Jatta

Der HSV verpasst vorzeitig endgültig den Wiederaufstieg

SC Paderborn 07 – Hamburger SV 4:1 (1:0)

Für das Spiel beim starken Mitkonkurrenten SC Paderborn 07 hatte sich HSV-Trainer Hannes Wolf erneut eine taktische Umstellung ausgedacht. Die Ausgangslage war eindeutig: Ein Punkterfolg im Auswärtsspiel in Paderborn war die Mindestvoraussetzung für die Hamburger, wollten sie ihre Rückkehrchance in die 1. Bundesliga nicht vorzeitig verspielen. Wolf entschied sich gegen die bekannt offensivstarken Gastgeber für eine Rückkehr zur Dreierkette in der Abwehr. Dahinter kam Tom Mickel zum Einsatz, da Pollersbeck aufgrund eines Infektes kurzfristig nicht zur Verfügung stand.

Startelf: Mickel – Bates (46. Hunt), Lacroix, van Drongelen – Narey, Janjicic, Jung (71. Wintzheimer), Sakai – Douglas Santos – Jatta (56. Arp), Lasogga

Wie man in der Grafik sieht, wechselte Sakai die Seite und ersetzte Douglas Santos auf der linken defensiven Außenbahn. Dadurch konnte der spielstarke Brasilianer in Diensten der Hamburger als „10er“ ins offensive Mittelfeld aufrücken. Vor ihm begannen Jatta und Lasogga zunächst als Doppelspitze. Auf der rechten Außenbahn spielte Narey bei eigenem Ballbesitz meist gewohnt offensiv und wurde durch den nach außen rückenden Bates abgesichert, dessen Platz in der Dreierkette dann bei Bedarf meist Janjicic einnahm.

Paderborns Trainer Baumgart ließ sein Team aus einem 4-2(1-1)-3-1 spielen, wobei der einzige Stürmer Michel immer wieder durch aus dem Mittelfeld nachrückende Spieler, hier vor allem Pröger und Vasiliadis, unterstützt wurde.

Nachdem Pröger in der 11. Minute Tom Mickel mit einem gefährlichen Fernschuss geprüft hatte, hatte zunächst der HSV optische Vorteile, ohne jedoch wirklich spielerisch überzeugen zu können. Immerhin konnten die Hamburger zwischen der 14. und der 19. Minute eine Reihe von Eckstößen herausholen. In der 15. Minute konnten die Paderborner einen daraus resultierenden Kopfball von Lacroix gerade noch auf der Linie klären.

Wöchentlich grüßt das Murmeltier in Gestalt individueller Fehler

Der HSV wäre jedoch nicht der HSV der letzten Wochen, könnte man nicht die Uhr danach stellen, dass einem oder mehreren Spielern irgendwann schwere individuelle Fehler unterlaufen. So auch Mitte der ersten Halbzeit, als dem ansonsten ordentlichen Bates ein relativ leichtfertiger Fehler im Aufbauspiel unterlief. Die Gastgeber kamen so auf der rechten Hamburger Abwehrseite in den Ballbesitz und mit Tempo zum Gegenzug. Sie verlagerten dann zügig das Spiel auf die halblinke Seite zu Pröger. Der vor ihm stehende Gideon Jung blieb hier passiv, der zur Hilfe eilende Sakai nahm einen auf der linken Außenbahn nachstoßenden Paderborner auf, was Pröger den Torabschluss ermöglichte. Mickel konnte den scharf geschossenen Ball nur schräg nach links vorne abwehren, wodurch Vasiliadis aus sechs Metern fast nur noch abstauben musste. Das 1:0 für die Gastgeber (25.)

In der 31. Minute behielt Lasogga im Strafraum der Gastgeber die Übersicht und spielte Narey völlig frei. Desssen Torabschluss war aber viel zu zögerlich und unplatziert, sodass Zingerle den eigentlich fälligen Ausgleichstreffer mit einer Fußabwehr parieren konnte. Zum Rest der Halbzeit ist nur noch zu erwähnen, dass sich Lacroix mit einem völlig unnötigen Foulspiel eine Gelbe Karte einhandelte, die noch Folgen haben sollte. Auffällig für mich auch, dass Jung einmal mehr nur durch ungeschicktes Zweikampfverhalten und Fehlpässe aufgefallen war. Produktives konnte ich für ihn leider erneut nicht notieren. Da Jatta als zweite Spitze spielte und nicht konsequent die linke offensive Außenbahn hielt, Sakai und Jung im Pass- und Kombinationsspiel deutliche Schwächen offenbarten, wirkte das Hamburger Spiel auf mich zunächst etwas rechtslastig.

Angesichts der Paderborner Führung brachte Wolf zur zweiten Halbzeit Aaron Hunt für Bates ins Spiel. Dass der Schotte weichen musste und nicht der gelbvorbelastete Lacroix fand ich einigermaßen überaschend, aber möglicherweise war Bates ja auch angeschlagen. Durch den Wechsel rückte nun zunächst Gideon Jung aus dem Mittelfeld auf die Position des rechten Innenverteidigers in der Dreierkette, was konsequent war, da Jung diese Position in der Vergangenheit bereits gespielt hatte. Angesichts dessen aus meiner Sicht bis dahin erneut schwachen Leistung jedoch hätte ich lieber Jung für Hunt aus dem Spiel genommen. Aber wie bereits gesagt, mag Wolf nachvollziehbare Gründe für seine Entscheidung gehabt haben.

Leider begann die zweite Spielhälfte aus Sicht des HSV mit dem nächsten Nackenschlag. Dieses Mal unterlief zunächst Douglas Santos ein Fehler im Aufbauspiel, was aber danach kam, ist nur noch als groteskes Abwehrverhalten von Lacroix zu bewerten. Statt den Ball, den er eigentlich schon hatte, sofort zum Mitspieler zu passen, vertändelte er erst das Spielgerät und ließ sich dann wie ein Amateurspieler von Vasiliadis vorführen. Hier kam nun zum tragen, dass er wie schon erwähnt bereits gelbverwarnt war, sodass er den Zweikampf auch nicht mehr konsequent bestreiten konnte. Gegen Vasiliadis‘ platzierten Schuss ins lange Eck war Mickel jedenfalls machtlos. Das 2:0 (46.) für die Gastgeber.

In der Folge eröffneten sich für die Gastgeber weitere Räume und gleichzeitig wurde einmal mehr offensichtlich, wie sehr es in Sachen Handlungsschnelligkeit, Balltechnik und Kreativität beim HSV hapert. Viele hohe Bälle, wenig strukturiertes Flachpassspiel. Klar herausgespielte Angriffe gelangen fast nicht. Jatta und Narey, auch dies hatte ich in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisch angesprochen, konnten sich einmal mehr auf engem Raum nicht durchsetzen. Insbesondere Narey wurde nun von Minute zu Minute dramatisch wirkungsloser auf dem rechten Flügel und zeigte zusätzlich ärgerliche Stockfehler. Wolf brachte nun Arp für Jatta, was aber zunächst auch keine Besserung brachte. Im Gegenteil! Die Paderborner hatten nun fast im Minutentakt große und klare Torchancen, um ihre Führung noch weiter auszubauen, scheiterten aber an Mickel oder am auf der Linie rettenden Arp.

In der 71. Minute fiel dann nach einer weiteren Ecke für den HSV einigermaßen überraschend doch der Anschlusstreffer zum 2:1, nachdem zuvor van Drongelen völlig unbedrängt zum Kopfball gekommen war. Wolf reagierte umgehend und brachte mit Wintzheimer einen weiteren Stürmer für Jung in das Spiel. Damit waren die Vorzeichen klar: Entweder es gelingt gegen die nun plötzlich doch etwas unsicher wirkenden Gastgeber doch noch der Ausgleichstreffer, oder man läuft früher oder später in einen Konter. Leider sollte sich Letzteres bewahrheiten. In der 81. konzentrierte sich Lacroix allein auf die Abwehrmitte und verlor einen Gegenspieler in seinem Rücken aus den Augen. Das 3:1 durch Antwi-Adjej. In der 86. Mnute lief dann Narey gegen denselben Spieler nur noch Begleitschutz, was zum 4:1 führte.

Schiedsrichter: Cortus (Röthenbach a. d. Pegnitz). Übersah möglicherweise ein strafbares Handspiel von Sakai. Manchmal fragwürdige Zweikampfbewertung, ansonsten jedoch ohne schwer wiegende Fehler.

Fazit: Aus Sicht des HSV bedeutet die Niederlage das vorzeitige Ende aller Träume von der unverzüglichen Rückkehr in die 1. Bundesliga. Angesichts des nunmehr feststehenden Verbleibs in der 2. Liga, des Abgangs zahlreicher etablierter Spieler und des deswegen notwendig werdenden Neuaufbaus seiner Mannschaft unter weiter erschwerten finanziellen Bedingungen steht der Hamburger SV vor einer ungewissen sportlichen Zukunft. Nimmt man die Rückrunde als Maßstab, dann verpasst die Mannschaft den Aufstieg absolut verdient. In der Verfassung wäre man in der nächsten Saison sogar möglicher Abstiegskandidat aus der 2. Liga. Damit ist mindestens vorerst das Konzept der sportlichen Führung sofern es diesen Kader und diesen Trainer angeht als grandios gescheitert zu betrachten. Mittel- und Langfristig ändert dies allerdings nichts an der Richtigkeit ihrer Feststellung, dass man sich in der Zukunft nur über die Entwicklung junger Spieler und deren Verkauf positiv entwickeln kann.

Der nun notwendige Neuaufbau bedeutet aber auch, dass die sportliche Führung bei der Kaderzusammenstellung nicht nur das Ziel klar verfehlt hat, sondern angesichts der desaströsen Rückrunde vor turbulenten Zeiten steht. Nicht nur weitere Personalentscheidungen im Kader (u.a. Lacroix) sollten dringend überdacht werden, fraglich ist auch, ob man nunmehr mit Wolf in die nächste Saison gehen will kann , der, wenn auch nicht allein schuldig, eben diese schlimme Halbjahresbilanz zu verantworten hat.

Aus Sicht des Hamburger SV muss jedenfalls zukünftig vieles, vieles sportlich besser laufen, will man nicht sogar langfristig das Ziel 1. Liga vollends aus den Augen verlieren.

Einzelkritik:

Mickel: Wird im Spielaufbau sicher kein Meister mehr, hielt aber, was zu halten war. Konnte einem leidtun.

Lacroix: Zweikampfverhalten, Stellungsspiel, Körpersprache mangelhaft.

Bates: Trotz seines Fehlers für mich klar besser als Lacroix

van Drongelen: Es gelingt ihm nicht alles, aber er will immer. Belohnte sich mit einem Tor. Es wird ihn kaum trösten.

Narey: 1. Halbzeit noch einigermaßen ordentlich. Muss aber das Tor machen. Später immer schwächer.

Jung: Schlechte Zweikampfführung, schwache Pässe.

Janjicic: Besser als Jung, aber der hatte die Latte auch niedrig gelegt.

Sakai: Willig aber überfordert. Stößt spielerisch und läuferisch an seine Grenzen.

Douglas Santos: Bemüht aber ohne Glück. Mit Hunt an seiner Seite besser. Leider wissen alle Gegner längst, wen sie beim HSV am konsequentesten bekämpfen sollten.

Hunt: Mit ihm wurde es tatsächlich etwas besser. Allerdings auf niedrigem Niveau.

Jatta: Fast ohne Wirkung.

Lasogga: Konnte einige Male den Ball mit dem Kopf verlängern, dann aber zu unpräzise. War fleißig aber auch ungefährlich.

Arp: Ließ zwei Mal kurz erahnen, welches Talent in ihm schlummert. Zeigte aber auch erneut, dass ihm noch Vieles fehlt.

Wintzheimer: konnte sich nicht mehr auszeichnen.

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Der HSV spielt gegen Ingolstadt wie ein Absteiger

Hamburger SV – FC Ingolstadt 04 0:3 (0:1)

Nach den zuletzt enttäuschenden Leistungen hatte der HSV vor der Partie gegen den FC Ingolstadt 04 kurzfristig ein Trainingslager bezogen. Da Holtby unlängst aus bekannten Gründen suspendiert wurde, Aaron Hunt aufgrund von Rückenproblemen erneut ausfiel, und Gideon Jung zuletzt formschwach auftrat, kam die Rückkehr von Sakai ins Team für mich wenig überraschend. Auch mit der Nominierung von Wintzheimer konnte man grundsätzlich rechnen, da HSV-Trainer Wolf unlängst ungewöhnlich offen unbefriedigende Trainigsleistungen und nachlassende Laufleistungen einiger Spieler öffentlich kritisiert hatte, was nicht zuletzt auch Lasogga gegolten hat, wie man hörte. Einigermaßend überraschend hatte sich Jann-Fiete Arp im Trainingslager offenbar zumindest für einen Platz auf der Ersatzbank empfehlen können. Das Sturmtalent war vor Wochen ebenfalls aufgrund mangelnden Trainingseifers zur U21 abgeschoben worden und kehrte nun erstmals wieder in den Kader zurück. er sollte jdoch ohne Einsatz bleiben.

HSV-Trainer Wolf nominierte für das so wichtige Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 die folgende Startelf: Pollersbeck – Sakai (63. Vagnoman) , Lacroix, van Drongelen, Douglas Santos – Narey, Mangala (78. Janjicic), Özcan, Jatta – Wintzheimer, Hwang (63. Lasogga)

In der taktischen Ausrichtung ergab sich auf dem Papier aus Sicht des HSV ein 4-4-2 mit Witzheimer und Hwang als Doppelspitze. Im Verlauf der ersten Halbzeit war jedoch bereits zu sehen, dass sich Hwang oft ins Mittelfeld fallen ließ, auch weil wie bereits leider gewohnt das Anspiel der beiden Stürmer aus dem Mittelfeld überhaupt nicht funktionierte. Mangala sicherte meist das defensiven Mittelfeld, sodass das 4-4-2 in der ersten Halbzeit oft in ein 4-1-4-1 überführt wurde. Die Gäste aus Ingolstadt agierten ihrerseits in einem 4-4-2, bzw. in einem 4-3-3 sobald Pledl nach vorne rückte. Dabei störten sie von Anpfiff an zunächst konsequent das bekanntlich fehleranfällige Aufbauspiel des HSV und sorgten für erste Anzeichen für Nervosität und Unruhe in der Mannschaft der Gastgeber. Besonders der zuletzt von mir gelobte Lacroix zeigte schon in den ersten Minuten erste Anzeichen grober Schwächen als ihn sein Gegenspieler mit einer simplen Körpertäuschung aus dem Spiel nehmen konnte, was allerdings noch folgenlos blieb. Wenige Minuten später, in der 8. Minute, trat er sehr hoch ins Mittelfeld aufgerückt über den Ball. Da in der Situation van Drongelen ebenfalls hoch aufgerückt war, konnte der Ingolstädter Lezcano in Richtung des HSV-Tores allein auf und davon ziehen. Zwar wurde er von beiden Hamburger Innenverteidigern noch eingeholt, da aber beide passiv blieben (und nicht einer von ihnen den Stürmer attackierte), kam der Ingolstädter zum Abschluss. Das 0:1, aus meiner Sicht unhaltbar für Pollersbeck.

In der Folge wirkte die Mannschaft des HSV noch unsicherer. Alle waren bemüht, weitere Fehler zu vermeiden, was sich zunächst in einer wahren Orgie an Sicherheits-, Quer- und Rückpässen zeigte. Es fehlten sowohl Tiefe als auch Breite in ihrem Spiel. Bot beispielsweise der weit ins Mittelfeld aufgerückte Sakai Läufe in die Tiefe an, so wurde er gleich mehrfach übersehen, bzw. ignoriert. Narey und Jatta auf den Außénbahnen zogen (zu) häufig nach innen, sodass dem HSV-Spiel auch jede wirkliche Breite fehlte. Da auch Hwang, sofern er sich ins Mittelfeld zurückfallenließ, fast kein Wechselspiel mit Narey über außen zeigte, verpufften jegliche Hamburger Angriffsbemühungen im zentralen Raum vor der massierten Ingolstädter Abwehrmitte. Die Gäste kamen so meist relativ einfach zu ihren Ballgewinnen und konnten immer wieder ihrerseits für Entlastung und weitere Unruhe sorgen

Der HSV fand gegen die stark mannorientierte Verteidigung seiner nominellen Kreativspieler, Mangala und Douglas Santos, wie schon zuletzt mehrfach gesehen und kritisiert erneut keine Lösung. Eine Vielzahl von prinzipiell leicht zu verteidigenden langen Bällen nach vorne, die auch praktisch ohne jede Wirkung blieben, zeigte dies ebenfalls sehr deutlich. Mein Zwischenresümée zur Halbzeit war daher:

Das ist leider ein Klassenunterschied bisher. Der HSV spielt bisher wie ein Abstiegskandidat und liegt völlig zurecht zurück.

Nach der Pause begannen die Hamburger die zweite Halbzeit spielerisch zunächst leicht verbessert. Die Mannschaft versuchte nun erkennbar mehr die Breite des Feldes zu nutzen, um die Ingolstädter Abwehr auseinanderzuziehen. In der ersten Viertelstunde wurde nun insbesondere Jatta auf dem linken Flügel mehrfach freigepielt, der dann wahlweise Flanken aus dem Halbraum schlug, oder den Ball an die Strafraumgrenze zum nachrückenden Mangala zurücklegte. Offenbar hatte Wolf in seiner Halbzeitansprache auch mehr Abschlüsse aus der zweiten Reihe eingefordert. Leider verfingen sich diese Abschlüsse regelmäßig in der vielbeinigen Ingolstädter Abwehr oder verfehlten zu klar das Tor. In der Summe verlebte Ingolstadts Torhüter Tschauner jedenfalls einen viel zu ruhigen Nachmittag und wurde über die gesamte Spieldauer kaum je geprüft.

In der 63. Minute entschloss sich Wolf angesichts der fortdauernden Gästeführung zu einem Doppelwechsel: Der erneut praktisch völlig wirkungs – und bindungslos spielende Hwang wurde durch den langsameren aber robusteren und kopfballstärkeren Lasogga ersetzt. Zusätzlich sollte durch Vagnoman für Sakai offenbar nun auch mehr Tempo über den rechten Flügel kommen.

Fünf Minuten später gab es einen Eckball für den HSV. Da beide Hamburger Innenverteidiger als Kopfballadressaten des Eckballs im Strafraum der Gäste positioniert waren, spielte der junge Vagnoman den s.g. „letzten Mann“. Leider sprang ihm der abgewehrte Eckball bei der Ballannahme gleich mehrere Meter vom Fuß. Der Ingolstädter Pledl spritze dazwischen und lief tief aus der eigenen Hälfte kommend und vom unglücklichen Vagnoman verfolgt allein auf Pollersbeck zu. Sein Abschluss war dann so platziert, dass Pollersbeck erneut ohne Abwehrchance blieb. Das vorentscheidende 0:2 (68.) nach einem weiteren, schweren individuellen Fehler.

Nur wenige Minuten später landete ein Kopfball von Lacroix direkt vor den Füßen des Ingolstädters Gaus, dessen Schuss zusätzlich noch abgefälscht vom stürzenden Vagnoman für Pollerbeck ebenfalls unhaltbar zum 0:3 (73.) abgefälscht wurde. Um es in der Boxersprache auszudrücken: Der K.O. für den HSV.

In der Restpielzeit durften sich die erkennbar resignierenden Hamburger allein bei Pollersbeck bedanken, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel.

Fazit: Der HSV verliert auch in der Höhe völlig verdient. Über weite Strecken des Spiels glich das Hamburger Spiel einem spielerischen Offenbarungseid. Die von mir hier schon oft kritisierte Fehleranfälligkeit im Aufbauspiel, die Ideenarmut im Mittelfeld beim Übergang ins Angriffsdrittel – alles unverändert. In dieser Verfassung hat man nicht nur nichts in der 1. Bundesliga zu suchen sondern wäre über eine ganze Saison gesehen sogar klarer Abstiegskandidat aus der 2. Liga. Platz 16 in der Rückrundentabelle spricht hier ebenfalls Bände.

Kurztrainingslager gepaart mit öffentlicher Kritik an Einstellung und Trainingsleistungen, das wirkte auf mich schon vor der Begegnung mehr aktionistisch als tatsächlich erfolgversprechend.

Angeblich, so eine bliebte Legende unter HSVern, ist der HSV immer am besten, wenn der Druck hoch genug ist. Dieses Spiel könnte das Gegenteil belegen. Die Mannschaft wirkte nicht nur in diesem Spiel auch nervlich überfordert. Eine Vielzahl von schweren individuellen Fehlern in den letzten Wochen ist meines Erachtens auch Folge dieser mangelhaften mentalen Einstellung.

Hannes Wolfs gebetsmühlenartig eingeforderte „Schärfe“ kann nicht verdecken, dass es ihm erkennbar nicht gelungen ist, der Mannschaft offensiv stabile Lösungen zu vermitteln. Wenn Spieler immer wieder im Deckungsschatten verharren und sich nicht konsequent anbieten, auch deswegen gar nicht angespielt werden können (Özcan, Hwang, Narey), wenn gegen eine massierte Abwehr kopf- und erwartbar erfolglos penetrant-systematisch durch die Mitte gespielt wird anstatt die Breite des Feldes zu nutzen, dann kann man den Trainer nicht gänzlich aus jeder Verantwortung nehmen. Auch für die Einstellung der Spieler beim Training ist der Trainer zwar nicht allein aber eben auch mitverantwortlich zu machen. Zweifellos muss Hannes Wolf mit dem Nachteil arbeiten, dass er keine gemeinsame Sommervorbereitung mit der Mannnschaft hatte. Zweifellos hat er mit verletzungsbedingten Ausfällen (Jairo, Hunt) und strukturellen Problemen des Kaders (u.a. Abhängigkeit von Lasogga offensiv, schwankendes Leistungsbild vorgesehener Führungsspieler u.v.m.) zu kämpfen. Unter dem Strich steht jedoch inzwischen eine desaströse Rückrunde. Unter dem Strich wirkt die Mannschaft unter Wolf zu oft wie eine Ansammlung von Einzelakteuren aber eben nicht wie ein funktionierendes Kollektiv. Das soll nicht bedeuten, dass ich hier die Entlassung Wolfs fordere. Aber spätestens nach dieser erneut äußerst schwachen Leistung der Mannschaft und unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkte muss man darüber nachdenken dürfen, ob man die nächste Spielzeit tatsächlich mit einem Trainer angehen will, der nunmehr wenig Kredit genießen wird und sofort massiv unter Druck geraten würde, sollte der Saisonauftakt in der nächsten Spielzeit nicht wie gewünscht verlaufen.

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart). An ihm lag es nicht.

Einzelkritik:

Pollersbeck: Schuld- und chancenlos bei den Gegentoren. Verhindert eine noch höhere Niederlage.

Sakai: Bot in der ersten Halbzeit mehrfach Läufe in die Tiefe an und wurde mehrfach von seinen Kollegen sträflich übersehen.

Lacroix: Leitete mit seinem schweren individuellen Fehler die Niederlage ein. Mehrfach mit ganz schwachen Zweikampfverhalten und Stellungsspiel. Ob man ihn nach dieser „Leistung“ nach der Saison tatsächlich fest verpflichten will, muss überdacht werden.

van Drongelen: Mehrfach mit ungewohnten Schwächen beim Kopfball- und gewohnte Schwächen beim Aufbauspiel. Wirkte neben dem unsicheren Lacroix überfordert.

Douglas Santos: Versuchte Viel. Vieles gelang leider auch nicht.

Mangala: Unbestreitbar ein großes Talent. Seine Klasse blitzte aber nur bei wenigen offensiven Pässen wirklich auf. Ansonsten viel zu viel Quer- und Sicherheitspässe, kaum Ideen.

Özcan: Nicht zu sehen.

Narey: Kam erst in der zweiten Hälfte über den rechten Flügel. Zog zu schnell und häufig nach innen. Verzettelte sich zu häufig in Einzelaktionen.

Jatta: Wurde erst zu Beginn der 2. Halbzeit mehrfach links außen gesucht und gefunden. Kaum mit Wirkung.

Hwang: Ließ sich häufig ins Mittelfeld fallen, auch weil aus dem Mittelfeld keine Bälle in die Spitze kamen. Wenn auf rechts außen, machte er das Spiel eng statt breit. Ohne Bindung.

Wintzheimer: Bekam wenig Bälle. Bemüht, mehr nicht.

Vagnoman: Schwerer Fehler bei der Ballannahme vor dem vorentscheidenden 0:2.

Lasogga: Ohne jede Wirkung.

Janjicic: Durfte Musste auch noch mitspielen.