Liebe, Hass und Sport

Hass ist der dunkle Bruder der Liebe, ist deren negatives Zerr- oder Spiegelbild. Oft hasst man diejenigen am meisten, die man zuvor am glühensten zu lieben glaubte. Hass ist eine mögliche, überschießende Reaktion des Menschen auf Zurückweisung, schwerste Enttäuschungen oder tiefe Kränkungen. Er ist vermutlich Ausdruck des Versuchs, sich selbst von dem Geliebten abzugrenzen, sich zu distanzieren, zurück ins Gleichgewicht zu finden und zeigt in seinem Übermaß doch an, dass das nicht gelingen will.

Verein und Spieler sind Projektionsflächen, auf die eigene Sehnsüchte und Fantasien übertragen werden. “Mein” Verein soll groß sein, “mein” Verein soll besser als die anderen sein, “wir” schlagen die Anderen, die Fremden am WE, das ist “unser” Spieler, der den von denen da gerade nass gemacht hat, der das Traumtor schoss! – das wird inständig erhofft und erwartet. Werden diese Sehnsüchte auf Dauer nicht erfüllt, das Subjekt enttäuscht und gekränkt, dann kann diese Leidenschaft ins Gegenteil umschlagen. Dann ist “der” nicht mehr meiner/unser, sondern der muss (angeblich) weg. Fast nie wird die Frage gestellt, ob zuvor die eigene Erwartungshaltung völlig unrealistisch und unangemessen gewesen ist. Nein, der (vermeintlich) Schuldige ist viel leichter außerhalb (auch meiner selbst) zu verorten. Das ist die leichtere Lösung, den sie stellt mir keine unangenehmen Fragen. Der Dorn im Auge des Anderen, das steht bereits in der Bibel, ist allzeit augenfällig, das Brett vor dem eigenen Kopf nicht.

Viele Menschen sind schlechte Verlierer. Das kann man bei schon bei einem simplen, harmlosen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel beobachten.
Die da (die Profis) sind “Stars”, sie werden permanent überhöht und auch deswegen verdienen sie bizarr viel. Alles strebt aber auf Dauer zu einem Gleichgewicht. Der Podestplatz ist stets nur auf Zeit geliehen. Seine Berechtigung bedarf permanenter Bestätigung. Erfüllt der Star auf Dauer nicht die Erwartungen, so wird er ebenso lustvoll überschießend vom Sockel gestoßen und der kollektiven Verachtung ausgeliefert.

Die Frage nach dem warum sollte also bei mir selbst beginnen. Nur wenn ich dem anderen bereits ungesund und zu viel Macht eingeräumt habe, z.B. auch über meine Emotionen, meine Gedanken, mein Leben, muss ich mich u.U. in dieser Form distanzieren. Wer mir gleichgültig ist, den hasse ich nie. Und damit schließt sich der Kreis zur unerfüllten Liebe.

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