Calhanoglu

Nachlese zum 100. Derby

Rajkovic mit Kreuzband- und Innenbandriss mindestens für den Rest der Saison verloren. Bei Badelj (Mittelhandbruch) ist unklar, ob er mit Schiene wird spielen können. Jiracek und Calhanoglu mit Oberschenkelzerrungen angeschlagen. Es gäbe wahrlich bessere Nachrichten aus Hamburger Sicht.

Die Social-Media-Abteilung von Werder meinte am Samstagabend, sich nachträglich mit einem großen „DAZKE“-Tweet für die Choreo bei den eigenen Fans bedanken zu müssen (Hintergrund ist ein Missgeschick bei einer zehn Jahre alten Choreo der Hamburger, die seinerzeit das „N“ verkehrt herum zeigten.). Ansich alles kein Problem. Frotzeleien und Spott gehören zweifellos zu einem Derby. Und sicher konnten die Bremer Fans, die wochenlang an ihrer Choreo gebastelt hatten, damals noch nicht wissen, dass Hermann Rieger kurz vor dem Derby versterben würde. Dennoch empfand man als Hamburger das „DAZKE“ von Bremer Seite angesichts der veränderten Umstände als äußerst pietät- und geschmacklos. Das haben die Bremer Offiziell-Twitterer offenbar durchaus auch bemerkt, denn der Tweet wurde kurz nach Erscheinen wieder gelöscht. Peinlich ist allerdings, dass man sich nicht ausdrücklich zu seinem Fehler bekannt hat, und umgehend mit einer kurzen Äußerung des Bedauerns jenes zusätzliche Gift aus den Beziehungen beider Fanlager saugen wollte konnte, das man selbst durch seinen unachtsamen Tweet hier injiziert hat. Man darf jetzt schon gratulieren…

Der Hamburger Boulevard hetzt derweil gegen die Mannschaft des HSVs, da nur vier Spieler an dem sonntäglichen offiziellen Gedenkgottesdienst für Hermann Rieger in der Arena teilnahmen. Abgesehen davon, dass es jedem Menschen selbst überlassen sein muss, wie er ggf. seine Anteilnahme zum Ausdruck bringt, erscheint mir hier der Begriff des „Tugendterrors“ erstmalig einleuchtend, plausibel und angebracht. Zieht man dann noch ins Kalkül, aus wessen Feder diese Artikel stammen, dann darf man getrost schlussfolgern, dass hier die personifizierte Unmoral moralisches Verhalten fordert. Selbst den Wein in Schläuchen saufen, aber im Bedarfsfall Wasser predigen – verlogen.  Ganz nebenbei spaltet man so die Hamburger Reihen, was sich u.U. noch als „hilfreich“ im Abstiegskampf erweisen könnte. Daher auch hier: Gratulation! – das Niveau der Bremer Kollegen noch mühelos unterboten. Darauf dürft Ihr wahrlich stolz sein.

Spielbericht: Ost-Delmenhorst – Hamburger SV (100. Derby) 1:0

+++ Ergänzung: Rajkovic hat sich Kreuz- und Innenband im linken Knie gerissen und fällt monatelang aus. Gute Besserung, Boban!; Badelj mit Mittelhandbruch links. Kann u.U. mit Schiene weiterspielen. Auch hier gute Besserung! +++

Aufstellung: Adler – Diekmeier, Djourou, Rajkovic (65. Sobiech), Jansen – Rincon (46. van der Vaart), Badelj, Arslan, Jiracek (79. Zoua) – Calhanoglu, Lasogga.

Schiedrichter: F. Meyer

Spielverlauf: Dutt hatte für manchen überraschend den zuletzt schwachen Lukimya aufgeboten. Dessen starke körperliche Präsenz und robuste Spielweise passte, wie sich erweisen sollte, perfekt als Gegenspieler zu Hamburgs Sturmspitze Lasogga. Gratulation, Herr Dutt, nicht nur zu diesem Schachzug! Lukimya machte ein starkes Spiel und ließ Hamburgs Goalgetter kaum zur Entfaltung kommen. Das Resultat dieser Maßnahme war, dass aus Hamburger Sicht vorne nicht die Bälle wie gewohnt festgemacht werden konnten, sodass torgefährliche Aktionen vor dem Gehäuse der Gastgeber Mangelware blieben. Die Hausherren zeigten sich ihrerseits von Beginn an entschlossen, die Punkte für sich zu gewinnen. Der HSV kämpfte, fand aber oft keine Mittel. Die Abstimmung zwischen Rincon und Diekmeier auf der rechten Seite war nicht immer optimal, und auch auf der linken Außenbahn hatten die zuletzt starken Jiracek und Jansen einige Mühe. So segelten in der ersten Hälfte viel zu häufig die Hereingaben über außen in den Hamburger Strafraum, ohne dass dies zunächst Folgen hatte. Da die Hamburger Abwehr, besonders Diekmeier, im Spielaufbau sofort aggressiv angelaufen wurden, blieb der Hamburger Spielaufbau über weite Strecken mangelhaft. In der 18. Spielminute verlängerte Hunt mit der Hacke einen halbhohen Ball in den Hamburger Strafraum. Junuzovic schaltete am schnellsten und schoss links unten an Adler vorbei ins Tor. 1:0 für den Rivalen. Ärgerlich, aber noch war ja viel Zeit auf der Uhr.
Hamburg versuchte zwar auf den Ausgleich zu drängen, kam aber lediglich über Calhanoglu zu einem sehenswerten Schlenzer ins lange Eck, den der gegenerische Torwart mit Mühe an die Latte des Gehäuses beförderte. Das hätte ein Tor sein können, war es aber eben nicht.
Zur Pause nahm Slomka wie von mir für diesen Fall erwartet Rincon aus dem Spiel und brachte van der Vaart. Die dadurch erzwungene Umstellung, der zunächst als zweite (hängende) Spitze aufgebotene Calhanoglu kam nun vermehrt über die rechte Außenbahn, während van der Vaart dessen Position vorne einnahm, schien zunächst das Hamburger Offensivspiel tatsächlich zu beleben. Zunächst aber musste Schiedsrichter Meyer die Partie in der 48. Minute für mehrere Minuten unterbrechen, weil einige Holzköpfe meinten, sie müssten unbedingt Bengalos abfackeln. Wahnsinn, dass dieser gefährliche Schwachsinn einfach nicht aufhört!
Nach Fortsetzung des Spiel folgte die beste Hamburger Phase. In der 55. Minute hatte Badelj Pech, dass sein Volleyschuss nach Ecke van der Vaarts direkt auf den Torhüter kam und so letztlich problemlos entschärft werden konnte. Es folgte aus Hamburger Sicht der nächste Schock: Der bis dahin erneut engagiert spielende Rajkovic kam in der 65. Spielminute im Zweikampf mit einem Gegenspieler unglücklich auf und musste mit Verdacht auf Bänderverletzung im linken Knie ausgewechselt werden. Drama, Baby, Drama! Ausgerechnet Boban, der gerade nach langer Leidenszeit zurück ins Team gefunden hatte und auf dem Weg zum Stammspieler war! Ich hoffe sehr, dass es vielleicht doch nur eine schwere Bänderdehnung ist und wünsche ihm wirklich alles, alles Gute! Für Boban kam dann Sobiech. Und das war praktisch dann, man muss es leider so deutlich schreiben, fast schon der Genickbruch. Sobiech, ein zweifellos talentierter Innenverteidiger, zeigte sich erneut als Nervenbündel und verschuldete mit seiner ersten Aktion beinahe das zweite Gegentor. Er lief parallel zum eigenen Strafraum mit Ball und verlor diesen leichtfertig gegen Petersen, der den Ball zum eigenen Mann weiter passte. Zum Glück ging der folgende Abschluss haarscharf links am Hamburger Tor vorbei. Ich meine, er hätte sogar den Außenpfosten gestreift. Glück gehabt!
Slomkas Team kämpfte unverdrossen, aber verlegte sich viel zu früh fast ausschließlich auf lange Bälle, denen aber entweder die Genauigkeit fehlte, oder die (wie schon erwähnt) nicht festgemacht werden konnten. Das Mittelfeld erwies sich erneut viel zu häufig als kreatives Vakuum. Einzig von Badelj sah man hin und wieder ordnende Pässe. Das ist schlicht und einfach zu wenig! Arslan des öfteren mit Anspielversuchen in der Hamburger Vorwärtsbewegung, die leicht und einfach abgefangen werden konnten und Konterchancen für den Gegner einleiteten. Auch Calhanoglu und van der Vaart waren kaum zu sehen. Als Slomka dann gezwungenermaßen alles auf eine Karte setzte und Zoua für Jiracek brachte, da war spätestens dann auch die linke Seite offen wie ein Scheunentor. So kann man am Ende noch froh sein, dass es bei einer knappen Niederlage geblieben ist, denn Chancen hatte der Gegner genug, um das Ergebnis auszubauen.

Fazit: So schwer es auch fällt – ein verdienter Sieg für Ost-Delmenhorst im 100. Derby. Aus Hamburger Sicht leistungsmäßig nach zwei Schritten vorwärts (gegen den BvB) mindestens ein großer, großer Schritt zurück. Trotz allen kämpferischen Engagements konnten kaum personelle Überzahlsituationen in Ballnähe erreicht und Zugriff auf das Spiel gewonnen werden. Dies zeigt m.E. auch die bescheidene Anzahl (theoretischer) eigener Torchancen.  Der Ausfall von Rajkovic zerstört für ’s erste alle Hoffnungen auf ein stabiles Innenverteidigergespann beim HSV. So wurden am  Ende vielleicht nicht nur drei Punkte gegen den (bis dahin) unmittelbaren Tabellennachbarn verloren. Bitter, bitter!