Ilicevic

Trotz verpasstem Heimsieg überwiegt das Positive: Hamburger SV – TSG Hoffenheim 1:1 (1:1)

Vor dem Spiel wurde in den einschlägigen Hamburger „Qualitäts“-Gazetten ausführlichst die Frage behandelt, ob van der Vaart im offensiven Zentrum zum Einsatz kommen würde. Bemerkenswert dabei fand ich, dass auch im Hamburger Abendblatt, das gerade noch von einem direkten Ausscheidungskampf zwischen Holtby und van der Vaart um die Position in der Zentrale fabulierte, nun relativ unvermittelt auf der linken offensiven Außenbahn von einer Besetzung entweder mit Jansen oder Holtby die Rede war. Immerhin basierte diese neue Annahme im Gegensatz zu dem hier jüngst kritisierten Artikel auf den Eindrücken vom Training in dieser Woche. Und sie erwies sich für dieses eine Spiel tatsächlich als richtig.

Holtby ersetzte also Jansen. Ansonsten vertraute Joe Zinnbauer derselben Aufstellung, die gegen den BvB erfolgreich gewesen ist:  Drobny – Diekmeier (30. Götz), Djourou, Westermann, Ostrzolek – Arslan (79. Stieber), Behrami, N. Müller, van der Vaart (66. Jansen), Holtby – Lasogga

Das Spiel: Der HSV begann das Spiel gewohnt offensiv und hatte, da vermehrt im Ballbesitz, ein optisches Übergewicht. Man war erkennbar darum bemüht, durch schnelle vertikale Pässe vor allem auf van der Vaart oder Lasogga Torchancen herauszuarbeiten. Dabei wurde die Mehrzahl der eigenen Angriffe über den eigenen rechten Flügel entwickelt. Dies lag nicht nur an der  personellen Besetzung durch den schnellen Diekmeier und den trickreichen Nicolai Müller, sondern auch daran, dass man offenbar gezielt versuchte, diese Seite personell zu überladen. Van der Vaart bot sich immer wieder im rechten Halbraum an, und auch Tolgay Arslan und Behrami halfen immer wieder dabei, dort personelle Überzahl herzustellen. Zudem drängte Holtby von seiner linken Außenbahn in die Mitte. Daraus resultierte eine gewisse Rechtslastigkeit. Ostrzolek fehlte es auf der gegenüberliegenden Seite manchmal am nötigen Durchsetzungsvermögen, was aber m.E. z.T. auch auf einen Mangel an Unterstützung zurückzuführen ist.

Die TSG stand defensiv sehr stabil und beschränkte sich zunächst auf ein Mittelfeldpressing. Wenn sie einmal den Ball eroberten, dann konnte man sehen, warum die Mannschaft von Markus Gisdol inzwischen gelobt wird. Mit wenigen, schnellen Kombinationen wurde auf Offensive umgeschaltet und die eigenen Angriffe zielstrebig vorgetragen. In der 15. Minute konnte Holtby zentral vor dem gegnerischen Strafraum den Ball nicht behaupten. Ein vertikaler Pass genau in die Schnittstelle der beiden Hamburger Innenverteidiger erreichte Modeste, der dabei das Glück hatte, dass ihm der Ball vom eigenen Knöchel maßgenau in den Lauf fiel. Drobny, der aus seinem Tor herausgeeilt war, um ggf. den Steilpass abzufangen, hatte keine Chance an den Ball zu kommen. So hatte der Hoffenheimer Angreifer im Grunde alle Optionen: Drobny erst umkurven, sofort flach abschließen oder lupfen. Modeste entschied sich für den Beinschuss, was Drobny in dieser Szene zweifellos schlecht aussehen ließ. Ursächlich für den Führungstreffer der Gäste ist jedoch der Ballverlust Holtbys, sowie der Zufall, der bei der Ballannahme des Torschützen Regie führte.

Nur eine Minute später konnte man fast eine Kopie der Szene bestaunen, die zur Hoffenheimer Führung geführt hatte. Erneut verlor Holtby den Ball, erneut erreichte der Pass Modeste in aussichtsreicher Position, nur hatte dieser dieses Mal eben kein Glück.

Der HSV wurde mit seinen Aktionen erst in der 22. Minute wirklich torgefährlich. Erneut war es Müller, der mit einer spektakulären Einzelleistung die halbe gegnerische Defensive schwindelig spielte, sodass van der Vaart zum Abschluss kam. Leider erwies sich Baumann im Tor der TSG als sicherer Rückhalt seiner Mannschaft und konnte diesen Schuss, sowie einen Schuss Müllers nur eine Minute später, erfolgreich parieren.

Diekmeier, der bereits in den ersten Minuten nach einem Foul angeschlagen wirkte, musste bereits in der 30. Minute vom Feld. Zinnbauer blieb seiner Linie, vermehrt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, treu und  brachte den jungen Ashton Götz, der seine Sache ordentlich machte.

Mir fehlte in der ersten halben Stunde ein wenig die letzte Entschlossenheit des HSV beim Gegenpressing. Bei van der Vaart meinte ich die Folgen seiner Verletzungspause zu sehen, und Lasogga fand zunächst gar nicht statt.

Einmal mehr war es Nicolai Müller, der durch eine starke Balleroberung gegen Firmino die Wende herbeiführte. Der Ball kam zu Arslan, dem endlich einmal ein Vertikalpass in die Spitze glückte. Lasogga lief noch einige Meter und vollstreckte dann ruhig und platziert ins kurze Eck. Der Ausgleich zum 1:1 in der 34. Minute.

In der 43. Minute verpasste Westermann mit einem Kopfball nach Ecke durch van der Vaart denkbar knapp den Führungstreffer für den HSV, was sich beinahe noch vor der Halbzeitpause gerächt hätte. Der Hoffenheimer El Younoussi stand nach einer erneuten Unachtsamkeit der Hamburger sieben, acht Meter frei vor Drobny, aber Hamburgs Torhüter parierte den Torschuss großartig. Meiner Meinung nach entsprach das Unentschieden den bis dahin gezeigten Leistungen beider Mannschaften. Allerdings wirkten auf mich die Hoffenheimer etwas reifer in ihrer Spielanlage.

Im zweiten Spielabschnitt gingen die Hamburger erkennbar mehr Risiko und drängten nun deutlich stärker auf den Führungstreffer. Beide Außenverteidiger schoben sehr weit nach vorne ins Mittelfeld, und die beiden Innenverteidiger standen situativ ebenfalls innerhalb der gegnerischen Hälfte. Da man nun auch im Gegenpressing noch entschlossener agierte, konnte man die Hoffenheimer zum einen tief in deren eigene Hälfte zurück drängen, zum anderen konnte man verloren gegangene Bälle meist schnell zurückerobern, d.h. die gefährlichen Konter der Gäste bereits im Ansatz unterbinden. Vor allem der gefährliche Firmino wurde mannorientiert meist erfolgreich bekämpft. Seine beste Chance und zugleich wohl die eindeutigste für die TSG während der zweiten Halbzeit hatte er in der 55. Minute, als er mit einem Schuss aus 17 Metern am linken (Innen-)Pfosten scheiterte. Zum Glück für den HSV prallte der Ball vom Pfosten nicht ins Tor, sondern diagonal durch den Strafraum, ohne dass ein Hoffenheimer zum Nachschuss kam.

Aus Sicht des HSV war offensiv die eklatante Leistungssteigerung Lasoggas vor allem in der zweiten Halbzeit bemerkenswert.  Aber entweder parierte Baumann im Tor der Gäste (64.), sein sehr gut geschossener Freistoß verfehlte denkbar knapp das gegnerische Gehäuse (66.), oder sein ebenfalls sehenswerter Torschuss traf nur den Querbalken des Tores (79.). Aber auch der eingewechselte Stieber hatte in der 83. Minute aus 15 Metern zentral vor dem Tor eine große Chance, die aber ebenfalls Baumann vereitelte.

Der Schlusspunkt in Sachen Torchancen war wiederum den Gästen vorbehalten, aber El Younoussi verpasste den aufgrund der zweiten Halbzeit dann doch unverdienten Siegtreffer für die TSG (85.).

Schiedsrichter: Sippel (München). Außer einem Freistoßpfiff gegen Holtby nach glasklarer „Schwalbe“ eines Hoffenheimers, der aber folgenlos blieb, sind mir keine klaren Fehlentscheidungen aufgefallen. Ist mir aufgrund seines Auftretens, seiner Körpersprache nicht sympathisch. Das ist aber mein Problem.

Fazit: Am Ende steht ein leistungsgerechtes Unentschieden gegen grundsätzlich starke Hoffenheimer. Mit etwas mehr Glück hätte der  HSV allerdings auch gewinnen können und dies wäre dann aufgrund der deutlichen Leistungssteigerung im zweiten Durchgang auch nicht unverdient gewesen. Auch wenn es der HSV erneut verpasst, nach einem gewonnenen Spiel mit einem Dreier nachzulegen, sieht man m.M.n., dass sich die Mannschaft unter Zinnbauer auf einem guten Weg befindet. In der letzten Saison wäre dieses Spiel nach dem frühen Rückstand höchstwahrscheinlich sang und klanglos verloren worden.

Nach der heutigen Leistung Holtbys auf der linken Außenbahn bezweifle ich sehr, dass dies eine Dauerlösung werden wird. Zumal dort mit Jansen, Stieber und bald wohl auch Ilicevic diverse Alternativen zur Verfügung stehen. Jansen, das sollte man nicht vergessen, kam vor dem Spiel gegen Dortmund aus einer mehrwöchigen Verletzungspause und ist ohnehin ein Spieler, der sehr stark über seine Physis (Fitness) kommt. Ich gehe daher davon aus, dass Zinnbauers Verzicht auf Jansen in der Startformation aus Gründen der Belastungssteuerung erfolgte.

Hervorheben möchte ich heute die Leistung Tolgay Arslans, dem nicht nur ein Assist gelang, der aber auch ansonsten überzeugend spielte. Djourou spielte neben einem sehr soliden Westermann ebenfalls eine starke Partie. Müller zeigte in mehreren Szenen, warum er eine klare Verstärkung der Mannschaft ist, auch wenn ihm nicht alles gelang.

Die Hamburger Mannschaft ist weiter in einem Findungsprozess, scheint sich aber Schritt für Schritt von den Schatten der desaströsen letzten Saison zu befreien. Zu kritisieren ist, dass die Mannschaft nach dem Rückstand kurzzeitig den Faden verlor. Positiv aber bleibt festzuhalten, dass man sich nicht nur erfolgreich in die Partie zurückkämpfte, sondern am Ende mit Macht auf den Siegtreffer drängte. Das tatsächliche Leistungsvermögen dieser Mannschaft wird man m.E. erst im Laufe der Rückrunde sehen. Erfreulich einmal mehr, dass das Publikum des HSV dies wohl mehrheitlich begriffen hat. Dies schließe ich u.a. aus dem anerkennenden Applaus nach Spielende. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf das nächste Wochenende und den Auftritt des HSV hier in Berlin gegen die Hertha.

Am Ende haben fast alle verloren – Der HSV entlässt Mirko Slomka

Der Hamburger Sportverein hat am gestrigen Abend seinen Trainer, Mirko Slomka, mit sofortiger Wirkung entlassen. Diese Meldung wurde vom Mediendirektor des Vereins, Jörn Wolf, bestätigt.  Angeblich sollen auch die beiden Assistenten Slomkas, Bajramovic und El Maestro, den Dino verlassen.

Aus sportlicher Sicht betrachtet lassen sich durchaus Argumente für diese Entscheidung der Verantwortlichen finden.

Zunächst sind es die nackten Zahlen, die gegen eine Weiterbeschäftigung Slomkas sprachen. Schließlich fällt seine Bilanz mit nur 12 Punkten aus 16 Bundeligaspielen (3 Siege, 3 Unentschieden und 10 Niederlagen entsprechen 0,75 Punkte je Partie) äußerst bescheiden aus. Auch in der letztlich erfolgreich überstandenen Relegation gegen den Zweitligisten Fürth gelang dem Team unter seiner Führung kein Sieg, sodass der Klassenerhalt denkbar knapp und nur dank der Auswärtstor-Regel (0:0. in Hamburg; 1:1 in Fürth) gesichert werden konnte.

40 Punkte, so heißt es, benötige eine Mannschaft, um nicht abzusteigen. Bei 34 Spieltagen einer Saison folgt daraus, dass der Arbeitsplatz jedes Trainers, dessen Mannschaft je Spiel im Durchschnitt nur einen Punkt erreicht, gefährdet ist. Denn 34 Punkte können zwar u.U. zum Klassenerhalt reichen, verfehlen aber bereits deutlich jene als abstiegssicher geltende Zone der Tabelle jenseits der magischen 40-Punkte-Marke. Trainer aber wie Slomka (oder dessen Vorgänger van Marwijk), deren durchschnittliche Punkteausbeute sogar deutlich unterhalb des prinzipiell bereits ungenügenden einen Punktes je Spiel liegt, müssen grundsätzlich jederzeit mit ihrer Freistellung rechnen. So gesehen erscheint die gestrige Entscheidung des HSV zunächst unzweifelhaft richtig.

Zweifel sind in diesem Zusammenhang jedoch angebracht. Denn fraglich muss bereits erscheinen, ob ein anderer Trainer mit demselben Kader (der letzten Saison, die in die Berechnung maßgeblich einfließt) einen besseren Quotienten erreicht hätte. Tatsache ist, dass sich bereits vor Slomka die Trainer Fink (zu Beginn der vergangenen Spielzeit) und van Marwijk ähnlich erfolglos bemühten, den Club zurück in die Erfolgsspur zu führen. Dass hier möglicherweise auch fehlende Qualität des Personals eine ganz gewichtige Rolle gespielt hatte, zu dieser Schlussfolgerung war man offenbar auch in der Chefetage der Hamburger gekommen. Folgerichtig wurde die Zusammenstellung der Mannschaft durch zahlreiche Transfers in der diesjährigen Sommerpause tiefgreifend verändert.

Unbestreitbar dürfte ebenfalls sein, dass es Slomka gelungen ist, jene konditionellen Defizite des Hamburger Personals aufzuarbeiten, die zu den vielen Problemen der letzten Spielzeit zählten, die er nicht zu verantworten, gleichwohl aber auszubaden hatte.

Zu belegen ist ebenfalls, dass Slomka zu Saisonbeginn wichtige Spieler für ein neues Spielkonzept, z.B. Holtby und Nicolai Müller, gar nicht zur Verfügung standen. Holtby wurde bekanntlich erst nach dem zweiten Spieltag mit Ablauf der Transferperiode verpflichtet, Müller kam verletzt nach Hamburg und konnte bis zum Spiel gegen Hannover 96 kaum mit seinen neuen Kollegen trainieren. Wenn  man dann noch andere verletzungsbedingte Ausfälle mit ins Kalkül zieht (Jansen, Ilicevic – schon wieder! – und van der Vaart), erscheint höchst zweifelhaft, ob irgend ein Trainer in der Lage gewesen wäre, gegen Hannover zu punkten.

Ein Trainer ist immer nur so stark, wie der Rückhalt, den er bei seiner Clubführung genießt. Das weiß jeder, der einmal als Trainer in Vereinen gearbeitet hat, und das belegen auch zahlreiche Aussagen etablierter Bundesligatrainer. Slomka muss daher auch zugute gehalten werden, dass seine Autorität bereits vor Wochen (ohne jede Not!) durch ein Interview von Klaus-Michael Kühne im Hamburger Abendblatt in aller Öffentlichkeit untergraben wurde. Da passte es ins Bild, dass sich plötzlich auch  ein einfaches Mitglied des neu gebildeten Aufsichtsrates (Nogly) bemüßigt fühlte, die Trainingsmethoden Slomkas öffentlich in Frage zu stellen. Da muss man sich nicht wundern, wenn das kickende Personal derartige Steilvorlagen nutzt, um ebenfalls medienwirksam angebliche Fehler des Trainers zu lancieren., bzw. ureigenste Interessen zu verfolgen.

Natürlich hat auch Slomka Fehler gemacht. So erscheint, ich habe dies hier schon ausführlich thematisiert, der unvermittelte Torwartwechsel von Adler zu Drobny nicht plausibel. Fragwürdig erscheint auch, dass er durch den kurzfristigen Einsatz von Cléber, der bislang kaum Zeit hatte, sich an Land, Leute und Liga zu gewöhnen, das Risiko in Kauf nahm, die ohnehin wackelige HSV-Defensive ggf. weiter zu destabilisieren. Unverständlich auch, dass Müller, der erst am Freitag vor dem Spiel mit der Mannschaft erstmalig trainieren konnte, von Beginn an auflaufen durfte. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Müller bis zum Schlusspfiff durchhielt. Insgesamt wirkte Slomkas Aufstellung gegen Hannover 96 auf mich wie ein überschießendes, trotziges Statement zu entsprechenden Äußerungen aus der Clubführung: Ihr wollt jetzt die neuen Leute sehen??! – LMAA, hier habt ihr sie! – Aber das ist nur mein subjektiver Eindruck.

Durchaus bemerkenswert ist, dass sich Aufsichtsratschef  und  Kühne-Vertrauter Gernandt nach der Niederlage gegen Hannover öffentlich mit der Aussage zitieren ließ, man werde nun zu 120 Prozent keinen kurzfristigen Trainerwechsel vornehmen. Das scheint mir dreierlei zu zeigen: erstens ist offensichtlich nicht alles verlässlich, was Herr Gernandt äußert; zweitens war dieses Statement offenbar nicht mit Dietmar Beiersdorfer abgesprochen; drittens scheint Gernandt immer noch nicht verstanden zu haben, wie das Geschäft Profifußball funktioniert.

Ebenfalls bemerkenswert: Grundsätzlich mag es als harmlose, zu vernachlässigende Petitesse erscheinen, für die rein praktische Gründe sprechen, aber dass man über den „Kopf“ des Trainers in den Büroräumen von Kühne&Nagel konferiert, wirkt vor dem Hintergrund des bereits angesprochenen Kühne-Interviews zu Slomka und den mindestens wiederholt als unglücklich zu bewertenden öffentlichen Äußerungen Gernandts so, als bewege sich der HSV am Gängelband seines wichtigsten Geldgebers und sei tatsächlich nicht wirklich frei in seinen Entscheidungen. Das mag sachlich nicht richtig sein, jedoch wirkt es so. Allein das ist schon fatal, denn es gießt weiter Wasser auf die Mühlen derjenigen, die exakt diese Gefahr erkannt zu haben glaubten.

Äußerst fragwürdig ist ohnehin der Zeitpunkt der Entscheidung. Wenn man aufgrund der letzten Saison Zweifel an Slomkas Arbeit hatte, dann hätte man diesen bereits zusammen mit Kreuzer entlassen können, um einen unbelasteten Neubeginn zu forcieren. Spätestens aber nach dem ernüchternden Spiel gegen Paderborn aber, auf das die zweiwöchige Länderspielpause folgte, hätte es die Möglichkeit gegeben, einen neuen Trainer zu installieren, der dann auch etwas Zeit zur Umsetzung seiner eigenen Ideen gehabt hätte. Diese hat der jetzt kommende Trainer nun nicht. Im Gegenteil! Der Neue hat das zweifelhafte Vergnügen nun mit einer gleich im mehrfachen Sinne neuen Mannschaft gegen die Bayern und dann gegen M’Gladbach anzutreten…

Die gestrige Entscheidung mag grundsätzlich begründet erscheinen, tatsächlich aber beschädigt sie fast alle:

1). Slomka gilt nach seinem letzten, ebenfalls erfolglosen Jahr in Hannover nun als ein Trainer, der innerhalb weniger Monate auch in Hamburg gescheitert ist;
2.) Die Glaubwürdigkeit des AR-Vorsitzenden Gernandt ist nachhaltig beschädigt;
3.) Beiersdorfer mag durch die Entscheidung demonstriert haben, dass am Ende er (und nicht Gernandt oder Kühne) das Sagen hat, muss sich aber fragen lassen, ob er seinen „Laden“  tatsächlich im Griff hat;
4.) Kühne wirkt zunehmend wie ein Edel-Fan, der sich dank seines Geldes das Privileg erkauft zu haben scheint, „seinem“ Club jederzeit ins operative Geschäft hineinzupfuschen;
5.) Der Charakter derjenigen Spieler im Kader (offenbar sind darunter einige der verbliebenen „Leistungsträger“), die jetzt selbstgerecht den Trainer kritisierten und Interna nach außen durchsteckten, ist nachhaltig in Zweifel zu ziehen.

Einmal mehr verliert jedoch der HSV, der seinen Ruf zementiert, dass seine Trainer auf dem Schleudersessel sitzen.

Man kann den Verantwortlichen jetzt nur ein glückliches Händchen bei der Auswahl des nächsten Trainers wünschen. Schon im eigenen Interesse. Die 86,9 Prozent Zustimmung zur Ausgliederung waren nicht nur ein überwältigender Vertrauensvorschuss, sie definieren zugleich auch eine enorme Fallhöhe…