Adler

Vorentscheidung im Abstiegskampf? – Borussia M’gladbach – HSV 3:1 (1:1)

Aufstellung: Adler – Diekmeier (83. Jiracek), Djourou, Mancienne, Westermann – Zoua, Rincon, Arslan (83. Tesche), Calhanoglu – van der Vaart – Lasogga (46. John)

Schiedsrichter: Kinhöfer. Sprach viel mit den Spielern, um die Gemüter zu beruhigen. Gute Anwendung der Vorteilsregel. Fiel auch nicht auf diverse Schwalbenversuche herein. Lag nur mit der gelben Karte für Mancienne (65.) falsch.

Spielbericht: HSV-Trainer Mirko Slomka ließ seine Mannschaft zu Beginn in einem 4-4-1-1 auflaufen. Rincon ersetzte wie erwartet den gesperrten Badelj und agierte als defensiverer Sechser. Dafür übernahm Arslan die Rolle des Spielmachers aus dem Mittelfeld. Calhanoglu (für den verletzten Ilicevic; links) und Zoua (rechts) besetzten die offensiven Außenbahnen.
Das Spiel begann zunächst verhalten. Die Gastgeber bauten ihr Spiel sehr bedächtig auf, was dem HSV ausreichend Zeit bot, um sich mit zwei Viererketten auf die Angriffsbemühungen des Gegners einzustellen.
In der 7. Spielminute setzte Zoua im Strafraum der Gladbacher spektakulär zu einem Fallrückzieher an, verfehlte jedoch den Ball. Da ein Gladbacher unmittelbar in der Bähe stand und zudem von Zoua leicht getroffen wurde, entschied Schiedsrichter Kinhöfer völlig korrekt auf „gefährliches Spiel“ und pfiff die Aktion ab. Beim Betrachten der Szene dachte ich mir: das versucht nur einer, der unbedingt will – der hat heute Selbstvertrauen…
Ansonsten erfreuten die ersten 20 Minuten vermutlich nur Trainer und Taktik-Freunde. Aus Fan-Sicht sah das Spiel zunächst mehr noch Sommerfußball aus. Wenig Tempo, wenig Aktionen in Tornähe. Immerhin kam der HSV gut in das Spiel und übernahm mit fortschreitender  Spielzeit zunehmend das Kommando.
In 28. Minute foulte Hermann den sehr aktiven Calhanoglu im linken Halbfeld der Gladbacher Hälfte. Hakan flankte den Freistoß perfekt vor das Tor der Gastgeber, wo Zoua sich entscheidend von seinem Bewacher absetzen konnte und den Ball mühelos aus kurzer Distanz ins Tor der Gladbacher köpfte. Ter Stegen war chancenlos – 0:1 für den HSV.
Kurz darauf hatte der HSV sogar die große Chance, seine Führung weiter auszubauen. Leider verfehlte der schulbuchmäßige Kopfball (32.) von Kapitän van der Vaart knapp das Tor und ging am linken Pfosten vorbei ins Toraus. 30 cm weiter rechts und Gladbachs Torhüter wäre erneut chancenlos gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette – es blieb beim o:1.
In der 36. Minute segelte ein Eckstoß der Gladbacher durch den Strafraum des Hamburger Sportvereins. Mancienne, der zuvor nach dem Ball gesprungen war und daher die Arme gehoben hatte, nahm diese nicht herunter. So kam, was kommen musste, wenn man unten drin steht: Michael wurde durch einen Gladbacher Flankenversuch an der Hand getroffen. Folgerichtig gab es einen Strafstoß für die Hausherren. Nach alter Regelauslegung hätte man m.E. durchaus über die Berechtigung streiten können, da der Schuss aus relativer Nähe kam und Mancienne keine aktive Handbewegung zum Ball machte. Nach neuer Auslegung jedoch vergrößerte er eindeutig und „unnatürlich“ seine Körperfläche, sodass die Entscheidung vollkommen richtig war.
Daems schoss den folgenden Elfmeter schlecht (flach in die Mitte), wo der einmal mehr großartig aufgelegte Adler, der lange stehen blieb, um dann ins linke Eck (vom Schützen gesehen) abzutauchen, den Ball zunächst noch mit den Beinen abwehren konnte. Leider, es kommt halt alles zusammen, fiel der Ball Daems direkt vor die Füße, der daher keinerlei Mühe hatte, den Ball im Nachschuss aus kürzester Distanz im Tor des HSVs unterzubringen: 1:1.
In der 42. Minute stand erneut Mancienne im Fokus der Aufmerksamkeit. Er versuchte bei einem langen Ball der Gladbacher auf Abseits zu stellen und machte ein Paar Schritte nach vorne. In die dadurch vergrößerte Schnittstelle zwischen ihm und Djourou startete Arango und lief völlig allein und zentral in Richtung des Hamburger Tores. Einmal mehr bewies dort jedoch Adler seine Klasse im 1:1 und konnte den folgenden Schuss abwehren. Glück für den HSV, denn das hätte die Führung für die Hausherren sein müssen! Nach der folgenden Ecke (43.) für die Gastgeber kam erneut ein Gladbacher am kurzen Pfosten zum Kopfball, den Adler jedoch ebenfalls, wenn auch mit Mühe, parieren konnte. So blieb es beim 1:1-Unentschieden zur Pause. Zu diesem aus Sicht eines Hamburgers höchst ärgerlich, da man bis zum Strafstoß das Spiel im Grunde gut im Griff hatte und die Gladbacher durch einen individuellen Fehler erst wieder ins Spiel zurück gebracht wurden.

Zur Halbzeit dann die nächste Hiobsbotschaft für die Hamburger: Hoffnungsträger Lasogga musste erneut mit muskulären Problemen aus dem Spiel genommen werden und blieb in der Kabine. John besetzte nun die rechte Außenbahn und Zoua rückte von dort in die Sturmspitze.

Zu Beginn der zweiten Hälfte zeiget sich rasch, warum John allenfalls Notnagel beim HSV ist. Schon bei einer seiner ersten Ballberührungen sprang ihm der 5 Meter vom Fuß und ging verloren. Auch in der Folge wirkte er auf mich wie ein überforderter A-Jugendlicher, der irrtümlich im Seniorenbereich eingesetzt wird. Keine klaren Aktionen, keine Bindung und oft mehr Zuschauer als Akteur.
In der 54. Minute hatte Kruse zentral vor Adler freie Schussbahn, doch Hamburgs Torhüter konnte auch diesen Ball noch entschärfen.
In der 61. Spielminute bot sich den Hamburger eine große Konterchance, aber der letzte Pass (von Rincon?) zu Zoua war viel zu ungenau. Schade!
Dann kam die 73. Minute und eine weitere Großchance für die Borussia, doch die Hamburger Abwehr konnte im letzten Moment und mit vereinten Kräften Gladbachs Raffael im 5-Meter-Raum stoppen. Die Hausherren verschärften nun das Tempo und so nahm der Druck auf die Abwehr der Gäste stetig zu. Zwei Minuten später war es dann so weit: Ein Flanke vom rechten Flügel legte sich Kruse mit der Brust entgegen der Laufrichtung von Djourou vor. Dadurch öffnete sich die Schnittstelle zwischen Hamburgs Innenverteidigung. Kruse lupfte den Ball auf den einlaufenden Raffael, der nun keine Mühe hatte, Adler zu überwinden: 2:1 für M’Gladbach.
Drei Minuten später der nächste Nackenschlag für die Hamburger: Eine von Kruse von rechts geschossene Ecke fand Dominguez mutterseelenallein am langen Pfosten. Der am Pfosten postierte John schaute nur zu, und so hatte Dominguez keine Mühe mit dem erfolgreiche Abschluss. Das 3:1 in der 78. Minute.
Slomka reagierte auf den 2-Tore-Rückstand in der 82. Spielminute und nahm Diekmeier und Arslan aus dem Spiel. Es kamen Jiracek und Tesche. Die damit einhergehenden Umstellungen schienen sich auszuzahlen. Jiracek setzte sich am linken Flügel durch und spielte auf van der Vaart. Leider drosch der Niederländer den Ball aus aussichtsreicher Position deutlich über das Tor der Hausherren (84.). Ein van der Vaart in Bestform hätte daraus ein Tor gemacht… Zwei Minuten später galt es, zwei weitere Torchancen für den HSV zu notieren. Erst scheiterte Zoua aus 7 Metern an ter Stegen. Kurz darauf wurde ein strammer Schuss von dem nach innen ziehenden Calhanoglu leider von einem Galdbacher Bein über das Tor abgefälscht (85.). Der HSV zeigte trotz Verletzungspech und Rückstand auch in der Endphase der Partie eine gute Moral, und so war es erneut Calhanoglu, der mit einem sehenswerten Fernschuss auf den kurzen Pfosten ter Stegen prüfte. Leider hatten aber nicht nur die Hamburger einen sehr guten Torhüter an diesem Tag. Es blieb also am Ende bei der 3:1-Niederlage für den HSV.

Fazit: Ein weiterer bitterer Rückschlag für den HSV im Kampf um den Klassenerhalt. Der Sieg der Gladbacher ist nicht unverdient, auch wenn für den HSV mindestens ein Punktgewinn möglich gewesen wäre. Die Hamburger Mannschaft hat erneut eine ordentliche Leistung abgeliefert. Adler, Arslan und der sichtlich um Wiedergutmachung bemühte Calhanoglu ragten auf Hamburger Seite heraus. Djourou dieses Mal der stärkere der beiden Innverteidiger. Lobenswert dennoch, dass sich Mancienne durch zwei kapitale Fehler nicht völlig aus dem Spiel bringen ließ und in der zweiten Hälfte weitgehend fehlerlos blieb. Zoua mit ansteigender Form und erneut fleißig. Endlich wurde er auch mal mit einem Tor belohnt.
Unbestreitbar schwinden aus Hamburger Sicht die Hoffnungen auf den Klassenerhalt. Vor allem der erneute Ausfall Lasoggas wiegt schwer (Slomka deutete an, dass Lasogga im nächsten Spiel gegen Leverkusen fehlen könnte). Viele werden den HSV nun mit Blick auf die wenigen verbleibenden Partien und die dort wartenden Gegner abschreiben – ich nicht! Zwar ist die Mannschaft erneut auf einen direkten Abstegsplatz (17.) zurückgefallen, jedoch trennt uns gerade mal ein Törchen von den Stuttgartern, die derzeit auf dem Relegationsplatz stehen. Wer meint, der Abstieg sei nunmehr unvermeidbar, der lässt sich von seiner Enttäuschung leiten. Das ist absolut verständlich und nachvollziehbar, allein die Tatsachen sprechen m.E. eine andere Sprache. Betrachtet man allein die Tabelle, so könnte man bereits mit einem einzigen Erfolg u.U. erneut auf den sicheren Platz 15 springen. Wer meint, dies sei nicht möglich, der sei gefragt, wie oft er bei Ergebnistipps im Fußball falsch gelegen hat. Sicher ist gar nichts! Dass es in dieser Spielzeit ganz eng für den Dino werden würde,  das wusste vermutlich jeder auch schon vor der Partie. Und daran hat sich nach dieser Niederlage im Grunde gar nichts geändert. Natürlich wäre mir ein Erfolg in Gladbach lieber gewesen. Ich meine jedoch, dass es für den HSV durchaus vorteilhaft sein könnte, wenn er aus der Verfolgerrolle agiert, anstatt Platz 15 verteidigen zu müssen. Wer etwas verteidigt, der hat etwas zu verlieren. Da können einem die Nerven schon mal den entscheidenden Streich spielen. Wer „von hinten kommt“, der kann im Grunde nur noch gewinnen. So gesehen würde es mir reichen, wenn der HSV erst im letzten Moment den entscheidenden Schritt macht. Auch die Moral der Mannschaft erscheint absolut intakt. Das zeigte dieses Spiel. Die grundsätzliche Leistungsentwicklung diverser Spieler unter Slomka, vor allem von Adler, Mancienne, Djourou, Arslan, Calhanoglu und Zoua, ist positiv. Auch Jiracek und Tesche erscheinen als vollwertige Alternativen. Problematisch ist der erneute Ausfall Lasoggas zweifellos, zumal sich John als einzig verbleidende nominelle Offensiv-Alternative einmal mehr nicht empfehlen konnte. Doch ich vertraue hier Slomka, dass er die entsprechenden Schlüsse aus der Personallage ziehen wird. Gerade im Abstiegskampf ist der Kopf entscheidend. Der Trainer des HSVs macht auch hier aus meiner Sicht großartige Arbeit. Die Auseinandersetzung zwischen Nürnbergs Verbeek und Freiburgs Streichs zeigt doch, dass auch andernorts die Nerven blank liegen. Auch die Konkurrenten stehen enorm unter Druck und müssen ihre Punkte ebenfalls erst einmal sammeln. Auch wenn die Lage entmutigend erscheint, so ist objektiv nichts verloren. Zur Not böte die Relegation eine weitere Chance zum Klassenverbleib. Ich habe sowohl als aktiver Sportler als auch als Trainer schon viele Situationen erlebt, in denen die Lage deutlich hoffnungsloser erschien, und in denen am Ende doch der vermeintlich chancenlose Außenseiter, gerade wenn er „von hinten“ kam, triumphierte.
Wer nur das Negative sieht, der demotiviert sich selbst und muss im Grunde gar nicht zum Wettkampf antreten. Die negative Denke schützt nicht vor dem Misserfolg, sondern erzeugt ihn geradezu. Ein Teufelskreis. Es existiert jedoch dazu auch ein gegensätzliches Phänomen. Nennen wir ihn der einfachheithalber Engelskreis. Mit einer positiven Einstellung sammelt man Erfolgserlebnisse, die wiederum motivieren und damit leistungsfördend sind. Glauben wir also weiter unbeirrt trotz allem an unsere Chance! Objektiv gibt es sie. Es liegt an uns, ob wir sie nutzen.

+++ Ergänzung: einige Hamburger meinten leider, sie müssten erneut Pyros abfackeln. Meine Meinung: wer immer noch nicht begriffen hat, dass diese Dinger gefährlich sind, wer zudem nicht begriffen hat, dass die finanzielle Lage des HSVs äußerst angespannt ist und der Verein kein Geld hat, um für  kriminellen Unfug zu zahlen, der ist ein Schwachkopf, kein Fan! +++

Nachstehend findet Ihr das Restprogramm der abstiegsgefährdeten Mannschaften. Keine Frage, es wird eng, ganz eng für den HSV. Mein Tipp: Hannover 96, VfB Stuttgart und der HSV spielen um die Plätze 15 bis 17. Und am Ende könnte das Torverhältnis zwischen Klassenverbleib (15. Platz), Relegationsplatz (16.) und dem direkten Abstieg (17. und 18.) entscheiden.

DAS RESTPROGRAMM:

13. Hannover 96 (29 Pkt; -15):
Eintracht Braunschweig (A)
Hamburger SV (H)
Eintracht Frankfurt (A)
VfB Stuttgart (H)
1. FC Nürnberg (A)
SC Freiburg (H)

14. SC Freiburg  (29 Pkt; -17):
VfB Stuttgart (A)
Eintracht Braunschweig (H)
Borussia M’Gladbach (H)
VfL Wolfsburg (A)
FC Schalke 04 (H)
Hannover 96 (A)

15. 1. FC Nürnberg (26 Pkt; -18):
Borussia M’Gladbach (H)
VfL Wolfsburg (A)
Bayer Leverkusen (H)
1. FSV Mainz 05 (A)
Hannover 96 (H)
FC Schalke 04 (A)

16. VfB Stuttgart (24 Pkt; -15):
SC Freiburg (H)
Borussia M’Gladbach (A)
Schalke 04 (H)
Hannover 96 (A)
VfL Wolfsburg (H)
Bayern München (A)

17. HSV (24 Pkt; -16):
Bayer Leverkusen (H)
Hannover 96
VfL Wolfburg (H)
FC Augsburg (A)
Bayern München (H)
1. FSV Mainz 05 (A)

18. Eintracht Braunschweig (22 Pkt; -25):
Hannover 96 (H)
SC Freiburg (A)
Bayern München (H)
Hertha BSC (A)
FC Augsburg (H)
1899 Hoffenheim (A)

Ein Unentschieden, das mehr Fragen aufwirft als es beantwortet: HSV – SC Freiburg 1:1 (0:0)

Aufstellung: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Badelj, Jiracek (62. Tesche) – van der Vaart – Zoua, Lasogga

Schiedsrichter: Aytekin

Spielverlauf: Beide Mannschaften begannen die Partie verhalten. Beide überließen dem Gegner zunächst das Abwehrdrittel und begannen ihre Attacken auf den ballführenden Gegenspieler erst ca. 20 Meter vor der Mittellinie. Doch rasch wurde klar, dass die Gastgeber besser ins Spiel gefunden hatten. Bereits nach 15 Minuten betrug das Torschuss-Verhältnis 3:1 zugunsten der Hamburger. Jedes Mal auf Seiten des HSVs beteiligt: Pierre-Michel Lasogga. Leider verfehlten seine Kopfbälle knapp das gegnerische Gehäuse. In der 10. Minute „hämmerte“ er einen Freistoß auf das Tor der Gäste. Leider kam der Schuss ein wenig zu zentral auf das Tor und  so konnte der dieses Mal sehr sichere und souveräne Rückhalt der Gäste, Baumann, den Ball gerade noch zur Ecke klären.

Anders als von mir vermutet, zog sich der SC nicht in die Abwehr zurück, um von dort aus zu kontern, sondern er wurde mit zunehmender Spielzeit von den Hausherren immer weiter zurück gedrängt. Man merkte der Hamburger Mannschaft an, dass sie ihr Heim- und Überholspiel unbedingt gewinnen wollte. Es kam zu einer Reihe von Freistößen für den HSV aus dem Mittelfeld, die, allesamt von van der Vaart getreten, in den Strafraum der Freiburger segelten, meist jedoch leider völlig ungefährlich blieben. Gleiches galt auch für die Eckstöße, die ebenfalls kaum Gefahr erzeugten. Wenn man etwas an der ersten Halbzeit zu bemängeln hat, dann sind es die mangelhafte Chancenausnutzung aus Sicht der Heimmannschaft und die in der Regel torungefährlichen Standards. Allein Lasogga hätte bei optimaler Chancenausnutzung zwei bis drei Tore erzielen können. Ansonsten zeigte sich die gesamte Mannschaft sehr konzentriert und motiviert. Die Innenverteidigung stand sicher, Diekmeier kam, meist vom starken Arslan in Szene gesetzt, zu Flankenläufen. Sein Pendant Westermann agierte solide und ohne größere Stockfehler. Im Mittelfeld funktionierte die erstmalig aufgebotene Kette aus gleich drei Sechsern tadellos (4-3-1-2) und konnte die Angriffsbemühungen der Gäste oft schon im Keim ersticken. Vorne (und hinten) sicherte der fleißige Zoua viele Bälle, und Lasogga war von der Abwehr des Sporclubs kaum zu bändigen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hatte er eine weitere, großartige Chance zur Führung, aber sein Gewaltschuss konnte von Baumann mit Mühe pariert werden. Es blieb also bei einem torlosen Remis zur Pause.

Im Fußball muss nun einmal das Runde ins Eckige. Und so kam es nach der Pause, wie man es schon so oft gesehen hat: Eine dominierende Mannschaft vergibt eine Vielzahl an Chancen und befindet sich dennoch pötzlich im Rückstand. Was war geschehen? Der SC kam deutlich offensiver aus der Pause und agierte schneller und zielgerichteter in Richtung eines eigenen Torerfolgs. Vor allem die linke Hamburger Abwehrseite wurde nun gefordert, und so konnten sich die Gäste vor allem auf dieser Seite zu Beginn der zweiten Hälfte mehrfach ins letzte Drittel vorspielen. In der 50. Minute verlor die Hamburger Abwehr kurzfristig den Überblick. Klaus scheiterte noch am linken Pfosten, doch der Ball kam aus halblinker Position vor die Füße des heranstürmenden Daridas, der sofort abzog – schon zappelte der Ball neben dem kurzen Pfosten im Netz der konsternierten Gastgeber. 0:1 für den SC Freiburg. Das Spiel war buchstäblich auf den Kopf gestellt! Zum Glück verlor die Mannschaft des HSVs nun nicht den Kopf, sondern agierte weiter konzentriert und motiviert. So konnte – wer sonst?! – Lasogga schon in der 55. Spielminute ausgleichen. Zoua konnte einen Ball vor dem Strafraum der Gäste sichern und auf van der Vaart ablegen. Dessen Schuss wurde noch durch Freiburger Abwehrbeine geblockt und abgefälscht. Der Ball kam zu Lasogga, der aus halblinker Position innerhalb des Strafraumes einmal mehr nicht lange zögerte und flach abschloss. Dieses Mal wurde er belohnt: 1:1 – der überlebenswichtige Ausgleich.

In der Folge sah man ein ausgeglicheneres Spiel. Streichs Mannen jetzt immer wieder mit eigenen Offensiv-Aktionen (meist über die Außenbahnen), und der HSV bemüht, seinerseits das Siegtor zu erzielen.

In der 62. Minute änderte Slomka die taktische Marschroute und nahm den defensiveren Jiracek zugunsten des moderat offensiveren Tesche vom Feld. Der HSV agierte nun im 4-4-2. Tesche nahm zunächst die linke Halbposition ein (tauschte gegen Ende der Partie jedoch mit dem nun halbrechts spielenden Arslan die Seite), während van der Vaart die zentral-offensive Mittelfeldposition bezog. Der Wechsel belebte durchaus etwas die Angriffsbemühungen der Gastgeber, da sich Tesche nahtlos einfügte und einige gute Aktionen hatte. So kam er etwa in der 74. Minute im Fallen(!) noch zu einem sehenswerten Abschluss, den Baumann jedoch gleichfalls parieren konnte, da der Ball etwas zu sehr „auf den Mann“ kam.

In der 83. hatten dann die Gäste die letzte, wirklich torgefährliche Aktion: Ein strammer Schuss vom eingewechselten Schmid konnte von Adler nur mit äußerster Mühe schräg nach vorn halblinks in den eigenen Strafraum abgewehrt werden. Dort stand zum Glück für den HSV der eingerückte Westermann und konnte den Ball endgültig klären. Gerade in der Schlussphase missfiel mir erneut Djourou. Erst ließ er sich an der Außenlinie schlafmützig düpieren, später „prügelte“ er nur noch Bogenlampen aus dem Strafraum. Das hatte weder etwas mit konstruktivem Aufbauspiel noch mit klaren Befreiungsschlägen zu tun.

Ärgernisse:
1.) sowohl Arslan für den HSV (17.) als auch Klaus und Schmid (78.) auf Seiten der Freiburger zeigten, wie schnell Bundesligaspieler beim kleinsten Windhauch zu Boden gehen können, um Straf- oder Freistöße und Karten für den Gegner zu schinden. Für mich ein Ärgernis, das ich schon in meinem Spielbericht zum Spiel gegen den VfB hier thematisiert habe: https://viertermann.com/2014/03/23/in-die-falle-der-statik-getappt-und-verloren-vfb-stuttgart-hsv-10-00/
2.) mehrere ausgedehnte Behandlungspausen, zwei Tore und diverse Einwechselungen – da sind die vom Schiedsrichter Aytekin zugebilligten zwei Minuten Nachspielzeit einfach unangemessen und inakzeptabel.

Fazit: Freiburg gelingt,  was dem HSV gegen den VfB versagt blieb. Sie halten den unmittelbaren Konkurrenten auf Distanz und verhindern das Überholmanöver. Grundsätzlich erscheint der eine Punkt aus Sicht des Hamburger Sportvereins zu wenig. Vollkommen unverdient ist die Punkteteilung jedoch nicht.
Der HSV zeigte in dem ungewohnten 4-3-1-2 eine gute, konzentrierte und engagierte Leistung, muss sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, zu veschwenderisch mit seinen Chancen umgegangen zu sein. Ob sich der verpasste „Dreier“ in der Endabrechnung rächen, oder sich der eine Punkt noch als goldwert erweisen wird – wer weiß?!
Zoua mit Licht und Schatten: Einerseits enorm fleißig und wichtig beim Sichern vor allem von hohen und halbhohen Bällen. Andererseits wurden alle seine Flankenversuche mühelos geblockt. Auch strahlte er erneut keinerlei Torgefahr aus.  Man sah also, wie unglaublich wichtig ein gesunder Lasogga für die Mannschaft der Hamburger ist. Da ich davon ausgehe, dass Rudnevs nicht zurückkehrt, Lasogga den Verein am Ende der Saison verlassen wird, da er für den HSV unbezahlbar erscheint, stellt sich die Frage, wer zukünftig beim HSV im Sturm die Tore schießen soll? Zoua wird sich, so denke ich weiter entwickeln, aber ob er je ein Knipser wird, das muss ernsthaft bezweifelt werden.
Die Systemfrage wurde erfolgreich um eine weitere Variante erweitert. 4-4-2 (flach oder mit Raute), 4-4-1-1 oder 4-3-1-2? Ich habe den Eindruck, dass vor allem Zoua in der zu letzt genannten Variante besser zur Geltung kommt. Mit einem weiteren Stürmer an seiner Seite und van der Vaart dahinter – das sah nicht schlecht aus.
Mancienne erneut mit einer souveränen Vorstellung. Er konnte sogar gelegentlich offensiv Akzente setzen. In dieser Form niemals ein Verkaufskandidat. Stellt sich also auch hier die Frage, wie man mit dem Überangebot an Innenverteidigern umgehen will. Westermann macht seine Sache als Aushilfe als LV ordentlich, wird aber niemals ein zeitgemäßer Außenverteidiger. Zu hüftsteif und schwach im offensiven 1:1. Kehrt also Jansen zurück, und sollte „Cello“ dem Verein nach der Saison erhalten bleiben – wohin mit Heiko? Charakterlich tadellos, polyvalent einsetzbar, aber eben auch mit deutlichen Schwächen. Zudem (vermutlich) einer der Großverdiener.
Setzt man auf den jüngeren, wuchtigeren (leider derzeit schwer verletzten) Rajkovic? Trennt man sich vom bislang nicht restlos überzeugenden Djourou, oder wird gar Westermann zum Einsparungsopfer, sobald alle Mann wieder an Bord sind?  Last but not least: Gelingt Tesche etwa doch noch kurz vor Toreschluss der Durchbruch beim HSV? Fragen über Fragen.

Auch wenn die Enttäuschung aus Sicht eines Fans überwiegen mag, so meine ich, dass sich die Mannschaft unter Slomka stetig weiter entwickelt. Auch wenn die nun kommenden Gegner tabellarisch höher stehen, so sehe ich unverändert eine realistische Möglichkeit, nicht abzusteigen. Die (auf dem Papier) stärkeren Mannschaften werden tendenziell vermutlich mehr nach vorne spielen, was dem HSV zum einen die alleinige Last der Spielgestaltung abnehmen und zum anderen Räume eröffnen dürfte. Die Lage hat sich aus Sicht der Hamburger sicher nicht entspannt. Um so mehr gilt jetzt: Mund abputzen, weiter machen!