Klaus

Der HSV verpasst einmal mehr den zweiten Streich: SC Freiburg – HSV 0:0 (0:0)

Nach dem Sieg des HSV vor heimischen Publikum gegen den 1. FSV Mainz 05 hatte HSV-Trainer Joe Zinnbauer wenig Anlass, um die taktische Formation oder die Startelf tiefgreifend zu verändern. Dass Behrami Jiracek ersetzen würde, sofern der Schweizer rechtzeitig wieder spielfähig sein würde, das durfte als sicher gelten. Auch einen erneuten Auftritt der Hamburger mit zwei Stürmern konnte man erwarten, da Lasogga als einziger Sturmspitze in den Spielen zuvor die Durchschlagskraft fehlte. Wirklich gespannt war ich, ob Zinnbauer weiterhin am jungen Ronny Marcos als Linksverteidiger festhalten würde. Ich gebe zu: hätte ich tippen müssen, ich hätte falsch gelegen. Denn ich dachte vor dem Spiel des HSV im Breisgau, dass Ostrzolek nach einer Denkpause nun wieder ins Team zurückkehren würde. Marcos hatte in meinen Augen ordentlich gespielt und keineswegs enttäuscht, aber stärker als Ostrzolek hatte ich ihn auch nicht gesehen. Aber Zinnbauer sieht die Spieler täglich im Training, ich nicht.

Aufstellung: Drobny – Diekmeier, Djourou, Cléber, Marcos – Behrami – N. Müller (71. Gouaida), van der Vaart (65. Jiracek), Holtby – Lasogga (90+2. Stieber), Rudnevs

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag nach zwanzig Sekunden: Djourou wollte einen Ball hoch und weit aus dem Hamburger Strafraum köpfen. Marcos setzte links außen innerhalb des Sechzehners zu einem Befreiungsschlag an, und der in seinem Rücken positionierte Freiburger Klaus sprang (!) dazwischen und wurde von Marcos getroffen. Schiedsrichter Stark konnte die Szene offenbar nicht eindeutig bewerten und entschied nach Rücksprache mit seinem Assistenten an der Linie auf Strafstoß für die Gastgeber. Für mich eine Fehlentscheidung (s.h. weiter unten). Zum Glück für den HSV schoss Darida den nachfolgenden Elfmeter „blind“ und zu mittig, sodass Drobny den Ball parieren konnte (2.). Es blieb beim 0:0, und ich  verbuchte dies in der Kategorie „ausgleichende Gerechtigkeit“.

Der Spielaufbau bleibt eine Schwachstelle

Die Hamburger begannen die Partie erneut in jener 4-1-3-2 Staffelung, die man in der Vorwoche ca. eine Stunde lang gespielt hatte, bevor man mit einer 2:0-Führung im Rücken auf ein flaches 4-4-2 umstellte. Bei eigenem Ballbesitz ließ sich meist Behrami zwischen die breit stehenden Djourou und Cléber fallen, um von dort das Spiel aufzubauen. Van der Vaart kam ihm dann entgegen, um als Verbindungsspieler zu fungieren. Des Öfteren sah man hier aber auch einen Rollentausch zwischen beiden Spielern, d.h. van der Vaart holte sich den Ball zwischen beiden Innenverteidigern ab, während sich Behrami als Verbindungsspieler versuchte. In der Theorie spricht einiges für diese flexible Rollenverteilung, da sie für den Gegner schwerer auszurechnen ist. In der Praxis konnte sie mich jedoch überhaupt nicht überzeugen. Denn wenn schon van der Vaart in meinen Augen spielerisch kein Stratege ist – für Behrami gilt dies erst recht. Der Schweizer spielt solide Pässe, der Mannschaft fehlt jedoch dann fast durchweg jedes Überraschungsmoment aus dem defensiven Mittelfeld.  Mit anderen Worten: Spielaufbau und -entwicklung des HSV wirkten auf mich erneut unsicher und wenig überzeugend. Streich hatte seine Mannschaft natürlich auf diese Achillesferse des HSV eingestellt. Mir schien, als würden die Freiburger auch deswegen in jenen Situationen ein wenig aggressiver pressen (als der HSV), in denen ihr Gegner den Ball aus der eigenen Abwehr zu spielen versuchte. Der HSV seinerseits lief vor allem durch Rudnevs ebenfalls die ballführenden gegnerischen Abwehrspieler an, jedoch mit etwas weniger Konsequenz. Man begnügte sich meist damit, das Aufbauspiel des Gegners auf die gewünschte Weise zu lenken.

Es entstand ein Spiel, wie man es häufiger sieht: Beide Mannschaften standen in einem Korridor zwanzig Meter links und rechts der Mittellinie, verdichteten dort massiv die Räume und neutralisierten sich weitestgehend wechselseitig.

Der erste Torschuss des HSV kam in der 21. Minute von Behrami, bei dessen Distanzschuss Bürki im Tor der Gastgeber immerhin nachfassen musste. Ansonsten wurden die Angriffsbemühungen beider Seiten bereits im Mittelfeldpressing erstickt.

Immerhin kontrollierte der HSV das Spiel ungefähr ab diesem Zeitpunkt. In der 30. Minute konnten die Hamburger im Mittelfeld den Ball erobern und liefen mit drei, vier Mann einen Tempogegenstoß. Leider war Lasogga in dieser Szene viel zu eigensinnig, übersah seine gut aufgefächert mitgelaufenen Mitspieler und schloss vollkommen unnötig überhastet aus der Distanz ab. Dass der Ball deutlich das Tor verfehlte, Bürki also nicht einmal eingreifen musste, passte ins Bild. Da hat der HSV einmal eine viel versprechende Spielsituation, in der ein Spieler mit Übersicht in die Schnittstelle spielt und dann wird sie einfach verschenkt. Grausam.  Lasogga rieb sich ansonsten wie gewohnt im Zentrum auf und war vor allem bei hohen Bällen um Balleroberungen oder Ablagen bemüht. Es blieb jedoch seine einzig nennenswerte Szene, denn er bekommt weiterhin auch zu wenig Bälle, die leichter zu verarbeiten wären. Rudnevs gefiel mir im direkten Vergleich deutlich besser. In der 35. Minute zeigte er eine schöne Einzelleistung auf der linken Außenbahn. Kurz  vor dem Strafraum der Gastgeber zog er nach innen, verfehlte jedoch mit seinem Abschluss das Tor.

Der HSV verschob, auch dies hat man unter Zinnbauer schon häufiger gesehen, stark ballorientiert, konnte jedoch in der ersten Spielhälfte bei Flügelwechseln der Freiburger etwaige Lücken schnell genug schließen. Als Zwischenfazit zur Pause notierte ich leichte Vorteile für den HSV in einer  Partie, der es ansonsten an Höhepunkten mangelte. Bemerkenswert gut fand ich erneut die Leistung von Cléber, der neben dem starken Djourou wieder eine tadellose Partie ablieferte. Beide Innenverteidiger liefen sogar situativ vereinzelt Vorstöße, was ich als Fortentwicklung der Spielentwicklung des gesamten Teams begrüße. Denn spielerisch bleibt der HSV unverändert noch zu oft vieles schuldig.

Des Glückes oder Unglückes Schmid

Nach dem Seitenwechsel kamen die Gastgeber besser ins Spiel. Diekmeier hatte nun mit Freiburgs Linksaußen Schmid erhebliche Mühe. Erst ließ er ihn in der 49. Minute kurz aus den Augen, sodass Schmid eine Flanke gefährlich auf das HSV-Tor köpfen konnte. Da musste sich Drobny  schon ganz lang machen, um den gut platzierten Ball parieren zu können. Nur zwei Minuten später kam erneut Schmid vom linken Strafraumeck zum Torabschluss, aber sein Schuss in Richtung des langen Pfostens verfehlte dies Mal ganz knapp das Tor. Glück für den HSV. Und noch einmal fünf Minuten später war es erneut Schmid, den eine Flanke von Diekmeier innerhalb des Freiburger Strafraums an dem Arm traf (56.). Hier hätten sich die Freiburger nicht beschweren dürfen, wenn es Strafstoß für den HSV gegeben hätte. Gab es aber nicht.

Die torgefährlichste Szene aus Sicht der Hamburger entwickelte sich in der 63. Minute: Nicolai Müller setzte sich rechts im Freiburger Strafraum nahe der Torlinie durch. Sein Schuss aus spitzem Winkel (vermutlich wollte er quer passen) wurde durch das lange Bein eines Freiburgers abgefälscht und touchierte (nur) die Querlatte.

Das Hamburger Spiel wurde nun zunehmend durch Fehlpässe und Missverständnisse geprägt. Ernüchternd, wie einfachste Bälle serienweise zum Gegner oder ins Seitenaus gespielt wurden. Da muss man sich nicht wundern, dass man tabellarisch nur mühsam vom Fleck kommt.

Zinnbauer nahm den dieses Mal nahezu wirkungslosen van der Vaart frühzeitig vom Feld (wieder mit eher schwachen Standards…) und ersetzte ihn durch Jiracek (65.). Offenbar erwartete er zunehmenden Druck von Seiten der Hausherren und wollte daher das defensive Zentrum stabilisieren.

Mit zwei „Abräumern“ vor der Abwehr war die Richtung vorgegeben: Mindestens einen Punkt mitnehmen und damit die Freiburger in der Tabelle auf Distanz halten. Das ohnehin defizitäre spielerische Element wurde durch diesen Wechsel sicher nicht gestärkt.

In der 73. Minute setzte der kurz zuvor für Müller eingewechselte Gouaida nach schöner Flanke von Marcos einen Kopfball knapp neben das Freiburger Gehäuse. Auch Jiracek verfehlte mit einem sehenswerten Volleyschuss leider das Tor (78.).

Auf der anderen Seite machte es der für Klaus eingewechselte Zulechner nicht besser. Auch hier musste der Torhüter nicht eingreifen (81.).

In der Nachspielzeit (90+3.) hatte der quirlige Mehmedi, den die Hamburger Defensive ansonsten gut im Griff hatte, eine letzte Torchance für den Sportclub, aber der einmal mehr sichere Drobny war auf dem Posten. Es blieb daher beim torlosen Remis.

Schiedsrichter: Stark (Ergolding).
In meinen Augen traf er auf Anraten seines Assistenten eine falsche Entscheidung beim Elfmeter gegen den HSV. Der Freiburger hat keine Chance, an den Ball zu kommen oder den Ball tatsächlich zu spielen, da er vorher schon abspringt. Und er springt allein mit der Absicht ab, den Kontakt zu provozieren. Gab zudem keinen Handelfmeter für den HSV, obwohl die Körperfläche des Freiburger Spielers durch dessen Armhaltung vergrößert wurde, was eine mindestens diskutable Bewertung der Szene darstellt.

Fazit: Eine von beiden Seiten läuferisch und kämpferisch engagiert geführte Partie, die spielerisch jedoch einiges zu wünschen übrig ließ. Der HSV hält mit dem Punktgewinn im Breisgau die Freiburger auf Distanz, verpasst aber erneut eine realistische Chance, sich durch einen dreifachen Punktgewinn vorerst ins gesicherte Mittelfeld abzusetzen.

Das Wechselspiel zwischen Behrami und van der Vaart konnte nicht überzeugen, bleibt aber auch der ungenügenden Zusammenstellung des Kaders geschuldet. Hier ist zu hoffen, das Lauf- und Passwege in der Rückrundenvorbereitung besser abgestimmt werden können, sodass die im Ansatz durchaus vorhandenen Möglichkeiten in absehbarer Zeit besser genutzt statt leichtfertig verschenkt werden (s.o., Lasoggas Eigensinn).

Holtby, Müller und Rudnevs sind enorm fleißig, aber vor allem Holtby trennte sich für meinen Geschmack in der einen oder anderen Szene zu spät vom Ball.

Am Ende bleibt für mich neben dem Punktgewinn vor allem die Leistungsentwicklung beider Innenverteidiger das erfreulichste, was ich aus dieser Partie mitnehme.

 

 

 

Ein Unentschieden, das mehr Fragen aufwirft als es beantwortet: HSV – SC Freiburg 1:1 (0:0)

Aufstellung: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Badelj, Jiracek (62. Tesche) – van der Vaart – Zoua, Lasogga

Schiedsrichter: Aytekin

Spielverlauf: Beide Mannschaften begannen die Partie verhalten. Beide überließen dem Gegner zunächst das Abwehrdrittel und begannen ihre Attacken auf den ballführenden Gegenspieler erst ca. 20 Meter vor der Mittellinie. Doch rasch wurde klar, dass die Gastgeber besser ins Spiel gefunden hatten. Bereits nach 15 Minuten betrug das Torschuss-Verhältnis 3:1 zugunsten der Hamburger. Jedes Mal auf Seiten des HSVs beteiligt: Pierre-Michel Lasogga. Leider verfehlten seine Kopfbälle knapp das gegnerische Gehäuse. In der 10. Minute „hämmerte“ er einen Freistoß auf das Tor der Gäste. Leider kam der Schuss ein wenig zu zentral auf das Tor und  so konnte der dieses Mal sehr sichere und souveräne Rückhalt der Gäste, Baumann, den Ball gerade noch zur Ecke klären.

Anders als von mir vermutet, zog sich der SC nicht in die Abwehr zurück, um von dort aus zu kontern, sondern er wurde mit zunehmender Spielzeit von den Hausherren immer weiter zurück gedrängt. Man merkte der Hamburger Mannschaft an, dass sie ihr Heim- und Überholspiel unbedingt gewinnen wollte. Es kam zu einer Reihe von Freistößen für den HSV aus dem Mittelfeld, die, allesamt von van der Vaart getreten, in den Strafraum der Freiburger segelten, meist jedoch leider völlig ungefährlich blieben. Gleiches galt auch für die Eckstöße, die ebenfalls kaum Gefahr erzeugten. Wenn man etwas an der ersten Halbzeit zu bemängeln hat, dann sind es die mangelhafte Chancenausnutzung aus Sicht der Heimmannschaft und die in der Regel torungefährlichen Standards. Allein Lasogga hätte bei optimaler Chancenausnutzung zwei bis drei Tore erzielen können. Ansonsten zeigte sich die gesamte Mannschaft sehr konzentriert und motiviert. Die Innenverteidigung stand sicher, Diekmeier kam, meist vom starken Arslan in Szene gesetzt, zu Flankenläufen. Sein Pendant Westermann agierte solide und ohne größere Stockfehler. Im Mittelfeld funktionierte die erstmalig aufgebotene Kette aus gleich drei Sechsern tadellos (4-3-1-2) und konnte die Angriffsbemühungen der Gäste oft schon im Keim ersticken. Vorne (und hinten) sicherte der fleißige Zoua viele Bälle, und Lasogga war von der Abwehr des Sporclubs kaum zu bändigen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hatte er eine weitere, großartige Chance zur Führung, aber sein Gewaltschuss konnte von Baumann mit Mühe pariert werden. Es blieb also bei einem torlosen Remis zur Pause.

Im Fußball muss nun einmal das Runde ins Eckige. Und so kam es nach der Pause, wie man es schon so oft gesehen hat: Eine dominierende Mannschaft vergibt eine Vielzahl an Chancen und befindet sich dennoch pötzlich im Rückstand. Was war geschehen? Der SC kam deutlich offensiver aus der Pause und agierte schneller und zielgerichteter in Richtung eines eigenen Torerfolgs. Vor allem die linke Hamburger Abwehrseite wurde nun gefordert, und so konnten sich die Gäste vor allem auf dieser Seite zu Beginn der zweiten Hälfte mehrfach ins letzte Drittel vorspielen. In der 50. Minute verlor die Hamburger Abwehr kurzfristig den Überblick. Klaus scheiterte noch am linken Pfosten, doch der Ball kam aus halblinker Position vor die Füße des heranstürmenden Daridas, der sofort abzog – schon zappelte der Ball neben dem kurzen Pfosten im Netz der konsternierten Gastgeber. 0:1 für den SC Freiburg. Das Spiel war buchstäblich auf den Kopf gestellt! Zum Glück verlor die Mannschaft des HSVs nun nicht den Kopf, sondern agierte weiter konzentriert und motiviert. So konnte – wer sonst?! – Lasogga schon in der 55. Spielminute ausgleichen. Zoua konnte einen Ball vor dem Strafraum der Gäste sichern und auf van der Vaart ablegen. Dessen Schuss wurde noch durch Freiburger Abwehrbeine geblockt und abgefälscht. Der Ball kam zu Lasogga, der aus halblinker Position innerhalb des Strafraumes einmal mehr nicht lange zögerte und flach abschloss. Dieses Mal wurde er belohnt: 1:1 – der überlebenswichtige Ausgleich.

In der Folge sah man ein ausgeglicheneres Spiel. Streichs Mannen jetzt immer wieder mit eigenen Offensiv-Aktionen (meist über die Außenbahnen), und der HSV bemüht, seinerseits das Siegtor zu erzielen.

In der 62. Minute änderte Slomka die taktische Marschroute und nahm den defensiveren Jiracek zugunsten des moderat offensiveren Tesche vom Feld. Der HSV agierte nun im 4-4-2. Tesche nahm zunächst die linke Halbposition ein (tauschte gegen Ende der Partie jedoch mit dem nun halbrechts spielenden Arslan die Seite), während van der Vaart die zentral-offensive Mittelfeldposition bezog. Der Wechsel belebte durchaus etwas die Angriffsbemühungen der Gastgeber, da sich Tesche nahtlos einfügte und einige gute Aktionen hatte. So kam er etwa in der 74. Minute im Fallen(!) noch zu einem sehenswerten Abschluss, den Baumann jedoch gleichfalls parieren konnte, da der Ball etwas zu sehr „auf den Mann“ kam.

In der 83. hatten dann die Gäste die letzte, wirklich torgefährliche Aktion: Ein strammer Schuss vom eingewechselten Schmid konnte von Adler nur mit äußerster Mühe schräg nach vorn halblinks in den eigenen Strafraum abgewehrt werden. Dort stand zum Glück für den HSV der eingerückte Westermann und konnte den Ball endgültig klären. Gerade in der Schlussphase missfiel mir erneut Djourou. Erst ließ er sich an der Außenlinie schlafmützig düpieren, später „prügelte“ er nur noch Bogenlampen aus dem Strafraum. Das hatte weder etwas mit konstruktivem Aufbauspiel noch mit klaren Befreiungsschlägen zu tun.

Ärgernisse:
1.) sowohl Arslan für den HSV (17.) als auch Klaus und Schmid (78.) auf Seiten der Freiburger zeigten, wie schnell Bundesligaspieler beim kleinsten Windhauch zu Boden gehen können, um Straf- oder Freistöße und Karten für den Gegner zu schinden. Für mich ein Ärgernis, das ich schon in meinem Spielbericht zum Spiel gegen den VfB hier thematisiert habe: https://viertermann.com/2014/03/23/in-die-falle-der-statik-getappt-und-verloren-vfb-stuttgart-hsv-10-00/
2.) mehrere ausgedehnte Behandlungspausen, zwei Tore und diverse Einwechselungen – da sind die vom Schiedsrichter Aytekin zugebilligten zwei Minuten Nachspielzeit einfach unangemessen und inakzeptabel.

Fazit: Freiburg gelingt,  was dem HSV gegen den VfB versagt blieb. Sie halten den unmittelbaren Konkurrenten auf Distanz und verhindern das Überholmanöver. Grundsätzlich erscheint der eine Punkt aus Sicht des Hamburger Sportvereins zu wenig. Vollkommen unverdient ist die Punkteteilung jedoch nicht.
Der HSV zeigte in dem ungewohnten 4-3-1-2 eine gute, konzentrierte und engagierte Leistung, muss sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, zu veschwenderisch mit seinen Chancen umgegangen zu sein. Ob sich der verpasste „Dreier“ in der Endabrechnung rächen, oder sich der eine Punkt noch als goldwert erweisen wird – wer weiß?!
Zoua mit Licht und Schatten: Einerseits enorm fleißig und wichtig beim Sichern vor allem von hohen und halbhohen Bällen. Andererseits wurden alle seine Flankenversuche mühelos geblockt. Auch strahlte er erneut keinerlei Torgefahr aus.  Man sah also, wie unglaublich wichtig ein gesunder Lasogga für die Mannschaft der Hamburger ist. Da ich davon ausgehe, dass Rudnevs nicht zurückkehrt, Lasogga den Verein am Ende der Saison verlassen wird, da er für den HSV unbezahlbar erscheint, stellt sich die Frage, wer zukünftig beim HSV im Sturm die Tore schießen soll? Zoua wird sich, so denke ich weiter entwickeln, aber ob er je ein Knipser wird, das muss ernsthaft bezweifelt werden.
Die Systemfrage wurde erfolgreich um eine weitere Variante erweitert. 4-4-2 (flach oder mit Raute), 4-4-1-1 oder 4-3-1-2? Ich habe den Eindruck, dass vor allem Zoua in der zu letzt genannten Variante besser zur Geltung kommt. Mit einem weiteren Stürmer an seiner Seite und van der Vaart dahinter – das sah nicht schlecht aus.
Mancienne erneut mit einer souveränen Vorstellung. Er konnte sogar gelegentlich offensiv Akzente setzen. In dieser Form niemals ein Verkaufskandidat. Stellt sich also auch hier die Frage, wie man mit dem Überangebot an Innenverteidigern umgehen will. Westermann macht seine Sache als Aushilfe als LV ordentlich, wird aber niemals ein zeitgemäßer Außenverteidiger. Zu hüftsteif und schwach im offensiven 1:1. Kehrt also Jansen zurück, und sollte „Cello“ dem Verein nach der Saison erhalten bleiben – wohin mit Heiko? Charakterlich tadellos, polyvalent einsetzbar, aber eben auch mit deutlichen Schwächen. Zudem (vermutlich) einer der Großverdiener.
Setzt man auf den jüngeren, wuchtigeren (leider derzeit schwer verletzten) Rajkovic? Trennt man sich vom bislang nicht restlos überzeugenden Djourou, oder wird gar Westermann zum Einsparungsopfer, sobald alle Mann wieder an Bord sind?  Last but not least: Gelingt Tesche etwa doch noch kurz vor Toreschluss der Durchbruch beim HSV? Fragen über Fragen.

Auch wenn die Enttäuschung aus Sicht eines Fans überwiegen mag, so meine ich, dass sich die Mannschaft unter Slomka stetig weiter entwickelt. Auch wenn die nun kommenden Gegner tabellarisch höher stehen, so sehe ich unverändert eine realistische Möglichkeit, nicht abzusteigen. Die (auf dem Papier) stärkeren Mannschaften werden tendenziell vermutlich mehr nach vorne spielen, was dem HSV zum einen die alleinige Last der Spielgestaltung abnehmen und zum anderen Räume eröffnen dürfte. Die Lage hat sich aus Sicht der Hamburger sicher nicht entspannt. Um so mehr gilt jetzt: Mund abputzen, weiter machen!