Streich

Der HSV verpasst einmal mehr den zweiten Streich: SC Freiburg – HSV 0:0 (0:0)

Nach dem Sieg des HSV vor heimischen Publikum gegen den 1. FSV Mainz 05 hatte HSV-Trainer Joe Zinnbauer wenig Anlass, um die taktische Formation oder die Startelf tiefgreifend zu verändern. Dass Behrami Jiracek ersetzen würde, sofern der Schweizer rechtzeitig wieder spielfähig sein würde, das durfte als sicher gelten. Auch einen erneuten Auftritt der Hamburger mit zwei Stürmern konnte man erwarten, da Lasogga als einziger Sturmspitze in den Spielen zuvor die Durchschlagskraft fehlte. Wirklich gespannt war ich, ob Zinnbauer weiterhin am jungen Ronny Marcos als Linksverteidiger festhalten würde. Ich gebe zu: hätte ich tippen müssen, ich hätte falsch gelegen. Denn ich dachte vor dem Spiel des HSV im Breisgau, dass Ostrzolek nach einer Denkpause nun wieder ins Team zurückkehren würde. Marcos hatte in meinen Augen ordentlich gespielt und keineswegs enttäuscht, aber stärker als Ostrzolek hatte ich ihn auch nicht gesehen. Aber Zinnbauer sieht die Spieler täglich im Training, ich nicht.

Aufstellung: Drobny – Diekmeier, Djourou, Cléber, Marcos – Behrami – N. Müller (71. Gouaida), van der Vaart (65. Jiracek), Holtby – Lasogga (90+2. Stieber), Rudnevs

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag nach zwanzig Sekunden: Djourou wollte einen Ball hoch und weit aus dem Hamburger Strafraum köpfen. Marcos setzte links außen innerhalb des Sechzehners zu einem Befreiungsschlag an, und der in seinem Rücken positionierte Freiburger Klaus sprang (!) dazwischen und wurde von Marcos getroffen. Schiedsrichter Stark konnte die Szene offenbar nicht eindeutig bewerten und entschied nach Rücksprache mit seinem Assistenten an der Linie auf Strafstoß für die Gastgeber. Für mich eine Fehlentscheidung (s.h. weiter unten). Zum Glück für den HSV schoss Darida den nachfolgenden Elfmeter „blind“ und zu mittig, sodass Drobny den Ball parieren konnte (2.). Es blieb beim 0:0, und ich  verbuchte dies in der Kategorie „ausgleichende Gerechtigkeit“.

Der Spielaufbau bleibt eine Schwachstelle

Die Hamburger begannen die Partie erneut in jener 4-1-3-2 Staffelung, die man in der Vorwoche ca. eine Stunde lang gespielt hatte, bevor man mit einer 2:0-Führung im Rücken auf ein flaches 4-4-2 umstellte. Bei eigenem Ballbesitz ließ sich meist Behrami zwischen die breit stehenden Djourou und Cléber fallen, um von dort das Spiel aufzubauen. Van der Vaart kam ihm dann entgegen, um als Verbindungsspieler zu fungieren. Des Öfteren sah man hier aber auch einen Rollentausch zwischen beiden Spielern, d.h. van der Vaart holte sich den Ball zwischen beiden Innenverteidigern ab, während sich Behrami als Verbindungsspieler versuchte. In der Theorie spricht einiges für diese flexible Rollenverteilung, da sie für den Gegner schwerer auszurechnen ist. In der Praxis konnte sie mich jedoch überhaupt nicht überzeugen. Denn wenn schon van der Vaart in meinen Augen spielerisch kein Stratege ist – für Behrami gilt dies erst recht. Der Schweizer spielt solide Pässe, der Mannschaft fehlt jedoch dann fast durchweg jedes Überraschungsmoment aus dem defensiven Mittelfeld.  Mit anderen Worten: Spielaufbau und -entwicklung des HSV wirkten auf mich erneut unsicher und wenig überzeugend. Streich hatte seine Mannschaft natürlich auf diese Achillesferse des HSV eingestellt. Mir schien, als würden die Freiburger auch deswegen in jenen Situationen ein wenig aggressiver pressen (als der HSV), in denen ihr Gegner den Ball aus der eigenen Abwehr zu spielen versuchte. Der HSV seinerseits lief vor allem durch Rudnevs ebenfalls die ballführenden gegnerischen Abwehrspieler an, jedoch mit etwas weniger Konsequenz. Man begnügte sich meist damit, das Aufbauspiel des Gegners auf die gewünschte Weise zu lenken.

Es entstand ein Spiel, wie man es häufiger sieht: Beide Mannschaften standen in einem Korridor zwanzig Meter links und rechts der Mittellinie, verdichteten dort massiv die Räume und neutralisierten sich weitestgehend wechselseitig.

Der erste Torschuss des HSV kam in der 21. Minute von Behrami, bei dessen Distanzschuss Bürki im Tor der Gastgeber immerhin nachfassen musste. Ansonsten wurden die Angriffsbemühungen beider Seiten bereits im Mittelfeldpressing erstickt.

Immerhin kontrollierte der HSV das Spiel ungefähr ab diesem Zeitpunkt. In der 30. Minute konnten die Hamburger im Mittelfeld den Ball erobern und liefen mit drei, vier Mann einen Tempogegenstoß. Leider war Lasogga in dieser Szene viel zu eigensinnig, übersah seine gut aufgefächert mitgelaufenen Mitspieler und schloss vollkommen unnötig überhastet aus der Distanz ab. Dass der Ball deutlich das Tor verfehlte, Bürki also nicht einmal eingreifen musste, passte ins Bild. Da hat der HSV einmal eine viel versprechende Spielsituation, in der ein Spieler mit Übersicht in die Schnittstelle spielt und dann wird sie einfach verschenkt. Grausam.  Lasogga rieb sich ansonsten wie gewohnt im Zentrum auf und war vor allem bei hohen Bällen um Balleroberungen oder Ablagen bemüht. Es blieb jedoch seine einzig nennenswerte Szene, denn er bekommt weiterhin auch zu wenig Bälle, die leichter zu verarbeiten wären. Rudnevs gefiel mir im direkten Vergleich deutlich besser. In der 35. Minute zeigte er eine schöne Einzelleistung auf der linken Außenbahn. Kurz  vor dem Strafraum der Gastgeber zog er nach innen, verfehlte jedoch mit seinem Abschluss das Tor.

Der HSV verschob, auch dies hat man unter Zinnbauer schon häufiger gesehen, stark ballorientiert, konnte jedoch in der ersten Spielhälfte bei Flügelwechseln der Freiburger etwaige Lücken schnell genug schließen. Als Zwischenfazit zur Pause notierte ich leichte Vorteile für den HSV in einer  Partie, der es ansonsten an Höhepunkten mangelte. Bemerkenswert gut fand ich erneut die Leistung von Cléber, der neben dem starken Djourou wieder eine tadellose Partie ablieferte. Beide Innenverteidiger liefen sogar situativ vereinzelt Vorstöße, was ich als Fortentwicklung der Spielentwicklung des gesamten Teams begrüße. Denn spielerisch bleibt der HSV unverändert noch zu oft vieles schuldig.

Des Glückes oder Unglückes Schmid

Nach dem Seitenwechsel kamen die Gastgeber besser ins Spiel. Diekmeier hatte nun mit Freiburgs Linksaußen Schmid erhebliche Mühe. Erst ließ er ihn in der 49. Minute kurz aus den Augen, sodass Schmid eine Flanke gefährlich auf das HSV-Tor köpfen konnte. Da musste sich Drobny  schon ganz lang machen, um den gut platzierten Ball parieren zu können. Nur zwei Minuten später kam erneut Schmid vom linken Strafraumeck zum Torabschluss, aber sein Schuss in Richtung des langen Pfostens verfehlte dies Mal ganz knapp das Tor. Glück für den HSV. Und noch einmal fünf Minuten später war es erneut Schmid, den eine Flanke von Diekmeier innerhalb des Freiburger Strafraums an dem Arm traf (56.). Hier hätten sich die Freiburger nicht beschweren dürfen, wenn es Strafstoß für den HSV gegeben hätte. Gab es aber nicht.

Die torgefährlichste Szene aus Sicht der Hamburger entwickelte sich in der 63. Minute: Nicolai Müller setzte sich rechts im Freiburger Strafraum nahe der Torlinie durch. Sein Schuss aus spitzem Winkel (vermutlich wollte er quer passen) wurde durch das lange Bein eines Freiburgers abgefälscht und touchierte (nur) die Querlatte.

Das Hamburger Spiel wurde nun zunehmend durch Fehlpässe und Missverständnisse geprägt. Ernüchternd, wie einfachste Bälle serienweise zum Gegner oder ins Seitenaus gespielt wurden. Da muss man sich nicht wundern, dass man tabellarisch nur mühsam vom Fleck kommt.

Zinnbauer nahm den dieses Mal nahezu wirkungslosen van der Vaart frühzeitig vom Feld (wieder mit eher schwachen Standards…) und ersetzte ihn durch Jiracek (65.). Offenbar erwartete er zunehmenden Druck von Seiten der Hausherren und wollte daher das defensive Zentrum stabilisieren.

Mit zwei „Abräumern“ vor der Abwehr war die Richtung vorgegeben: Mindestens einen Punkt mitnehmen und damit die Freiburger in der Tabelle auf Distanz halten. Das ohnehin defizitäre spielerische Element wurde durch diesen Wechsel sicher nicht gestärkt.

In der 73. Minute setzte der kurz zuvor für Müller eingewechselte Gouaida nach schöner Flanke von Marcos einen Kopfball knapp neben das Freiburger Gehäuse. Auch Jiracek verfehlte mit einem sehenswerten Volleyschuss leider das Tor (78.).

Auf der anderen Seite machte es der für Klaus eingewechselte Zulechner nicht besser. Auch hier musste der Torhüter nicht eingreifen (81.).

In der Nachspielzeit (90+3.) hatte der quirlige Mehmedi, den die Hamburger Defensive ansonsten gut im Griff hatte, eine letzte Torchance für den Sportclub, aber der einmal mehr sichere Drobny war auf dem Posten. Es blieb daher beim torlosen Remis.

Schiedsrichter: Stark (Ergolding).
In meinen Augen traf er auf Anraten seines Assistenten eine falsche Entscheidung beim Elfmeter gegen den HSV. Der Freiburger hat keine Chance, an den Ball zu kommen oder den Ball tatsächlich zu spielen, da er vorher schon abspringt. Und er springt allein mit der Absicht ab, den Kontakt zu provozieren. Gab zudem keinen Handelfmeter für den HSV, obwohl die Körperfläche des Freiburger Spielers durch dessen Armhaltung vergrößert wurde, was eine mindestens diskutable Bewertung der Szene darstellt.

Fazit: Eine von beiden Seiten läuferisch und kämpferisch engagiert geführte Partie, die spielerisch jedoch einiges zu wünschen übrig ließ. Der HSV hält mit dem Punktgewinn im Breisgau die Freiburger auf Distanz, verpasst aber erneut eine realistische Chance, sich durch einen dreifachen Punktgewinn vorerst ins gesicherte Mittelfeld abzusetzen.

Das Wechselspiel zwischen Behrami und van der Vaart konnte nicht überzeugen, bleibt aber auch der ungenügenden Zusammenstellung des Kaders geschuldet. Hier ist zu hoffen, das Lauf- und Passwege in der Rückrundenvorbereitung besser abgestimmt werden können, sodass die im Ansatz durchaus vorhandenen Möglichkeiten in absehbarer Zeit besser genutzt statt leichtfertig verschenkt werden (s.o., Lasoggas Eigensinn).

Holtby, Müller und Rudnevs sind enorm fleißig, aber vor allem Holtby trennte sich für meinen Geschmack in der einen oder anderen Szene zu spät vom Ball.

Am Ende bleibt für mich neben dem Punktgewinn vor allem die Leistungsentwicklung beider Innenverteidiger das erfreulichste, was ich aus dieser Partie mitnehme.

 

 

 

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Vorentscheidung im Abstiegskampf? – Borussia M’gladbach – HSV 3:1 (1:1)

Aufstellung: Adler – Diekmeier (83. Jiracek), Djourou, Mancienne, Westermann – Zoua, Rincon, Arslan (83. Tesche), Calhanoglu – van der Vaart – Lasogga (46. John)

Schiedsrichter: Kinhöfer. Sprach viel mit den Spielern, um die Gemüter zu beruhigen. Gute Anwendung der Vorteilsregel. Fiel auch nicht auf diverse Schwalbenversuche herein. Lag nur mit der gelben Karte für Mancienne (65.) falsch.

Spielbericht: HSV-Trainer Mirko Slomka ließ seine Mannschaft zu Beginn in einem 4-4-1-1 auflaufen. Rincon ersetzte wie erwartet den gesperrten Badelj und agierte als defensiverer Sechser. Dafür übernahm Arslan die Rolle des Spielmachers aus dem Mittelfeld. Calhanoglu (für den verletzten Ilicevic; links) und Zoua (rechts) besetzten die offensiven Außenbahnen.
Das Spiel begann zunächst verhalten. Die Gastgeber bauten ihr Spiel sehr bedächtig auf, was dem HSV ausreichend Zeit bot, um sich mit zwei Viererketten auf die Angriffsbemühungen des Gegners einzustellen.
In der 7. Spielminute setzte Zoua im Strafraum der Gladbacher spektakulär zu einem Fallrückzieher an, verfehlte jedoch den Ball. Da ein Gladbacher unmittelbar in der Bähe stand und zudem von Zoua leicht getroffen wurde, entschied Schiedsrichter Kinhöfer völlig korrekt auf „gefährliches Spiel“ und pfiff die Aktion ab. Beim Betrachten der Szene dachte ich mir: das versucht nur einer, der unbedingt will – der hat heute Selbstvertrauen…
Ansonsten erfreuten die ersten 20 Minuten vermutlich nur Trainer und Taktik-Freunde. Aus Fan-Sicht sah das Spiel zunächst mehr noch Sommerfußball aus. Wenig Tempo, wenig Aktionen in Tornähe. Immerhin kam der HSV gut in das Spiel und übernahm mit fortschreitender  Spielzeit zunehmend das Kommando.
In 28. Minute foulte Hermann den sehr aktiven Calhanoglu im linken Halbfeld der Gladbacher Hälfte. Hakan flankte den Freistoß perfekt vor das Tor der Gastgeber, wo Zoua sich entscheidend von seinem Bewacher absetzen konnte und den Ball mühelos aus kurzer Distanz ins Tor der Gladbacher köpfte. Ter Stegen war chancenlos – 0:1 für den HSV.
Kurz darauf hatte der HSV sogar die große Chance, seine Führung weiter auszubauen. Leider verfehlte der schulbuchmäßige Kopfball (32.) von Kapitän van der Vaart knapp das Tor und ging am linken Pfosten vorbei ins Toraus. 30 cm weiter rechts und Gladbachs Torhüter wäre erneut chancenlos gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette – es blieb beim o:1.
In der 36. Minute segelte ein Eckstoß der Gladbacher durch den Strafraum des Hamburger Sportvereins. Mancienne, der zuvor nach dem Ball gesprungen war und daher die Arme gehoben hatte, nahm diese nicht herunter. So kam, was kommen musste, wenn man unten drin steht: Michael wurde durch einen Gladbacher Flankenversuch an der Hand getroffen. Folgerichtig gab es einen Strafstoß für die Hausherren. Nach alter Regelauslegung hätte man m.E. durchaus über die Berechtigung streiten können, da der Schuss aus relativer Nähe kam und Mancienne keine aktive Handbewegung zum Ball machte. Nach neuer Auslegung jedoch vergrößerte er eindeutig und „unnatürlich“ seine Körperfläche, sodass die Entscheidung vollkommen richtig war.
Daems schoss den folgenden Elfmeter schlecht (flach in die Mitte), wo der einmal mehr großartig aufgelegte Adler, der lange stehen blieb, um dann ins linke Eck (vom Schützen gesehen) abzutauchen, den Ball zunächst noch mit den Beinen abwehren konnte. Leider, es kommt halt alles zusammen, fiel der Ball Daems direkt vor die Füße, der daher keinerlei Mühe hatte, den Ball im Nachschuss aus kürzester Distanz im Tor des HSVs unterzubringen: 1:1.
In der 42. Minute stand erneut Mancienne im Fokus der Aufmerksamkeit. Er versuchte bei einem langen Ball der Gladbacher auf Abseits zu stellen und machte ein Paar Schritte nach vorne. In die dadurch vergrößerte Schnittstelle zwischen ihm und Djourou startete Arango und lief völlig allein und zentral in Richtung des Hamburger Tores. Einmal mehr bewies dort jedoch Adler seine Klasse im 1:1 und konnte den folgenden Schuss abwehren. Glück für den HSV, denn das hätte die Führung für die Hausherren sein müssen! Nach der folgenden Ecke (43.) für die Gastgeber kam erneut ein Gladbacher am kurzen Pfosten zum Kopfball, den Adler jedoch ebenfalls, wenn auch mit Mühe, parieren konnte. So blieb es beim 1:1-Unentschieden zur Pause. Zu diesem aus Sicht eines Hamburgers höchst ärgerlich, da man bis zum Strafstoß das Spiel im Grunde gut im Griff hatte und die Gladbacher durch einen individuellen Fehler erst wieder ins Spiel zurück gebracht wurden.

Zur Halbzeit dann die nächste Hiobsbotschaft für die Hamburger: Hoffnungsträger Lasogga musste erneut mit muskulären Problemen aus dem Spiel genommen werden und blieb in der Kabine. John besetzte nun die rechte Außenbahn und Zoua rückte von dort in die Sturmspitze.

Zu Beginn der zweiten Hälfte zeiget sich rasch, warum John allenfalls Notnagel beim HSV ist. Schon bei einer seiner ersten Ballberührungen sprang ihm der 5 Meter vom Fuß und ging verloren. Auch in der Folge wirkte er auf mich wie ein überforderter A-Jugendlicher, der irrtümlich im Seniorenbereich eingesetzt wird. Keine klaren Aktionen, keine Bindung und oft mehr Zuschauer als Akteur.
In der 54. Minute hatte Kruse zentral vor Adler freie Schussbahn, doch Hamburgs Torhüter konnte auch diesen Ball noch entschärfen.
In der 61. Spielminute bot sich den Hamburger eine große Konterchance, aber der letzte Pass (von Rincon?) zu Zoua war viel zu ungenau. Schade!
Dann kam die 73. Minute und eine weitere Großchance für die Borussia, doch die Hamburger Abwehr konnte im letzten Moment und mit vereinten Kräften Gladbachs Raffael im 5-Meter-Raum stoppen. Die Hausherren verschärften nun das Tempo und so nahm der Druck auf die Abwehr der Gäste stetig zu. Zwei Minuten später war es dann so weit: Ein Flanke vom rechten Flügel legte sich Kruse mit der Brust entgegen der Laufrichtung von Djourou vor. Dadurch öffnete sich die Schnittstelle zwischen Hamburgs Innenverteidigung. Kruse lupfte den Ball auf den einlaufenden Raffael, der nun keine Mühe hatte, Adler zu überwinden: 2:1 für M’Gladbach.
Drei Minuten später der nächste Nackenschlag für die Hamburger: Eine von Kruse von rechts geschossene Ecke fand Dominguez mutterseelenallein am langen Pfosten. Der am Pfosten postierte John schaute nur zu, und so hatte Dominguez keine Mühe mit dem erfolgreiche Abschluss. Das 3:1 in der 78. Minute.
Slomka reagierte auf den 2-Tore-Rückstand in der 82. Spielminute und nahm Diekmeier und Arslan aus dem Spiel. Es kamen Jiracek und Tesche. Die damit einhergehenden Umstellungen schienen sich auszuzahlen. Jiracek setzte sich am linken Flügel durch und spielte auf van der Vaart. Leider drosch der Niederländer den Ball aus aussichtsreicher Position deutlich über das Tor der Hausherren (84.). Ein van der Vaart in Bestform hätte daraus ein Tor gemacht… Zwei Minuten später galt es, zwei weitere Torchancen für den HSV zu notieren. Erst scheiterte Zoua aus 7 Metern an ter Stegen. Kurz darauf wurde ein strammer Schuss von dem nach innen ziehenden Calhanoglu leider von einem Galdbacher Bein über das Tor abgefälscht (85.). Der HSV zeigte trotz Verletzungspech und Rückstand auch in der Endphase der Partie eine gute Moral, und so war es erneut Calhanoglu, der mit einem sehenswerten Fernschuss auf den kurzen Pfosten ter Stegen prüfte. Leider hatten aber nicht nur die Hamburger einen sehr guten Torhüter an diesem Tag. Es blieb also am Ende bei der 3:1-Niederlage für den HSV.

Fazit: Ein weiterer bitterer Rückschlag für den HSV im Kampf um den Klassenerhalt. Der Sieg der Gladbacher ist nicht unverdient, auch wenn für den HSV mindestens ein Punktgewinn möglich gewesen wäre. Die Hamburger Mannschaft hat erneut eine ordentliche Leistung abgeliefert. Adler, Arslan und der sichtlich um Wiedergutmachung bemühte Calhanoglu ragten auf Hamburger Seite heraus. Djourou dieses Mal der stärkere der beiden Innverteidiger. Lobenswert dennoch, dass sich Mancienne durch zwei kapitale Fehler nicht völlig aus dem Spiel bringen ließ und in der zweiten Hälfte weitgehend fehlerlos blieb. Zoua mit ansteigender Form und erneut fleißig. Endlich wurde er auch mal mit einem Tor belohnt.
Unbestreitbar schwinden aus Hamburger Sicht die Hoffnungen auf den Klassenerhalt. Vor allem der erneute Ausfall Lasoggas wiegt schwer (Slomka deutete an, dass Lasogga im nächsten Spiel gegen Leverkusen fehlen könnte). Viele werden den HSV nun mit Blick auf die wenigen verbleibenden Partien und die dort wartenden Gegner abschreiben – ich nicht! Zwar ist die Mannschaft erneut auf einen direkten Abstegsplatz (17.) zurückgefallen, jedoch trennt uns gerade mal ein Törchen von den Stuttgartern, die derzeit auf dem Relegationsplatz stehen. Wer meint, der Abstieg sei nunmehr unvermeidbar, der lässt sich von seiner Enttäuschung leiten. Das ist absolut verständlich und nachvollziehbar, allein die Tatsachen sprechen m.E. eine andere Sprache. Betrachtet man allein die Tabelle, so könnte man bereits mit einem einzigen Erfolg u.U. erneut auf den sicheren Platz 15 springen. Wer meint, dies sei nicht möglich, der sei gefragt, wie oft er bei Ergebnistipps im Fußball falsch gelegen hat. Sicher ist gar nichts! Dass es in dieser Spielzeit ganz eng für den Dino werden würde,  das wusste vermutlich jeder auch schon vor der Partie. Und daran hat sich nach dieser Niederlage im Grunde gar nichts geändert. Natürlich wäre mir ein Erfolg in Gladbach lieber gewesen. Ich meine jedoch, dass es für den HSV durchaus vorteilhaft sein könnte, wenn er aus der Verfolgerrolle agiert, anstatt Platz 15 verteidigen zu müssen. Wer etwas verteidigt, der hat etwas zu verlieren. Da können einem die Nerven schon mal den entscheidenden Streich spielen. Wer „von hinten kommt“, der kann im Grunde nur noch gewinnen. So gesehen würde es mir reichen, wenn der HSV erst im letzten Moment den entscheidenden Schritt macht. Auch die Moral der Mannschaft erscheint absolut intakt. Das zeigte dieses Spiel. Die grundsätzliche Leistungsentwicklung diverser Spieler unter Slomka, vor allem von Adler, Mancienne, Djourou, Arslan, Calhanoglu und Zoua, ist positiv. Auch Jiracek und Tesche erscheinen als vollwertige Alternativen. Problematisch ist der erneute Ausfall Lasoggas zweifellos, zumal sich John als einzig verbleidende nominelle Offensiv-Alternative einmal mehr nicht empfehlen konnte. Doch ich vertraue hier Slomka, dass er die entsprechenden Schlüsse aus der Personallage ziehen wird. Gerade im Abstiegskampf ist der Kopf entscheidend. Der Trainer des HSVs macht auch hier aus meiner Sicht großartige Arbeit. Die Auseinandersetzung zwischen Nürnbergs Verbeek und Freiburgs Streichs zeigt doch, dass auch andernorts die Nerven blank liegen. Auch die Konkurrenten stehen enorm unter Druck und müssen ihre Punkte ebenfalls erst einmal sammeln. Auch wenn die Lage entmutigend erscheint, so ist objektiv nichts verloren. Zur Not böte die Relegation eine weitere Chance zum Klassenverbleib. Ich habe sowohl als aktiver Sportler als auch als Trainer schon viele Situationen erlebt, in denen die Lage deutlich hoffnungsloser erschien, und in denen am Ende doch der vermeintlich chancenlose Außenseiter, gerade wenn er „von hinten“ kam, triumphierte.
Wer nur das Negative sieht, der demotiviert sich selbst und muss im Grunde gar nicht zum Wettkampf antreten. Die negative Denke schützt nicht vor dem Misserfolg, sondern erzeugt ihn geradezu. Ein Teufelskreis. Es existiert jedoch dazu auch ein gegensätzliches Phänomen. Nennen wir ihn der einfachheithalber Engelskreis. Mit einer positiven Einstellung sammelt man Erfolgserlebnisse, die wiederum motivieren und damit leistungsfördend sind. Glauben wir also weiter unbeirrt trotz allem an unsere Chance! Objektiv gibt es sie. Es liegt an uns, ob wir sie nutzen.

+++ Ergänzung: einige Hamburger meinten leider, sie müssten erneut Pyros abfackeln. Meine Meinung: wer immer noch nicht begriffen hat, dass diese Dinger gefährlich sind, wer zudem nicht begriffen hat, dass die finanzielle Lage des HSVs äußerst angespannt ist und der Verein kein Geld hat, um für  kriminellen Unfug zu zahlen, der ist ein Schwachkopf, kein Fan! +++

Nachstehend findet Ihr das Restprogramm der abstiegsgefährdeten Mannschaften. Keine Frage, es wird eng, ganz eng für den HSV. Mein Tipp: Hannover 96, VfB Stuttgart und der HSV spielen um die Plätze 15 bis 17. Und am Ende könnte das Torverhältnis zwischen Klassenverbleib (15. Platz), Relegationsplatz (16.) und dem direkten Abstieg (17. und 18.) entscheiden.

DAS RESTPROGRAMM:

13. Hannover 96 (29 Pkt; -15):
Eintracht Braunschweig (A)
Hamburger SV (H)
Eintracht Frankfurt (A)
VfB Stuttgart (H)
1. FC Nürnberg (A)
SC Freiburg (H)

14. SC Freiburg  (29 Pkt; -17):
VfB Stuttgart (A)
Eintracht Braunschweig (H)
Borussia M’Gladbach (H)
VfL Wolfsburg (A)
FC Schalke 04 (H)
Hannover 96 (A)

15. 1. FC Nürnberg (26 Pkt; -18):
Borussia M’Gladbach (H)
VfL Wolfsburg (A)
Bayer Leverkusen (H)
1. FSV Mainz 05 (A)
Hannover 96 (H)
FC Schalke 04 (A)

16. VfB Stuttgart (24 Pkt; -15):
SC Freiburg (H)
Borussia M’Gladbach (A)
Schalke 04 (H)
Hannover 96 (A)
VfL Wolfsburg (H)
Bayern München (A)

17. HSV (24 Pkt; -16):
Bayer Leverkusen (H)
Hannover 96
VfL Wolfburg (H)
FC Augsburg (A)
Bayern München (H)
1. FSV Mainz 05 (A)

18. Eintracht Braunschweig (22 Pkt; -25):
Hannover 96 (H)
SC Freiburg (A)
Bayern München (H)
Hertha BSC (A)
FC Augsburg (H)
1899 Hoffenheim (A)