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Nachruf auf Hermann Rieger

Lieber Hermann,

nun bist Du von uns gegangen und nicht nur der Trapper ist sehr, sehr traurig!

Tapfer hast Du in den vergangenen Jahren gegen deine schweren gesundheitlichen Probleme angekämpft und dabei nie deinen Optimismus, deine freundliche, ja herzliche Art des Umgangs gegenüber jedermann verloren. Bewundernswert! Absolut bewundernswert!

Ich werde nie vergessen, wie Du als Muskelpaket mit dem Koffer bewaffnet auf das Spielfeld eiltest, um unsere Spieler zu versorgen. Bezeichnend, dass noch nach vielen Jahren ehemalige Spieler äußerten, dass zwar längst der Kontakt zum Verein eingeschlafen sei, Du ihnen aber immer (mindestens) im Gedächtnis geblieben bist. Einer der wenigen, die immer für sie zur Stelle waren. Stets ein offenes Ohr und mindestens eine helfende Hand.

Unvergesslich bleibt mir auch, dass ich Dir einst vor Jahren Genesungswünsche schrieb. „So sind sie, meine HSV-Fans!“, sollst Du nach der Lektüre gesagt haben, „sensationell, diesen Brief werde ich ab jetzt immer bei mir tragen!“. Nein, stolz war ich darüber nicht. Ich habe mich einfach nur gefreut, dass ich Dich offenbar in deinem Herzen erreicht hatte. Das war es, was ich aus meiner Sicht Dir längst schuldig war: Wenigstens einmal ein persönliches Zeichen meiner übergroßen Wertschätzung, die ich immer für Dich empfunden habe.

Wenige Tage später liefen wir uns am Hamburger Hauptbahnhof fast über den Haufen. Du wusstest nicht, dass ich es war, und ich sah keinen Grund, mich Dir persönlich vorzustellen. Denn ich war doch nicht wichtig, um mich ging es doch nicht. Dennoch schaute ich natürlich verblüfft in dein Gesicht. Und Du bemerktest meinen Blick, lächeltest kurz und zeigtest deinen berühmten, optimistisch nach oben gerichteten Daumen.

Ich bin froh, dass Du nun nicht länger leiden musst. Und ich bin froh, dass Du den Abstieg deines, unseres geliebten Vereins, so er denn kommen sollte, nicht mehr erleben musst. Aber zugleich bin ich auch so unendlich traurig, dass deine letzten Wochen mit Sorge um diesen Verein verstrichen. Denn an den HSV und an uns, seine Fans und Mitglieder, hast Du bestimmt bis zuletzt gedacht. Da bin ich mir sicher. Du hättest Besseres verdient gehabt. Viel Besseres!

In meinem Brief, das fällt mir gerade wieder ein, äußerte ich die Hoffnung, dass es uns beiden noch vergönnt sein möge, unsere Mannschaft eines Tages erneut auf dem Rathausbalkon als Deutscher Meister feiern zu sehen. Nun bleibe nicht nur ich allein zurück. Und ich bin auch zornig! Zornig darüber, dass Inkompetenz, Unvermögen und Geltungssucht in und rund um den Verein stets verhindert haben, dass dieser Moment zu deinen Lebzeiten wahr werden konnte. Du aber gehst als Meister aller HSV-Herzen. Du bist nicht Zweifach- oder Dreifach-Sieger. Auf diesen Titel hast Du ein Abonnement in jedem Jahr und über deinen Tod hinaus. Von wem darf man das schon behaupten? Ruhe in Frieden!

Dein Trapper

 

Bestandsaufnahme

+++ EIL Aufsichtsrat stimmt Vertrag für Slomka (bis 2016) einstimmig zu. Für 13 Uhr ist eine PK des Vereins angekündigt. +++

Bert van Marwijk ist beim HSV Geschichte, Slomka als neuer Trainer offiziell noch immer nicht fix. Jedenfalls fehlt unverändert die Bestätigung seiner Verpflichtung durch den Verein. Was den gestern bei Twitter angekündigten Massenrücktritt aus dem Aufsichtsrat angeht, so ist die Nachrichtenlage auch dünn. Mit Klüver ist ein Rat definitiv zurückgetreten. Bei Marek Erhardt heißt es nun unvermittelt, er solle bereits schon vor Tagen das Handtuch geworfen haben. Soll! Es mag also durchaus so sein, aber bei Herrn Erhardt weiß man diesbezüglich nie… Vom Rest der angeblich rücktrittswilligen Räte ist zur Stunde nichts Definitives bekannt. Das mag damit zusammenhängen, dass man evt. noch immer erst das Arbeitspapier Slomkas abnicken will und muss, bevor die Ankündigungen dann in die Tat umgesetzt werden (können). Passt irgendwie zur desolaten Gesamtsituation, oder? Andere Vereine hätten längst Nägel mit Köpfen gemacht – nicht so beim HSV. Wir haben ja Zeit, viel Zeit.

Der alte Trainer wird eine hohe Abfindung kassieren. Über die genaue Höhe möchte ich nicht mitspekulieren. Eins scheint mir aber sicher: Die angepeilte schwarze Null hat sich bereits verpulverisiert. Ich erwarte inzwischen erneut rote, dunkelrote Zahlen. Auch kein Problem, wir haben ’s doch! Geld sei ohnehin nicht das Problem beim HSV, musste ich unlängst u.a. aus dem Munde Hunkes und Liebnaus hören. Das scheint wohl zu stimmen. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass man sich in Hamburg bass erstaunt über die Arbeitsweise van Marwijks zeigte? Ein Anruf in Dortmund etwa, und man hätte sich vorher informieren können. Aber Dortmund hat sich seit Jahren Lichtjahre von Hamburg entfernt. Gespräche über derartige Distanzen per Telefon sind da sehr teuer, sofern sie technisch überhaupt möglich sind.

Slomka wird, bzw. soll es nun unverändert werden. Mir soll es recht sein. In dieser Phase der Saison kann man ohnehin evtl. vorhandene konditionelle Defizite nicht mehr aufholen. So bleibt zunächst zu hoffen, dass der eloquente Herr Slomka den richtigen Draht zur Mannschaft findet. Vielleicht hat er ja auch die eine oder andere goldene taktische und personelle Idee im Köcher, um das Spiel der Mannschaft zu verbessern. Diese Hoffnung muss man einfach haben. Andernfalls könnten wir gleich den Spielbetrieb einstellen. Das meine ich natürlich nicht ernst, denn ich möchte natürlich, dass Hamburg, sollte es denn absaufen, dies wenigstens mit Anstand und Würde hinter sich bringt. Noch aber sind wir nicht so weit!

Ich meine bekanntlich, dass in dieser Situation vor allem im psychologischen Bereich gearbeitet werden muss. Sobiech etwa habe ich noch nie so unsicher und fahrig spielen sehen, wie beim HSV. Djourou wollte man einst in Hannover fest verpflichten – kaum vorstellbar, nach den in Hamburg gezeigten Leistungen. Ist es nicht irre?! Viele Spieler kommen zum HSV und spielen dann dort unterhalb ihrer Möglichkeiten. Die Innverteidigung ist zur Dauer-Baustelle verkommen. Gravgaard, Rozehnal und bisher Djourou und Sobiech – alles Nationalspieler für ihre Heimatländer, aber beim HSV war oder ist davon wenig, zu wenig zu sehen. Von Mancienne und Rajkovic ganz zu schweigen.

Ich bin gespannt, wie Slomka die Herkulesaufgabe beim HSV anpacken wird. Auf van der Vaart wird er jedenfalls zunächst verzichten müssen. Der Kapitän hat sich einen Kapsel- und Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen und wird voraussichtlich drei Wochen ausfallen. Man wird sich also ohnehin ganz neue Gedanken machen müssen. Sollte Slomka auf Konter spielen lassen wollen, dann bliebe ohnehin zu bezweifeln, ob van der Vaart angesichts seiner läuferischen Geschwindigkeitsdefizite dafür der optimale Spieler ist.

Ich gebe zu, ich hätte eine mutige Lösung gut gefunden. Aber den neuen Gisdol oder Weinzierl zu finden, dafür müsste man zum einen wirklich gut vernetzt sein, bzw. man müsste sie im Verein bereits haben. Und vor allem müsste man den Mut haben, von etablierten Namen abzurücken, nur weil man glaubt, man könne das in Hamburg nicht „verkaufen“. Aber beim HSV stimmt es eben nicht nur ganz erkennbar rund um die erste Mannschaft nicht, sondern auch im Unterbau. Deswegen hilft es nicht, hier jetzt Dinge zu fordern, die derzeit in Hamburg nicht umsetzbar erscheinen. Wünschen wir also Slomka Glück, viel Glück! Er wird es brauchen, die Mannschaft braucht es und wir auch.