Albertz

Über Olic und andere Rückkehrer

Um es gleich zu sagen: Ich bin generell kein Freund von Rückhol-Aktionen, sofern es ehemalige Spiele des Vereins betrifft. Gerade als Anhänger des HSV hätte man in der Vergangenheit lernen können, dass nicht jeder, der den Verein einst als Leistungsträger verließ, die mit seiner Rückkehr verbundenen großen Erwartungen tatsächlich auch erfüllen konnte.

Jörg  „the hammer“ Albertz entpuppte sich seinerzeit bei seiner Rückkehr innerhalb kürzester Zeit als ganz großes Missverständnis und enttäuschte; Aktuell dürfte es nicht wenige geben, die sich von van der Vaart bei seinem zweiten Gastspiel deutlich mehr erhofft haben.

Nun kehrt mit Ivica Olic ein weiterer verlorener Sohn zum HSV zurück. Und auch wenn dieser Transfer wohl überwiegend bejubelt wird, habe ich durchaus auch Verständnis für diejenigen, die sich eine andere Lösung erhofft haben.

Kein Verständnis habe ich aber, wenn man im Falle Olic zusätzlich zur kolportierten Ablöse von 2 Millionen Euro sein mutmaßliches Gehalt von 3 Millionen (für 1, 5  Jahre) addiert, um hernach mit dem Gesamtpaket von 5 Millionen Stimmung zu schüren. Frei nach dem Motto: 5 Millionen Euro für ein 35jähriges Auslaufmodell – da sieht man wieder die Unfähigkeit des HSV. Ich habe deswegen kein Verständnis, weil:

  1. die gleichen Medien den Schürrle-Transfer, für den der VfL Wolfsburg allein an Ablöse angeblich rund 30 Millionen Euro berappt, kritiklos bejubeln. Bislang habe ich hier noch nichts von einem Gesamtpaket gelesen, in welchem das Gehalt des Spielers von angeblich 6 Millionen Euro je Jahr bis 2019 eingerechnet und kritisch hinterfragt wurde. Dabei wäre Kritik hier durchaus angebracht. Denn das Gesamtpaket dieses Transfers dürfte damit deutlich jenseits der 50 Millionen-Euro-Marke liegen. Für einen zweifellos hochbegabten 24jährigen Nationalspieler, der aber weder in der Nationalmannschaft noch gar bei seinem letzten Verein unumstrittener Stammspieler gewesen ist. Und doch schien den Verantwortlichen des VfL Wolfsburg der Preis für das „Gesamtpaket Schürrle“ offensichtlich angemessen. Völlig losgelöst von der Person Schürrles – eine in meinen Augen bizarre Summe.
    Auch hinterfragte bisher kaum jemand kritisch, wie sich ein Transfer dieser Größenordnung mit den Regeln des Financial Fairplays beim VfL vereinbaren lässt. Ist aber auch egal, weil im Zweifel  verstoßen in Deutschland immer nur die anderen gegen die Regeln.
  2. Entweder vergleicht man allein Ablösesummen miteinander, oder man vergleicht eben Gesamtvolumina miteinander. Wer aber in dem einen Fall das Gesamtpaket bemüht, im anderen jedoch das Gehalt unterschlägt, der vergleicht am Ende Äpfel mit Birnen.

Doch zurück zum HSV und damit zur Rückkehr von Olic. Die Kritiker werden einwenden, dass man mit Olic eine Art Rudnevs 2.0 verpflichtet habe. Beide sind kampf- und lauffreudige Stürmer, wobei Olic in Sachen Technik und Erfahrung Vorteile besitzt. Die von mir hier vor Wochen angedachte optimale Ergänzung zu Lasogga scheint mir auch ein Olic nicht zu sein. Dennoch hat Olic (beim VfL) nachgewiesen, dass er als alleinige Spitze in einem 4-1-4-1 funktioniert, Rudnevs nicht. Und eben dieses 4-1-4-1, bzw. ein Hybrid-System aus 4-2-3-1/4-1-4-1 ist allem Anschein nach das System, das Joe Zinnbauer für die Rückrunde favorisiert.

Unbestreitbar neigt sich Olic aktive Laufbahn dem Ende entgegen. Er hat jedoch in der Hinrunde nachgewiesen, dass er kurz- und mittelfristig absolut wettbewerbsfähig ist. Sein Alter und damit seine Erfahrung sehe ich in der speziellen Situation des HSV sogar als Vorteil. Denn unverändert gehe ich davon aus, dies wurde erst jüngst durch die Aussagen des letztlich zum FC Arsenal gewechselten polnischen Talents, Bielik, über seine Gespräche mit den HSV-Verantwortlichen untermauert, dass die Hamburger Mannschaft im kommenden Sommer weiter deutlich verjüngt werden wird. Dies ergibt sich schon daraus, dass bei einigen „Ladenhütern“ des Hamburger Kaders dann die Verträge auslaufen. Man darf aber nicht nur erleichtert auf die damit verbundene Chance, den Etat zu reduzieren, schauen und gleichzeitig völlig ignorieren, dass die Mannschaft damit auch viel Erfahrung verliert. Allein durch den von mir unverändert erwarteten Abgang von Kacar, Ilicevic, Jansen, van der Vaart, eventuell sogar noch von Adler und Westermann geht die Erfahrung von mehreren hundert Bundesligaspielen, völlig ungeachtet der Frage, für wie verzichtbar man jeden einzelnen dieser Spieler hält, verloren. Zu glauben, man könne dies allein mit eigenem Nachwuchs, sei dieser auch noch so talentiert wie z.B. Tah und Demirbay, auffangen, ist in meinen Augen eine gefährliche, romantisierende Fehleinschätzung. Gerade für die gegenwärtige Übergangsphase kann ein Olic als Vorbild für die jüngeren Spieler dienen. Vorbild deswegen, weil seine Arbeitseinstellung als absolut tadellos einzuschätzen ist. Vorbild auch, weil gerade seine Karriere zeigt, wie weit man es trotz unbestreitbarer Defizite bringen kann, wenn man konsequent an seinem persönlichen Optimum feilt.

Sicher, auch ich hätte mir etwa einen Drmic gewünscht. Aber wenn der Markt den im Winter nicht hergibt, dann muss man eben umdenken. Deswegen auf eine Verstärkung der Offensive gänzlich zu verzichten, hätte ich als grob fahrlässig bewertet. Lasogga startet bekanntlich zum vierten Mal in Folge ohne optimale Vorbereitung. Der lauffreudige Holtby fällt bis Mitte der Rückrunde verletzt aus. Mit Nicolai Müller war ein weiterer sprintstarker Spieler während der Winterpause angeschlagen, und Maxi Beister wird allen guten Ansätzen zum Trotz noch Monate brauchen, um wirklich wieder seine Topform zu erreichen. Die Attribute Torgefahr, Kampf und Lauffreudigkeit im Kader zu stärken, erscheint mir daher sinnvoll.

Stand heute, also noch vor Schließung des Transferfensters, fehlt der Hamburger Mannschaft unverändert ein pass-/spielstarker zentraler Mittelfeldspieler. Denn die inzwischen vielfach kritisierte, mangelhafte Torausbeute ist nur zum Teil dem bisherigen Offensivpersonal geschuldet. Oft genug erreichte man bei Ballbesitz gar nicht die vordersten Reihen, sondern verschenkte seine Möglichkeiten im Übergang von mittleren ins Angriffsdrittel. Teils durch unsauberes Passspiel oder falsche Laufwege, teils durch mangelhafte Übersicht und fehlende Handlungsschnelligkeit. Ob der Club hier noch nachbessern kann, wird man abwarten müssen. Sollte dies nicht gelingen, dann könnte durch die Rückkehr von Ivica Olic wenigstens der Schulterschluss zwischen Mannschaft und Publikum gestärkt werden, auf den man im Kampf gegen den Abstieg, und nur darum geht es unverändert sportlich!, noch dringend angewiesen sein könnte.

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Anschauungsunterricht vom kleinen Bruder: Hannover 96 – HSV 2:1 (1:0)

Langsam fällt es selbst mir schwer, positiv zu bleiben. Zu ernüchternd war das, was die Mannschaft des Hamburger Sportvereins gestern gegen Hannover 96 bot. Während ich zunehmend konsterniert das Geschehen auf dem Rasen verfolgte, schoss mir durch den Kopf: ohne Herz und Hirn kann man nicht gewinnen! Zu diesem Zeitpunkt stand es noch 1:1. Dann kam Rudnevs und sorgte dafür, dass der HSV am Ende vollkommen verdient verlor. Denn bis dahin hatte der kleine dem großen Bruder Anschauungsunterricht in Sachen Abstiegskampf und Fußball gegeben.

Der HSV begann wie erwartet mit der folgenden Aufstellung:

Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann(17. Ilicevic) – Calhanoglu, Rincon, Arslan (88. John), Jiracek – van der Vaart (46. Maggio) – Zoua

Spielverlauf:
Hannovers Trainer Korkut ließ den ball- und kombinationssicheren Bittencourt neben Ya Konan beginnen. Rudnevs blieb daher zunächst auf der Bank. Für mich eine von mehreren taktischen Maßnahmen beider Trainer, die den Spielverlauf entscheidend beinflussten. Hannover erwischte vom Anpfiff an den besseren Start in die Partie. Bereits in der 2. Minute ließ sich Westermann an der Außenlinie von Stindl den Ball abluchsen. Der folgende Fernschuss von Andreasen verfehlte jedoch das Hamburger Tor. Nur eine Minute später ging aus Hamburger Sicht erneut der Ball auf der Außenbahn verloren. Dieses Mal war es Stindl, dessen Schuss knapp am rechten Pfosten vorbei (3.) ins Toraus ging. Spätestens jetzt hätten die Hamburger hellwach und gewarnt sein müssen! Der HSV aber, vermutlich in dem Bemühen, auswärts abgeklärt und souverän zu agieren, spielte naiv, pomadig und – das schlimmste von allem – hirnlos. Hannover presste zunächst erst im Mittelfeld, dort jedoch konsequent. Einmal mehr trat zu Tage, dass das Zentrum des HSVs spielerische und taktische Defizite aufweist. Die Hamburger versuchten, wie gewohnt über die Außen ihr Spiel nach vorne zu tragen und liefen dort den von Korkut glänzend eingestellten Leinestädtern in die Falle. Immmer wieder gelang es den Gastgebern dort, den Ball durch entschlossenes Zweikampfverhalten und/oder personelle Überzahl zu erobern und schnell umzuschalten. Die beiden eigenen beweglichen Spitzen beschäftigten die Hamburger Innenverteidigung. Da auch das Mittelfeld der Gäste entschlossen nachrückte und sich an den Angriffsbemühungen beteiligte, liefen Rincon und Arslan von Anfang an der Musik hinterher. Der nominell rechts außen aufgebotene Stindl konnte immer wieder und wieder ungestört einrücken und zum Torabschluss kommen. In der 6. Spielminute hätte es eigentlich schon so weit sein müssen: Im defensiven Hamburger Mittelfeld klaffte ein riesiges Loch, durch das die Hannoveraner mit Tempo auf Hamburgs Viererkette zu liefen. Doch Stindls Fernschuss aus zentraler Position (ca. 20m) ging noch knapp am rechten Pfosten vorbei. Ein, wie sich zeigen sollte, letzter Warnschuss, den die Hamburger ebenfalls ignorierten. Drei Minuten später stand wieder Stindl völlig frei. Aus halb linker Position und acht Meter vor dem Gästetor kam er zu einem Kopfball, den er neben dem kurzen Pfosten im Tor unterbrachte. 1:0 für die Hausherrn. Stindl, Stindl, Stindel! Die Hamburger bekamen ihn während der kompletten ersten Spielhälfte überhaupt nicht in den Griff. Er allein hätte, etwas mehr Schussglück vorausgesetzt, den großen HSV schon zur Halbzeit hoffnungslos in Rückstand schießen können.

Kein Spiel des Hamburger Sportvereins ohne Hiobsbotschaften: Da Jansen noch nicht fit ist und daher nicht auf der Bank war, musste der aushilfsweise links verteidigenden Westermann bereits in der 17. Minute verletzungsbedingt ausgetauscht und durch den ebenfalls noch nicht völlig beschwerdefreien Ilicevic ersetzt werden. Jiracek rückte auf der linken Seite eine Position nach hinten und übernahm die Rolle Westermanns.

In der 25. Minute prüfte erneut Stindl Hamburgs Torhüter Adler, der aber zur Ecke klären konnte. Als der folgende Eckstoß in den Strafraum der Hamburger segelte, kam Ya Konan zum Kopfball Richtung langes Eck, doch van der Vaart konnte auf der Linie klären. Sechs Minuten später, in der 31. Spielminute, verlor Ilicevic durch gutes Pressing der Hannoveraner den Ball. Die „96er“ liefen in Überzahl (4 gegen 3) auf das Tor der Hamburger zu. Dieses Mal scheiterte Bittencourt mit seinem Schuss denkbar knapp am  Pfosten des Hamburger Gehäuses. Glück, Glück, Glück aus Sicht der Hamburger! Der HSV wirkte angesichts der erstklassigen taktischen Einstellung des kleinen Brudervereins über weite Strecken der ersten Spielhälfte hilflos und überfordert. Zumal die Gastgeber mit fortschreitender Spielzeit nun ihr Pressing weiter nach vorne verlagerten und schon das Aufbauspiel des HSVs durch entschlossenes Anlaufen der Innenverteidiger störten. Bei Ballbesitz versuchte der HSV daher meist, mit hohen Chip-Bällen Zoua zu erreichen, oder spielte prinzipiell leicht zu verteidigende, hohe und lange Bälle. Gepflegtes Passspiel? Fehlanzeige – Grausam! So blieb es erneut Stindl überlassen, den Schlusspunkt für diese Halbzeit zu setzen. Nach einer schönen Kombination der Hannoveraner über Hamburgs linke Abwehrseite konnte jedoch Adler Stindls Schuss mit Mühe entschärfen. Mancienne klärte dann endgültig.

Fazit zur Pause: Es spielte nur „96“. Van der Vaart war bis auf seine Rettungstat, man muss es dieses Mal so deutlich feststellen, ein Totalausfall. Echte Torchancen für den HSV gab es nicht, dafür eine Vielzahl davon für die Gastgeber. Bei konsequenter Chancennutzung durch die Hannoveraner hätte schon zur Halbzeitpause ein Debakel für die Gäste notiert werden müssen. So aber blieb es zunächst bei einer hochverdienten, jedoch denkbar knappen 1:0-Führung für die Gastgeber.

Slomka nahm den enttäuschenden Hamburger Kapitän zur Halbzeit aus der Partie und brachte Nachwuchsstürmer Maggio. Dieser besetzte nun die Sturmspitze, während Zoua vor allem auf den rechten Flügel auswich. Taktisch entprach das über weite Strecken der zweiten Hälfte einem 4-1-4-1, da wahlweise auch einer der beiden hamburger Sechser die Außenbahn mitunterstützte. Maggio  war kaum auf dem Feld, da hatte er für Hamburgs Offensive bereits mehr bewirkt als van der Vaart zuvor. Er wirkte deutlich schneller, spritziger und entschlossener. So bedrängte er kurz nach Wiederanpfiff Hannovers Linksverteidiger Pander, dem prompt zentral vor dem eigenen Strafraum ein Handspiel unterlief. In den linken Rand der Mauer der „96er“ schmuggelten sich drei Hamburger. Calhanoglu lief zum fälligen Freistoß an, die drei Hamburger machten den Weg frei, und der Ball zappelte neben dem linken Pfosten im Netz der Gastgeber. Ein uralter Freistoßtrick, den die Brasilianer bereits 1974 bei der WM in der damaligen Bundesrepublik  gezeigt haben. Meiner Meinung nach ein klarer Abwehrfehler, an dem der für die Positionierung der Mauer zuständige hannoveraner Torhüter Zieler durchaus mindestens mitbeteiligt war. Das 1:1 in der 47. Spielminute, und der Spielverlauf war vollkommen auf den Kopf gestellt.
In der Folge gelang es dem HSV durch die veränderte taktische Ausrichtung zunächst etwas besser, personelle Unterzahlsituationen vor allem auf den Flügeln zu vermeiden. Dann aber zeigten sich sattsam bekannte Schwächen: Hannover konnte in die Räume hinter die offensive Viererkette der Hamburger stoßen, in der nun ohnehin oft nur ein einziger Sechser stand und sich einer personellen Überzahl ausgesetzt sah. Das war auch deswegen für die Gastgeber einfach, weil die Hamburger – wieder einmal! Wie oft noch?! – vollkommen hirnlos (im Sinne fehlender taktischer und spielerischer Intelligenz) agierten. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden viel, viel zu groß! Bei Ballgewinn bemühten sich die Offensivspieler nach vorne, während die Defensive nur unzureichend nachschob, um den dahinter liegenden Raum zu verdichten. Zeitweilig, so meine ich es gesehen zu haben, lagen sechzig, siebzig Meter zwischen den Mannschaftsteilen. Das hatte nichts, aber auch rein gar nichts mehr mit der viel zitierten und unerlässlichen Kompaktheit zu tun. Es ist ja gut und schön, wenn man die Außen personell besser besetzt, aber wer dahinter, gerade in einem 4-1-4-1, dem Gegner riesige Räume anbietet, der handelt schon sträflich naiv. Und dann ist noch etwas schärfstens zu kritisieren: Wenn man schon erkennbar einen schlechteren Tag erwischt hat und denkbar glücklich und im Grunde vollkommen unverdient zum Ausgleich kommt, dann muss man zur Not mit einem Punkt zufrieden sein und wenigstens dessen Gewinn sicherstellen! Nicht so aber die aktuelle Mannschaft des Hamburger Sportvereins. Da will man, prinzipiell durchaus lobenswert, unbedingt das Siegtor erzielen und läuft dann naiv in die Konter. So kam, was im Grunde kommen musste: Hannover 96 hatte sich nach ca. einer Viertelstunde besser auf die neue taktische Ausrichtung eingestellt und übernahm wieder zunehmend das Kommando. Ebenfalls zu bemängeln aus hamburger Sicht ist eine Vielzahl an Standards, die man zuließ. Foulspiele, die den Gastgebern Freistöße ermöglichten, sind z.T. auch Indiz dafür, dass man wiederholt einen Schritt zu spät kam, weil eben die Abstände oft gar nicht mehr stimmten. Auch hier bleibt zu resümieren: Zum Glück für den HSV blieben die Standards des Gegners oft ungefährlich. An einem anderen Tag hätte allein diese Unzahl an gegnerischen Standards den Verlust der Partie zur Folgen haben können.
In der 83. Spielminute brachte Korkut Rudnevs für Pander. Eine Maßnahme, die sich schon wenig später auszahlen sollte. Die Hamburger verloren in der Vorwärtsbewegung im Mittelfeld nicht nur den Ball, sondern danach fünf (5!) Zweikämpfe in Folge gegen Andreasen und den bereits oft erwähnten, besten Mann auf dem Platz, Hannovers Kapitän Stindl. Rudnevs Schuss konnte in allerhöchster Not noch von Djourou von der Linie gekratzt werden. Da dies aber unkontrolliert erfolgte, hatte Ya Konan anschließend keine Mühe, zum 2:1 für die Gastgeber abzustauben.
Slomka blieb angesichts der geringen Restspielzeit und der personellen Lage gar nichts anderes mehr übrig und brachte John für Arslan (88.). Die letzten Möglichkeiten gehörten jedoch den Gastgebern. Erst machte Adler eine Doppelchance (89.) zunichte (Schuss von Andreasen, Nachschuss von Ya Konan), dann scheiterte erneut Ya Konan mit einem strammen Schuss aus ca. 17 Metern, den Adler mit Mühe über die Latte lenken konnte (90+1.). Danach erlöste der Schiedsrichter die Hamburger mit dem Schlusspfiff.

Fazit: Ein hochverdienter Sieg des kleineren Bruders, darüber kann es keine geteilten Meinungen geben. Ein Punktgewinn für den großen HSV lag zwar im Bereich des Möglichen und wäre sehr, sehr wichtig gewesen, so aber steht man einmal mehr mit leeren Händen da. Das ist bitter, lässt aber die Defizite schonungslos hervortreten. Hannover war in allen Bereichen überlegen: Entschlossenheit in der Zweikampfführung, mannschaftliche Geschlossenheit, taktische Disziplin und Spielintelligenz. Wenn Calhanoglu nach Abpfiff davon sprach, dass die Mannschaft daraus lernen müsse, dann sei drauf hingewiesen, dass die Zeit abläuft, in der man Grundtugenden noch erlernen kann. Der kleine Bruder hat dem größeren mehr als eine Lektion erteilt. Wenn die Mannschaft des  Hamburger Sportvereins es jetzt nicht begriffen hat, dann steigt sie ab.

4-4-2, 4-2-3-1, 4-2-4-0 oder 4-1-4-1 – taktische Systeme sind, das zeigte auch dieses Spiel, wichtig und ggf. spielentscheidend. Zugleich aber gibt es die klaren Formationen im Grunde oft nur so lange das Spiel ruht, bzw. das Tempo nicht beschleunigt wird. Danach entstehen situativ andere Formationen. Egal in welcher Formation man sich gerade befindet – die Kompaktheit ist das A und O! Wer kompakt bleibt, der hat kürzere Weg zum Ball und bessere Chancen auf personelle Überzahl und Ballgewinne.
Van der Vaart, egal ob das nun wieder eine echte oder taktische Verletzung ist, ähnelt immer mehr einem anderen personellen Missverständnis. Vor Jahren holte man einen Jörg Albertz, der bei seiner ersten Station in Hamburg überzeugt hatte, mit großen Erwartungen zurück. Resultat: „Ali“ Albertz war dem Tempo der Bundesliga nicht mehr gewachsen. „Raffa“ ist nicht vorzuwerfen, dass man ihn in Hamburg fälschlich für einen Spielmacher hielt. Und seine kämpferische Einstellung halte ich für tadellos. Angesichts seiner anhaltenden Formschwäche und seiner läuferischen Unterlegenheit (Geschwindigkeit)  wird er aber zunehmend zum Problem. Jedenfalls dann, wenn er nicht wirklich vollkommen fit ist.
Es fehlen dem HSV vor allem im Defensiven Mittelfeld Spieler, die z.B. auch verbal wachrütteln, organisieren und so sicherstellen, dass in einem derartigen Spiel die Mannnschaft nicht auseinanderfällt. Rincon, Badelj, Arslan – alles tadellose Jungs, aber keiner dabei, der erkennbar Kommandos gibt. Slomka hat durch seine taktische Umstellung dazu beigetragen, dass die zweite Spielhälfte etwas besser lief und ein Debakel verhindert werden konnte. Von einer Bundesliga-Mannschaft muss man aber erwarten dürfen, dass sie irgendwann Grundlektionen verinnerlicht und nicht immer wieder dieselben Kardinalfehler begeht. Auf dem Platz stehen die Spieler, nicht der Trainer!
Zum Glück für den Hamburger Sportverein sind die Ergebnisse der ebenfalls gegen den Abstieg spielenden Konkurrenz einigermaßen glücklich günstig ausgefallen. So bleibt man auf dem Relegationsplatz und hat weiter alle Möglichkeiten, zumindest den Relegationsplatz am Ende zu belegen. Da aber die verbleibenden Spieler immer weniger werden, steigt auch der Erfolgsdruck. Ich bleibe dabei, dass u.a. Slomkas psychologische Arbeit über alle Zweifel erhaben ist und daher sich noch als großes Plus erweisen könnte. Die taktischen und individuellen Defizite der Mannschaft sind personell, z.T. auch durch nachvollziehbare Reifungsprozesse, bedingt. Slomka ist ja inzwischen der dritte Trainer in dieser Saison, der sich damit konfrontiert sieht und dies abzustellen versucht. Die Mannschaft ist nun gefordert, nachzuweisen, dass sie tatsächlich die Lektion gelernt hat. Viele Chancen bleiben ihr nicht mehr.

Schiedsrichter: Hartmann (Wangen). Übersah, dass Rudnevs knapp im Abseits stand. Der Siegtreffer für die „96er“ hätte also gar nicht fallen dürfen. Dennoch sollte man als Hamburger keinesfalls die Schiedsrichterleistung als Grund für eine grundsätzlich mehr als verdiente Niederlage anführen.

DAS RESTPROGRAMM

13. Hannover 96 (32 Pkt; -17):
Eintracht Frankfurt (A)
VfB Stuttgart (H)
1. FC Nürnberg (A)
SC Freiburg (H)

14. SC Freiburg  (32 Pkt; -17):
Borussia M’Gladbach (H)
VfL Wolfsburg (A)
FC Schalke 04 (H)
Hannover 96 (A)

15. VfB Stuttgart (28 Pkt; -13):
Schalke 04 (H)
Hannover 96 (A)
VfL Wolfsburg (H)
Bayern München (A)

16. Hamburger Sportverein (27 Pkt; -16):
VfL Wolfburg (H)
FC Augsburg (A)
Bayern München (H)
1. FSV Mainz 05 (A)

17. 1.FC Nürnberg (26 Pkt; -23)
Bayer Leverkusen (H)
1. FSV Mainz 05 (A)
Hannover 96 (H)
FC Schalke 04 (A)

18. Eintracht Braunschweig (25 Pkt; -24):
Bayern München (H)
Hertha BSC (A)
FC Augsburg (H)
1899 Hoffenheim (A)