Tesche

Spielbericht: Hamburger SV – Eintracht Frankfurt 1:1 (0:1)

Aufstellung: Adler – Diekmeier, Mancienne, Djourou, Westermann – Badelj, Arslan – Rincon (62. Tesche), Calhanoglu, Ilicevic – Zoua; Ausfälle (Auswahl): van der Vaart, Jansen, Rajkovic, Jiracek, Beister, Lasogga

Schiedsrichter: Weiner

Spielverlauf: Die Frankfurter Gäste kamen in einer insgesamt schwachen ersten Halbzeit beider Mannschaften besser ins Spiel. Hamburgs „letztes“ Aufgebot agierte in einer fluiden Mischung aus 4-2-3-1 und 4-4-2. Defensiv stand man weitestgehend kompakt, jedoch konnten die Gäste zu Beginn immer wieder vor allem in die Schnittstelle zwischen Djourou und dem aushilfsweise als Linksverteidiger spielenden Westermann passen und den Raum hinter Westermann für eigene Offensivaktionen nutzen. Bis auf eine Glanzparade Adlers in der 28. Minute, als dieser einen Kopfball gerade noch aus dem Torwinkel fischen konnte, waren aber kaum klare Torchancen zu verzeichnen. Dass das Spiel der Frankfurter jedoch deutlich flüssiger und eingespielter wirkte, durfte in Anbetracht der langen Hamburger Verletztenliste niemanden verwundern. In der 31. Spielminute fiel der allseits befürchtete Gegentreffer durch Madlung, der eine Kopfballablage des Ex-Hamburgers Meier durch einen 15-Meter-Schuss flach neben dem rechten Pfosten versenken konnte. Offensiv gefiel aus HSV-Sicht zunächst der sehr engagiert wirkende Ilicevic. Sogar ohne Jansen bleibt der linke Flügel offensiv die Schokoladenseite der Mannschaft. Allerdings versuchte Ilicevic immer wieder nach innen zu ziehen, um von dort selbst zum Abschluss kommen zu können. Ich vermute hier eine taktische Vorgabe Slomkas, da ja im Sturmzentrum die körperliche Wucht und Torgefährlichkeit Lasoggas fehlte. Leider hatten die cleveren Gäste den Braten sehr schnell gerochen, sodass Ilicevic dann beim nach innen Ziehen immer wieder gebremst wurde und den Ball verlor. Die rechte Hamburger Seite blieb über das ganze Spiel relativ blass. Diekmeier und Rincon hatten möglicherweise vom Trainer die Aufgabe zugewiesen bekommen, ihre Seite vor allem defensiv abzusichern, was ihnen meistens auch gelang. Offensiv kam vor allem Diekmeier zunächst kaum zum Zuge. Das lag auch daran, dass er entweder völlig übersehen wurde (Arslan), bzw. daran, dass die Spielverlagerung von Hamburger Seite zu langsam erfolgte, sodass ihm die Bälle meist nicht in den Lauf gespielt wurden. Aus dem Stand konnte er kaum Fahrt aufnehmen, da dann der Raum vor ihm in aller Regel längst defensiv blockiert war. Zoua war durchaus fleißig und konnte einige hohe Bälle gewinnen, blieb jedoch in Sachen Torgefahr fast völlig blass und konnte den verletzten Lasogga höchstens ansatzweise vertreten. Mein Eindruck hier: Zoua wird meist zu schlecht gesehen, muss aber noch an seiner Explosivität und Zielstrebigkeit arbeiten. 0:1 zur Pause. Die zweite Halbzeit bewegte sich zunächst auf ähnlichem Niveau wie die Erste. In der 62. Minute reagierte Slomka darauf und deutete mit dem Wechsel Tesche für Rincon (keineswegs schlecht, aber kein Außenbahnspieler) eine taktisch moderat offensivere Ausrichtung der Heimmannschaft an. In der Folge wurde nun auch Diekmeier offensiv bemerkbarer, ohne dass Tesche selbst herausragend in Erscheinung trat. Dies lag vor allem daran, dass nun Calhanoglu meist im Verbund mit dem Hamburger Rechtsverteidiger auf der Außenbahn agierte. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass Calhanoglu mit zunehmender Spielzeit stärker wurde. Eine gute Partie von Hakan. Einmal mehr gefiel mir Badelj von beiden Sechsern deutlich besser. Der prinzipiell offensivere Arslan konnte vor allem offensiv einmal mehr kaum Akzente setzen. Zoua wurde in der 72. Minute für seinen kämpferischen Einsatz belohnt, als er gegen Zambrano immerhin einen Elfmeter herausholen konnte, den Calhanoglu unhaltbar zum Ausgleich versenkte. 1:1. In der Folge lag das Momentum eindeutig auf Hamburger Seite, da die Frankfurter sich zu weit zurück zogen. Offenbar wollten sie nun über Konterspiel zum Erfolg kommen, jedoch wurden die Ansätze dafür meist vom aufmerksamen Hamburger Mittelfeld bereits im Keim erstickt. Leider gelang es dem HSV in den verbleibenden Minuten nicht mehr, den entscheidenden Treffer zu setzen. So konnten die Gäste aus Frankfurt keineswegs unverdient einen Punkt mit nach Hause nehmen.

Fazit: Angesichts der verletzungsbedingten prominenten Ausfälle trat der HSV (fast) mit dem letzten Aufgebot an. Vor allem Jansen und Lasogga wurden schmerzlich vermisst, auch wenn Jansen-Ersatz Westermann eine ordentliche Partie ablieferte. An dieser Stelle muss man einfach mal loben, dass sich Westermann stets in den Dienst der Mannschaft stellt. Das sollten manche mal würdigen, anstatt ihm seine zweifellos (auch) vorhandenen Defizite vorzuhalten. Djourou bestätigte seinen klaren Formanstieg unter Slomka. Woran das wohl liegen mag….? Mancienne spielte nach langer Wettkampf-Pause ebenfalls sehr ordentlich – auch so ein „Fall“.  Hatte er bis zu seiner damaligen schweren Knöchelverletzung durchaus passabel bis gut gespielt, so war er seinerzeit plötzlich völlig weg vom Fenster und wurde, wie alle anderen Aussortierten auch, vom Verein vollkommen unwürdig behandelt. Tesche bleibt bis auf weiteres der Trainingsweltmeister. Drama, Baby, Drama! Ein derart Hochbegabter, dem einfach nicht der absolut mögliche Durchbruch gelingen will. Hier hätte man m.E. längst sportpsychologisch-unterstützend intervenieren müssen. Das ist grundsätzlich billiger günstiger und sinnvoller, als permanent Spieler als angeblich bundesligauntauglich auszusortieren und neue zu holen. Der eine Punkt hilft den Hamburgern im Kampf gegen den Abstieg zunächst nicht entscheidend weiter, ist jedoch angesichts des verletzungsfreien Restkaders aller Ehren wert. Er könnte sich daher in der Endabrechnung am Ende der Saison noch als goldwert erweisen. Es wird jedoch noch ein langer Weg und am Ende vermutlich eng, ganz eng. Ich aber bleibe weiterhin zuversichtlich. Alles andere wäre ohnehin kontraproduktiv. Vollkommen „enteiert“ und blamiert wirkt nunmehr Hamburgs Sportdirektor Kreuzer, der sich vor Monaten bekanntlich weit, weit aus dem Fenster gelegt hatte. Er, und niemand anderes sonst!, war es, der ausdrücklich betont hatte, dass bestimmte Spieler (u.a. Mancienne, Rajkovic und Tesche) nie wieder für den HSV auflaufen würden, so lange er in Hamburg sei. Angesichts der Unwägbarkeiten des Fußballs eine Aussage mehr, die sich längst als absolut töricht erwiesen hat.

Anmerkung: Die von Schiedsrichter Weiner zugebilligten drei Minuten Nachspielzeit waren aufgrund zweier ausgedehnter Behandlungspausen Frankfurter Spieler und des ganz offensichtlichen Zeitspiels der Gäste (bei Auswechselungen) ein schlechter Witz.

Trainingseindrücke beim HSV vom 6. März 2014

Gestern hatte ich erstmalig die Gelegenheit, eine Trainingseinheit des HSVs an der Arena zu beobachten. Um es vorweg zu nehmen: Für den interessierten Zaungast ist das zwar eine tolle Möglichkeit, sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen und ganz nebenbei, sofern man das möchte, von Spielern oder Trainern Fotos zu schießen (Mein Ding ist das allerdings nicht.). Allerdings sollte man nicht glauben, dass man als Laie und sporadischer Kibietz aufgrund derartiger Eindrücke tiefgreifende Schlüsse im Hinblick auf Trainingsplanung oder gar Mannschaftsaufstellung ziehen könnte. Daher sind meine Impressionen hier auch lediglich als Momentaufnahme zu betrachten.

Die Trainingseinheit begann ca. 15 Uhr 30 und dauerte (geschätzt) 90 Minuten. Es begann mit einer Mischung aus lockeren gymnastischen und Pass-Übungen, bei denen sich jeweile vier Spieler als Zweier-Paare aufgeteilt gegenüber standen. Zum Teil sollten im mittleren Feldbereich zwischen den beiden jeweiligen Start/Endpositionen die Bälle ganz eng am Fuß geführt werden. Gleichzeitig sollten von den Spielern ganz viele verschiedene Richtungsänderungen mit Ball ausgeführt werden. Man kann sich das als eine Art Hakenschlagen mit Ball vorstellen. Eine Übung, die z.B. jene Spielsituationen simuliert, in denen man als Ballführender von mehreren Gegnern eingekreist und attackiert wird, und in der man auf der Suche nach der Passlücke zum eigenen Mitspieler ist.
Im Abschlusspiel wurde auf verengtem Raum (Halbfeld) gespielt. Offenbar hatte Slomka u.a. gefordert, dass die spielaufbauende Verteidigung sofort aggressiv angelaufen wird. Auch hier, so mein Eindruck, sollten die Spieler genau mit der gegnerischen Verhaltensweise konfrontiert werden, die dem HSV zu letzt so viel Probleme im realen Wettkampf bereitete. Von den jeweiligen Abwehren inklusive Torhütern war also gefordert, durch schnelle Seitenverlagerungen dem Druck des Offensivpressings auszuweichen und trotzdem ein konstruktives eigenes Angriffsspiel aufzuziehen. Kurz: Die Übungen wirkten praxis- und lösungsorientiert, und die Spieler waren engagiert bei der Sache. Insgesamt wurde schnell und nach möglichkeit direkt gespielt, was an die 10-Sekunden-Vorgabe zwischen Balleroberung und Torabschluss erinnerte.

Gefallen hat mir besonders Rincon, der sehr beweglich, kämpferisch und durchaus auch ballsicher wirkte. Ebenfalls zu gefallen wusste Matti Steinmann, der durchaus konkurrenzfähig wirkte. Alles, was er machte, wirkte klar, schnörkellos und dabei auch von der unverzichtbaren körperlichen Härte flankiert. Als gleich mehrfacher Torschütze überraschte Westermann, der auch in dieser Einheit mit gutem Beispiel voran ging. Auch dabei war Tesche, der mal wieder zeigte, wozu er prinzipiell im Training fähig ist. Würde er dies doch öfter auch im realen Wettkampf abrufen – es gäbe keine Diskussionen um ihn.

Nicht dabei: van der Vaart, Lasogga, Jansen und Ola John.

Ingesamt ein interessanter Nachmittag. Allerdings kann ich nun noch besser verstehen, warum manche Trainer gerne häufiger unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren würden. Man könnte schlicht noch konzentrierter arbeiten.

Negativ: mal wieder stürzten sich die Kamerateams auf die größten ahnungslosen Sprücheklopfer und schlichtesten Gemüter. Es geht eben nicht um tatsächliche Berichterstattung, sondern um möglichst griffige Schlagzeilen. Ich für meinen Teil könnte darauf verzichten. Jeder blamiert sich eben so gut er kann.