FC St. Pauli

U-17 Derby HSV – FC St. Pauli 2:2

Am vergangenen Samstagvormittag hatte ich die Gelegenheit, mir dieses Nachwuchsderby  anzusehen. Ca. 200-250 Zuschauer waren gekommen und sahen mit mir bei wunderbarem Frühlingswetter ein gutes Spiel beider Mannschaften. Etwas irritiert hat mich allerdings, dass die anwesenden Ordnungskräfte die an den Balustraden am Spielfeldrand stehenden Zuschauer zu Spielbeginn anwiesen „aus Sicherheitsgründen“ Platz zu nehmen. Offenbar hatte man begründete Angst vor Krawallen. Schade! Doch zum Glück blieb alles friedlich – so soll es ja auch sein!

Pauli erwischte den besseren Start. Auffällig zunächst ihr Linksverteidiger, der schon ein kompromissloses, aber nicht grob unfaires Zweikampfverhalten zeigte. So gehört sich das als Defensivspieler. Überhaupt wirkte die ganze Mannschaft in der ersten Halbzeit giftiger und konsequenter. Verdienter Lohn für einen kämpferisch starken Beginn der Truppe war daher dann die 0:1 Halbzeitführung.

Nach der Pause kam der Nachwuchs des HSVs wie ausgewechselt aus der Kabine. Mir schien, als hätte der Trainer bei seiner Halbzeitansprache klare und passende Worte gefunden. Nun zeigten die Rothosen kämpferisch deutlich mehr Biss und konnte sich auch bald ein Übergewicht an Torchancen erarbeiten. Verdienter Lohn waren daher dann zunächst der Ausgleich kurz nach der Pause (48.) und später dann der 2:1-Führungstreffer (58.). Gerade in dieser Drangphase der Rothosen missfiel mir Paulis Nr. 14, der zwar spielerisch andeutete, warum man ihn aufgestellt hatte, der sich aber anscheinend zugleich für den Titel „Traber des Monats“ bewerben wollte. Durchaus lauffreudig, aber im immer gleichen Tempo unterwegs und meiner Meinung nach deutlich zu wenig robust im Zweikampfverhalten. Allerdings verteilte er zugleich, sofern überhaupt am Ball, die Bälle mit gutem Auge und zeigte Spielintelligenz. Nur kämpferisch wirkte Paulis Mannschaft eben so, als spiele sie fast nur zu zehnt. Da muss deutlich mehr kommen, Junge! Gerade als ich mich also auf die Nr. 14 als kämpferischen (sic!) Schwachpunkt bei Pauli „eingeschossen“ hatte, da strafte er mich – ausgerechnet! – in der Schlussminute Lügen. Paulis Nachwuchs konnte einen Ball der Gastgeber abfangen. Der Ball landete am Ende bei meinem speziellen „Freund“, der sich im Strafraum dann schön durchsetzte und überlegt ins lange Eck abschloss. So ist Fußball: Eben noch Sündenbock, im nächsten Moment umjubelter Torschütze.

Auf beiden Seiten sah man einige durchaus interessante Spieler. Allerdings kann man aufgrund eines einzigen Spiels keine wirklich seriösen Einschätzungen zur jeweiligen Zukunftsperspektive der Spieler vornehmen. Zu bedenken ist auch, dass es bis zu einer eventuellen Profikarriere noch ein weiter, ganz weiter Weg ist.

Insgesamt ein unterhaltsames Spiel. Spielverlauf und Ergebnis entsprechen aus meiner Sicht den gezeigten Leistungen beider Mannschaften. Ich jedenfalls habe es nicht bereut, mir dieses Spiel vor Ort angesehen zu haben. Gratulation an beide Mannschaften!

Spielbericht: FC St. Pauli – FC Union Berlin 2:1

Aufstellung: Tschauner – Schachten, Mohr, Thorandt, Halstenberg – Ziereis (74. Nehring) – Trybull, Rzatkowski,  – Kringe (56. Bartels) – Thy (82. Maier), Verhoek; Trainer: Vrabec
Schiedsrichter: R. Kempter
Vorbemerkung: Ich nehme einen (kleinen) Classico der 2. Liga zum Anlass, um hier zum ersten Mal über ein Spiel des FC St. Pauli zu berichten. Union habe ich in dieser Saison bisher zweimal zu Hause in der Alten Försterei beobachten können. Beide Vereine sind ja bekanntermaßen befreundet. Beide Vereine hatten noch vor wenigen Jahren marode Stadien und gingen zudem finanziell auf dem Zahnfleisch. Beide Vereine haben dank unterschiedlicher, intelligenter Strategien inzwischen neue Stadien, wirtschaften allem Anschein nach seriös, haben ein treues, überaus loyales Publikum und werden von ihren Fans kritisch-konstruktiv begleitet. Beste Voraussetzungen also für ein Fußball-Fest.
Spielverlauf: Den besseren Start in die Partie erwischten eindeutig die Eisernen von Union. Trainer Neuhaus hatte offensichtlich die Devise ausgegeben, den jeweils ballführenden Paulianer schon beim Spielaufbau aggressiv anzulaufen, was dazu führte, dass Pauli zunächst kaum spielerische Mittel fand, sondern überwiegend mit langen Bällen aus der eigenen Hälfte operieren musste. Diese langen Bälle waren dann für die groß gewachsenen Köpenicker relativ leicht zu verteidigen. Konnten sich die Boys in Brown einmal kontrolliert bis in die Unioner Hälfte vorspielen, so ließen sich die Berliner schnell und diszipliniert tief in die eigene Hälfte zurückfallen. Der dann entstehende engmaschige Abwehrriegel vor dem Strafraum bot den Hausherren lange Zeit kaum Lücken, um zum Abschluss zu kommen. In der erste Halbzeit wirkte Union reifer in der Spielanlage. Nach ca. 25 Minuten begann Pauli ebenfalls damit, die ballführenden Gästespieler aggressiver zu attackieren. So konnten durch personelle Überzahl Bälle in der Vorwärtsbewegung des Gegners erobert und sich bietende Lücken in dessen Abwehrverbund gezielt(er) bespielt werden. Dennoch blieb es beim torlosen Remis zur Halbzeit, was Pauli vor allem seinem glänzend aufgelegten Torhüter Tschauner zu verdanken hatte. Dieser vereitelte auch die besten Torchancen des Gegners. So zum Beispiel in der 24. Minute, als er eine Doppelchance der Unioner aus kürzester Distanz überragend zu nichte machte. Etwas Glück hatten die Hausherren kurz vor der Pause (44.), als bei einem Flankenversuch eines Unioners rechts im Strafraum an der Grundlinie einem abwehrenden Paulianer eindeutig der Ball an den Unterarm prallte. Für so etwas hat es auch schon Handelfmeter gegeben, gab es aber hier nicht.
Auch die zweite Hälfte sah zunächst eine bessere Berliner Mannschaft. Ihr Konzept, u.a. ihren robusten Zielstürmer Terodde (später Nemec) anzuspielen und dann schnell nachzurücken, funktionierte immer wieder. Überhaupt wirkten die Eisernen auf mich lange Zeit körperlich überlegen. In der 58. Spielminute segelte eine Ecke in Paulis Strafraum. In dem folgenden Durcheinander schaltete Terodde am schnellsten und vollstreckte aus kürzester Distanz. 0:1 – keineswegs unverdient. Bei Pauli hatte kurz zuvor Bartels Kringe hinter den beiden Spitzen abgelöst, sodass das eigene Offensivspiel nun etwas fluider und präziser wirkte. Zum Glück für die Hausherren konnte der unermüdliche Schachten bereits in der 61. Minute egalisieren. Einen Meter zentral vor dem gegnerischen Strafraum kam er zum Schuss und vollstreckte sehenswert aus der Drehung ins linke Eck. Weniger herausgespielt als ein Resultat des Willens. 1:1, der Ausgleich.
Die letzte halbe Stunde entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen hüben wie drüben. Wobei man fairerweise zugestehen muss, dass die Mehrzahl  und qualitativ besseren Chancen den Berlinern zufielen. Nur „Tschauni“ blieb unbezwingbar. Als man sich als Zuschauer bereits langsam auf eine Punkteteilung einrichtete, da flankte Paulis Halstenberg in den Strafraum der Gäste und Bartels konnte den Ball in einer Mischung aus Fallen und Rutschen im gegenerischen Gehäuse unterbringen. Das 2:1 in der 88. Spielminute. In der 90. Minute wurde noch ein weiterer Schuss von Bartels auf der Linie geklärt, aber ein 3:1 hätte dem Spielverlauf auch überhaupt nicht mehr entsprochen.
Fazit: Wie so oft bei Pauli am Millerntor – man ist keineswegs die klar bessere Mannschaft, dreht aber die Partie dank bedingungslosen Kampfes kurz vor Schluss. Überragend einmal mehr das Publikum. Fast unvorstellbar, dass dort Massen vor Spielende abwandern oder gar die eigene Mannschaft ausgepfiffen wird. Bester Mann auf dem Platz war eindeutig Paulis Torwart, Tschauner. Ihm, dem Kampf der gesamten Mannschaft und dem Publikum ist zu verdanken, dass dieses Spiel am Ende gewonnen werden konnte. Union muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass man trotz körperlicher und über weite Strecken auch spielerischer Überlegenheit verschwenderisch mit einer Vielzahl an erstklassigen Tor-Chancen umgegangen ist. Insgesamt eine rassige Zweitliga-Begegnung. Hart umkämpft und dennoch jederzeit fair geführt – weniger etwas für Fußball-Ästheten. Und aus Trainersicht höchstens als Anschauungsmaterial geeignet, wie man es nicht (Abwehrfehler) machen sollte.  Auch wenn die Kiez-Kicker mit diesem insgesamt glücklichen Sieg erfreulicherweise erneut Kontakt zu den Aufstiegsrängen herstellen – erstligareif ist wie gewohnt und Stand jetzt nur das großartige Publikum am Millerntor. Trainer Vrabec bleibt noch einiges zu tun. Die Mannschaft scheint aber auf einem gute Weg.