Nach Paderborn ist vor Hannover

Wenn ich mich nicht irre, dann ist das Spiel gegen den SC Paderborn das erste des HSV gewesen, das ich seit Start dieses Blogs vor einem Jahr hier nicht analysiert und bewertet habe. Der Grund ist eben so naheliegend wie einfach: Manchmal muss man eben Prioritäten setzen, denn mit dem Bloggen verdient man in der Regel kein Geld. Insbesondere dann, wenn man bisher alle Anfragen bezüglich Werbebanner und Traffic-Tausch ganz bewusst nicht beantwortet. Dennoch habe ich den 0:3-Erfolg gegen den Aufsteiger natürlich gesehen und mir fleißig Notizen gemacht. Um also die entstandene Lücke nachträglich zu füllen, hier nun zunächst eine für meine Verhältnisse wirklich kurze Einordnung des Spiels:

  1. Der Auswärtserfolg kam zur rechten Zeit nach der überwiegend enttäuschenden Leistung gegen den FC;
  2. Erneut hat die Mannschaft des HSV dem Druck des Gewinnenmüssens standgehalten;
  3. Drei vom HSV erzielte Tore sind ebenfalls lobenswert. Aus vier Schüssen auf das Tor drei Treffer erzielen – effektiver geht es kaum. Am Spielverlauf gemessen fiel der Sieg jedoch mindestens ein Tor zu hoch aus.
  4. Ich hatte hier als Konsequenz aus der vorangegangenen Heimniederlage eine Rückkehr Westermanns in die Innenverteidigung angedacht, auch weil Rajkovic noch vor Wochenfrist läuferisch deutliche Defizite offenbarte. Ich habe mich geirrt. Boban wirkte auf mich im Spiel gegen den SC deutlich verbessert und spielte gut;
  5. Kämpferisch gab es nichts zu bemängeln. Spielerisch blieb der HSV bis zur 70. Minute vieles, vieles schuldig. Im Zweifel wurden die Bälle kompromisslos mit Befreiungsschlägen geklärt, was zur fehlenden Präzision beitrug und damit nachfolgend lange Zeit zu wenigen, klaren Spielzügen des HSV führte;
  6. Wenn offensiv und spielerisch etwas „ging“, dann meist über den ganz starken Jansen und den linken Flügel. Auf der rechten Seite hatte Nicolai Müller offensiv etwas zu wenig Unterstützung, wurde jedoch durch HW4 auf einer weiteren, für ihn ebenfalls eher suboptimalen Position (RV), defensiv gut abgesichert;
  7. van der Vaart mit gutem Pass auf Jansen zum Elfmeter nach 8 Sekunden, den er selbst nachfolgend sicher und souverän verwandelte. Auch seine Standards waren dieses Mal alle gut.;
  8. Für Stieber habe ich mich am meisten gefreut. Von vielen schon als angeblich „bundesligauntauglich“ abgeschrieben, bot er auf neuer Position im zentral-offensiven Mittelfeld eine überzeugende Leistung, die er sogar mit dem Treffer zum 0:3 krönen konnte. Bravo!;
  9. Zinnbauer ist nicht nur die richtige Auf- und Einstellung der Mannschaft gelungen, sondern er lag mit allen Wechseln sowohl personell als auch vom Zeitpunkt her goldrichtig. Gerade als der Druck der Paderborner immer stärker wurde und der Ausgleich nur eine Frage von Minuten schien, brachte er sofort Diaz für den ganz stark gelb-rot gefährdeten Jiracek und Kacar für vdV. Das neue Personal für den Maschinenraum fügte sich nicht nur nahtlos ein, sondern plötzlich wirkte das Spiel des HSV abgeklärter und zielgerichteter. Ballstaffeten wie nach dem vorentscheidenden 0:2 – wann hat man die vom HSV zuletzt sehen dürfen?;
  10. Schiedsrichter Gagelmann entschied im Zweifel für den HSV. Unmittelbar vor dem 0:2 falsche Entscheidung auf Eckball für HSV. Den verweigerten Elfmeter für Paderborn (Marcos) muss man nicht, kann man aber geben. Drückte auch beim Foul von Jiracek unmittelbar vor dessen Auswechselung beide Augen zu.

Ein weiterer Sieg heute Abend gegen den kleinen Bruder von der Leine vorausgesetzt und der HSV könnte sich endlich, endlich vorerst etwas Luft im Kampf gegen den Abstieg verschaffen. Könnte, aber wir kennen ja unseren HSV…  Abwarten.

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7 Kommentare

  1. Hallo Trapper,

    ich glaube mein Text von eben ist weg.
    New Try.
    auch ich freue mich über die drei Punkte, insbesondere wenn man sich die nächsten drei Partien ansieht kanns wieder eng werden mit Punkte generierung.

    Worüber ich mir nach wie vor Sorgen machen: Unser Spiel nach vorne ist nach wie vor so gut wie eine Fuhre Mist, Müller (den ich als sehr schwach gesehen habe, was sich anhand der Spielerdatenauswertung: gewonnene Zweikämpfe etc. als subjektive Wahrnehmung relativiert) offensiv nicht zum Zuge kommt.

    In der ersten Halbzeit fand ich auch Stieber sehr schwach. Meines Erachtens wurde er stärker als VDV nicht mehr auf dem Platz war – komisch.

    Ich wünsche mir, dass Konter besser ausgespielt werden und ab und zu mal ein gewollter Spielaufbau nach vorne ersichtichlich wird.

    Diaz sehe ich als sehr stark an.

    Warum bringt Zinnbauer nicht langsam mal Beister? Den hätte er m.M.n. zumindest in zwei Spielen in den letzten 15-20 Minuten einwechseln können.

    1. @muscomatik
      Der kontrollierte Spielaufbau ist stark verbesserungswürdig, stimmt. Derzeit, also unter den Bedingungen, dass mit Behrami, Holtby und Lasogga Schlüsselspieler verletzt fehlen, scheint die Devise zu lauten: Safety first (ohne Behrami als defensiven Stabilisator). Vorne, das zeigten die Spiele gegen SCP und H96, hilft mitunter „der liebe Gott“;
      Müller habe ich nicht so schwach gesehen, wie jetzt das HA gerade trommelt. Man muss ihm fairerweise anrechnen, dass er offensiv mit einem HW4 weniger Unterstützung bekam, als Jansen durch Marcos und Stieber. Außerdem sollte er m.E. in die Mitte starten, um ggf. Olic zu unterstützen, was entsprechende Wegstrecke zurück bedeutet. Für seine Power-Dribblings braucht er auch die richtigen Bälle, die er aber (wie Olic auch) fast nicht bekommt. Womit wir wieder bei den unkontrollierten Befreiungsschlägen wären;
      Stieber gefällt mir spielerisch, aber er ist – ähnlich wie Müller – ein Spieler, der mehr über die Räume kommt, die er bespielt, weniger über den robusten Zweikampf. Dass er dir später besser gefiel, mag daran liegen, dass Jiracek auch rustikaler im Defensivzweikampf agiert als vdV. Dadurch ergeben sich dann auch für Stieber andere Spielsituationen/Möglichkeiten.
      Beister wäre wohl gegen H96 in der Schlussphase eine Option gewesen, aber erstens hatte JZ bereits zur Pause zweimal gewechselt, zweitens musste(!) Marcos mit Gehirnerschütterung 15 Min. vor Ende vom Platz, und drittens lag es aufgrund des Dauerdrucks der Hannoveraner nahe, mit Kacar einen weiteren Defensivspieler für das Mittelfeldzentrum zu bringen, anstatt offensiv zu wechseln.

  2. HA Artikel sind kein Maßstab für mich, daher kommt auch nicht mein subjektiver Eindruck von Müller!

    Die Frage darf wohl erlaubt sein: Warum sind die unkontrollierten Befreiungsschläge nicht etwas zielgerichteter für Müller/ Stieber/Olic?

    Vielleicht sehe ich das zu skeptisch: Aber hohe Abschläge vom Torwart, die direkt zurückommen – was soll das? Spielt man so im Bezahlfußball. Du sagst es ja auch: Spielzüge die irgendeine Struktur zeigen sind absolute Mangelware.

    Beister hätte sowohl gegen Köln als auch gegen Paderborn kommen können. Gerade gegen Hannover verstehe ich, dass er nicht eingewechselt wurde. Nur damit wir uns nicht falsch verstehen; Ich erwarte von ihm keine Wahnsinnsaktionen aber m.E. benötigt er Wettkampfpraxis.

    1. @muscomatik
      Oh, ich wollte Dir gar nichts unterstellen. Natürlich hast Du ein Recht auf eine eigene Meinung, die auch nicht mit meiner übereinstimmen muss. Und Fragen sind ohnehin erlaubt.

      Das einfachste zu erst: Beister wurde gegen Köln in der 77. Minute für Gouaida eingewechselt! Da sah man aber deutlich, dass er noch Zeit braucht. Er selbst sagte hinterher, er sei bei ca. 35%. Gegen den SCP war er dann nicht im Kader. Gegen H96 war er wieder im Kader, aber es gab in der Schlussphase nur noch eine Wechselmöglichkeit, die durch die Verletzung von Marcos aufgebraucht wurde. Richtig ist sicher, dass Maxi Einsätze braucht, um zur alten Form zurückzufinden. Aber ich billige JZ zu, dass er gegen 96 andere Prioritäten aus taktischen/leistungsbedingten ( mindestens bei HW4) Gründen gesetzt hat. Ich bin mir absolut sicher, dass er Maxi bringen wird, wenn er dazu die Möglichkeit sieht. Denn JZ profitiert doch davon, wenn er eine weitere Alternative besitzt. Nur muss man da eben Geduld haben. Noch ist er das lediglich eingeschränkt.

      Was das fehlende Aufbauspiel angeht, so waren sich doch alle einig, dass die Abwehr auch und vor allem deswegen besser steht, weil davor Behrami abräumte, der nun leider fehlt. Außerdem fehlt ein relativ erfahrener und ballsicherer Spieler wie Holtby. Natürlich, auch ich bin grundsätzlich unzufrieden mit dieser doch sehr simplen Kickerei. Auch JZ, DB, PK und BP werden das sein. Aber es geht vor allem um Punkte in unserer Situation. Niemand hat etwas davon, wenn wir in Schönheit absteigen. Der Zweck heiligt hier im Augenblick die Mittel.
      Wir pressen derzeit offensiv auch nicht mehr so, wie wir es mit Behrami als Absicherung und Holtby als extrem lauffreudigen Spieler getan haben. Auch dieser Rückzug nach hinten inkl. Verdichtung der Räume ist Reaktion auf die Ausfälle. Aber ich stimme Dir schon zu, dass man in der einen oder anderen Situation auch mal den Kopf hätte hoch nehmen und einen kontrollierten Pass hätte spielen können. Ich denke aber, dass dies jetzt mit fortschreitender Integration von Diaz zumindest etwas besser werden wird.

      1. @ Trapper, danke für die Aufklärung: Du hast natürlich Recht, gegen Köln hat er gespielt. Das hatte ich vergessen.

        Ich bezweifel gar nicht, dass die sportliche Führung es sieht, dass der Spielaufbau nicht funktioniert. Ich frage mich nur, warum ist das schon seit Wochen so. Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass diverse Spieler unter ihrem Leistungsniveau spielen und das insgesamt das Gefüge suboptimal agiert. Ich weiß auch nicht, ob die Ursachen für den schlechten Spielaufbau am Fehlen von Behrami oder Holtby festgemacht werden kann. Mir erscheint es so, als ob das große Ganze (noch) nicht funktioniert.

        1. @muscomatik
          Ganz generell finde ich, dass die tatsächlich komplexen Ursachen und Abhängigkeiten der Leistungsentwicklung zugunsten einfacher Antworten zu oft und leichtfertig ignoriert werden, die dann – nicht bei Dir! – meist darin bestehen, einzelne Spieler persönlich, oder das angebliche „Elbe-Virus“ allgemein (Spieler werden beim HSV alle angeblich plötzllich schlechter) verantwortlich zu machen.

          Defensiv stehen wir doch inzwischen gut. Auch in Sachen Torflaute – natürlich hatten wir zuletzt auch viel Glück – scheint es sich langsam zu bessern. Der zweite Sieg in Folge, auch der wurde nun eingefahren. Auch der läuferische Aufwand/Einsatzwillen stimmt inzwischen fast durchweg. Alles klare Verbesserungen in meinen Augen.
          Niemand wird bestreiten, dass der HSV spielerisch nach vorne deutlich zulegen muss. Aber man kann doch nicht ignorieren, dass
          1. Holtby, auf den in Sachen Einleitung der Offensive die Vorbereitung wesentlich mitabgestimmt gewesen ist, nun fehlt;
          2. Diaz gerade 1 1/2 Wochen mit der Mannschaft trainiert;
          3. Behrami fehlt;
          4. Die Abwehr verlertzungsbedingt umgebaut werden musste. Rajkovic machte zuletzt zwar einen guten Job, aber auch hier darf man nicht übersehen, wie lange der Bursche nicht gespielt hat. Woher soll da die letzte Sicherheit kommen? Auch HW4 für Diekmeier hat gewisse Konsequenzen für die Spielanlage.

          Bei Müller wäre m.M.n. zunächst, bevor man das einfach kritisiert, zu fragen, ob seine Läufe ins Zentrum nicht genau so von JZ gewollt sind, damit dort neben Olic noch ein schneller torgefährlicher Spieler als Ballabnehmer zur Verfügung steht. Ich bestreite gar nicht, dass bei Müller viel Luft nach oben ist. Das gilt aber für andere Spieler auch. Mich nervt, wenn man (z.B. das HA) HW4 trotz eklatanter Fehler in Schutz nimmt und sogar dessen Verbleib über den Sommer hinaus fordert, aber sich dafür Müller dann als Sündenbock herauspickt.

          Nachtrag: wenn der HSV unter 40 Prozent Ballbesitz hat, und die Bälle herausgeschlagen statt herausgespielt werden, dann kann Müller fast nur „zufällig“ in eben jene Situationen kommen, in denen seine Stärken zum tragen kommen. Dass Müller derzeit also nicht spektakulär auffällt, ist auch (nicht allein) Folge der Gesamtproblematik.

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