Erfolgreich überholt: Hamburger SV – 1.FC Nürnberg 2:1 (0:0)

Aufstellung: Adler – Westermann, Mancienne, Djourou, Diekmeier – Arslan (88. Rincon), Badelj  Ilicevic (85. Jiracek), Calhanoglu – van der Vaart (82. Tesche) – Zoua

Schiedsrichter: Fritz

Vorbemerkung: Der HSV begann in der von mir erwarteten Aufstellung. Kapitän van der Vaart kehrte in die Startaufstellung zurück, Calhanoglu rutsche auf die rechte Außenbahn und Rincon blieb zunächst auf der Bank. Van der Vaart agierte die meiste Zeit als hängende Spitze, sodass der HSV gegen den Ball mit einem 4-4-1-1 agierte. Einem Interview mit dem Trainer unter der Woche entnahm ich unlängst, dass Slomka Raphael offenbar ähnlich einschätzt wie ich. So hatte ich ja mehrfach bestritten, dass der Niederländer ein klassischer Spielmacher ist und zugleich darauf hingewiesen, dass die Bindung zwischen Defensive und Offensive dringend verbessert werden müsse. Mit anderen Worten: van der Vaart sollte sich in meinen Augen auf seine Stärken, unmittelbare Torschuss-Vorlagen, eigener Abschluss sowie die Standards, konzentrieren können, anstatt sich die Bälle von zu weit hinten holen zu müssen. Slomka sagte nun sinngemäß, dass die Sechser zukünftig ihre Räume im Mittelfeld besser halten sollten, also sich nur ausnahmsweise die Bälle zwischen den Innenverteidigern abholen sollten, da er beiden Innenverteidigern den Spielaufbau durchaus zutraue. Durch die dadurch höher agierenden Sechser sei es auch weitestgehend unnötig, dass van der Vaart zu weit zurückkomme, was fast zwangsläufig auch zu einer besseren Bindung zwischen Raphael und dem jeweiligen Stürmer führe, bzw. van der Vaart in eine Position brächte (vorderstes Drittel), in der seine Stärken besser zur Geltung kämen. Man darf das wohl getrost als Abgesang auf den abkippenden Sechser Fink’scher Prägung verstehen. Den wird es unter Slomka wohl nur noch ausnahmsweise zu sehen geben.

Spielverlauf: Der HSV begann von Anfang an couragiert und schien nahtlos an die zweite Hälfte des Frankfurt-Spiels anknüpfen zu wollen. Auffällig zunächst beide Außen. Sowohl Calhanoglu als auch Ilicevic zeigten sich sehr unternehmungslustig. Aber auch der (nicht nur von mir) oft kritisch beäugte Arslan wusste zu gefallen. Er eroberte enorm viele Bälle und konnte durch seine Ballsicherheit oft jene Bindung (s.o.) herstellen, an der es in der Vergangenheit allzu oft gemangelt hatte.
Nürnberg war stets brandgefährlich. So traf Feulner etwa in der 24. Minute den Außenpfosten und es gab mehrere Momente, in denen die Hamburger nur mit Glück und Geschick einen Gegentreffer vermeiden konnten. Ingesamt entwickelte sich ein sehr unterhaltsames Spiel, in welchem beide Mannschaften erkennbar darum bemüht waren, Fußball zu spielen und Tore zu schießen – ohne dabei den Kampf zu vernachlässigen.
In der 20. Minute hätte der HSV nach einer Ringkampfeinlage im Strafraum der Nürnberger einen Strafstoß zugesprochen bekommen können. Aber entweder sah Schiedsrichter Fritz Westermann zu sehr selbst beteiligt, oder ihm ist die ganze Aktion entgangen. Glück für Nürnberg.
Spätestens nach ca. dreißig Minuten sprag der berühmte Funke von der Mannschaft auf das Publikum endgültig über und es gab Szenenapplaus. Der HSV störte immer wieder erfolgreich bereits den Spielaufbau der Gäste durch die lauffreudigen Zoua und van der Vaart. Zoua war es dann vorbehalten, mit einem Treffer an den Außenpfosten (Vorarbeit Ilicevic) den Schlussakkord aus hamburger Sicht für die erste Halbzeit zu setzen. Überhaupt muss ich Zoua loben. Sicher fehlt ihm noch die Torgefährlichkeit eines Lasoggas, aber was der Junge im Dienst der Mannschaft ackert, wie viele hohe Bälle er sichern konnte – auch das muss mal gewürdigt werden! Zur Halbzeit gab es verdienten Applaus des Publikums für beide Mannschaften. Ein torloses Unentschieden der eindeutig besseren Sorte.

Die zweite Hälfte sah dann über weite Strecken einen überlegenen HSV, der sich folgerichtig eine Vielzahl an Chancen erspielen konnte. Meist parierte der glänzend aufgelegte Nürnberger Torhüter Schäfer, oder es stand jemand anderes im Weg. So konnte Pinola in der 70. Minute einen Kopfball von Zoua gerade noch von der Linie köpfen. Schade, Jacques, Du hättest einen Treffer verdient gehabt.
In der 80. Minute wurden die permanenten Hamburger Angriffsbemühungen endlich belohnt. Calhanoglu zog aus halblinker Position kurz vor dem Strafraum ab und hatte das Glück, dass sein Ball von einem Nürnberger Bein noch leicht abgefälscht wurde. Die daraus resultierende Bogenlampe senkte sich hinter dem chancenlosen Schäfer unhaltbar ins Netz des Gästetores. 1:0 für den HSV, endlich! Kurz darauf wurde gewechselt. Tesche wurde, wie von mir ebenfalls erwartet, belohnt und kam für van der Vaart. Der gerade eingewechselte Jiracek wollte vom linken Flügel den in der Mitte lauernden Zoua bedienen. Der Ball kam aber etwas zu nah vor das Tor der Gäste, wo er vom Nürnberger Frantz bei einem missglückten Rettungsversuch in bester Torjägermanier im eigenen Tor versenkt wurde. 2:0 in der 86. Spielminute und offiziell nur noch 4 Minuten auf der Uhr, da konnte doch fast nichts mehr schief gehen, oder? Weit gefehlt! Der ansonsten tadellos spielende Djourou vertändelte hoch in der eigenen Hälfte stehend leichtfertig den Ball gegen gleich zwei Nürnberger. Resultat: Unordnung in der Hamburger Rückwärtsbewegung und der Anschlusstreffer durch den ansonsten durch die HSV-Defensive fast vollständig abgemeldeten Drmic zum 2:1 in der 90. Minute. In den vom Schiedsrichter verhängten drei Minuten Nachspielzeit musste daher aus Hamburger Sicht vollkommen unnötig gezittert werden. Und beinahe wäre den Gästen tatsächlich in der 94.(!) Minute der Ausgleich gelungen. Aber der sichere Adler konnte einen wirklich gut über die Hamburger Mauer gehobenen Freistoß gerade noch aus dem Torwinkel kratzen. So blieb es dann doch beim 2:1-Erfolg für den Hamburger Sportverein.

Fazit: Der Mannschaft des HSVs kam entgegen, dass auch die Nürnberger stets schwungvoll nach vorn und Fußball spielen wollten, anstatt sich auf destruktive Spielzerstörung zu beschränken. In Anbetracht der zweiten Hälfte ist der Sieg des HSVs verdient, wäre jedoch um ein Haar noch verschenkt worden.

Slomka hatte im Vorfeld der Partie von einem Überholspiel gesprochen. Und endlich einmal konnte die Hamburger Mannschaft eine tabellarische Möglichkeit nutzen. So zog man für ’s Erste in der Tabelle an Nürnberg und Stuttgart vorbei und kletterte auf den 14. Platz. Mit nunmehr 23 Punkten kommt sogar die Eintracht aus Frankfurt (26 Punkte) wieder in Reichweite. Spielerisch wie taktisch ist der Aufwärtstrend der Hamburger Mannschaft unter Slomka unübersehbar. Auch individuell wirken die Spieler sicherer. Verdienter Lohn sind nun sieben Punkte aus vier Spielen. Der gesamten Mannschaft darf man zu dieser Leistung gratulieren. Mich persönlich freut besonders, dass auch die in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu schlecht weggekommenen Mancienne, Jiracek, Tesche und Zoua ihren Anteil an diesem Sieg hatten. Etwas schade, dass Djourous ansonsten wirklich gute Leistung durch seinen Leichtsinnsfehler überschattet wurde. Aber auch seine Leistungssteigerung ist grundsätzlich unübersehbar. Nun gilt es, in der nächsten Partie gegen den VfB nach Möglichkeit nachzulegen. Dort ist ja inzwischen der auch in Hamburg bestens bekannte „Knurrer aus Kerkrade“ Trainer geworden. Gegen Disziplinfanatiker Stevens und seine Stuttgarter wird es vermutlich wieder ein ganz harter Gang. Die grundsätzliche Entwicklung aus Hamburger Sicht gibt allerdings allen Anlass zur Zuversicht, auch wenn sicher weitere Möglichkeiten zur Leistungsverbesserung vorhanden sind.

Und zu guter letzt: Das gerade zu Hause oft zurückhaltende oder gar nörgelnde Hamburger Publikum hat die Mannschaft während der gesamten Partie wirklich großartig unterstützt. So stell‘ ich mir das vor! Es wäre schön, wenn dies so bliebe.

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5 Kommentare

  1. Eine, wie von mir erwartet, treffende Kommentierung des Spiels.
    Offenbar haben sich Raffa und Hakan das Spielfeld aufgeteilt. Hakan schießt Eckbälle und Freistöße von links und Raffa von rechts. Bin mal gespannt, was die Beiden tun, wenn der Freistoß von der Mitte ausgeführt werden soll.
    Im Ernst, ich finde die Absprache OK. So kommen sie wenigstens nicht aus der Übung.
    Brandgefährlich fand ich Nürnberg nie. Umso erstaunter war ich beim ersten Pfostenschuss und beim letzte Freistoß. Dazwischen verstand es der HSV, durch Kampfgeist, den Nürnbergern die Flügel zu stutzen.
    Besonders bemerkenswerdt finde ich die berühmten Werte, Ballbesitz und Laufleistung. In diesen, so sehr beobachteten Werten, war Nürnberg deutlich besser als der HSV und zumindest ich hatte immer den Eindruck, dass es umgekehrt sei. Das bestätigt die Meinung, dass der (Die Mannschaft), der ein gutes Stellungsspiel hat weniger laufen muss und damit das Spiel im Griff hat.

    1. @oldiehamburg
      was die Aufgabenverteilung in der Mitte, bzw. die Entscheidungsfindung angeht: Vielleicht sehen wir demnächst „Papier, Schere, Licht“ 😉

      Oh, was die Gefährlichkeit der Nürnberger angeht, so hatte der HSV tatsächlich meistens alles im Griff. Bei einigen Situationen brannte es aber lichterloh im Strafraum des HSVs, und es gelang gerade noch, den Ball wegzuschlagen, bzw. zu blocken. Außerdem vergab der HSV viele, viele Chancen, während die Clubberer vergleichsweise wenige brauchten, um sogar noch eine Ausgleichschance zum Schluss zu bekommen.
      Gestern sah ich dann auch noch Eintracht gegen Freiburg. Eintracht war im Prinzip klar besser. Gewonnen hat aber Freiburg, da sie von 6 Chancen 4 nutzten. Auch unser Spiel gegen den FCN wäre evtl. gänzlich anders gelaufen, hätte z.B. Feulner mehr Schussglück gehabt. Dann hätte uns die optische Überlegenheit wie den Frankfurtern gar nichts gebracht.

          1. Das Zittern am Ende des Spiels war wohl doch mehr auf die Nachlässigkeit des HSV zurückzuführen. Nach dem 2:0 ließ die Anspannung nach und man wollte das Spiel nach hause „schaukeln“. Wie Mirko Slomka schon sagte: „Konzentrationsfehler = Gegentor“.

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