Wolf

Punktgewinn beim FC Heidenheim

FC Heidenheim – Hamburger SV 2:2 (1:1)

Nach dem Aufwärmen unmittelbar vor der gestrigen Auswärtspartie des HSV erreichte HSV-Trainer Hannes Wolf die nächste Hiobsbotschaft. Vagnoman, der als Ersatz für den ebenfalls verletzten Douglas Santos (Zerrung) vorgesehen war, stand ebenfalls nicht zur Verfügung. So musste Wolf kurzfristig erneut umdisponieren. Da Sakai aufgrund seiner Sperre ohnhin nicht zur Verfügung stand, wurde es nun eng bei der Personalauswahl für die Abwehr. Denn im Grunde stand mit Lacroix nur noch ein weiterer gelernter Innenverteidiger zur Verfügung. Das Für und Wider der Besetzung der defensiven Außenbahn mit Innenverteidigern habe ich unlängst nach dem Spiel gegen die SG Dresden erörtert. Wolf entschied sich jedenfalls, den Rechtsfuß Narey von seiner angestammten Position auf der rechten offensiven Außenbahn ab- und nach links hinten zu ziehen. Obwohl Narey anzumerken war, dass er kein linker Außerverteidiger ist, sollte er die Aufgabe tatsächlich insgesamt ordentlich lösen. Jatta begann statt seiner auf der rechten, Hwang auf der linken offensiven Außenbahn, wobei beide nach ca. 10 Minuten die Flügel tauschten.

Der HSV musste also arg ersatzgeschwächt auswärts gegen die bis dahin formstärkste Mannschaft der 2. Liga antreten. Zur Erinnerung: es fehlten die Langzeitverletzten Papadopoulos, Ambrosius und Jairo Samperio, sowie Hunt, Sakai, Santos und nun also noch Vagnoman. Nur gut, dass bei der Kaderzusammenstellung vor der Saison auf eine gewisse Tiefe und Polyvalenz geachtet wurde.

Der HSV spielte meist in einem 4-4-2 gegen den Ball, wobei zunächst neben der Sturmspitze Lasogga Holtby oder Hwang die Abwehr anliefen Bei eigenem Ballbesitz sah man die gewohnten Positionierungen des 4-1-4-1.

Die Gastgeber agierten ohne Ball deutlich offensiver als zuvor die Dredener. Sie versuchten in einem 4-4-2 durch aggressives Anlaufen der neu formierten HSV-Abwehr Unruhe und Unsicherheit zu erzeugen, was ihnen jeweils zu Beginn beider Halbzeiten auch gelang. Mit Ball ähnelte ihr System einem 4-3-3, und es war ihnen das Selbstbewusstsein infolge ihrer Erfolgsserie jederzeit anzumerken.

Beide Teams agierten also offensiv und waren bemüht, ihr Spiel durchzusetzen. Die ersten 25 Minuten offenbarten jedoch klare Vorteile für die Gastgeber. Heidenheim brachte die HSV-Defensive immer wieder in größte Verlegenheit. Den Angriffen des HSV fehlte es erneut an Präzision und Geschwindigkeit. Wo schnelle Ballverarbeitung gefragt gewesen wäre, wurde zunächst regelmäßig zu umständlich gespielt (Özcan) oder technische Fehler führten zu Ballverlusten (Gideon Jung). Daher war der Führungstreffer der Gastgeber in der 16. Spielminute nur folgerichtig. Dorsch konnte mit einem Fernschuss mitten durch eine chaotische HSV-Abwehr das 1:0 erzielen. Und es fügte sich ins Bild, dass es am Ende Rick van Drogelen war, der den Ball unhaltbar abfälschte. Nur zwei Minuten später kamen die Gastgeber nach einem Tempogegenstoß zu einer weiteren Großchance, und der HSV durfte sich bei einem Platzfehler bedanken, der den Ball unmittelbar vor dem Torschuss verspringen ließ, sodass der Abschluss letztlich deutlich neben und über das Tor flog

Nach 25 Minuten kam der HSV zu meiner Erleichterung besser ins Spiel. Nach einem schnellen Antritt von Hwang kam der Ball zu Holtby, der mit einem sehenswerten Lupfer Berkay Özcan zentral im Strafraum der Heidenheimer bediente. Özcan hatte keine Mühe, den Ball zum Ausgleichstreffer aus 10 Metern zu versenken (30.). Nur drei Minuten später scheiterte Holtby nach feinem Zuspiel von Jatta aus aussichtsreicher Position. Somit ging es aufgrund einer klaren Leistungssteigerung des HSV mit einem gerechten 1:1 in die Kabinen.

Hat sich Wolf vercoacht?

Zur Pause nahm Wolf für mich überraschend Jatta aus dem Spiel und ersetzte ihn durch Janjicic. Jatta hatte wie auch Mangala nicht seinen besten Tag erwischt, eine Notwendigkeit für diesen Wechsel erschloss sich mir dennoch nicht. Die Idee dahinter dürfte offensichtlich sein: Er wollte augenscheinlich das zentrale Mittelfeld verdichten. Damit aber schwächte er nicht nur die linke Außenbahn, sondern kastrierte zugleich zunächst die eigene Offensive. Und es waren m.E. die Außenbahnen, nicht das Zentrum, über welche die gefährlichen Angriffe des Gegners bis dahin liefen. Teil eines Defensivkonzepts kann auch sein, die Abwehr durch eigenes Angriffspotenzial zu entlasten. Durch Janjicic bekam der ungewohnt schwach spielende Mangala zwar einen zweiten Sechser an die Seite, aber zu einer Stabilisierung des HSV-Spiels führte dies nicht. Im Gegenteil! Wieder taumelte die Abwehr des HSV sofort nach Wiederanpfiff von einer Verlegenheit in die nächste, sodass einem Angst und Bange werden konnte. Wieder kam der HSV kaum ins Spiel und dies trotz Traineransprache während der Halbzeitpause. Dass Wolf hier nicht die richtigen Worte gefunden hat, halte ich für eine unzulässige, da unbelegbare Unterstellung. Wer selbst als Trainer jahrelang gearbeitet hat, weiß, dass die Einflussmöglichkeiten eines Trainers während des Spiels begrenzt sind und Sportler öfter Anweisungen trotz ausdrücklichem, sogar mehrfachem Hinweis nicht umsetzen. Aus tausenden Gründen. Zu behaupten, daran sei der Trainer schuld, da er sportlich verantwortlich sei, ist eine bequeme, allfällige Behauptung, die ich jedoch für nicht zutreffend halte. Allerdings muss sich Wolf die Frage gefallen lassen, ob der taktische Wechsel eine gute Idee gewesen ist. Denn dafür trägt er nun unbestreitbar die Verantwortung. Jedenfalls kam, was unter diesen Umständen kommen musste. Dem FCH gelang in 54. Minute zunächst der erneute Führungstreffer, und der HSV lief in jeder Hinsicht der Musike hinterher.

Es dauerte erneut mehr als zwanzig Minuten, bis der HSV wieder zurück ins Spiel fand. Ein Grund dafür war in meinen Augen der Wechsel von Arp für den dieses Mal erkennbar indisponierten Gideon Jung in der 67. Spielminute. Durch die Einwechselung eines zweiten Stürmers wurde die wackelige Abwehr entlastet und zugleich wurde das eigene Offensivspiel endlich zwingender. Wenn man man von einem taktischen Fehler Wolfs im Zusammenhang mit seiner ersten Auswechselung/Umstellung sprechen möchte, dann hat er diesen durch diese Veränderung jedenfalls auch korrigiert. Denn Lasogga gelang zeitnah der Ausgleichstreffer, nachdem Narey nach schnellem Antritt auf der linken Außenbahn zunächst Holtby gefunden hatte, dessen Schussversuch jedoch zunächst noch von der Heidenheimer Abwehr in höchster Not geblockt werden konnte. Hamburgs Sturmspitze setzte gedankenschnell nach und erzielte das 2:2 (69.).

In der 74. kam mit Lacroix ein weiterer kopfballstarker Abwehrspieler. Er ersetzte Hwang, dem nach längerer Verletzungspause die Kräfte schwanden. Diesen Wechsel konnte ich auch deswegen nachvollziehen, weil man in der Endphase der Partie durchaus mit langen und hohen Bällen als Schlussoffensive der Gastgeber rechnen konnte. Lacroix spielte zweitweilig als eine Art letzter Mann zwischen Bates und van Drongelen. Wie bereits in der ersten Halbzeit hatte der HSV das Spiel ab Mitte der zweiten Halbzeit insgesamt gut im Griff, sodass die Punkteteilung meines Erachtens in Ordnung geht.

Fazit: Ein leistungsgerechtes Unentschieden. Bedenkt man die vielen personellen Ausfälle und die Formstärke der Heidenheimer, ist das 2:2 kein Verlust von 3 Punkten sondern eindeutig ein redlich verdienter Punktgewinn.
Handlungsgeschwindigkeit und Handlungssicherheit heißen weiterhin die Baustellen des HSV. Wie schon in meinem letzten Blog angemerkt, muss sich beides weiter verbessern, will der HSV am Ende der Saison aufsteigen. Jatta trennte sich öfter etwas zu spät vom Ball, Özcan kreiselte unnötig raumgreifend statt den schnellen Pass oder die Spielverlagerung zu suchen, und Jung hatte in meinen Augen total verwachst. Das kann bei ihm Tagesform gewesen sein, ist möglicherweiseaber auch Folge seiner noch fehlenden Wettkampfpraxis nach langer Verletzungspause. Unter dem Strich kann man nachvollziehen, dass die Handlungssicherheit beeinträchtig wird, wenn die Mannschaft verletzungsbedingt derart durcheinandergewürfelt werden muss.

Aufstellung: Pollersbeck – Jung (67. Arp), Bates, van Drongelen, Narey – Mangala – Jatta (46. Janjicic), Holtby ,Öczan, Hwang (74. Lacroix) – Lasogga

Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken). Gut.

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Auf der Suche nach dem Schuldigen

Der Hamburger SV hat gestern sein Auswärtsspiel gegen die Arminia aus Bielefeld mit 2:0 (2:0) verloren. Er bot dabei mindestens in der ersten Halbzeit eine über weite Strecken enttäuschende Leistung. Eine Steigerung war nach der Pause zwar erkennbar, jedoch reichte die bei Weitem nicht, um eigene Torerfolge zu erzwingen und dadurch die sich anbahnende Niederlage abzuwenden.

Zur Geschichte der Partie gehört, dass die Hamburger bereits nach 12 Minuten in Unterzahl gerieten, nachdem Schiedsrichter Siebert dem als letzten Mann nach hinten eilenden Gotoku Sakai nach einem Foul wegen einer Notbremse völlig zurecht des Feldes verwies.

Man könnte es sich bereits an dieser Stelle sehr einfach machen, und die Schuld an der Niederlage Sakai zuschieben. Schließlich hätte er unschwer „weg bleiben“ und damit die fällige Rote Karte vermeiden können.

Dafür spräche, dass der HSV höchstwahrscheinlich früh in Rückstand geraten wäre, aber noch viel Zeit zur Verfügung gehabt hätte, das Ergebnis in voller personeller Besetzung mindestens zu egalisieren. Nur wird dabei ein wenig übersehen, dass das Tore verhindern in der fußballerischen DNA eines Abwehrspielers als vordringlichste Aufgabe fest verankert ist. Notfalls auf Kosten der eigenen Gesundheit oder persönlicher Strafen durch den Schiedsrichter. Sakai hätte also eine unbestreitbar bessere Handlungsalternative gehabt, dafür jedoch in Sekundenbruchteilen und im Adrenalinrausch nüchtern abwägen und sich von einem fest verankerten Handlungs- und Entscheidungsmuster lösen müssen. Man kann von einem erfahrenen Profi derartige Übersicht einfordern, sein Verhalten bleibt dennoch verständlich, da nur all zu menschlich.

Der Notbremse ging ein Ballverlust des weit nach vorne aufgerückten Gideon Jung (laut HA) voraus. Wenn es denn Jung gewesen sein sollte (ich konnte dies nicht verifizieren), dann träfe ihn die Hauptverantwortung. Nur sollte man sich erinnern, dass es Jung aufgrund seiner langwierigen Verletzungspause an Wettkamfpraxis mangelt.

Ein weiterer angeblich Schuldiger am enttäuschenden Spielausgang aus hamburger Sicht war mit dem Schiedsricher, Daniel Siebert (Berlin), schnell ausgemacht. Denn tatsächlich hätte der Führungstreffer zum 1:0 durch Vogelsammer nicht zählen dürfen, da dieser mit gestrecktem Bein in Kopfhöhe eines Gegenspielers, in diesem Fall Mangala, den Ball über die Torlinie bugsierte, dabei Mangala aber sogar im Bereich von Schulter/Hals ebenfalls traf. „Gefährliches Spiel“, Aberkennung des Treffers und Freistoß für den HSV wäre hier eindeutig die korrekte Entscheidung gewesen. Und zwar unabhängig davon, ob es zum Kontakt mit dem Gegner gekommen ist. Denn diese Regel soll bereits die reine Gefährdung der Gesundheit verhindern. Siebert war sich wohl selbst seiner eigenen Wahrnehmung nicht sicher, denn er soll den Torschützen sogar gefragt haben, ob er Mangala berührt habe. Ärgerlich, da m.E. damit gleich mehrfach falsch. Von einem Torschützen vor heimischen Publikum zu verlangen, dass er ggf. durch seine Antwort die Aberkennung des Tores riskiert, ist naiv und völlig wirklichkeitsfremd. Auf eine derartige Antwort darf man seine eigene Verantwortung als Schiedsrichter niemals stützen oder abwälzen.

Und doch ist der unglücklich agierende Schiedsrichter, den manche während des Spiels bereits mit seinem berühmt-berüchtigten Kollegen Hoyzer verglichen, in meinen Augen keineswegs schuld an der Niederlage. Denn mögen seine Entscheidungen mehrheitlich wahrlich nicht zugunsten des HSV gewesen sein – besseres Fußballspielen hat er dem HSV weder verboten noch hat er dies grundsätzlich verhindert.

Bliebe also noch ein weiterer, in Misserfolgsfällen immer gern genommener Sündenbock, der Trainer. Hannes Wolf habe, so las ich, dieses Spiel durch falsche Entscheidungen vercoacht.

Festhalten möchte ich zunächst, dass die ursprünglich von ihm gewählte taktische Formation (Jatta in der Spitze und Vagnoman als dessen Ersatz im LOM) angesichts der personellen Ausfälle von Hunt, Lasogga und Hwang zwar ungewohnt aber für ein Auswärtsspiel keinswegs absurd erschien. Vielmehr kam der HSV in meinen Augen bis zu jenem verhängnisvollen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung gut in das Spiel. Danach, also nach dem Platzverweis, ließ die Mannschaft jedoch jede Souveränität vermissen, verlor Zweikämpfe in Serie, lief „der Musike“ stets hinterher und verschenkte eigene Ballgewinne leichtfertigst. Das 2:0 für die Gastgeber war dann nur die verdiente Konsequenz.

Zur Pause musste dann mit Gideon Jung ein weiterer, relativ erfahrener Spieler aufgrund muskulärer Probleme ersetzt werden. Und hier scheiden sich offenbar die Geister, denn Wolf hatte nach dem Platzverweis Sakais Vagnoman aus dem LOM abgezogen und fortan als Rechtsverteidiger spielen lassen. Dies war zunächst eine absolut nachvollziehbare, ja sogar die sich förmlich aufdrängende Reaktion auf die personelle Unterzahl: einen Platz im offensiven Mittelfeld zugunsten einer personell vollständigen Defensive opfern. Ein Fehler? Mitnichten.

Ich las, die Einwechselung von Bates zur Pause sei ein Trainer-Fehler. Mit anderen Worten: einen verletzten Innenverteidiger 1:1 durch einen Innenverteidiger zu ersetzen, sei falsch! Als Begründung dieser Behauptung wurde angeführt, bei einem Rückstand von zwei Toren, müsse ein Trainer „offensiv“ wechseln. Das kann man meinen, man müsste dann aber konsequenterweise all jenen Trainern komplette Ahnungslosigkeit und Unfähigkeit unterstellen, die kurz vor Spielende bei Rückstand durch die Einwechselung eines Innverteidigers vermeintlich die Defensive stärken, wo doch augenscheinlich totale Offensive benötigt wird. Nur ein Beispiel von Unzähligen dazu: ohne die last-minute Kopfballtore ihres einstigen Innenverteidigers, Naldo, hätte Schalke 04 so manche Partie unbestreitbar verloren.

Trotz des Rückstandes Gideon Jung durch Bates zu ersetzen, kann schon deswegen kein nachweisbarer Fehler gewesen sein, da die Mannschaft trotz der unverzüglich durch Wolf erfolgten und oben bereits angesprochenen taktischen Umstellung augenscheinlich vollkommen den Faden verloren hatte, vor allem defensiv (Stichwort: Zweikampfverhalten) vogelwild agierte und sogar Gefahr lief, noch weit mehr Gegentore zu kassieren!

In der 61. Minute wechselte Wolf dann gezwungenermaßen offensiv(er). Er brachte Neuzugang Öczan für Vagnoman, der keineswegs enttäuscht hat. Wirklich torgefährlicher wurde der HSV dadurch aber nicht.

Diskutabel bleibt, warum Wolf sehr lange an Ito festhielt, dem es u.a. an Durchsetzungsvermögen mangelte. Seine Begründung, so vermute ich, dürfte sein, dass er gehofft hat, dessen Fähigkeiten im Dribbling könnten zu einem Torerfolg führen. Wer aber das Theater verlassen hat, hat das Stück gewöhnlich bereits gesehen. Diese Rechnung ging zwar nicht auf, aber nachvollziehbar bleibt sie dennoch. Und daher ist sie m.E. ebenfalls nicht „falsch“.

Verwundert war auch ich, dass Arp sich nach seiner Einwechselung vermehrt als Linksaußen versuchte. Im offensiven Zentrum fehlte dadurch ein Vollstrecker. In diesem Zusammenhang sei aber bemerkt, dass der durch ihn ersetzte Jatta zuvor auch bereits auffällig häufig auf den Flügel ausgewichen war. Diese Beobachtung könnte man daher auch als Folge des am gestrigen Tage guten Defensivspiels der Arminia und eben nicht als falsche Taktik Wolfs plausibel erklären.

Der Mensch neigt grundsätzlich dazu, unverzüglich Antworten/Gründe für das ihm Unerklärliche zu suchen. Dann hat der HSV verloren, weil angeblich der Schiedsrichter ein „Schieber“ war, Sakai schon immer ein „Blinder“, die Mannschaft ohnehin nicht gut genug ist und sollte sie aufsteigen, keine Chance auf den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga besäße, Arp und andere Nachwuchsgewächse nicht genügend Vertrauen bekommen, Jatta ein „Leichathlet“ und kein Fußballspieler ist, die Niederlage auf die Kappe des Trainers geht, der sich total vercoacht hat usw. usf.

All diesen Begründungsmustern ist gemeinsam, dass es sich um legitime Meinungen handelt. Um Behauptungen, die den Vorteil besitzen, dass sie nie zu falszifizieren sind, denn der Nachweis kann praktisch nicht erbracht werden. Oder wie will jemand tatsächlich beweisen, dass der HSV, um nur bei diesem Beispiel zu bleiben, das Spiel gestern erfolgreicher bestritten hätte, hätte Wolf Jung durch einen anderen Spieler ersetzt?

Mein Fazit: Der HSV hat nach dem Platzverweis völlig den Faden verloren und über weite Strecken schlicht zu schlecht Fußball gespielt. Und er hatte es am gestrigen Tag bei der Arminia mit einem Gegner zu tun, der seine Möglichkeiten an diesem Tag deutlich besser ausgeschöpft hat. Dass Siebert mindestens beim 1:0 falsch lag, ist korrekt, war aber nur eine Variable. Und die Korrelation von Variablen, man kann es nicht oft genug besingen, besagt nichts über Kausalität! Einfacher ausgedrückt: Der Schiri war nicht schuld!