Bestandsaufnahme

+++ EIL Aufsichtsrat stimmt Vertrag für Slomka (bis 2016) einstimmig zu. Für 13 Uhr ist eine PK des Vereins angekündigt. +++

Bert van Marwijk ist beim HSV Geschichte, Slomka als neuer Trainer offiziell noch immer nicht fix. Jedenfalls fehlt unverändert die Bestätigung seiner Verpflichtung durch den Verein. Was den gestern bei Twitter angekündigten Massenrücktritt aus dem Aufsichtsrat angeht, so ist die Nachrichtenlage auch dünn. Mit Klüver ist ein Rat definitiv zurückgetreten. Bei Marek Erhardt heißt es nun unvermittelt, er solle bereits schon vor Tagen das Handtuch geworfen haben. Soll! Es mag also durchaus so sein, aber bei Herrn Erhardt weiß man diesbezüglich nie… Vom Rest der angeblich rücktrittswilligen Räte ist zur Stunde nichts Definitives bekannt. Das mag damit zusammenhängen, dass man evt. noch immer erst das Arbeitspapier Slomkas abnicken will und muss, bevor die Ankündigungen dann in die Tat umgesetzt werden (können). Passt irgendwie zur desolaten Gesamtsituation, oder? Andere Vereine hätten längst Nägel mit Köpfen gemacht – nicht so beim HSV. Wir haben ja Zeit, viel Zeit.

Der alte Trainer wird eine hohe Abfindung kassieren. Über die genaue Höhe möchte ich nicht mitspekulieren. Eins scheint mir aber sicher: Die angepeilte schwarze Null hat sich bereits verpulverisiert. Ich erwarte inzwischen erneut rote, dunkelrote Zahlen. Auch kein Problem, wir haben ’s doch! Geld sei ohnehin nicht das Problem beim HSV, musste ich unlängst u.a. aus dem Munde Hunkes und Liebnaus hören. Das scheint wohl zu stimmen. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass man sich in Hamburg bass erstaunt über die Arbeitsweise van Marwijks zeigte? Ein Anruf in Dortmund etwa, und man hätte sich vorher informieren können. Aber Dortmund hat sich seit Jahren Lichtjahre von Hamburg entfernt. Gespräche über derartige Distanzen per Telefon sind da sehr teuer, sofern sie technisch überhaupt möglich sind.

Slomka wird, bzw. soll es nun unverändert werden. Mir soll es recht sein. In dieser Phase der Saison kann man ohnehin evtl. vorhandene konditionelle Defizite nicht mehr aufholen. So bleibt zunächst zu hoffen, dass der eloquente Herr Slomka den richtigen Draht zur Mannschaft findet. Vielleicht hat er ja auch die eine oder andere goldene taktische und personelle Idee im Köcher, um das Spiel der Mannschaft zu verbessern. Diese Hoffnung muss man einfach haben. Andernfalls könnten wir gleich den Spielbetrieb einstellen. Das meine ich natürlich nicht ernst, denn ich möchte natürlich, dass Hamburg, sollte es denn absaufen, dies wenigstens mit Anstand und Würde hinter sich bringt. Noch aber sind wir nicht so weit!

Ich meine bekanntlich, dass in dieser Situation vor allem im psychologischen Bereich gearbeitet werden muss. Sobiech etwa habe ich noch nie so unsicher und fahrig spielen sehen, wie beim HSV. Djourou wollte man einst in Hannover fest verpflichten – kaum vorstellbar, nach den in Hamburg gezeigten Leistungen. Ist es nicht irre?! Viele Spieler kommen zum HSV und spielen dann dort unterhalb ihrer Möglichkeiten. Die Innverteidigung ist zur Dauer-Baustelle verkommen. Gravgaard, Rozehnal und bisher Djourou und Sobiech – alles Nationalspieler für ihre Heimatländer, aber beim HSV war oder ist davon wenig, zu wenig zu sehen. Von Mancienne und Rajkovic ganz zu schweigen.

Ich bin gespannt, wie Slomka die Herkulesaufgabe beim HSV anpacken wird. Auf van der Vaart wird er jedenfalls zunächst verzichten müssen. Der Kapitän hat sich einen Kapsel- und Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen und wird voraussichtlich drei Wochen ausfallen. Man wird sich also ohnehin ganz neue Gedanken machen müssen. Sollte Slomka auf Konter spielen lassen wollen, dann bliebe ohnehin zu bezweifeln, ob van der Vaart angesichts seiner läuferischen Geschwindigkeitsdefizite dafür der optimale Spieler ist.

Ich gebe zu, ich hätte eine mutige Lösung gut gefunden. Aber den neuen Gisdol oder Weinzierl zu finden, dafür müsste man zum einen wirklich gut vernetzt sein, bzw. man müsste sie im Verein bereits haben. Und vor allem müsste man den Mut haben, von etablierten Namen abzurücken, nur weil man glaubt, man könne das in Hamburg nicht „verkaufen“. Aber beim HSV stimmt es eben nicht nur ganz erkennbar rund um die erste Mannschaft nicht, sondern auch im Unterbau. Deswegen hilft es nicht, hier jetzt Dinge zu fordern, die derzeit in Hamburg nicht umsetzbar erscheinen. Wünschen wir also Slomka Glück, viel Glück! Er wird es brauchen, die Mannschaft braucht es und wir auch.

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Ein Kommentar

  1. Deinen letzten Absatz gebe ich recht, denn er beschreibt das Phänomen HSV recht gut. Völlige Ahnungslosigkeit, so das immer nur Trainernamen genannt werden, für die ich auch meine Nachbarn fragen könnte. Es kommt der Eindruck herüber, das die Verantwortlichen ihr Wissen einzig aus den Sportseiten der Bild ziehen. Dort kommen talentierte Trainer, die es in Deutschland aufgrund der Nachwuchsleistungszentren zuhauf gibt, schlicht nicht vor. So kommt s dann immer zum Deja vu mit altbekannten Gestalten, wo die Kompetenz an den Gehaltsforderungen gemessen werden. Traurig, aber wahr.

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