Sobiech

Vom Glück begünstigt kämpft sich der HSV zum ersehnten zweiten Sieg in Folge. HSV – Hannover 96 2:1 (1:0)

Man kennt es ja als leidgeprüfter HSV-Anhänger zur Genüge. Der HSV gewinnt – in diesem Fall gegen den SC Paderborn – und anschließend hört man von Spielern und Verantwortlichen, man wüsste um die große Chance, die man nun habe, den nächsten Schritt zu machen. In aller Regel folgte auf solche Ankündigungen in den letzten Jahren unweigerlich eine Enttäuschung. So gesehen war ich gespannt, welches Gesicht der große HSV gegen den kleinen Bruder aus Hannover präsentieren würde.

Joe Zinnbauer hatte sich vor dem Spiel für die folgende Aufstellung entschieden:
Drobny – Westermann (46. Götz), Djourou, Rajkovic, Marcos (78. Kacar) – N. Müller, Diaz, van der Vaart (46. Jiracek), Jansen – Stieber – Olic
Einzige Veränderung im Vergleich zum Spiel gegen den Aufsteiger aus Paderborn war somit das Startelf-Debüt des chilenischen Neuzugangs der Hamburger, Marcelo Diaz. Diaz neben van der Vaart in der Zentrale – ich fand diese Aufstellung Zinnbauers gegen die von mir stark eingeschätzten Hannoveraner mutig und hatte meine leisen Zweifel, ob hier nicht für einen der beiden ein etwas defensiv stärkerer Partner, bei derzeitiger Personallage hätte dies nur Jiracek oder Kacar sein können, sinnvoll gewesen wäre. Andererseits hielt ich es auch für möglich, dass die spielerische Qualität der Hamburger gerade durch die von Zinnbauer gewählte Kombination ein besseres Niveau erreichen könnte.

Spielbeobachtung: Die Hamburger agierten gegen den Ball überwiegend in einem (flachen) 4-4-1-1 mit Stieber als hängender Spitze neben/hinter Olic. Hannovers Trainer Korkut hatte seine Mannschaft in einem 4-2-4 auf das Feld geschickt, was sofort andeutete, dass die Gäste mutig nach vorne spielen wollten.

Der Gast aus Hannover übernahm auch gleich das Kommando und drückte den HSV von Beginn an in die Defensive. Die Hamburger ihrerseits versuchten über den abkippenden van der Vaart ihr Spiel kontrolliert aufzubauen, was jedoch gegen defensiv gut stehende Hannoveraner kaum überzeugend gelang. Spielerische Linie erhielt das Hamburger Angriffsspiel immer dann, wenn Diaz am Ball war. Er blieb auch unter Gegnerdruck ruhig, zeigte eine gute Spielübersicht und spielte vor allem in der ersten Halbzeit tatsächlich konstruktive (vs. Alibi-) Pässe, die in der Regel nicht nur den Mitspieler erreichten, sondern nachfolgend auch problemlos zu verarbeiten waren. Wenn die Leistung der ersten Halbzeit von Diaz der Maßstab für die Zukunft ist, dann ist der Chilene im Vergleich zum in die Türkei abgewanderten Tolgay Arslan eine eindeutige Verstärkung für den HSV.

Drobny hält den HSV im Spiel

In der 23. Minute erlaubte sich der erneut als Rechtsverteidiger aufgebotene Westermann wieder einmal einen kapitalen Fehlpass im Spielaufbau, was kurz darauf van der Vaart dazu nötigte, sich mit einer Grätsche zentral im eigenen Strafraum in den Lauf des heranstürmenden Sané zu werfen. Es kam zu einem Kontakt, Sané verlor das Gleichgewicht und stürzte, und Schiedsrichter Gräfe entschied korrekt auf Strafstoß für die Gäste. Zum Glück für den HSV schoss Joselu den Elfmeter schwach und unpräzise, sodass Drobny den Ball parieren konnte. Ob Drobny sich selbst für die richtige Ecke entschieden hat, oder ob er den Handzeichen van der Vaarts folgte – im Ergebnis ist es letztlich egal. Es blieb jedenfalls beim torlosen Unentschieden.

Nur drei Minuten später erlaubte sich auf Seiten der Gäste der dieses Mal indisponiert wirkende Sakai ebenfalls einen Fehlpass. Der aufmerksame Stieber fing den Passversuch ab, flankte zu Olic, der per Kopf zurück zu Stieber legte. Stieber hatte dadurch Zeit und Raum auf der linken Außenbahn. Auf Höhe des Strafraumes flankte er, in dem Bemühen den mitgelaufenen Olic erneut zu erreichen, scharf nach innen. Hannovers Marcelo fälschte den Ball mit dem Knie zu einer für Zieler unhaltbaren Bogenlampe ab, die sich dann ins lange obere Eck des Tores zur glücklichen 1:0-Führung für den HSV senkte (26.).

Um die erste Halbzeit zusammenzufassen: Hannover agierte und machte das Spiel, der HSV reagierte und lief größtenteils der Musike hinterher. Allerdings, dies bleibt aus Hamburger Sicht lobenswert, kämpfte die Mannschaft leidenschaftlich. Dennoch war die Führung zur Pause schmeichelhaft.

Zinnbauer reagiert erneut zeitig und nachvollziehbar auf den Spielverlauf

Zur Pause erlöste Joe Zinnbauer Westermann von der ungeliebten Rechtsverteidigerposition und brachte den jungen Götz. Für mich ein kleiner Baustein des späteren Sieges, denn Götz machte seine Sache auf gleicher Position deutlich besser. Auch van der Vaart blieb mit dem Pausentee in der Kabine. Ich vermute, dass Zinnbauer durch Jiracek nun doch mehr Defensivzweikampf-Stärke ins Spiel seiner Mannschaft bringen wollte. An Jiracek scheiden sich beim HSV-Anhang regelmäßig die Geister. Ich meine, dass hier zweierlei zu bedenken ist:
Jiracek kam in der Vergangenheit in typischer HSV-Manier fast ausschließlich auf Nebenpositionen zum Einsatz (LV, LM), die er bei Bedarf auch spielen kann, die aber nicht optimal für ihn und sein Spiel sind. Im zentral-defensiven Mittelfeld, wo er meines Erachtens am stärksten ist, kam er bislang nur vier, fünf Mal zum Einsatz und bot dort überwiegend solide Leistungen. Das sieht bei ihm nicht spektakulär aus, dennoch stopft er dort etwaige Löcher. Mitte der Woche riskierte er eine gelb-rote Karte, als er einen aussichtsreichen, da schnellen Angriff der Paderborner gerade noch vor dem Strafraum stoppte, diese Woche eroberte er den Ball vor dem 2:0 durch Jansen. Es mag dahingestellt bleiben, ob es sich bei der Aktion um ein Foulspiel handelte. Entscheidend bleibt, dass Gräfe hier nicht pfiff, der Ball daher zu Jansen kam, der dann aus der Distanz auf das Tor der Gäste schießen konnte. Wer nie zum Abschluss kommt, den kann auch kaum das Glück begünstigen. Im Falle des Fernschusses von Jansen war es der Unglücksrabe auf  Seiten der Gäste, Marcelo, der den Ball erneut unhaltbar für Zieler zum 2:0 für den HSV abfälschte (50.)

Aus Hamburger Sicht ist zunächst nur noch der sehr gut geschossene Freistoß von Diaz zu erwähnen, der in der 55. Minute denkbar knapp das Tor verfehlte. Aber eine 3:0-Führung für den HSV nach diesem Spielverlauf hätte man auch als groteske Ungerechtigkeit bewerten müssen.

Hannovers Trainer Korkut reagierte seinerseits auf den Zwei-Tore-Rückstand und brachte mit Sobiech (für Schulz) einen weiteren Angreifer. Der Druck der Gäste wuchs nun von Sekunde zu Sekunde, und die Hamburger griffen zunehmend zu dem aus dem Paderborn-Spiel bekannten Mittel zurück: Befreiungsschläge. Der Vorteil dieser Strategie ist, dass der Ball kompromisslos aus der Gefahrenzone befördert wird; der Nachteil ist jedoch, dass er meist postwendend durch den Gegner zurückkehrt. Die Niederlage des FC Bayern im Finale der CL 1999 gegen ManU nach 1:0-Führung lässt grüßen.

Mehr als verdienter Lohn der Hannoveraner Angriffsbemühungen war der Anschlusstreffer zum 2:1 in der 66. Spielminute. Eine Flanke segelte von der rechten Angriffsseite der Gäste in den Hamburger Strafraum, wo die Hamburger gegen die großgewachsenen Hannoveraner, Marcelo und Sané, das Kopfballduell verloren. Marcelo, erneut nicht vom Glück verfolgt, traf mit seinem Kopfball nur die Latte, doch Sobiech konnte den Abpraller schließlich doch im Hamburger Tor unterbringen.

Herausheben möchte ich auch noch einen spektakulären Seitfallzieher Joselus, den Drobny mit äußerster Mühe gerade noch über die Querlatte lenken konnte. Andernfalls wäre nur zwei Minuten nach dem 2:1 der Ausgleichstreffer gefallen.

Erneut nur zwei Minuten später hatte Stieber die vermutliche Entscheidung für den HSV auf dem Fuß, scheiterte jedoch am guten Zieler (70.) im Tor der Gäste.

In der 78. Minute nahm Zinnbauer den angeschlagenen Marcos vom Feld und brachte Kacar. Jansen rückte daher auf dem linken Flügel eine Position zurück (LV) und wurde von Stieber auf der Außenbahn (LM) ersetzt. Durch Kacar wurde das Mittelfeld gegen die stürmenden Hannoveraner zu einem 4-5-1 verdichtet.

Dem fleißigen Olic fehlte in der 80. Minute bei einem aussichtsreichen Konter ein wenig die Kraft und Geschwindigkeit, sodass Zieler seinen Abschluss letztlich mühelos parieren konnte. Auf der anderen Seite hatten die Gäste noch zwei gute Torchancen (86. Sobiech verpasst knapp das Zuspiel; 90. Freistoß von Stindl an den rechten Außenpfosten). Es blieb daher bei einem insgesamt glücklichen Sieg der Hamburger. Zweimal kam dem HSV der Zufall zur Hilfe, was mich an einen Artikel denken ließ, in welchem ich hier vor Monaten über den Einfluss des Zufalls auf  einzelne Spielverläufe und Saisonendresultate sinnierte.

Abschließend daher an dieser Stelle ein großes Kompliment an Hannover 96 für eine gute Leistung. Die spielerisch bessere und in fast allen statistischen Belangen überlegene Mannschaft hat verloren. So ungerecht ist manchmal Fußball. Am Ende muss man aber seine zahlreichen Chancen auch nutzen. Und wie schon gegen Paderborn war hier der HSV erneut sehr effektiv.

Fazit: Durch den hart erkämpften Heimsieg erhält der HSV drei weitere, äußerst wichtige Zähler. Der Sieg wurde gleich mehrfach gegen spielerisch klar und eindeutig überlegene Hannoveraner vom Glück begünstigt. Nach fast zwei Jahren gelingt den Hamburgern somit ein zweiter Sieg in Folge. Verdienter Lohn sind 23 Punkte und vorerst der Sprung auf Tabellenplatz 11. Die Platzierung in der Tabelle ist jedoch trügerisch, da wenigstens die Hälfte aller Teams in der Liga gegen den Abstieg spielen.
Drobny verhinderte durch den gehaltenen Elfmeter, dass sich die taktische Ausgangslage frühzeitig zu ungunsten der Hausherrn entwickelte. In den traditionellen Kernkompetenzen des Torwartspiels war er wieder einmal ein sehr sicherer, starker Rückhalt. Nicht gänzlich übersehen sollte man jedoch, dass seine Aktionen mit dem Fuß bei Ab- und Befreiungsschlägen unpräzise und gelegentlich alles andere als sicher sind.
Neuzugang Marcelo Diaz unterstrich in der ersten Halbzeit mit guten Pässen und Laufwegen, dass er tatsächlich die für das zentrale Mittelfeld gesuchte Sofortverstärkung sein kann. Diaz neben einem gesundeten Abräumer Behrami – das könnte perspektivisch passen.
Kämpferisch bot das Hamburger Team erneut eine vorbildliche, tadellose Leistung, spielerisch blieb es wieder vieles schuldig. Olic ackert und läuft für zwei an vorderster Front, erhält jedoch unverändert kaum Torschussvorlagen. Mit 129 Kilometern erreichten die Hamburger als Team einen neuen Bestwert in Sachen Gesamtlaufleistung.
Das nun vorhandene kleine Punktepolster vor den nächsten Spielen, die alle gegen als favorisiert einzuschätzende Gegner – FC Bayern (A), BMG (H), Frankfurt (A), BVB (H) – zu bestreiten sind, dürfte immerhin kurzfristig allerseits die Nerven beruhigen. Freuen darf man sich über den Sieg, zur Euphorie fehlt jedoch jeder Anlass.

Schiedsrichter: M. Gräfe (Berlin). Mit großzügiger Regelauslegung. Ließ im Zweifel das Spiel laufen. Die Balleroberung durch Jiracek vor dem 2:0 kann man auch als Foulspiel bewerten – je nach Perspektive (auch der Kamera!).

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Baustelle Kaderplanung

Liebe Leser,

wie Ihr wisst, bemüht sich der HSV seit geraumer Zeit, seinen Etat für das kickende Personal deutlich zu reduzieren. Die Gründe dafür will ich an dieser Stelle bewusst ausklammern, denn heute möchte ich mit Euch gemeinsam einen Blick auf den Kader werfen. Und zwar mit der Perspektive auf die kommende Saison, d.h. unter Berücksichtigung der derzeit vom HSV an andere Vereine ausgeliehenen Spieler. Ich habe in der unten eingefügten Grafik alle Spieler ihren Positionen in einem 4-1-4-1 zugeordnet. So erkennt man (hoffentlich) leichter, welche Positionen durch den Kader abgedeckt werden, bzw. wo Handlungsbedarf bestehen könnte.

HSV 1516

(Bei den rot eingefärbten Namen laufen die Verträge ablösefrei aus, bzw. sollte ein Transfer m.E. erwogen werden.)

Beginnen wir bei den Torhütern:

Drobny hat bisher zweifellos eine gute Saison gespielt. Innerhalb der Mannschaft ist der Tscheche offenbar beliebt und wird als Führungsspieler respektiert. Hat jedoch Defizite in der Spieleröffnung und plagt sich zudem mit chronischen körperlichen Beschwerden. Für mich daher eher eine solide Übergangslösung für ein, maximal zwei Jahre. Sollte spätestens dann von einem jüngeren, fußballerisch stärkeren Torhüter abgelöst werden.
Für mich bleibt René Adler grundsätzlich der Torhüter mit dem besseren Gesamtpaket. Eine Rückkehr zur alten Leistungsstärke traue ich ihm zu, allerdings ist er mir zu verletzungsanfällig. Für einen Ersatztorhüter zudem mutmaßlich zu teuer. Eine Trennung zum Saisonende könnte ich nachvollziehen. Leistungsfähigkeit und Entwicklungspotenzial von Torhüter Nummer drei, Alexander Brunst, sind für mich derzeit nicht zu bewerten.

Abwehr:

Inbesondere in der Innenverteidigung herrscht ein eindeutiges Überangebot. Mit Djourou, Westermann, Cléber und Tah streiten sich vier Spieler um zwei Plätze. Perspektivisch erwarte ich, dass sich Tah und Cléber durchsetzen werden. Wo der von mir grundsätzlich geschätzte Westermann in dieser Mannschaft noch einen Platz haben soll, wenn man gleichzeitig das Ausnahmetalent Tah integrieren und Cléber nicht auf der Bank versauern lassen möchte, ist mir derzeit ein Rätsel. Ob die Talente (mit ? markiert) auf den defensiven Außenbahnen Einsatzchancen haben könnten, vermag ich auch nicht zu beurteilen.
Rajkovic hatte leider, leider viel Verletzungspech. Konnte daher sein Können kaum zeigen. Allein Mitgefühl ist jedoch kein Argument für eine Weiterbeschäftigung im professionellen Sport. Vertrag dürfte auslaufen.
Sobiech hat die Erwartungen in der 1. Bundesliga beim HSV leider auch nicht erfüllen können. Schien mir dem Druck vor allem mental nicht gewachsen zu sein. Ich wünsche ihm, dass er es in einem stabilen Umfeld bei einem anderen Verein doch noch in die erste Liga schafft.

Mittelfeld:

Im defensiven Mittelfeld geht derzeit kein Weg an Behrami vorbei. Allerdings gibt sein körperlicher Zustand Anlass zur Sorge. Kurzfristig kann ihn Jiracek ersetzen, mittelfristig möglicherweise der junge Steinmann. Gar keine Zukunft beim HSV dürfte Kacar besitzen. Schade, denn er galt nach seiner ersten Bundesligasaison (noch für die Hertha) als einer der besten Sechser der Liga. Das ist jedoch inzwischen lange her. Zu lange.

Bei Tolgay Arslan im zentral-defensiven Mittelfeld klaffen Anspruch und Wirklichkeit zu oft zu weit auseinander. Defensiv mit teilweise hervorragenden Leistungen. Offensiv so torungefährlich wie weiland David Jarolim. Zudem mit Defiziten in der Spielübersicht. Mein Eindruck ist, dass er in seiner Entwicklung stagniert. Derzeit nicht ersichtlich, dass er den HSV weiterbringt.

Van der Vaart, das große Missverständnis. Für mich der Jörg Albertz 2.0 des HSV. Schon in jungen Jahren nicht gerade läuferisch schnell, wird er mit zunehmendem Alter nicht schneller. Aufgrund seiner Prominenz immer mit Stammplatz-Anspruch, den er aber zunehmend weniger durch Leistung rechtfertigen kann. Ich habe den Verdacht, dass er sowohl die Entwicklung der Mannschaft (Spielsystem) als auch die einzelner Spieler (Holtby) blockiert. Dass „Raffa“ ein sympathischer Spieler ist, mag Fans entzücken, darf jedoch aus Sicht des Clubs kein Grund für eine Weiterbeschäftigung sein.

Eindeutigster Abgabekandidat im offensiven Mittelfeld ist für mich Ilicevic. Gemessen an seinem unbestreitbaren Potenzial eine der größten Enttäuschungen ever.  Sollte er seinen Vertrag aussitzen und erst im Sommer gehen, dann erfolgt die Trennung aus meiner Sicht mindestens ein Jahr, eher zwei Jahre zu spät.

Jansen: Ich mag „Cello“, denke aber, dass er vor dem vielleicht letzten großen Vertrag seiner Karriere steht. Schon allein deswegen stehen für mich die Zeichen hier eindeutig auf Abschied.
Ebenfalls nicht empfehlen konnte sich bisher der ohnehin nur bis zum Ende dieser Saison von den Bayern ausgeliehene Julian Green. Denkbar wäre allenfalls, eine klare Leistungssteigerung in der Rückrunde vorausgesetzt!, eine Verlängerung der Leihe um ein Jahr.

Dass im Angriff des HSV dringend nachgebessert werden muss, das dürfte längst hinlänglich bekannt sein. Ich mag grundsätzlich Rudnevs unermüdlichen Kampfgeist. Er bleibt für mich jedoch ein reiner Konterstürmer, dessen Perspektive schon aufgrund des von Zinnbauer angestrebten, offensiv-dominanten Spielstils fraglich bleiben muss. Passt aufgrund seiner technischen Defizite zudem nicht optimal zu Lasogga, da er zu viel Raum für seine Aktionen benötigt. Interessant wird es sobald Nicolai Müller und Beister gemeinsam spielfähig sind. Für denkbar halte ich in diesem Fall, dass Beister Rudnevs als Partner Lasoggas verdrängt, sofern man an einem System mit zwei Spitzen festhält.

Zusammengefasst sehe ich die größten Schwächen des Kaders Stand heute im zentral-offensiven Mittelfeld, auf der linken Außenbahn und im Sturm. Stieber wird sich steigern müssen, will er mehr als nur Ergänzungsspieler sein. Gouaida hat auf mich von allen Talenten aus der U23 den stärksten Eindruck hinterlassen, muss jedoch erst nachweisen, dass er dauerhaft auf dem zuletzt gezeigten Niveau spielen kann. Perspektivisch könnte zudem sowohl auf der Sechs als auch auf der Torhüterposition weiterer Handlungsbedarf entstehen.
Zu beachten ist auch, dass der Mannschaft spätestens im Sommer bei der Trennung von derart vielen Spielern ein erheblicher Verlust an Erfahrung droht. Punktuell müsste man m.E. versuchen, dies durch den gezielten Einkauf von zwei, drei gestandenen Spielern zu kompensieren. Sofern dies finanziell möglich ist…