Jatta

Auswärtskrise und Einstellungsmängel – vom Sinn und Unsinn von Erklärungen

Kurz vorweg: Eigentlich wollte ich hier nichts mehr bloggen, aber die gestrige Niederlage des HSV beim VfL Osnabrück (2:1) befeuert augenscheinlich eine Debatte, die bereits in den letzten Wochen vor allem vom Hamburger Boulevard erkennbar angeheizt wurde. Und das macht mich so zornig, dass ich mich hier dann doch zu Wort melde.

Der HSV hat also angeblich eine „Auswärtskrise“. Zur Erinnerung: die Erfinder dieses reinen Welterklärungsversuches sind genau jene Sportjournalistendittsches, die regelmäßig bei den PKs des HSV im geistigen Bademantel lümmeln und vornehmlich durch drei ewig gleiche Fragen an Dieter Hecking auffallen:

  1. Wie ist die Personallage?
  2. Wie erwarten Sie den Gegner?
  3. Was sagt Ihr Lieblingsitaliener? (Ersatzweise eine andere menschelnde Frage)

Eine nicht minder populäre Erklärung nach Niederlagen ist die Behauptung, die Spieler seien eben abgehoben und überheblich, oder sie seien einfach nicht mit der richtigen Einstellung zu Werke gegangen.

Kurz zusammengefasst: Die beiden populärsten Erklärungsversuche für ausbleibende Erfolgserlebnisse sind also mit großem Abstand unterstellte:

  1. Einstellungsmängel
  2. Auswärtskrisen (ersatzweise auch Heimkrisen, aber derzeit aus Gründen nicht in Mode)

Bevor ich jeweils auf diese Behauptungen eingehe, erscheint es mir sinnvoll, auf ein grundsätzliches psychologisches Phänomen aufmerksam zu machen: Der Mensch sucht von Natur aus beständig nach Antworten für das ihm Unerklärbare. Das ist die Grundlage unseres Lernens, dadurch begreifen wir die Welt, das ist der Motor jeglichen Fortschritts. Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, warum wir möglichst schnell nach Antworten verlangen. Denn etwas, das für uns von Bedeutung ist, das wir aber nicht erklären können, erscheint chaotisch. Chaos aber löst in uns Menschen Unruhe und Angst aus, sodass wir im Allgemeinen dazu tendieren, möglichst schnell das Chaotische zu ordnen. Denn so wird es übersichtlicher und somit begreifbar. Und Ordnung, die Monks unter uns wissen ein Lied davon zu singen, reduziert Angst.

Was ich mit diesen grundsätzlichen Hinweisen erklären möchte, ist, dass es nur zu menschlich ist, auf eine grundsätzlich offene Fragestellung möglichst schnell Antworten finden zu wollen, mögen sie bei näherer Betrachtung auch noch so wenig zu überzeugen. Allein Antworten zu haben beruhigt. Dieses Prinzip machen sich übrigens derzeit die Populisten weltweit zu nutze: Sie liefern ihren Anhängern simpelste Antworten für eine komplexe und für viele Menschen beängstigend komplizierte Welt.

Der Einstellungsmangel eines oder gleich mehrerer Spieler ist ein bemerkenswert populäres Erklärungsmodell, welches nach Niederlagen nur zu gern herangezogen wird. Ich will keineswegs bestreiten, dass es ihn tatsächlich gibt. Zugleich möchte ich aber mit Nachdruck darauf aufmerksam machen, dass die weitaus meisten Kommentatoren diesen Vorwurf allein auf Ferndiagnosen gründen, da sie mit den Spieler persönlich nie gesprochen haben. So bleiben alle anderen denkbaren Gründe für das beobachtete Leistungsbild unbekannt und unberücksichtigt. Der Spieler wirkte auf den Beobachter überheblich also ist er es. Es bedarf nicht viel Mühe, um darauf zu kommen, dass es aber vielfältige Gründe gaben mag. Und dass der äußere Anschein sehr wohl trügerisch ist. Entscheidend bleibt: ich suche eine Antwort, der Einstellunsgmangel scheint sie zu liefern, Deckel drauf, aus die Maus.

Die statistischen Untersuchungen zum angeblichen Heimvorteil oder den angeblich deutlich schwierigeren Auswärtsspielen im Profifußball zeigen eines sehr deutlich: In den letzten Jahren nimmt die Wahrscheinlichkeit, mit welcher eine Mannschaft auch auswärts erfolgreich ist, beständig zu. Wenn es gar keine Rolle mehr spielen würde, wo eine Mannschaft auftritt, dann müsste die Erfolgswahrscheinlichkeit für beide Mannschaften annähernd ausgeglichen (50/50) sein. Tatsächlich zeigt die letzte mir bekannte Statistik, dass Mannschaften, die auswärts antreten müssen, gegenwärtig bereits zu ca. 44% erfolgreich sind (mit steigender Tendenz in den letzten Jahren!). Dies bedeutet zweierlei: Wir alle sind in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass Auswärtsspiele deutlich schwierigen sind und haben dies als vermeintlich gesichertes Wissen abgespeichert. Tatsächlich aber wird es im Fußball für den Spielausgang zunehmend völlig irrelevant, wo die Mannschaft spielen muss. Und es bedeutet für Fans auch, dass sie ihre Vorstellung vom eigenen Beitrag zum Erfolg ihrer Mannschaft vermutlich überschätzen. Denn wenn es zunehmend gar keine Rolle mehr spielt, ob ein ausverkauftes Heimstadion oder eine deutlich geringer besuchte Auswärtsfankurve supporten, ist das die naheliegende logische Schlussfolgerung. Was allerdings keineswegs ausschließt, dass der Support der Fans in ganz engen Matches eben doch das Zünglein an der Waage sein kann.

Dies alles vorangestellt wage ich die Behauptung, der HSV hat keine „Auswärtskrise“, auch wenn er zuletzt überwiegend auswärts Punkte liegengeließ sondern schlimmstenfalls eine Ergebniskrise. Wobei hier immer noch sowohl die gute Tabellenplatzierung als auch der bisher erzielte Punkteschnitt ausweisen, dass es sich gegenwärtig lediglich um eine leichte Delle und keine tatsächliche Krise handelt.

Wobei ich bei den aus meiner Sicht tatsächlichen Gründen für die beobachteten Leistungen angekommen wäre. Mit fortschreitendem Verlauf einer Saison steht den Analysten der Vereine immer mehr Datenmaterial zur Verfügung, um Stärken und Schwächen der Gegner auszuwerten und darauf aufbauend eine erfolgreiche eigene Strategie zu entwickeln. Auf den HSV bezogen heißt das Folgendes:

Es dürfte längst unstrittig sein, dass der Kader wenig überraschend angesichts des Etats individuell mit zum Besten gehört, was die 2. Liga derzeit zu bieten hat. Gleiches gilt für das spielerische Potenzial des Teams. Lässt der Gegner den HSV spielen, ist er in der Regel chancenlos. Es gilt, dies daher mit allen Mitteln zu verhindern. Zu beoachten war bislang, dass sich der HSV gegen aggressive Mannschaften deutlich schwerer tat. Insbesondere dann, wenn ein ruhiger Spielaufbau durch seine beiden Innenverteidiger und den Schlüsselumschaltspieler Adrian Fein sofort durch Anlaufen und/oder körperliche Härte unterbunden werden kann. Hier nur ein kleiner Hinweis: Hat jemand in den letzten Wochen noch einmal jenen einen formidablen langen Ball von van Drogelen auf Harnik gesehen? Nein? Warum wohl nicht?

Von kaum geringerer Bedeutung für die jeweiligen Gegner ist die bestmögliche Bekämpfung von Leibold als Vorlagengeber und Kittel als Torschützen. Einen annähernd vollständig einsatzbereiten Kader vorausgesetzt, ist dieses Unterfangen nur schwer möglich. Denn mit dem zwischenzeitlich rot gesperrten Jatta wäre dann noch einer der schnellsten Spieler der Liga ebenfalls zu beachten, und mit einem gesunden Hinterseer könnte Harnik wieder auf die rechte Außenbahn ausweichen. Oder mit einem gesunden Hunt stünde neben Kittel ein weiterer zudem erfahrener Kreativspieler und Standardschütze auf dem Platz, den man tunlichst als Gegner auch nicht aus den Augen verlieren sollte.

Wäre, wäre, Fahrradkette. Jatta gesperrt, Hunt verletzt oder krank, Hinterseer verletzt und von den beiden leider langzeitverletzten etatmäßigen rechten Außenverteidgiern ganz zu schweigen. So spielt notgedrungen Narey derzeit dort, und er macht seine Sache so schlecht nicht!, aber es sei doch darauf hingewiesen, dass eben dieser Narey zum Saisonauftakt nur noch ein Ergänzungsspieler gewesen ist.

Im Ergebnis sollte es dann zwischenzeitlich im Sturm u.a. ein Bobby Wood richten, der nicht nur seit mehr als einem halben Jahr kaum Spielpraxis hatte sondern dessen letztes Tor und damit Erfolgserlebnis gefühlt in die Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges fällt. Dass so ein Spieler nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt, dürfte unschwer nachvollziehbar sein. Zudem ist er ein gänzlich andere Stürmertyp als Hinterseer. Wood ist vor allem ein Konterstürmer, der HSV tendiert aber zu einer spielerisch dominaten Spielweise, die den jeweiligen Gegner in dessen Hälfte einschnürt und dadurch die dort verbleibenden Räume verengt. Nicht gerade das ideale Arbeitsumfeld für einen Wood.

Es fallen daher aus meiner Sicht drei Dinge zusammen: die besseren Gegenmaßnahmen der Gegner, die sich durch die personellen Ausfälle verengende taktischen Alternativen für Hecking, und ein Stürmer, der seit Jahren auf der Suche nach seiner Form ist und nicht so recht in die grundsätzliche Ausrichtung der Spielanlage des HSV passt.

Und von dem allem abgesehen ist es menschlich und völlig normal, dass auch Profispieler nicht in jedem Spiel ihren Bestform erreichen sondern auch einmal einen schwächeren Tag erwischen. Und (für mich) ebenfalls normal ist, dass der Faktor Zufall für den Spielausgang eine tatsächliche größere Rolle spielt, als allgemein angenommen wird. Das s.g. „Spielglück“ kann dich in Führung bringen oder in Rückstand geraten lassen. Nicht nur, dass sich dadurch die taktische Ausgangslage erkennbar verschiebt, statistisch lässt sich klar nachweisen, dass dadurch das wahrscheinliche Endergebnis einer Partie maßgeblich (mit)bestimmt wird.

Statt also zu vorschnellen und medial populären Schlagworten wie Auswärtskrise oder Einstellungsmängel zu greifen, stelle ich nüchtern fest, dass die Ergebnisse zuletzt schwächer waren, aber dass es dafür durchaus eine Vielzahl anderer Gründe gibt. Es gibt keinen tatsächlichen Grund, von einer Krise zu reden, es sei denn, man will Groschenblätter verkaufen.

Der HSV verpasst vorzeitig endgültig den Wiederaufstieg

SC Paderborn 07 – Hamburger SV 4:1 (1:0)

Für das Spiel beim starken Mitkonkurrenten SC Paderborn 07 hatte sich HSV-Trainer Hannes Wolf erneut eine taktische Umstellung ausgedacht. Die Ausgangslage war eindeutig: Ein Punkterfolg im Auswärtsspiel in Paderborn war die Mindestvoraussetzung für die Hamburger, wollten sie ihre Rückkehrchance in die 1. Bundesliga nicht vorzeitig verspielen. Wolf entschied sich gegen die bekannt offensivstarken Gastgeber für eine Rückkehr zur Dreierkette in der Abwehr. Dahinter kam Tom Mickel zum Einsatz, da Pollersbeck aufgrund eines Infektes kurzfristig nicht zur Verfügung stand.

Startelf: Mickel – Bates (46. Hunt), Lacroix, van Drongelen – Narey, Janjicic, Jung (71. Wintzheimer), Sakai – Douglas Santos – Jatta (56. Arp), Lasogga

Wie man in der Grafik sieht, wechselte Sakai die Seite und ersetzte Douglas Santos auf der linken defensiven Außenbahn. Dadurch konnte der spielstarke Brasilianer in Diensten der Hamburger als „10er“ ins offensive Mittelfeld aufrücken. Vor ihm begannen Jatta und Lasogga zunächst als Doppelspitze. Auf der rechten Außenbahn spielte Narey bei eigenem Ballbesitz meist gewohnt offensiv und wurde durch den nach außen rückenden Bates abgesichert, dessen Platz in der Dreierkette dann bei Bedarf meist Janjicic einnahm.

Paderborns Trainer Baumgart ließ sein Team aus einem 4-2(1-1)-3-1 spielen, wobei der einzige Stürmer Michel immer wieder durch aus dem Mittelfeld nachrückende Spieler, hier vor allem Pröger und Vasiliadis, unterstützt wurde.

Nachdem Pröger in der 11. Minute Tom Mickel mit einem gefährlichen Fernschuss geprüft hatte, hatte zunächst der HSV optische Vorteile, ohne jedoch wirklich spielerisch überzeugen zu können. Immerhin konnten die Hamburger zwischen der 14. und der 19. Minute eine Reihe von Eckstößen herausholen. In der 15. Minute konnten die Paderborner einen daraus resultierenden Kopfball von Lacroix gerade noch auf der Linie klären.

Wöchentlich grüßt das Murmeltier in Gestalt individueller Fehler

Der HSV wäre jedoch nicht der HSV der letzten Wochen, könnte man nicht die Uhr danach stellen, dass einem oder mehreren Spielern irgendwann schwere individuelle Fehler unterlaufen. So auch Mitte der ersten Halbzeit, als dem ansonsten ordentlichen Bates ein relativ leichtfertiger Fehler im Aufbauspiel unterlief. Die Gastgeber kamen so auf der rechten Hamburger Abwehrseite in den Ballbesitz und mit Tempo zum Gegenzug. Sie verlagerten dann zügig das Spiel auf die halblinke Seite zu Pröger. Der vor ihm stehende Gideon Jung blieb hier passiv, der zur Hilfe eilende Sakai nahm einen auf der linken Außenbahn nachstoßenden Paderborner auf, was Pröger den Torabschluss ermöglichte. Mickel konnte den scharf geschossenen Ball nur schräg nach links vorne abwehren, wodurch Vasiliadis aus sechs Metern fast nur noch abstauben musste. Das 1:0 für die Gastgeber (25.)

In der 31. Minute behielt Lasogga im Strafraum der Gastgeber die Übersicht und spielte Narey völlig frei. Desssen Torabschluss war aber viel zu zögerlich und unplatziert, sodass Zingerle den eigentlich fälligen Ausgleichstreffer mit einer Fußabwehr parieren konnte. Zum Rest der Halbzeit ist nur noch zu erwähnen, dass sich Lacroix mit einem völlig unnötigen Foulspiel eine Gelbe Karte einhandelte, die noch Folgen haben sollte. Auffällig für mich auch, dass Jung einmal mehr nur durch ungeschicktes Zweikampfverhalten und Fehlpässe aufgefallen war. Produktives konnte ich für ihn leider erneut nicht notieren. Da Jatta als zweite Spitze spielte und nicht konsequent die linke offensive Außenbahn hielt, Sakai und Jung im Pass- und Kombinationsspiel deutliche Schwächen offenbarten, wirkte das Hamburger Spiel auf mich zunächst etwas rechtslastig.

Angesichts der Paderborner Führung brachte Wolf zur zweiten Halbzeit Aaron Hunt für Bates ins Spiel. Dass der Schotte weichen musste und nicht der gelbvorbelastete Lacroix fand ich einigermaßen überaschend, aber möglicherweise war Bates ja auch angeschlagen. Durch den Wechsel rückte nun zunächst Gideon Jung aus dem Mittelfeld auf die Position des rechten Innenverteidigers in der Dreierkette, was konsequent war, da Jung diese Position in der Vergangenheit bereits gespielt hatte. Angesichts dessen aus meiner Sicht bis dahin erneut schwachen Leistung jedoch hätte ich lieber Jung für Hunt aus dem Spiel genommen. Aber wie bereits gesagt, mag Wolf nachvollziehbare Gründe für seine Entscheidung gehabt haben.

Leider begann die zweite Spielhälfte aus Sicht des HSV mit dem nächsten Nackenschlag. Dieses Mal unterlief zunächst Douglas Santos ein Fehler im Aufbauspiel, was aber danach kam, ist nur noch als groteskes Abwehrverhalten von Lacroix zu bewerten. Statt den Ball, den er eigentlich schon hatte, sofort zum Mitspieler zu passen, vertändelte er erst das Spielgerät und ließ sich dann wie ein Amateurspieler von Vasiliadis vorführen. Hier kam nun zum tragen, dass er wie schon erwähnt bereits gelbverwarnt war, sodass er den Zweikampf auch nicht mehr konsequent bestreiten konnte. Gegen Vasiliadis‘ platzierten Schuss ins lange Eck war Mickel jedenfalls machtlos. Das 2:0 (46.) für die Gastgeber.

In der Folge eröffneten sich für die Gastgeber weitere Räume und gleichzeitig wurde einmal mehr offensichtlich, wie sehr es in Sachen Handlungsschnelligkeit, Balltechnik und Kreativität beim HSV hapert. Viele hohe Bälle, wenig strukturiertes Flachpassspiel. Klar herausgespielte Angriffe gelangen fast nicht. Jatta und Narey, auch dies hatte ich in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisch angesprochen, konnten sich einmal mehr auf engem Raum nicht durchsetzen. Insbesondere Narey wurde nun von Minute zu Minute dramatisch wirkungsloser auf dem rechten Flügel und zeigte zusätzlich ärgerliche Stockfehler. Wolf brachte nun Arp für Jatta, was aber zunächst auch keine Besserung brachte. Im Gegenteil! Die Paderborner hatten nun fast im Minutentakt große und klare Torchancen, um ihre Führung noch weiter auszubauen, scheiterten aber an Mickel oder am auf der Linie rettenden Arp.

In der 71. Minute fiel dann nach einer weiteren Ecke für den HSV einigermaßen überraschend doch der Anschlusstreffer zum 2:1, nachdem zuvor van Drongelen völlig unbedrängt zum Kopfball gekommen war. Wolf reagierte umgehend und brachte mit Wintzheimer einen weiteren Stürmer für Jung in das Spiel. Damit waren die Vorzeichen klar: Entweder es gelingt gegen die nun plötzlich doch etwas unsicher wirkenden Gastgeber doch noch der Ausgleichstreffer, oder man läuft früher oder später in einen Konter. Leider sollte sich Letzteres bewahrheiten. In der 81. konzentrierte sich Lacroix allein auf die Abwehrmitte und verlor einen Gegenspieler in seinem Rücken aus den Augen. Das 3:1 durch Antwi-Adjej. In der 86. Mnute lief dann Narey gegen denselben Spieler nur noch Begleitschutz, was zum 4:1 führte.

Schiedsrichter: Cortus (Röthenbach a. d. Pegnitz). Übersah möglicherweise ein strafbares Handspiel von Sakai. Manchmal fragwürdige Zweikampfbewertung, ansonsten jedoch ohne schwer wiegende Fehler.

Fazit: Aus Sicht des HSV bedeutet die Niederlage das vorzeitige Ende aller Träume von der unverzüglichen Rückkehr in die 1. Bundesliga. Angesichts des nunmehr feststehenden Verbleibs in der 2. Liga, des Abgangs zahlreicher etablierter Spieler und des deswegen notwendig werdenden Neuaufbaus seiner Mannschaft unter weiter erschwerten finanziellen Bedingungen steht der Hamburger SV vor einer ungewissen sportlichen Zukunft. Nimmt man die Rückrunde als Maßstab, dann verpasst die Mannschaft den Aufstieg absolut verdient. In der Verfassung wäre man in der nächsten Saison sogar möglicher Abstiegskandidat aus der 2. Liga. Damit ist mindestens vorerst das Konzept der sportlichen Führung sofern es diesen Kader und diesen Trainer angeht als grandios gescheitert zu betrachten. Mittel- und Langfristig ändert dies allerdings nichts an der Richtigkeit ihrer Feststellung, dass man sich in der Zukunft nur über die Entwicklung junger Spieler und deren Verkauf positiv entwickeln kann.

Der nun notwendige Neuaufbau bedeutet aber auch, dass die sportliche Führung bei der Kaderzusammenstellung nicht nur das Ziel klar verfehlt hat, sondern angesichts der desaströsen Rückrunde vor turbulenten Zeiten steht. Nicht nur weitere Personalentscheidungen im Kader (u.a. Lacroix) sollten dringend überdacht werden, fraglich ist auch, ob man nunmehr mit Wolf in die nächste Saison gehen will kann , der, wenn auch nicht allein schuldig, eben diese schlimme Halbjahresbilanz zu verantworten hat.

Aus Sicht des Hamburger SV muss jedenfalls zukünftig vieles, vieles sportlich besser laufen, will man nicht sogar langfristig das Ziel 1. Liga vollends aus den Augen verlieren.

Einzelkritik:

Mickel: Wird im Spielaufbau sicher kein Meister mehr, hielt aber, was zu halten war. Konnte einem leidtun.

Lacroix: Zweikampfverhalten, Stellungsspiel, Körpersprache mangelhaft.

Bates: Trotz seines Fehlers für mich klar besser als Lacroix

van Drongelen: Es gelingt ihm nicht alles, aber er will immer. Belohnte sich mit einem Tor. Es wird ihn kaum trösten.

Narey: 1. Halbzeit noch einigermaßen ordentlich. Muss aber das Tor machen. Später immer schwächer.

Jung: Schlechte Zweikampfführung, schwache Pässe.

Janjicic: Besser als Jung, aber der hatte die Latte auch niedrig gelegt.

Sakai: Willig aber überfordert. Stößt spielerisch und läuferisch an seine Grenzen.

Douglas Santos: Bemüht aber ohne Glück. Mit Hunt an seiner Seite besser. Leider wissen alle Gegner längst, wen sie beim HSV am konsequentesten bekämpfen sollten.

Hunt: Mit ihm wurde es tatsächlich etwas besser. Allerdings auf niedrigem Niveau.

Jatta: Fast ohne Wirkung.

Lasogga: Konnte einige Male den Ball mit dem Kopf verlängern, dann aber zu unpräzise. War fleißig aber auch ungefährlich.

Arp: Ließ zwei Mal kurz erahnen, welches Talent in ihm schlummert. Zeigte aber auch erneut, dass ihm noch Vieles fehlt.

Wintzheimer: konnte sich nicht mehr auszeichnen.