Favre

Alles wie gehabt und doch anders: Der HSV unterliegt bei Borussia M’gladbach mit 1:0 (1:0)

Wie mich das inzwischen nervt! Der HSV spielt auswärts, schießt wieder kein Tor und geht am Ende einmal mehr als Verlierer vom Platz. Nach dem Abpfiff schleichst Du, der Beobachter, nach Hause, kämpfst erneut mit deiner Frustration und möchtest alles, nur nicht über diesen Fußball schreiben. Jedenfalls dann nicht, wenn man sich ursprünglich einmal vorgenommen hatte, sich damit differenzierend auseinanderzusetzen.

Meine emotionale Verfassung verlangt, das spüre ich von Woche zu Woche deutlicher, zunehmend nach Erlösung und drängt mich, einem kleinen, auf meiner Schulter sitzenden Teufelchen gleichend, zu schärfster Kritik. Mein Verstand und meine eigenen Erfahrungen im Wettkampf-Sport aber raten mir, diesem Verlangen keinesfalls nachzugeben. Zum einen gibt es für meinen Geschmack schon mehr als genug HSV-Foren, in denen grundsätzlich nach Herzens Lust gepöbelt wird, zum anderen wäre damit niemandem gedient. Jedenfalls mir nicht.

Sicher, für einen kurzen Moment verspürte auch ich möglicherweise eine gewisse Erleichterung. Aber am Ende bleibt ohnehin alles, wie es ist. Nichts würde sich tatsächlich zum positiven ändern. Der HSV spielt, wie er eben derzeit spielt. Oder glaubt jemand wirklich, der Mannschaft wäre damit gedient, würde man ihr den Rücken kehren, sie in Blogs und Foren niedermachen, oder sie im Stadion ausbuhen? Ich nicht. Das sind für mich allenfalls Wege, um als Zuschauer mit dem Gefühl eigener Ohnmacht umzugehen. Insofern mag einem solchen Verhalten ein konstruktives Element innewohnen. Für jeden einzelnen persönlich. Der Mannschaft aber, und hier schließe ich das Trainerteam mit ein, wäre damit nicht geholfen. Davon bleibe ich fest überzeugt.

Nach der zumindest defensiv durchaus überzeugenden Leistung des HSV gegen die Bayern gab es keinen Anlass, das Team personell zu verändern. Joe Zinnbauer vertraute also gegen Gladbach auf eine unveränderte Aufstellung:

Drobny – Diekmeier (90. Götz), Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Arslan (79. Rudnevs), N. Müller, Holtby, Stieber (73. Cigerci) – Lasogga

Am Wochenende hatte ich mir zur Einstimmung auf den Auftritt des HSV das Gladbacher Spiel in Köln angesehen. Den Kölnern war es dort gelungen, in der Rückwärtsbewegung schnell hinter den Ball zu kommen. Vor dem eigenen Strafraum verdichteten sie die Räume derart geschickt, dass die Gäste aus Gladbach kaum Möglichkeiten für ihr flexibles Pass- und Kombinationsspiel vorfanden und demzufolge im Spielverlauf auch zu relativ wenig Torchancen kamen. Mit etwas Glück und mehr Konzentration bei ihren Kontern, fand ich,  hätten die Kölner dieses Spiel durchaus gewinnen können. Da auch Zinnbauer dieses Spiel vor Ort verfolgt hatte, war ich gespannt, ob er taktisch ähnlich agieren lassen würde, oder ob er bereits gegen Gladbach damit beginnen würde, jene dominant-offensive Ausrichtung zu verfolgen, die ihm seinen eigenen Worten zufolge mittel und langfristig vorschwebt. Für beides, der Konzentration und weiteren Perfektionierung des Defensivverhaltens des HSV, und der Etablierung des zukünftig vorgesehenen offensiven Konzepts, ließen sich m.E. trifftige Argumente finden.

Spiel: Die Frage nach der taktischen Ausrichtung des HSV ließ sich schnell beantworten. Der HSV begann stark und trat zunächst offensiv und im Stil einer Heimmannschaft auf. Die Gladbacher wurden zunächst durchweg in die Rückwärtsbewegung gedrängt, und der HSV dominierte das Spiel.

Meist waren es Holtby und/oder Lasogga, die ca. 25-30 Meter vor dem gegnerischen Gehäuse den jeweils ballführenden Gladbacher anliefen, um so den Spielaufbau der Gastgeber zu stören, bzw. deren Spiel zu lenken. Da die HSV-Defensive erneut weit genug hinausschob, wodurch die Räume im Mittelfeld ausreichend verengt werden konnten, und man zudem auch giftig in die Zweikämpfe ging, erspielte man sich zunächst ein deutliches optisches Übergewicht.  Bereits in der 12. Spielminute kam man so zur bis dahin vierten Ecke. Die Angriffe der Hamburger liefen zunächst vor allem über den eigenen rechten Flügel, wo Hazard, der sein Startelf-Debüt bei Gladbach gab, und Dominguez zunächst Schwerstarbeit zu verrichten hatten. Wenn es etwas aus Hamburger Sicht zu kritisieren gab, dann, dass sowohl den Flanken aus dem Spiel heraus als auch den Eckstößen die nötige Präzision fehlte.

Dann kam, was einem als leidgeprüften Anhänger des HSV inzwischen sattsam bekannt vorkommt: Eine Flanke segelte in den Strafraum des HSV. Djourou stand schlecht und hatte für einen kurzen Moment Kruse in seinem Rücken aus den Augen verloren. Kruse nahm den Ball volley und scheiterte zunächst am rechten Torpfosten, hatte aber im Nachsetzen keine Mühe, den zurückspringenden Ball im Tor unterzubringen. Das 1:0 für die Borussia (25.) fiel aus bis dahin heiterem Himmel aus Hamburger Sicht. Und plötzlich war es vorbei, mit aller Herrlichkeit – fast, als hätte man dem HSV den sprichwörtlichen Stecker gezogen.

Nur drei Minuten später kam Raffael am Eck des Fünfmeter-Raums vor Drobny zum Abschluss, aber der Tscheche konnte das 2:0 gerade noch verhindern (28.).

Die Abstände zwischen den Kettengliedern der Hamburger wurden nun größer, und den Gladbacher gelang es zunehmend besser, sich dem Hamburger Pressingdruck zu entziehen. Bekanntlich ist Favre ein Anhänger des gepflegten Flachpasses. Und nun sah man, wie sich seine Mannschaft durch zwei, drei kontrollierte Pässe aus Drucksituationen befreite, um dann das Spiel mit einem raumgreifenden Zuspiel auf die jeweils freie Seite des Feldes zu verlagern. Hahn, Kruse und Raffael sind bekanntlich schnell, flexibel und technisch stark. Einmal (meist auf der Außenbahn) von ihren Kollegen frei gespielt, brachten sie die Abwehr des HSV zunehmend in Bedrängnis. So hatte auch Hahn in der 32. Minute auf Flanke von Kruse die Möglichkeit, die Gladbacher Führung weiter auszubauen, aber sein Kopfball verfehlte das Hamburger Tor.

Die beste Tor-Chance der ersten Spielhälfte für den HSV hatte wohl Stieber (39.), den ein langes Zuspiel von Holtby erreichte, der aber viel zu lange mit dem Abschluss zögerte. Auf dem vom Dauerregen nassen Rasen hätte er m.E. sofort von der Strafraumgrenze abschließen müssen. So konnte die Gladbacher Abwehr  diese Chance vereiteln.

Ich erspare mir (und Euch) eine detaillierte Nacherzählung der zweiten Spielhälfte. Gladbach hatte durchaus noch weitere, gute Möglichkeiten (u.a. 50. Kruse; 61. Raffael; 86. Hermann), um ein weiteres Tor zu erzielen und den Sieg damit letztlich ungefährdet nach Hause zu fahren. Der Treffer wollte ihnen jedoch nicht gelingen, sodass sie dann doch bis zum Schluss um die drei Punkte ein wenig bangen mussten.

Dem HSV fehlte es mit zunehmender Spielzeit an Tempo und Präzision, um eigene erfolgversprechende Tor-Chancen erspielen zu können. Oft wurde umständlich hinten herum gespielt, was zwar die Gefahr eines eigenen Ballverlustes in der Vorwärtsbewegung minimierte, aber den Gladbachern eben auch ausreichend Zeit verschaffte, die eigenen Reihen zu ordnen. Dies führte dann dazu, dass der HSV kaum noch Lücken im Defensivverbund des Gegners vorfand.

Ein anderes Manko waren viel zu viele unpräzise Pässe der Hamburger, die von den Gastgebern vor allem in der zweiten Spielhälfte mühelos abgefangen werden konnten. Hier sah man m.E., dass das Spielverständnis untereinander auf Hamburger Seite noch stark verbesserungswürdig ist. Gelungene Kombinationen? Fehlanzeige.

Und wenn spielerisch nichts geht, auch das kennt man inzwischen als HSV-Anhänger zur Genüge, dann kommen die hohen, langen Bälle, mit denen man Lasogga zu erreichen versucht. Leider ist Lasogga zur Zeit der einzige, der zumindest theoretisch Torgefahr ausstrahlt. Das ist dann relativ leicht für jede Abwehr zu verteidigen, zumal sich Lasogga bekanntlich unverändert nicht in Bestform befindet, befinden kann. Erfolgreiche Pässe in die Schnittstellen der gegnerischen Abwehrkette, insbesondere aus dem Halbfeld, suchte man aus Hamburger Sicht meist vergebens. Vor allem auch von Arslan, das zeigt seine saisonübergeifende Statistik, muss (und wird hoffentlich!) einfach mehr kommen – zumal wenn Holtby situativ auf den Flügel ausweicht.

Beinahe wäre der HSV, dies soll nicht unterschlagen werden, durch den eingewechselten Rudnevs doch noch zum Ausgleich gekommen. Rudnevs blockte in der Nachspielzeit einen Passversuch der Gladbacher Abwehr und konnte in den Strafraum eindringen. Da der Ball aber aufsprang, konnte sein Schussversuch im letzten Moment von Jaschke (?) Xhaka ebenfalls geblockt werden.

Am Ende ist noch festzuhalten, dass Zinnbauer nach Steinmann (gegen Bayern) nun auch Cigerci und Götz zu ersten Bundesligaminuten verhalf.

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach). Ein, zwei zweifelhafte Abseitsentscheidungen. Ansonsten befriedigend.

Fazit: Der HSV begann stark, verlor aber am Ende verdient, da man nach 25 Minuten das Fußballspielen (mit Betonung auf spielen) zunehmend einstellte.

Das veränderte taktische Konzept Zinnbauers, u.a. Pressing, aggressive Zweikampfführung und Verschiebung der Mannschaftsteile,  war erneut zu sehen. Unverändert fehlt es aber in der Vorwärtsbewegung und bei eigenem Ballbesitz an stabilen Lösungen.

Der HSV muss sich vorwerfen lassen, dass er  aus seiner Drangphase zu Beginn der Partie nichts Zählbares mitnehmen konnte.

Nach dem Rückstand verlor die Mannschaft aus meiner Sicht ein wenig den Faden. Die Eingespieltheit des favre’schen Spielkonzepts erwies sich gegen den noch relativ frischen, neuen Ansatz Zinnbauers als überlegen.

Es bleibt zu hoffen, dass es Zinnbauer gelingt, der Mannschaft auch offensiv Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen (Zum Teil wird sich manches aber auch in dem Maße verbessern, in dem die Integration der neuen Spieler auf Seiten der Hamburger fortschreitet.). Desweiteren wäre zu hoffen, dass es der Mannschaft  gelingt, mal mit einem „dreckigen“ Tor in Führung zu gehen.

Wer gehofft hat, dass mit Zinnbauer ein Messias in Hamburg vom Himmel gefallen ist, der die zahlreichen Defizite quasi über Nacht abstellen kann, dürfte sich nun eines besseren belehrt sehen.

Natürlich wäre es schön, wenn es gelänge, ein ganzes Spiel ohne Defensiv-Fehler (Djourou) zu bestreiten. Aber gänzlich wird sich dies auf Dauer nie erreichen lassen. So bleibt für mich derzeit das Hauptübel, dass dem HSV ohne einen Lasogga in Bestform unverändert fast jede Torgefährlichkeit abgeht. Einmal in Ballbesitz gehen der Mannschaft die Bälle viel zu leicht verloren, ohne dass daraus Konstruktives entsteht.

Ich würde mir wünschen, dass man den Prozess, in dem sich die Mannschaft m.E. derzeit befindet, weiter unterstützt, selbst wenn es auch gegen Frankfurt noch nicht zu einem Sieg reichen sollte. Und auch wenn es, ich schrieb dies ja bereits eingangs, zunehmend eine arge Geduldsprobe wird. Entscheidend ist zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison, das generell Fortschritte zu erkennen sind. Und Letztere konnte man in Gladbach erkennen, wenn auch (stabil) leider nur für eine knappe halbe Stunde. Der Misserfolg bleibt also dem HSV treu, und dennoch meine ich Ansätze zu positiven Veränderungen erkennen zu können.

Was man als Hamburger von den Augsburgern lernen kann: FC Augsburg – HSV

Wir nähern uns bekanntlich dem Saisonfinale. Und es ist keine Frage, aus Sicht des Hamburger Sportvereins ist dies bereits jetzt, obwohl die Saison ja noch gar nicht beendet ist, einmal mehr eine absolut enttäuschende Spielzeit.

Zu Beginn der Runde hatte bekanntlich Hamburgs Vorstandsvorsitzender, Carl Edgar Jarchow, Platz 6 und damit die Teilnahme am internationalen Geschäft als Saisonziel ausgegeben.  Im gleichen Atemzug fabulierte er von einer angeblichen Augenhöhe seines Vereins mit dem FC Schalke 04. Spötter fragten schon damals, ob er vielleicht die Hühneraugen der Knappen meinte. Aber so ist das eben beim HSV in den letzten Jahrzehnten fast durchweg: man schwelgt vor jeder Spielzeit in Größenfantasien, kündigt Großes an und am Ende der Saison heißt es einmal mehr: Denkste, Püppi!

Platz 16, das ist die raue Wirklichkeit. Zehn Plätze hinter der von Jarchow propagierten Zielstellung. Und als wäre das noch nicht schlimm genug – als Anhänger des Vereins muss man sich größte Sorgen machen, ob wenigstens dieser Platz, der zur Relegation berechtigt, gehalten werden kann. Als Verantwortlichem kann einem gar nicht deutlicher vor Augen geführt werden, dass man mit seiner Einschätzung zur sportlichen Leistungsfähigkeit kolossal falsch gelegen hat.  Auch aus finanzieller Sicht könnten Anspruch und Wirklichkeit nicht weiter auseinander liegen. Der FC Schalke baut seit Jahren seine exorbitanten Verbindlichkeiten ab. Herr Jarchow hingegen verantwortet einen inzwischen katastrophalen Anstieg des Negativen Eigenkapitals beim HSV. Einmal mehr dürfte die angestrebte schwarze Null deutlichst verfehlt werden. Und hätte man nicht zwischenzeitlich Spieler unter Marktwert verschleudert (z.B. Aogo), hätte man nicht die für das Campus-Projekt eingesammelten Gelder prinzipiell zweckentfremdet, der HSV wäre wohl spätestens in diesem Monat nicht mehr in der Lage gewesen, die Gehälter für seine Angestellten zu bezahlen. Dass Hamburgs Vorstandsvorsitzender dem Vernehmen nach davon ausgeht, dass er das Amt auch zukünftig bekleiden darf – eine Randnotiz, die einen kaum noch verwundern kann. Notorische Selbstüberschätzung, desaströse Leistungsbilanzen – all das hat schließlich auch Tradition, beim abgewirtschafteten Hamburger Sportverein. Doch ich schweife ab, denn im Augenblick muss alle Konzentration dem Sportlichen gelten. Und hier könnte das Ziel nicht klarer zu definieren sein: Die Mannschaft muss in der Ersten Bundesliga bleiben.

Der kommende Gegner, der FC Augsburg, spielt vergleichweise eine starke Saison. Derzeit steht man auf dem achten Platz. Im Hintergrund arbeitet  Sportdirektor Stefan Reuter erfreulich unaufgeregt mit einem durchaus übersichtlichen Etat, während der Luhukay-Nachfolger, Trainer Markus Weinzierl, seiner Mannschaft einen klaren Spielstil eingeimpft hat, den man als relativ erfolgreich würdigen muss. Denn bei derzeit 43 Punkten ist für den FC Augsburg längst Gewissheit, was beim HSV noch höchst zweifelhaft erscheint: der FCA wird auch in der nächsten Saison der höchsten deutschen Spielklasse angehören. Auch wenn man das internationale Geschäft am Ende wohl verfehlen wird, so dürfte diese Spielzeit bereits jetzt als eine der erfolgreichsten in die Annalen der Bayern eingehen.

In der taktischen Grundformation lässt Weinzierl den FCA mit einem 4-4-1-1 gegen den Ball arbeiten. Vorderste Spitze spielte zuletzt meist Sascha Mölders. Alternativ stünde hier Raul Bobadilla zur Verfügung, der im Hinspiel den 0:1-Siegtreffer für die damaligen Gäste erzielen konnte. Hinter dem Stürmer fungiert gewöhnlich Halil Altintop als eine Art Neuneinhalber. Linksaußen spielen  Tobias Werner oder der vom VfB Stuttgart vor der Saison verpflichtete junge Österreicher Holzhauser. Mit dem im Winter ablösefrei hinzugeholten Esswein steht eine weitere Alternative als Linksaußen zur Verfügung. Da Esswein jedoch Rechtsfuß ist, kann er  grundsätzlich auch auf der rechten Außenbahn spielen. Dort spielt gewöhnlich jedoch eine der Entdeckungen dieser Saison, der schnelle, beidfüßige André Hahn. Angesichts der fortwährenden Verletzungsprobleme bei Gomez und Klose würde es mich nicht wundern, sollte Hahn den Sprung in den endgültigen Kader Löws für die WM in Brasilien schaffen. Sei es, wie es sei – nach dieser Spielzeit wechselt Hahn zur Borussia aus M’Gladbach. Und da Favre als mehr als sorgsam im Umgang mit Spielerverpflichtungen bekannt ist, darf man dies getrost als Anzeichen für Qualität werten.
Im zentral-defensiven Mittelfeld der Augsburger ragt spielerisch Daniel Baier heraus, der so etwas wie das bayrische Pendant zu Hamburgs Milan Badelj darstellt. Daneben spielt der zweiundzwanzigjährige Kevin Vogt. Mit 1,94 m (laut Transfermarkt.de) bringt er in den Bereich des defensiven Mittelfeldes eine imposante Größe auf das Feld neben dem mit 1,75 m doch eher klein gewachsenen Baier. Ein Detail, das man auf Hamburger  Seite seit Jahren sträflich missachtet hat. Denn mindestens beim Duo Arslan und Rincon fehlt es u.a. deutlich an Zentimetern, wenn es gilt, Kopfbälle zu erobern. Zuletzt gleich mehrfach und folgenreich zu beobachten… Angeblich ist der HSV an Vogt interessiert. Man darf gespannt sein, ob sich dies bewahrheitet und seine Verpflichtung gelingt. Ebenfalls interessiert soll der HSV auch an Augsburgs Linksverteidiger, Matthias Ostrzolek, sein. Ich werte dies als weiteres Indiz dafür, dass  Marcel Jansen den HSV zum Saisonende verlassen wird. Erstens dürfte Jansen vor dem letzten großen Vertrag seiner Karriere stehen. Zweitens wird er sportlich höhere Ziele anstreben, als sie mit dem HSV in den nächsten Jahren realistisch zu erreichen sind. Drittens muss der HSV bekanntlich sparen, sparen und noch einmal sparen.

Was die taktische Grundformation (s.o.) und deren Umsetzung angeht, so könnten die Spieler des Hamburger Sportvereins beim FCA Anschauungsunterricht nehmen. Im Gegensatz zum HSV zeichnet sich die Mannschaft der Augsburger durch ein hohes Maß an Kompaktheit aus. Bei Ballbesitz des Gegners besetzt man zunächst den zentralen Raum im Mittelfeld, blockiert also für den Gegner nach Möglichkeit den kürzestens Weg zum eigenen Tor. Dann presst man kollektiv(!) offensiv. Während die beiden Spitzen bereits den gegnerischen Spielaufbau durch dessen Innenverteidiger stören, bleiben die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, bzw. zwischen den Kettengliedern eng. Der Gegner findet also kaum Räume im Zentrum und wird systematisch zu langen Bällen über die Außenbahnen genötigt. Dies hat zwei grundsätzliche Vorteile aus Sicht der Augsburger:

1.) ist für den Gegner der Weg über außen zum Tor länger, was dem FCA prinzipiell Zeit verschafft, um etwaige Lücken zentral vor dem eigenen Tor doch noch schließen zu können;
2.) sind lange, hohe Bälle des Gegners immer leichter zu verteidigen.

Sind die Augsburger einmal nicht in der Lage, den Ball durch ihr Offensivpressing zu erobern, so zieht sich die Mannschaft geschlossen(!) zurück und verdichtet vor dem eigenen Strafraum noch weiter die Räume. Das so ein taktisches Verhalten durchaus von Erfolg gekrönt sein kann, ist  hinlänglich bekannt und konnte zuletzt auch wieder beim Spiel Real Madrid gegen den FC Bayern (1:0) beobachtet werden. Es half den Bayern bekanntlich wenig, dass sie regelmäßig tief in die Hälfte des Gegners vordrangen und dort meist im Ballbesitz waren.

Aus Sicht des Hamburger Sportvereins ist also zu erwarten, dass man wie zuletzt auch gegen den VfL Wolfsburg schon beim Spielaufbau gestört wird. Für den HSV wird es einmal mehr darauf ankommen, das richtige Maß zwischen Offensive und Defensive zu finden. Doch egal wie man dieses eminent wichtige Spiel auch angeht, man sollte tunlichst als Mannschaft kompakt bleiben. Der FC Augsburg hat bei vier Punkten Rückstand nur noch theoretisch die Chance, auf Platz sieben zu klettern und ins internationale Geschäft einzuziehen. Nach unten geht für die Mannschaft ohnehin nichts mehr. Der HSV hingegen müsste im Grunde mit dem Mute der Verzweiflung um eine seiner allerletzten Chancen kämpfen.

Slomka ist ja mit der Mannschaft vorzeitig angereist, um die Mannnschaft noch einmal auf diese Partie einzustimmen. Hoffen wir, dass es hilft. Anlass zur Hoffnung gibt mir, dass vermutlich sowohl Badelj als auch Jansen wieder zur Verfügung stehen und spielen können. Nicht zur Verfügung stehen Djourou und van der Vaart, die aber angeblich Mitte der nächsten Woche  wieder mit der Mannschaft trainieren können.

Wäre ich der Trainer des Hamburger Sportvereins (was ich natürlich nicht bin!), ich würde die folgende Aufstellung ins Auge fassen:

Adler – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Jansen (Jiracek) –  Tesche, Badelj, Demirbay (Rincon), Ilicevic – Calhanoglu – Zoua

Bei Arslan habe ich nach dem letzten Spiel Zweifel, ob er tatsächlich verstanden hat, was ohne wenn und aber gefordert ist. Aber natürlich ist Slomka näher an der Mannschaft. Ein Einsatz von Demirbay wäre sicher ein Risiko, da der Junge über wenig Erfahrung verfügt, könnte aber u.a. auch jenen Schuss Unbekümmertheit bringen, ohne den man verkrampft. Letztlich muss der Trainer entscheiden, ob er dieses Risiko einzugehen bereit ist. Wenn also die Entscheidung gegen Kerem fiele, dann wäre für mich, der ich das alles aus der Ferne beobachte, Rincon die Alternative. Mag man Tomas auch einen Mangel an Kreativität bescheinigen – einen derart eklatanten Mangel an Kampfgeist, wie man ihn bei Arslan zuletzt beobachten musste, hat man bei ihm in all seinen Jahren beim HSV nie gesehen.

Gelingt dem HSV eine Kopie der Augsburger Spielanlage, spielt er von Anfang an engagiert, konzentriert und kompakt, dann ist trotz angeblichem Auswärtsfluch sogar eine erfolgreiche Revanche für die Niederlage gegen denselben Gegner absolut im Bereich des Möglichen.

DAS RESTPROGRAMM

15. VfB Stuttgart (32 Pkt; -11):
VfL Wolfsburg (H)
Bayern München (A)

16. Hamburger Sportverein (27 Pkt; -18):
FC Augsburg (A)
Bayern München (H)
1. FSV Mainz 05 (A)

17. 1.FC Nürnberg (26 Pkt; -28)
Hannover 96 (H)
FC Schalke 04 (A)

18. Eintracht Braunschweig (25 Pkt; -28):
FC Augsburg (H)
1899 Hoffenheim (A)