Monat: September 2014

Aufstellungslotterie mit vielen Unbekannten. Vor dem Spiel Hannover 96 – HSV

Es ist noch nicht so lange her, da galt Hannover 96 manchen in Hamburg als Vorbild für den HSV. Der damalige Sportdirektor Schmadtke beeindruckte mit den Transfers von zahlreichen, bis dato in der Liga relativ unbekannten Spielern, die sich nachfolgend als tatsächliche Verstärkungen für die Mannschaft erwiesen. Unter Trainer Slomka spielte die Mannschaft der „96er“ mehr als zwei Jahre schnell, attraktiv und vor allem erfolgreich. Dann war plötzlich Sand im Getriebe, warum auch immer. Erst verließ Schmadtke den Verein, dann Slomka. Um ein Haar wären beide beim HSV gelandet, doch Schmadtke sagte den Hamburgern ab, als man ihm bedeutete, er sei nur (noch) zweite Wahl unter den Kandidaten für das Amt des Sportdirektors. Slomka hingegen ist, wie jeder weiß, inzwischen tatsächlich Trainer der Hamburger.

So treffen also am kommenden Sonntag nicht nur zwei miteinander befreundete Nordvereine aufeinander, sondern es kommt auch zum Duell zwischen dem ehemaligen Trainer Hannovers und seinem unmittelbaren Nachfolger, Tayfun Korkut.

Korkut ist es nach anfänglichen Problemen gelungen, die zuletzt unter Slomka erfolglose Mannschaft der Hannoveraner zurück in die Erfolgsspur zu führen. Mit einem 2:1-Sieg gegen Schalke und einem 0:0 auswärts in Mainz kam man gut aus den Startlöchern. Saisonübergreifend ist man nun bereits seit acht Spieltagen ungeschlagen. Um selbiges für den HSV feststellen zu können, müsste man inzwischen leider tief in der Vergangenheit graben. Nach einem torlosen Remis gegen Aufsteiger Köln und der folgenden Niederlage im heimischen Stadion gegen Mitaufsteiger Paderborn muss man den Saisonauftakt aus Hamburger Sicht bisher als misslungen bezeichnen. Nach der wohl längsten Saisonvorbereitung in der Vereinsgeschichte beim HSV, bei der insbesondere an den konditionellen Grundlagen gearbeitet wurde, wird immer offensichtlicher, dass für die Misserfolge der vergangenen Spielzeit weiter mehr und tiefer liegende Ursachen anzunehmen waren, als allein jene läuferischen Defizite, die vor allem der örtliche Boulevard als vermeintliches Hauptübel ausgemacht haben wollte.

Verletzungsbedingte Ausfälle erfordern Umstellungen auf beiden Seiten

Dass ein tiefgreifender Umbau des HSV-Kaders aus diversen Gründen unumgänglich war, dies ergab offenbar auch die Analyse der derzeitigen sportlichen Leitung des Dinos. Es verwundert daher nicht, dass in der Sommer-Transferperiode zahlreiche neue Spieler verpflichtet wurden. Zu beachten ist m.E. jedoch, dass Slomka bisher einige der neuen Spieler aus unterschiedlichen Gründen gar nicht einsetzen konnte, wie ich andernorts bereits erwähnte. Ich bin daher ganz bei Slomka, der auch dazu auf der PK Stellung nahm.

Nachdem in Hamburg jedoch der Kader nunmehr komplett ist, und auch von Seiten der Clubführung der Einsatz der neuen Spieler öffentlich angemahnt wurde, ist auf Hamburger Seite mit zahlreichen Veränderungen in der Startaufstellung zu rechnen. Zumal Jansen und van der Vaart verletzt ausfallen werden.

Bei Hannover 96 bin ich ebenfalls auf das taktische System und die Startaufstellung gespannt, da mit Stindl (zentral-offensives Mittelfeld) und Prib (Sturm) zwei ganz wichtige Spieler bis auf Weiteres nicht zur Verfügung stehen.

Mit welcher Aufstellung beginnt Hannover?

Was Abwehr und defensives Mittelfeld angeht, so hat Korkut in beiden bisher absolvierten Spielen mit unverändertem Personal spielen lassen. Hier erwarte ich daher keine Veränderungen. Davor aber wird es spannend. Sofern er die bisher arg wackelige HSV-Abwehr mit einer zweiten Spitze unter Druck setzen will, könnte er auf ein 4-4-2 mit Briand oder Sobiech als zweiter Spitze neben Joselu setzen. Für wahrscheinlicher aber halte ich, dass er bei dem 4-2-3-1 bleibt, mit dem man aus Mainz zumindest einen Punkt entführen konnte. Fraglich erscheint mir dann allein, ob er Kiyotake aus der Zentrale nach links außen zieht. Leidtragender dürfte in dem Fall der durchaus auch defensiv denkende Albornoz (ist gelernter Linksverteidiger, spielte aber bisher LOM vor dem offensiv agierenden Pander)  sein. Den freien Platz im zentralen Mittelfeld könnte in diesem Fall der erfahrene Schlaudraff einnehmen.

Überlegungen zur Aufstellung des HSV

Was den HSV angeht, so glaube ich  unverändert nicht an einen Tausch auf der Torhüter-Position. Zweifellos erschien Adler nicht in Bestform, jedoch hat er sich auch nicht derart schlecht präsentiert, dass mir ein Einsatz von Drobny zur Zeit wirklich geboten erscheint. Allerdings, das scheint klar, wird sich auch ein René Adler steigern müssen, will er diese Diskussion im Keim ersticken. Vor ihm in der Abwehrkette sind gleich zwei neue Gesichter zu erwarten. Ostrzolek wird den verletzten Jansen ersetzen, und Cléber wird wohl als linker Innenverteidiger und Partner von Djourou auflaufen.

Im zentralen, defensiven Mittelfeld bleibt Behrami gesetzt. Daneben/davor würde ich morgen Arslan beginnen lassen. Holtby  wäre mein van der Vaarts-Ersatz im offensiven Mittelfeld-Zentrum. Für einen Rollentausch zwischen Holtby und Arslan, also mit einem defensiveren Holtby und einem offensiveren Arslan, fehlen m.E. die Argumente, da sich Arslan beim HSV bisher weder als torgefährlich, noch als überdurchschnittlicher Vorlagengeber auszeichnen konnte. Eine ganz kleine Außenseiterchance hätte bei mir Steinmann als Pendant Behramis. Das  alles wäre, dies sei betont, meine Lösung für dieses eine Spiel. Zum Glück bin ich aber nicht der Trainer der Mannschaft.

Eine radikale Aufstellungsvariante

Tatsächlich könnte Slomka einen radikaleren Umbau favorisieren. Nachdem Nicolai Müller bisher kaum mit der Mannschaft trainieren konnte, war ich bisher der Meinung, dass es bei ihm allenfalls für einen Kurzeinsatz reichen würde. Ich habe mich wohl – zum Glück! – geirrt. Vorstellbar ist nun auch, dass Müller zentral-offensiv hinter Lasogga beginnt. In diesem Fall würde Holtby nach hinten rücken und neben/vor Behrami spielen. Für die rechte offensive Außenbahn bieten sich dann zwei Lösungen an: Ilicevic oder Green. Auf der anderen Seite, der linken offensiven Außenbahn, stünde Stieber bereit (aber auch hier könnte natürlich Green zum Einsatz kommen).

Ich kann die körperliche Verfassung Müllers aus der Ferne natürlich nicht einschätzen. Bei einem Spieler aber, der sich wochenlang mit Adduktoren-Problemen geplagt hat, fällt es mir unverändert schwer, an einen Startelf-Einsatz zu glauben, egal was wer wo schreibt.

Damit meine Überlegungen zu den Aufstellungen leichter nachvollziehbar sind,  hier das Ganze in der Übersicht [Anm.: zur Vergrößerung anklicken, oder in einem neuen Tab öffnen]:

96HSVWie auch immer – morgen sind wir alle schlauer. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, ob beide Trainer tatsächlich so aufstellen werden. Gerade für die Mannschaft aus Hamburg sind nach den Transfers dieses Sommers viele Varianten vorstellbar.

Die Partie wird geleitet von Schiedsrichter Schmidt (Stuttgart).

Zum guten Schluss möchte ich Euch gerne den Hannoveraner Fan-Blog „Gegenpressing“ ans Herz legen. Dort gibt es die Rubrik „Fan-Interview“. Vor unserem Spiel gegen „96“ haben Sascha Rebiger und ich dort ein schriftliches Doppel-Interview gegeben. Wer es nicht weiß – Sascha schreibt den HSV-Blog „140+“, den ihr auch in meiner Blogroll (rechts) findet. Falls ihr es noch nicht gelesen haben solltet – schaut doch mal rein! Ich fand es spannend, denn weder Sascha noch ich kannten die Antworten des jeweils anderen auf dieselben Fragen.

Der neue AR und das nahende Ende der Schonfrist – Ein Kommentar zur Nachrichtenlage

Ursprünglich wollte ich heute meine Vorschau zum kommenden Spiel gegen Hannover schreiben. Da sich aber einiges angesammelt hat, verschiebe ich dies auf den nächsten Blogeintrag. Hier also mein Kommentar zu den letzten Pressemeldungen rund um den HSV:

Damit war ja leider zu rechnen. Nach der zweifellos misslungenen Heimpremiere gegen Paderborn rumort es schon wieder kräftig im Blätterwald.

Karl Gernandt forderte via BILD, den neuen Spielern eine Chance zu geben.

Inhaltlich ist dies aus meiner Sicht zunächst nicht zu bemängeln. Natürlich hat der Verein die neuen Spieler nicht verpflichtet, damit sie wochenlang auf der Bank versauern. Aber sowohl den Zeitpunkt als auch den Weg über die Öffentlichkeit halte ich für problematisch. Wenn man sich diesbezüglich im Aufsichtsrat sorgt, dann sollte man dies intern mit dem Trainer ansprechen.

Was ist denn passiert? Die Transfers von Holtby und Green wurden erst nach dem Spiel gegen Paderborn abgeschlossen. Müller stand Slomka verletzungsbedingt gar nicht zur Verfügung. Der neue brasilianische Innenverteidiger, Cléber Reis, war erst kurz zuvor aus dem Flieger geklettert. Er spricht kein Deutsch und muss sich auf einem neuen Kontinent, in einer neuen Kultur und in einer anderen Art Fußball zu spielen zurechtfinden. Stieber war in der Woche vor dem Spiel angeschlagen. Bliebe nur Ostrzolek, den Slomka von Anfang an gegen die Paderborner hätte aufstellen können. Die beiden Letztgenannten wurden zudem im Laufe der Partie von Slomka eingewechselt. Wo also ist der Fehler, Herr Gernandt, der ein derartiges Statement erforderlich machte?

Der neue Vorsitzende des Aufsichtsrates sollte sich m.M.n. grundsätzlich davor hüten, weiterhin den Verdacht zu nähren, er mische sich wie seine Vorgänger im alten AR in konkrete sportliche Fragestellungen ein. HSVPlus wurde nicht zuletzt auch gewählt, damit das endlich aufhört. Zumal höchst zweifelhaft sein dürfte, was Karl Gernandt zur Beurteilung sportlicher Fragen qualifizieren sollte…

Nogly meldet (ebenfalls) via BILD Zweifel an der Trainingsgestaltung an

Ich frage mich, was Peter Nogly da geritten hat?!  Einst war er ein von mir hochgeschätzter Fußballspieler. Jetzt ist er einfaches Mitglied des Aufsichtsrates. Mit Betonung auf einfach. Selbstverständlich hat er ein Recht auf seine Meinung. Noch viel mehr als für Gernandt, den Sprecher des Aufsichtsrates, gilt daher für ihn, dass er seine Meinung, sofern sie das operative Geschäft und/oder die Aufgabenbereiche des jeweiligen Trainers betrifft, ausschließlich intern zu äußern hat. Punkt.

Man mag darüber trefflich streiten, ob Treppenläufe mit Bleiweste an einem Mittwoch – das Spiel fand bekanntlich erst am Samstag statt – sinnvoll sind. Die Niederlage aber an fehlender „Spritzigkeit“ aufgrund falschem Trainings festzumachen, halte ich für falsch. Es stand, von Behrami einmal abgesehen, die alte Mannschaft auf dem Platz. Warum dies der Fall gewesen ist, dies lässt sich (s.o.) erklären. Mit dieser Mannschaft aber, das kann man inzwischen getrost als erwiesen ansehen, ließ sich kaum ein Blumentopf gewinnen. Auch deswegen wurde schließlich personell massiv nachgebessert, oder etwa nicht?! Ich behaupte daher: auch ohne Treppenläufe hätte diese Truppe verloren. Krasse individuelle Fehler (wie Arslans Ballverlust vor dem 0:1; Rudnevs Fehlpass vor dem 0:2) und kollektiv-taktische Fehler (u.a. fehlende Absicherung) hat man von dieser Mannschaft wiederholt gesehen – ohne zuvor absolvierte Treppenläufe.

Das Training war zu lasch, nun ist es angeblich zu hart. Jeder gibt seinen Senf dazu. Mich nervt ’s! Lasst den Trainer, egal wie der heißt, seine Arbeit machen! Wenn Ihr Slomka nicht vertraut, liebe Leute beim HSV,  dann war es in meinen Augen schon ein schwerer Fehler, mit ihm überhaupt in die neue Saison zu starten. Euer Fehler, wohlgemerkt! Schon den aufkommenden Verdacht, dass hier ein Trainer via BILD langsam sturmreif geschossen werden soll, halte ich jedenfalls für fatal.

Selbstverständlich, etwas anderes anzunehmen wäre ja sträflich naiv, muss (auch) ein Slomka bald Punkte holen. Aber zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison habe ich kein Verständnis für derartige Äußerungen.

Der neue Aufsichtsrat sollte tunlichst beachten, dass die Schonfrist für neue Amtsinhaber üblicherweise auf 100 Tage begrenzt ist. Wenn das in dieser Form mit den öffentlichen Äußerungen so weitergeht, dürfte man nicht nur bei mir eine Menge Kredit innerhalb kürzester Zeit verspielt haben.

Der Sponsor Emirates und der Druck, den er angeblich jetzt auf den HSV ausübt

Der AR war in diesem Zusammenhang nicht involviert. Ich möchte diese Artikel dennoch kurz kommentieren.

Da äußert ein Sponsor, dass man eher nicht mit dem HSV in die 2. Liga gehen würde. Und dass man (der Vertrag läuft im kommenden Sommer aus) nun die sportliche Entwicklung abwarten wolle, schon heißt es in der Presse, der Sponsor setze den HSV unter Druck. Herrschaftszeiten! Glaubt wirklich irgendjemand, dass Sponsoring unabhängig von der öffentlichen Wahrnehmung des Vereins funktioniert? Glaubt irgendjemand, dass Unternehmen ihr Engagement im Profifußball nicht vom sportlichen Erfolg abhängig machen? Unfug! Diese Art Druck ist für jeden Verein der Liga grundsätzlich allgegenwärtig. Druck, der tatsächlichen Nachrichtenwert besäße, würde nur  aufgebaut, wenn das Unternehmen Emirates etwa geäußert hätte: „Sollte der HSV am Ende dieser Spielzeit nicht Tabellenplatz „X“ erreichen, werden wir in keinem Fall den Vertrag verlängern“ – dies aber war mitnichten zu vernehmen! Mit anderen Worten: Hier wurden aus selbstverständlichen Äußerungen mehr oder minder reißerische Artikel konstruiert. Das sagt am Ende mehr über die beteiligten Medien aus, als über die Beziehung zwischen Emirates und dem HSV.