Eine Chance hat man immer: Vorschau auf Borussia M’gladbach – Hamburger SV

Die Partien gegen die anderen, unmittelbar in Abstiegesgefahr befindlichen Mannschaften liegen hinter uns. Am Sonntag kommt es nun zum Aufeinandertreffen mit einem anderen Traditionsverein, der Borussia aus Mönchengladbach. Die Gladbacher mussten vor Jahren ebenfalls schwere Zeiten durchstehen, bevor sich ihr kontinuierlich und unaufgeregt arbeitender Sportdirektor, Max Eberl, für Lucien Favre als neuen Trainer entschied. Seitdem geht es mit der Borussia aufwärts, auch wenn sie in dieser Saison ganz oben, bei den Plätzen, die zur Teilnahme an der Champions League berechtigen, wohl nicht anklopfen werden. Derzeit stehen die Gladbacher auf Platz 6, würden also in der kommenden Spielzeit in der Euro League starten. Etwas, wovon der HSV derzeit bekanntlich meilenweit entfernt ist.

Personell bleibt beim HSV die Lage fast unverändert. Einer kehrt zurück (Calhanoglu, nach überstandener Gelb-Rot-Sperre), dafür ist nun ein anderer, Milan Badelj, aufgrund seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Unser Trainer Mirko Slomka ist also erneut zu Umstellungen gewzungen. Mittelfristig scheint sich jedoch das Lazarett zu lichten, wei Slomka auf der PK andeutete, da wohl Demirbay, Lam und Ilicevic ab der kommenden Woche schrittweise ins Mannschaftstraining zurückkehren werden. Und auch bei Jansen scheint wohl denkbar, dass er vielleicht doch noch in dieser Saison zur Verfügung stehen könnte. Doch zurück zum Tagesgeschäft. Die Frage ist also, wie Slomka unseren defensiven Spielmacher, Badelj, ersetzt.

Da wir auswärts antreten, erscheint mir die wahrscheinlichste Variante ein 4-2-3-1 zu sein:
Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Jiracek – Lasogga.

Daraus könnte man situativ auch in ein 4-4-1-1 oder gar 4-4-2 wechseln: Die beiden offensiven Mittelfeldspieler auf der Außenbahn (Calhanoglu rechts, Jiracek links) fielen auf Höhe der beiden Sechser zurück, während van der Vaart als hängende hinter oder gar zweite Spitze neben Lasogga agieren würde. Diese Aufstellung hätte den Vorteil, dass der gesperrte Sechser Badelj 1:1 durch einen anderen, Rincon, ersetzt würde. Wobei natürlich nicht übersehen werden darf, dass Milans Stärken im Spielaufbau liegen, während Tomás eher der Typ „kampfstarker Zerstörer“ ist. Auch der fluide Wechsel zwischen den drei Formationen dürfte der Mannschaft inzwischen vertraut sein. Da ich Gladbach auch  für sehr spielstark halte, spricht einiges dafür, mit einem Fünfer-Mittelfeld die Räume zu verdichten, bzw. aus Sicht des HSVs zu versuchen, über die drei offensiven Mittelfeldspieler hinter Lasogga eigene Akzente nach vorne zu setzen. Denn spielen lassen sollte man die Borussia besser nicht.

Eine andere Variante wäre die folgende, angelehnt an die Erkenntnisse aus dem Spiel gegen den SC Freiburg: Adler, Diekmeier; Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Rincon, Jiracek – van der Vaart – Zoua, Lasogga.

Dieses 4-3-1-2 hat m.E. gegen den SC gut funktioniert. Auch hier könnte sich van der Vaart bei Bedarf in die defensivere Dreierkette einreihen. Wahlweise könnte er dann auch die offensiv-zentrale Spitze in einer Mittelfeldraute besetzen, während Rincon situativ(!) als alleiniger Sechser agieren würde. Für diese Formation sprechen folgende Argumente:
1. Mit Zoua hätte man vorn einen zweiten Mann neben Lasogga, der ebenfalls lange Bälle festmachen kann, was Lasogga mehr Räume verschaffen dürfte.
2. Durch gleich zwei nominelle Stürmer behielte das Spiel unseres Teams mindestens latent immer eine gewisse Tiefe, d.h. die Gladbacher müssten bei allem eigenen Vorwärtsdrang ein größeres Augenmerk auf die eigene Defensive legen.
3. van der Vaart könnte das Anbindungsproblem zwischen Abwehr/Mittelfeld und Spitze beheben, das ich hier schon mehrfach behandelt habe.
Der Gedanke hinter dieser Formation: Angriff ist die beste Verteidigung. Allerdings denke ich, dass Slomka doch zunächst etwas vorsichtiger, also mit Variante 1  beginnen lassen wird. Eine Umstellung bei einem eventuellen Rückstand auf diese etwas riskantere Formation hielte ich aber angesichts der insgesamt guten Leistung gegen den SC für absolut denkbar. Wie auch immer – in jedem Fall dürfte Robert Tesche früher oder später erneut ins Spiel kommen. Das hat er sich mit seinen bisherigen Auftritten unter Slomka auch durchaus verdient.

Gladbach erwarte ich in einem klaren 4-4-2:
Ter Stegen – Korb, Stranzl, Alvaro Dominguez, Daems – Hermann, Nordtveid (Jantschke?), Cramer, Arango – Raffael, Kruse
Bemerkenswert hier, dass Millionen-Mann Xhaka (ZM) zuletzt eine eher untergeordnete Rolle spielte. Je nach Spielverlauf (und seinen Trainingsleistungen, die ich natürlich nicht beurteilen kann) könnte er aber im Laufe der Partie eingreifen. Ziemlich sicher bin ich aber, dass Favre den flinken und trickreichen Younes (LA) als echte Alternative zu Arango im Blick haben wird.

Vorne den immer wieder intelligent die Räume nutzenden Kruse und den auch mit Ball enorm schnellen und wendigen Raffael – auf Hamburgs Defensive dürfte Schwerstarbeit zukommen. Auf unserer linken Seite könnte Westermann ähnliche Probleme gegen den flinken Hermann wie schon gegen den schnellen Stuttgarter Traoré bekommen. Allein daraus resultiert schon, dass man die Gladbacher möglichst nicht ins Spiel und ins Laufen kommen lassen darf. Denn einmal am Ball, könnten sich andernfalls brandgefährliche Standards rund um den Strafraum des HSVs häufen. Da wohl jeder die diesbezüglichen Qualitäten Arangos inzwischen kennt, sollte man derartige Fouls tunlichst vermeiden. Einmal mehr sind also gute Antizipation und intelligentes Zweikampfverhalten vor allem von unseren Kartensammlern im Mittelfeld (Rincon, Arslan) gefordert.

Medial wird derzeit gerne auf dem s.g. „Auswärtsfluch“ Slomkas herumgeritten. In bester Boulevardmanier wird aufgezählt, wie viele Spiele unsere Trainer zuletzt auswärts nicht gewonnen hat. Abgesehen davon, dass es in meinen Augen schlicht albern ist, Ergebnisse zu addieren, die mit zwei unterschiedlichen Mannschaften erzielt wurden, erzählt jedes Spiel seine eigene Geschichte. Vieles bleibt im Fußball, auch dies schrieb ich unlängst, vom Zufall und der Tagesform abhängig. Ein glücklich abgefälschter Ball, ein Sonntagsschuss, ein zurecht oder unrecht gegebener Elfmeter – schon ändert sich die gesamte taktische Ausgangslage und das Spiel nimmt u.U. einen gänzlich anderen Verlauf. In der Bundesliga kann, gerade das beweisen doch auch z.B. die Braunschweiger, fast jeder jeden schlagen – sehen wir einmal von den derzeit übermächtigen Seriensiegern aus München ab. Es bleibt also auch hier dabei: man muss seine eigenen Hausaufgaben erledigen. Wer nicht kämpft, der hat bereits verloren. Wer aber immer „dran bleibt“, nur dem können auch überraschende Erfolge gelingen. Erinnern wir uns also an unseren Erfolg gegen die andere Borussia aus Dortmund, anstatt schon im Vorfeld zu verzagen.

Abschließend noch ein Paar Worte zu den zugegebenermaßen etwas despektierlichen Aussagen Markus Weinzierls. Der Trainer des FC Augsburg hatte, angesprochen auf das angebliche Interesse des HSVs am Augsburger Linksverteidiger, Matthias Ostrzolek, geäußert, darüber könne er nur lachen, da die Hamburger selbst nicht wüssten, in welcher Liga sie ab der kommenden Saison spielen würden. In diesem Zusammenhang sagte er wörtlich: „Der HSV hat 100 Millionen Euro Schulden. Die wollen nach Augsburg kommen und uns die Spieler wegnehmen. Da sind wir relativ entspannt“. Der SPIEGEL titelte daraufhin, Weinzierl mache sich über den HSV lustig und – wen wundert es? – die Hamburger Mopo meinte gar zu wissen, der Augsburger Trainer lästere mit „Hohn und Spott“ über den HSV.
Meine Meinung: Seit geraumer Zeit wurde spekuliert, der HSV sei an dem Augsburger Vogt (DM) interessiert. Dies könnte insofern stimmen, sollte uns Rincon am Ende der Saison verlassen. Nun kam das Gerücht auf, Hamburg hätte auch am Augsburger Linksverteidiger (Backup oder schon Ersatz für Jansen?) Interesse. So etwas ist immer geeignet, Unruhe in einen Verein zu bringen. Für mich also absolut nachvollziehbar, dass Weinzierl dies schon im Ansatz unterbinden will. Und es mag ja den Fans des HSVs nicht schmecken, aber der Augsburger Trainer sagt zunächst einmal nur die Wahrheit, wenn er von der Unsicherheit der Ligazugehörigkeit oder dem Schuldenstand spricht. Da sollten wir ganz entspannt bleiben. Ganz nebenbei gehört es im Zweifel mit zum Transfergeschäft, dass man sich angesichts etwaiger Begehrlichkeiten der Konkurrenz tiefenentspannt äußert. Das treibt im Zweifel die Preise hoch. In meinen Augen hat uns der Augburger  Trainer hier eine Lektion erteilt: Man verkündet eben nicht lauthals, dass man Spieler unbedingt vom Hof haben will und mindert damit ihren Marktwert…
Fußball ist bekanntlich Tagesgeschäft. Sollte HSVPlus am 25. Mai beschlossen werden, auch das dürfte man  in Augsburg wissen, verändert sich auch die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des HSVs entscheidend. Und Hamburg wäre auch im denkbar schlimmsten Fall eines Abstiegs in die zweite Liga immer eine interessante Adresse. Jedenfalls für die, die es aus der beschaulichen Augsburger „Puppenkiste“ hinaus in die Welt zieht.

Zu guter letzt: Wer ihn noch nicht gesehen haben sollte, hier ein schöner Clip zur Einstimmung auf das Spiel: http://www.youtube.com/watch?v=54839hG4Z8w&feature=youtu.be

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6 Kommentare

  1. Ich denke auch, dass Variante 1, der von dir beschriebenen Möglichkeiten zum trageb kommt.
    Durch Hakan haben wir bei Freistößen wieder mehr möglichkeiten als zuletzt. Vermutlich werden wir aber weniger Freistöße haben als zuletzt.
    Der Link ist klasse.
    Eine Frage hätte ich an dich, Trapper. In dieser Saison fällt mir auf, dass zusammenbrechende, wie ein Baum gefällte Spieler immer häufiger nach Freistößen und farbigen Karten hächeln. Ursache ist entweder ein Kopfstoß (oft stoßen beide Spieler zusammen) oder ausgefahrene Ellenbogen. Das hat es doch früher, zumindest in dieser Häufigkeit nicht gegeben. Alles Kino oder was? Hast du eine Idee?

    1. Ich denke, das hat u.a. etwas mit der Regelauslegung bei Kopfballduellen zu tun. Obwohl es m.E. vollkommen widernatürlich ist, dürfen die Spieler im Grunde kaum noch die Arme zur Unterstützung der Sprungbewegung nutzen. Auf der anderen Seite steht natürlich, dass es in der Vergangenheit eine Fehlentwicklung (im Sinne einer Übertreibung) und in Folge dessen schwere Verletzungen durch Ellbogen-Schläge ins Gesicht gegeben hat. Immer mehr Spieler hatten vor der Regelanpassung im Zuge der Sprungbewegung die Ellbogen bewusst waagerecht gestellt, um sich einen Vorteil zu verschaffen.
      Generell sind die Spieler immer besser, auch was die kleinen „Tricks“ angeht, ausgebildet. Andererseits ist das Spiel inzwischen auch so schnell geworden, und es geht um so viel Geld, dass man eben (fast) jeden erdenklichen Vorteil zu nutzen versucht. Und so lange man in Deutschland immer nur die gegnerischen Schwalbenkönige anprangert, die eigenen aber clever findet, und die Schiris z.T. jedes Kinkerlitzchen abpfeifen, so lange wird sich daran auch nichts ändern.

      1. Nachdem was ich soeben im Spiel Stutthart ./. Dortmund wieder gesehen habe glaube ich, dass vor allen Dingen die Schiedsrichter nicht mitkommen.
        Dortmunder Spieler trifft klar den Ball, Stuttgarter macht einen auf Leiden und Dortmunder bekommt gelb.
        Manchmal muss man Angst davor haben, dass ein Windstoß durchs Stadion geht und elf Spieler schwer getroffen zusammen brechen.

        1. Mag auch seinen Teil dazu beitragen.
          Ich wollte ohnehin noch ergänzend anführen, dass Standards heute vielleicht wichtiger denn je geworden sind. Denn durch die Kettensysteme werden die Räume für die angreifenden Mannschaften oft sehr eng, sobald sich die Verteidigung erst einmal formiert hat. Da versucht dann mancher vor allem über Freistöße in Strafraumnähe zum Erfolg zu kommen.
          Früher gab es von beidem mehr: Räume und Zeit…

          1. Du schreibst, dass sich bei einer Entscheidung für HSVPlus die wirtschaftlichen Voraussetzungen verbessern würden und liegst damit richtig, aber mir fehlt dabei das „mittelfristig“, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass schon zur nächsten Saison strategische Partner an Bord sein werden. Dafür wird es bestimmt noch 6-18 Monaten brauchen.

            Die Aufstellung Deiner Variante 1 erwarte ich auch und bin gespannt, was die Mannschaft reissen kann.

            1. Moin, Sven!
              Ja, da hast Du natürlich Recht. Zum einen wird es einige Zeit dauern, bis Geld von Strategischen Partnern kommt. Zum anderen, und das finde ich vollkommen richtig!, soll dieses Geld ja vornehmlich in die „Schuldentilgung“, bzw. in den Nachwuchs fließen. Ich hoffe aber darauf, dass bei erfolgreicher Strukturveränderung evtl. Herr Kühne bereit ist, dem HSV kurz- und mittelfristig bei der/den dringend erforderlichen personellen Verstärkung(en) unter die Arme zu greifen. DAS etwas getan werden muss, das dürfte jedem bewusst sein. Wenn der HSV aber Aogo und Rudnevs, so sieht es zumindest aus, deutlich unter Marktwert verscherbelt, dann dürfte allein aus eigener Kraft kurzfristig wenig gehen. Was wiederum z.T. die inhaltliche Richtigkeit der Aussagen Weinzierls unterstreicht.

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