahs in dieser Saison erscheint nur dann sinnvoll, wenn Tah mindestens erster Ersatz für einen der beiden Stammverteidiger in dieser Spielzeit wäre. Mit dem sich zusehends stabilisierenden Djourou, dem neuen Brasilianer Cléber, einem Westermann und einem Kacar im Kader kann man aber daran begründet ernsthaft zweifeln. Vergessen wir nicht, dass Tah bei allem unbestrittenen Talent noch sehr, sehr jung ist. Und dies wäre er mit dann gerade einmal 20 Jahren auch noch  bei seiner Rückkehr. Sollte Tah also die Chance haben, als Stammspieler bei einem anderen Erst- oder ambitionierten Zweitligisten regelmäßig Spielpraxis zu sammeln, dann ist das aus meiner Sicht für seine Entwicklung deutlich besser als noch unterklassiger in der Regionalliga für die U23 aufzulaufen.

Ob Lewis Holtby auf den letzten Drücker doch noch zum HSV kommt – wir werden es abwarten müssen. Sollten nicht doch noch  Badelj oder van der Vaart kurzfristig abgegeben werden und den Etat entlasten, kann ich mir derzeit einen kurzfristigen Transfer Holtbys zum HSV kaum vorstellen. Allein schon aus finanziellen Gründen. Ich vermute aber, dass seine Verpflichtung  evtl. im Winter, spätestens aber im nächsten Sommer angedacht sein könnte. Schon allein mit Blick auf die dann auslaufenden Verträge beim HSV. Denn das ist für mich das Schöne beim HSV nach dem Amtsantritt von Beiersdorfer und Peters: endlich hat man wieder den Eindruck, dass im Club perspektivisch-konzeptionell auch – aber nicht nur! – am Kader gearbeitet wird.

Womit ich bei den diversen Veränderungen im Nachwuchsbereich des Clubs wäre. Im Detail nachzulesen auf HSV.de: http://www.hsv.de/nachwuchs/meldungen/august-2014/neue-ausrichtung-in-der-ausbildung-und-im-campus-bau/

Ich will hier nicht jeden Punkt kommentieren, meine aber, dass auch hier die Entschlossenheit der Verantwortlichen sehr deutlich wird, den zwischenzeitlich leider entstandenen Rückstand zur Konkurrenz zu verringern. Das alte Konzept mag für Trainingskiebitze oder andere Besucher attraktiver gewesen sein. Ich finde aber, dass man bspw. Ticketing, Merchandising oder Gastronomie auch andernorts unterbringen kann.  So gesehen favorisiere ich die neue Planung, da hier noch mehr das Sportliche im Vordergrund steht. Die räumliche Zusammenführung von Profis und dem Nachwuchs, die Einführung eines regelmäßigen, alle zwei Wochen stattfindenden Elite-Trainings mit nach beiden Seiten offener „Drehtür“ für Talente, die Installation von Stefan Wächter als leitender Torwarttrainer im Nachwuchs, Schünemanns im Athletikbereich, die Einbindung Cardosos als Techniktrainer für Offensivspieler, oder die Rückkehr Patrick Rahmens jetzt als Cheftrainer des gesamten Nachwuchsleistungsbereichs, das hat in meinen Augen Hand und Fuß. Zum einen wird die angestrebte,  alle Altersstufen übergreifende, einheitliche Spiel-Philosophie nun sowohl durch die Struktur als auch das übergeordnet verantwortliche Personal gestützt und vorangetrieben. Zum anderen glaube ich, dass es sowohl aus Gründen der Motivation als auch der Identifikation mit dem Club wichtig ist, wenn der Nachwuchs möglichst nah am Profibereich dran ist. Hier gilt als Grundsatz: Fordern und fördern. Und dazu gehört für mich auch, dass die Talente die oft zitierte Durchlässigkeit unmittelbar erleben können. Getreu dem Motto: Wer besonders positiv auffällt, der wird eben auch durch besondere Maßnahmen, z.B durch den Zugang zur zwölfköpfigen Elite-Trainingsgruppe, belohnt. Allerdings wird es mehrere Jahre dauern, Bernhard Peters sprach in diesem Zusammenhang von drei bis vier, bis sich diese Neuausrichtung hoffentlich auszuzahlen beginnt.

Nach dem ordentlichen  Auftakt auswärts gegen Köln folgt nun am morgigen Samstag die Heimpremiere für den HSV gegen den zweiten Aufsteiger, den SC Paderborn. Erfreulich finde ich, dass das Stadion trotz der absolut enttäuschenden  letzten Saison vermutlich annähernd ausverkauft sein wird. Und das gegen den vermutlich größten Außenseiter der diesjährigen Spielzeit. Gespannt bin ich zunächst, ob und wie sich der Rückzug der CFHH auf die Stimmung im Stadion auswirken wird. Ehrlich gesagt, ich mache mir da allerdings wenig Sorgen, denn so sehr ich die Arbeit der Ultras beim basteln ihrer oft wirklich sehenswerten Choreos grundsätzlich respektiere – ich habe diesen nervtötenden Dauersingsang nie gemocht. Ich bekenne mich klar zur situativen, spielbezogenen Anfeuerung, welche die Mannschaft gerade dann gezielt lautstark unterstützt, wenn sie dies offensichtlich gerade besonders benötigt. Zudem sehe ich es grundsätzlich mit Argwohn, wenn Menschen blindlings nachbrüllen, was ein s.g. „Capo“ vorgibt. Auch gehe ich schon viel zu lange zum Fußball, habe Höhen und noch viel mehr Tiefen mit dem HSV durchlebt, um von einem Teen oder Twen irgendwelche Vorgaben oder gar Belehrungen als Fan zu benötigen. Das bemüht elitäre Selbstverständnis der Ultras war und wird mir immer fremd bleiben. Gleiches gilt für mich im Übrigen für jene Eventfans, die bei Häppchen und Drinks das Spiel in ihren Logen nur als Beilage konsumieren. Beides ist nicht mein Ding.

Was André Breitenreiter aus dem kleinen Provinzverein Paderborn gemacht hat, verdient höchsten Respekt. Ich habe die Mannschaft in der letzten Saison u.a. gegen den FC St.Pauli gesehen und war beeindruckt. Aber die erste Liga ist ein ganz anderer Schnack. Ähnlich wie Braunschweig in der letzten Spielzeit dürfte der SC heuer als mutmaßlich erster Anwärter auf den Abstieg gelten. Letztlich, man mag das beklagen oder nüchtern akzeptieren, entwickelt sich die Bundesliga ähnlich wie schon die Championsleague zu einer mehr oder minder geschlossenen Gesellschaft mit klar verteilten Rollen. Ein Aufsteiger mit einem Minietat von 15 Millionen „darf“ da mal hineinschnuppern – auf lange Sicht ist er niemals wettbewerbsfähig. Geld schießt oder verhindert zwar unmittelbar keine Tore, doch es erhöht deutlich die Wahrscheinlichkeit auf einen erfolgreichen Saisonverlauf. Allerdings, auch das ist ein Teil der Wahrheit, die man gerade als Hamburger in der letzten Saison bemerken konnte, bietet (relativ) mehr Geld keine Garantie auf Erfolg. Entscheidend bleibt, wie man mit seine Ressourcen umgeht (Womit in gewisser Weise auch der Bogen zu den oben angesprochenen strukturellen und personellen Veränderungen beim HSV geschlagen wäre.). Ich erwarte, dass die Paderborner, wie schon vor ihnen die Braunschweiger, für die eine oder andere Überraschung sorgen werden. Dennoch wäre alles andere als der direkte Abstieg eine tatsächliche Sensation.

Breitenreiter lässt seinen SC in einem 4-4-2, bzw. 4-4-1-1 antreten. Ähnlich wie van der Vaart beim HSV spielt der bewegliche Kachunga mal leicht hinter, mal auf gleicher Höhe mit der einzigen klaren Spitze. Nach dem Ausfall von Saglik, der mich in seiner Zeit beim FC St. Pauli selten überzeugen konnte, dürfte ganz vorne erneut der lange Stefan Kutschke (1,94m) auflaufen.

Überhaupt handelt es sich beim SC Paderborn 07, wen wundert es bei dem geringen Etat?, um eine Mannschaft der Namenlosen. Ganz offensichtlich konnten die Ostwestfalen der Versuchung widerstehen und waren bemüht, ihre Mannschaft sinnvoll und im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten angemessen zu verstärken. Die größte Stärke und vermutlich auch einzige Chance der Truppe im Hinblick auf einen Klassenerhalt dürfte vermutlich in der mannschaftlichen Geschlossenheit zu sehen sein. Als absoluter Underdog hat sie im Grunde nichts zu verlieren, sondern kann gegen jeden Gegner unbelastet auftreten. Spannend wird, ob Verein und Mannschaft ebenso wie die Braunschweiger zuvor die Ruhe bewahren, wenn sich Niederlage an Niederlage reihen sollte. Zum Auftakt erkämpfte man im heimischen Stadion immerhin mit dem 2:2 eine respektable Punkteteilung gegen Mainz, wobei die Mainzer erst in allerletzter Minute durch einen Foulelfmeter ausgleichen konnten. Auch wenn für mich gar kein Zweifel besteht, dass der HSV auf dem Papier den eindeutig besseren Kader als die Gäste besitzt – der HSV sollte gewarnt sein. Gerade für den HSV besteht kein Anlass zu Hochmut. Im Gegenteil! Für den HSV geht es bis auf Weiteres auch darum, verlorengegangenes Vertrauen bei seinen Anhängern zurückzugewinnen. Wer also glaubt, dass man die Paderborner quasi im Vorbeigehen aus dem Stadion fegen wird, der könnte eine böse Überraschung erleben. Psychologisch betrachtet sehe ich den HSV gar im Nachteil, da man gegen den krassen Außenseiter zu Hause wenig zu gewinnen, aber viel (Kredit) zu verlieren hat.

Nachdem man gegen Köln zu null spielen konnte, gehe ich davon aus, dass Slomka derselben Startelf wie gegen Köln vertrauen wird. Hoffen wir also auf ein erfolgreiches erstes Heimspiel und feuern die Mannschaft an!