HSV

Hamburg – Berlin, HSV – Hertha BSC

HSV gegen Hertha, das ist eine Paarung, der ich stets mit gemischten Gefühlen entgegensehe.

Hamburg ist mir Kindheit und erwachsen werden, ist Heimat. Alster und Hafen, Klinker-Schluchten, dunkelrot. Michel und Speicherstadt, Elbe von Bergedorf bis Blankenese. Das Tor zu Welt, aber eben doch immer nur das Tor. Speicherstadt und Hafencity. Elbphilharmonie. Ein Kiez, den schön zu nennen einem nur bei Nacht einfällt. Ein Dom, der ein Rummel ist – den richtigen haben sie längst abgerissen. Ein Schloss an der Haustür. Polizeibataillon 101, Moorweide. HSV und Pauli. Am Hauptbahnhof stehen und in die Spitalerstraße blicken: überall gedeckte Farben, Dress-Code, Langeweile. Enge und  Spießertum. Ich will zurück nach Hause. Hanseatenschnitte. Baby, Du mit deinem Cashmere-Busen, kannst mir höchstens mal ’nen Fünfer leihen!

Berlin ist wohnen. Hat viele Häfen, aber keinen, den ich ernst nehmen kann. Breite Straßen und Altbau. Kieze, die Dörfern gleichen. Schläft nie, aber ich. Potsdamer Platz. Berliner Schnauze, hart aber herzlich. Hertha und Union. Altert schnell, bleibt doch immer jung. Parks, die diese Bezeichnung verdienen. Ein Schloss vor meiner Haustür. Boule in Kreuzberg. Karaoke im Mauerpark. Party nicht nur in Friedrichshain. Ein Dom ist ein Dom. Heute Flughafen – morgen Berliner Schloss. Arm, aber sexy. Checkpoint Charly und Brandenburger Tor. Im Volksgerichtshof tagt heute das Kammergericht. Geschichte und Geschichten an jeder Ecke. Am Hauptbahnhof stehen und ins Nirgendwo blicken: Bunt. Ist mir egal, wie Du rumläufst, Digga. Endlich wieder zu Hause!

Zwei Städte, die viel gemeinsam haben und doch so unterschiedlich sind. Zwei große Vereine (und zwei kleine).

HSV und Hertha: Zwei Großstadtvereine, die die Masse begeistern. Notorische Selbstüberschätzung auf beiden Seiten. Was dem einen der Holst, ist dem anderen der Hunke. Lotto gegen Zander. Skjelbred spielt jetzt für Hertha. Lasogga spielt für uns. Noch. Zur HSV-Arena muss ich laufen, zum Olympiastadion kann ich laufen. Wäre ich in Berlin geboren, ich wäre wohl Hertha-Fan, aber wenn ich Fußball ohne Pfiffe will, dann gehe ich zu Union. Entschuldigen Sie, wann waren Sie beide zuletzt Meister?

Zwei Niederländer auf der Bank. Siebzehnter gegen Achter – dass ich das noch erleben muss! Wenn die gewinnen, dann tobt hier die Stadt vor Begeisterung. Und dort tobt die Stadt vor Verzweiflung und Wut. Heute muss es endlich wieder klappen! Mir wird jetzt schon schlecht. Die haben hinter sich, was uns nicht passieren darf! Was passiert, wenn – ich will es lieber nicht wissen. Panik kommt auf. Den Kaffee hätt‘ ich mir sparen können. Wird schon gut gehen. Also schau’n wir mal. Es ist erst kurz nach acht und die Hände werden schon feucht. Das kann doch nicht wahr sein – nein, das darf einfach nicht wahr werden!

Editorial: Ein neuer Tag, ein neues Blog

Was lange währt, wird endlich gut. Nachdem ich monatelang mit mir gerungen habe, starte ich nun  mein eigenes Blog. Noch ist das Ganze etwas unfertig und entspricht nicht hundertprozentig meinen Vorstellungen, aber das wird sich im Laufe der nächste Tage und Wochen hoffentlich ändern. Der eine oder andere kennt vielleicht schon meine Art, die Dinge zu betrachten, da ich schon vor mehreren Jahren damit begonnen habe, mich schriftlich in unterschiedlichen Blogs zu verschiedenen Themen zu äußern. Meist betraf dies Aspekte, die m.E. im (un)mittelbaren Zusammenhang mit dem HSV von Bedeutung waren oder unverändert sind. Warum also jetzt das eigene Blog? Antwort: Weil man sich wohl nur im eigenen Heim wirklich ganz zu Hause fühlt, auch wenn man die Gastfreundschaft unter fremden Dächern durchaus zu schätzen weiß! In diesem Zusammenhang möchte ich mich  bei Gravesen von HSV-Arena bedanken, auf dessen Blog ich mich zu letzt ausgetobt habe. Es geht mir also nicht um Konkurrenz, oder gar um das Abwerben von Lesern/Kommentatoren, es geht mir schlicht darum, die Dinge frei und unabhängig so gestalten zu können, wie ich persönlich es für richtig halte. Jeder hat seinen eigenen Stil und das ist auch gut so. In diesem Sinne hoffe ich, dass dieses Blog das Spektrum der Berichterstattung und der Diskussionen rund um die beiden Hamburger Profi-Fußballvereine um eine Farbe bereichert.

Eine weitere Frage könnte lauten, warum ich den FC St. Pauli ausdrücklich in den Untertitel aufgenommen habe. Die Antwort fällt mir nicht schwer: Ich lebe als Hamburger in Berlin. Der HSV ist der Verein meiner Kindheit. Damals spielte Pauli in meinem Stadtteil praktisch keine Rolle. Daher bin ich mit dem Bazillus der Raute aufgewachsen. Das steckt tief in mir drin. Später, zu Studi-Zeiten, wohnte ich in unmittelbarer der Nähe des Millerntors. Das war die Zeit, als der Mythos Gegengerade entstand und sich das links-alternative Image des FCs etablierte. Pauli spielte damals (mal wieder) Bundesliga und das vor meiner Haustür. Da ich als Studi gerne Bundesliga live im Stadion sehen wollte, aber wenig Kohle hatte, und da mich der Fußmarsch vom S-Bahnhof Stellingen schon immer und bis heute nervt, kam ich durch Vermittlung eines Bekannten zu einem Ordner-Job beim FC St. Pauli. Das Schönste daran war, dass mein damaliger Job in der Einlasskontrolle für die Sitzplätze der Gegengerade auf Höhe der Mittellinie bestand. Daher konnte ich damals die Spiele vor Ort in voller Länge und ungestört anschauen und bekam am Ende sogar noch eine kleine Aufwandsentschädigung. So lernte ich auch Pauli zu schätzen. Für mich als Exil-Hamburger bedeuten beide Vereine einfach ein Stück Heimatstadt. Ich weiß aber, dass es viele Menschen gibt, die HSV und Pauli für unvereinbar halten, und ich repektiere das. Mir persönlich ist (nicht nur dieser) Dogmatismus fremd. Meiner Meinung nach haben beide Vereine Stärken und Schwächen. Rivalität ist völlig in Ordnung, aber der Schlaue beobachtet den Rivalen und versucht, aus dessen Stärken und Schwächen die richtigen Schlüsse für sich selbst zu ziehen.

Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Es lassen sich bereits jetzt im Archiv, bzw. in den Kategorien einige  Texte von mir finden. Es handelt sich um ältere Beiträge, die ich meist für andere Blogs verfasst und dort auch bereits veröffentlicht habe. Zum Teil sind sie bereits mehrere Jahre alt. Ich habe sie dennoch hier aufgenommen, da sie als Auswahl auch einen Überblick über meine schreiberischen Aktivitäten in den letzten Jahren ermöglichen. Inhaltlich sind sie m.E. unverändert aktuell. Man muss nur bei der Lektüre die veralteten Namen durch die aktuellen ersetzen. Da diese Texte zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlichen Textverarbeitungsprogrammen und Versionen erstellt wurden, sind sie im Original teilweise höchst unterschiedlich formatiert gewesen. Ich habe mich bemüht, diese Unterschiede gänzlich aufzuheben oder wenigstens zu glätten. Dem aufmerksamen Leser werden dennoch Unterschiede und Unzulänglichkeiten in der Formatierung ins Auge stechen. Ich bitte dies zu entschuldigen.