Diekmeier

Dem Dino droht der direkte Abstieg: FC Augsburg – HSV 3:1 (3:1)

Ich hätte große Lust, an dieser Stelle jetzt eine gnadenlose Abrechnung mit all den vielen, vielen Einzelpersonen und Fraktionen zu beginnen, die m.E. für den  inzwischen galoppierenden Niedergang des Hamburger Sportereins verantwortlich sind. Ich werde dieses prall gefüllte, große Fass jedoch nicht aufmachen. Noch nicht. Aber der Zeitpunkt, an dem abgerechnet wird, rückt näher. Wenigstens zwei Spieltage jedoch werde ich versuchen, mich allein auf die sportliche Situation zu beschränken, denn alles andere wäre zum jetzigen Zeitpunkt für den Verein kontraproduktiv. Davon bin ich und bleibe ich überzeugt.

Spielverlauf und Resultat eines Fußballspiels sind von vielen, vielen Dingen abhängig. Ich denke, das gestrige Spiel hat einige dieser Faktoren sehr deutlich zu Tage treten lassen. Normalerweise schreibe ich einen ausführlichen Spielbericht vor allem für diejenigen unter Euch, die das Spiel nicht mit eigenen Augen verfolgen konnten. Das würde ich mir heute nur zu gern ersparen, denn es zwingt mich jedes Mal, das trostlose Gekicke der Mannschaft meines Herzens erneut minutiös zu durchleiden. Aber mag es mir auch schwerfallen, so werden vielleicht einige der Faktoren erkennbar, die zum Ergebnis beitrugen. Und das erscheint mir als Kontrapunkt in der allgemeinen Berichterstattung über den HSV wichtig. Will uns der Boulevard in seinen s.g. Expertisen doch beständig nach Niederlagen einreden, es habe hauptsächlich an der richtigen Einstellung gemangelt. Dieses Spiel hat jedoch einmal  mehr schonungslos offengelegt, dass Erklärungsversuche deutlich differenzierter ausfallen müssen. Es ist eben nicht die mangelhafte Einstellung der Profis, jedenfalls nicht hauptsächlich oder allein, die den Dino in höchst akute Abstiegsgefahr gebracht hat.

Die Mannschaft war, ich erwähnte dies in meiner Vorschau, vorzeitig nach Augsburg gereist. Zum einen wollte man tatsächlich ausgeruht in dieses eminent wichtige Spiel gehen, zum anderen wollte man sich fokussieren und als Team noch enger zusammenrücken. Vor Ort fand dann noch eine Trainingseinheit statt. Als Resultat schickte Mirko Slomka die folgende Mannschaft ins Rennen gegen die Augsburger:

Aufstellung: Adler – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Jansen (69. Jiracek) – Rincon, Badelj (75. Demirbay), Arslan, Ilicevic – Calhanoglu – Maggio (61. Zoua)

Spielbericht: Kaum noch ein Spiel des Hamburger Sportvereins, bei dem der Betrachter nicht bereits kurz nach dem Anpfiff ein ungutes déja vu erleben würde. Das Spiel war gerade einmal sechs Minuten alt, da lag der HSV bereits 0:1 zurück. Wieder einmal. Hatte ich im Vorbericht die Augsburger Kompaktheit gepriesen und als Vorbild für den HSV ausgegeben, so war Hamburgs linke Seite zum ersten aber keineswegs zum letzten Mal offen wie ein Scheunentor. Der schnelle Hahn marschierte über den Flügel und passte scharf nach innen auf Höhe der Strafraumgrenze. Dort rutschten mehrere Hamburger Spieler auf dem seifigen Rasen aus. Augsburgs Altintop erwies sich jedoch als standfest und kam fast unbedrängt in zentraler Position vor dem Gäste-Tor zum Schuss. Adler war chancenlos. Das 1:0 (6.) für die Hausherrn.

In der 16. Minute schoss Hahn Hamburgs Mancienne aus kürzester Distanz im Hamburger Strafraum den Ball an die Hand. Schiedsrichter Welz verweigerte zurecht den Elfmeterpfiff.

Das erste wirkliche Ausrufezeichen aus Hamburger Sicht war in der 18. Spielminute zu notieren. Ilicevic zog endlich einmal efolgreich vom linken Flügel nach innen und wurde von Augsburgs Innenverteidiger, Callsen-Bracker, vier Meter vor der Strafraumgrenze und mittig zum Tor gefoult. Calhanoglu hob den folgenden Freistoß sehenswert über die Mauer. Leider erwies sich Hitz im Tor der Gastgeber als sicherer Rückhalt. Er tauchte blitzschnell in die Ecke und konnte den Ball gerade noch parieren. Der HSV war trotz des erneut frühen Rückstandes gut im Spiel. Die Mannschaft wirkte durchaus willig und engagiert. Man gewann fast 60 Prozent der Zweikämpfe und erreichte ein optisches Übergewicht. Das sah zunächst gar nicht schlecht aus. Leider fehlten klar herausgespielte Torchancen. So kam man, wenn überhaupt, nur mit Fernschüssen zum Abschluss, die jedoch letztendlich ungefährlich blieben.

In der 25.  Minute flankte Calhanoglu einen Freistoß von links in den Augsburger Strafraum. Der aufgerückte Westermann kam im Fünfmeter-Raum, bedrängt von einem Augsburger, an den Ball, schob diesen jedoch knapp am rechten Pfosten vorbei. Sechs Minuten später (31.) herrschte erneut Alarm im Strafraum der Gastgeber. Leider traf Badelj den hüfthohen und daher schwer zu nehmenden Ball nicht richtig. Nur eine Minute später war erneut die linke Abwehrseite des HSVs offen. Hahn marschierte erneut und passte dann scharf aus dem Lauf nach innen. Dieses Mal war Badelj nicht schnell genug zurückgeeilt. Altintop kam wieder fast unbedrängt aus neun Metern zentral vor Adler zum Schuss – das 2:0 für den FCA als logische Konsequenz. Spätestens jetzt sah ich mich in meiner Befürchtung bestätigt,  die ich hier an gleicher Stelle in der Vorschau ganz bewusst unterschlagen hatte. Beide zuletzt verletzten Spieler, Jansen und Badelj, waren zwar spielfähig, wirkten jedoch alles andere als wirklich fit. Dass HSV-Trainer Slomka sie dennoch meinte bringen zu müssen, zeigt, wie dünn die Personaldecke des Vereins inzwischen ist. Im Grunde stellt sich die Mannschaft fast von alleine auf.

Wenn von Hamburger Seite etwas offensiv ging, dann meist über die rechte Seite. Dort mühte sich Rincon im Zusammenspiel mit Diekmeier redlich auf einer für ihn sicher suboptimalen Position. Hier wurde aber auch ein weiteres Manko deutlich: Diekmeier konnte gefühlt fünfzehn Flanken von rechts nach innen schlagen, aber diese segelten in aller Regel vollkommen ungefährlich an Freund und „Feind“ vorbei. Das lag aber nur zum Teil daran, dass sie einfach ganz schlecht, da zu hoch und/oder zu lang, geschlagen waren. Slomka hatte sich nach wohl durchaus überzeugenden Trainingsleistungen für Maggio (statt Zoua) als Sturmspitze entschieden. Der junge Nachwuchsspieler lief viel, aber Training und realer Wettkampf sind zwei Paar Schuhe. Er blieb blass und konnte zu keiner Zeit nennenswert in Erscheinung treten. Auch hier kein Vorwurf meinerseits an Slomka, denn ob ein Nachwuchsspieler wirklich unter Wettkampfbedingungen funktioniert, das kann man nur herausfinden, wenn man ihm ein gewisses Vertrauen schenkt. Es fehlte den Flanken also an Qualität und an einem Abnehmer.

In der 35. Minute kam Arslan nach schöner Einzelleistung aus 25 Metern zum Abschluss. Aber auch der Ball rauschte über das Gehäuse der Gastgeber. Es war in meinen Augen Tolgays beste Szene. Im weiteren Spielverlauf fiel er allenfalls durch umständliches und schlampiges Pass-Spiel auf. Womit ich beim nächsten Faktor wäre: der eine Sechser (Badelj) nicht im Vollbesitz seiner Kräfte und verletzungsbedingt mit fehlendem Spielrhythmus, der andere mit großen Leistungsschwankungen.

Einmal mehr durfte sich der überragende Hahn auf Augsburger Seite ungestört von Hamburgs Defensive in Szene setzen. In der 42. Minute kam er aus halbrechter Position und ca. 20 Metern frei zum Abschluss. Der Ball kam auf den kurzen Pfosten. Dort stand Adler und wollte den Schuss mit beiden Armen abwehren, boxte sich den Ball jedoch neben den Posten ins eigene Netz. Das 3:0 für den FC Augsburg. Für einen Bundesligatorhüter, zumal einen Nationalspieler, ein kapitaler Fehler. Und leider ist es inzwischen wohl der siebte folgenschwere Fehler,  der René in dieser Spielzeit unterläuft. Auch hier lässt sich eine Feststellung treffen: In der letzten Saison war es ein überragender Adler, der dem HSV viele Punkte fast im Alleingang gesichert hat. Das hat über viele, bereits damals im Prinzip  vorhandene und erkennbare Defizite hinweggetäuscht. Ohne einen famosen Adler in Bestform jedoch treten diese Defizite nun jedoch schonungslos zu Tage.

Kurz vor der Pause dann ein kleiner Hoffnungsschimmer aus Sicht der HSV-Anhänger. Calhanoglu flankte einen Freistoß für den HSV wieder vom linken Flügel mit Schnitt zum Tor. Dem erneut aufgerückte Westermann fiel der Ball auf die Schulter. Von dort wurde er für Hintz unhaltbar in lange Eck abgefälscht. Der Anschlusstreffer zum 3:1 in der 44. Minute.

Zur Halbzeit habe ich mir das folgende Zwischenfazit notiert: entscheidende Pässe des HSVs werden zu ungenau, z.T. in den Rücken des Mitspielers, gespielt. Dadurch gehen immer wieder Tempo und Spielfluss verloren, was dem Gegner die wenigen Sekunden verschafft, die er benötigt, um etwaige defensive Lücken zu schließen. Torgefahr entsteht, wenn überhaupt!, allein durch Calhanoglu. Ilicevics Spielweise ähnelt der des bayrischen Robben, erreicht aber nicht ansatzweise dessen Qualität. Absolut vorhersehbar zieht er an der Strafraumgrenze vom linken Flügel nach innen und verliert spätestens dann fast immer den Ball.

Den Spielbericht der zweiten Halbzeit versuche ich kurz zu halten, da ohehin keine weiteren Tore fielen. Bemerkenswert erscheint mir eine Szene aus der 60. Minute: Es gab einen Eckstoß für Augsburg von links (aus Hamburger Sicht). Alle Hamburger versammelten sich in Erwartung einer Flanke rund um den eigenen Fünfmeter-Raum. Am linken Strafraumeck stand ein Augsburger mutterseelenallein. Unglaublich! Dieser wurde dann vom Eckenschützen – Überraschung! – angepielt und konnte kontrolliert, da nicht unter Druck gesetzt, flanken. Adler kam raus und wollte klären, wurde aber vom eigenen Mann, Westermann, behindert. Am Ende hatte das keine Folgen. Sicher kommen derartige Szenen immer mal wieder vor (Torhüter vom eigenen Mann behindert), in der Gesamtansicht steht diese Szene jedoch für mich sinnbildlich für das zum Teil groteske Defensivverhalten des HSVs.

Eine Minute später, also in der 61., hatte der HSV einen Eckstoß von der linken Seite. Calhanoglu (wer sonst?!) flankte, Westermann köpfte (wer sonst?!), aber verfehlte erneut das Tor der Gastgeber (was sonst?!). Der Ball strich knapp am rechten Pfosten vorbei ins Toraus. Das ist übrigens bereits die vorletzte Torchance gewesen, die ich für den HSV notiert habe…
Praktisch im Gegenzug konnte Adler einen sehenswerten Fernschuss mit Mühe gerade noch parieren. Eine Minute später setzte der starke Altintop einen Kopfball denkbar knapp links neben das Tor der Hamburger.

Der eingewechselte Zoua belebte ein wenig das Hamburger Spiel, da er erkennbar um Spielfluss bemüht war. Aber einmal mehr konnte das Hamburger Mittelfeld, allen voran die beiden Sechser (s.o.), spielerisch nicht überzeugen. Wo die Augsburger als Mannschaft kombinierten, da zeigten der HSV Stückwerk. Immer wieder wurde umständlich der Ball auf den anderen Fuß gelegt, bzw. mussten schlecht gespielte Pässe der Mitspieler erst mühsam unter Kontrolle gebracht werden. Das war ganz, ganz schwach. Und dann ist es eben auch nicht ausreichend, wenn man unbedingt „will“, was sich u.a. aus der positiven Zweikampfquote für den HSV (56% gewonnen) ablesen lässt.

In der noch verbleibenden halben Stunde spielte im Grunde nur noch der FCA. Ich verzichte darauf, alle Torchancen aufzuzählen, die Adler noch parierte, oder die der FCA anderweitig verschenkte. Zeitweise, ich muss das so deutlich schreiben, war das mehr als ein Klassenunterschied zwischen beiden Kontrahenten. Die Augsburger konnten sich den HSV in aller Ruhe zurecht legen und hätten im Grunde noch mehr als zwei weitere Tore erzielen können, wenn nicht gar müssen!

Zwei Szenen noch und dann ist dieser Bericht des Grauens überstanden:
In der 81. Minute ließ sich der ansonsten tadellose Mancienne als letzter Mann vom eingewechselten Südkoreaner, Dong-Won Ji, viel zu leicht übertölpeln. Ein zweifellos kapitaler Bock, der nicht verschwiegen werden soll, der aber zum Glück folgenlos blieb, da Adler einmal mehr seine Klasse im 1:1 unter Beweis stellte.
In der Nachspielzeit (90+1.) zog Rincon mit dem Vollspann volley ab, doch Hitz im Tor der Gastgeber war einmal mehr auf dem Posten und konnte diesen Schuss, der wahrlich einen Treffer verdient gehabt hätte, gerade noch über die Latte des Tores lenken. Kurz darauf erlöste Schiedsrichter Welz alle, denen der HSV am Herzen liegt.

Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden). Hatte alles im Griff. Schlichtete nach Schubser von Rincon an die Brust eines Gegenspielers (der daraufhin umfiel) ohne Karte. Gut.

Fazit: Den Sieg des FC Augsburg kann ich nur als hochverdient bezeichnen. Beeindruckend, was Trainer Markus Weinzierl in dieser Saison mit seiner Mannschaft leistet.
„Er/sie war stets bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden….“ – man kennt diese Formel aus dem Zeugnisjargon. Gemeint ist, dass der Bewertete letztlich nicht die Qualität besitzt, um die geforderte Leistung tatsächlich zu erbringen. Ich denke, dies traf mindestens in diesem Spiel auf den HSV zu. Die Mannschaft wollte, aber es fehlt(e) an Qualität.
Adler, auch wenn er ansonsten gut hält, immer wieder mit schlimmen Fehlern. Jansen und Badelj nur spielfähig aber nicht wirklich fit – das ist insbesondere bei Jansen, der sehr von seiner Physis, seiner Dynamik lebt, ein schweres Problem. Der für ihn eingewechselte Jiracek wirkte deutlich spritziger. Aber wenn man aus dem Rathaus kommt…
Arslan erneut, vor allem in der letzten halben Stunde, oft nur mit Alibi-Pässen oder schlampigen Zuspielen. Diekmeier mit überwiegend schlechten Flanken, die zudem keinen Abnehmer finden konnten, da auch falsch gelaufen wurde. Torgefahr entsteht im Grunde nur durch Calhanoglu. Das ist für jeden Gegner überaus leicht zu erkennen und daher zu wenig.
Nach dieser Niederlage muss man größte Zweifel haben, ob der HSV überhaupt den Notausgang Relegation erreicht. Nächste Woche dürfte es in dieser Verfassung für den FC Bayern auch in Hamburg ein Kinderspiel werden. Alles andere als die nächste, deutliche Niederlage wäre schon fast ein Wunder. So muss man hoffen, dass die Konkurrenz nicht schon nächste Woche vorbeizieht. Aber selbst wenn man dies dann am letzten Spieltag gegen Mainz 05 theoretisch noch korrigieren könnte – das, was der HSV derzeit abliefert, ist nicht erstligareif. Das ist die bittere Wahrheit. Natürlich hoffe (auch) ich bis zum Schluss, dass der Gang in die Zweitklassigkeit doch noch vermieden werden kann. Wenn der Abstiegsfall jedoch eintreten sollte, dann ist das objektiv gesehen ein Folge zahlreicher eigener schwerer Mängel und Versäumnisse. Zwar stehen die Spieler auf dem Feld, aber diese Mannschaft ist nur das vorläufige Endprodukt kapitaler Fehleinschätzungen, die zum Teil über viele, viele Jahre zurückreichen. So gesehen wäre ein Abstieg keine Überraschung, sondern die mehr als verdiente Quittung.

 

DAS RESTPROGRAMM

15. VfB Stuttgart (32 Pkt; -11):
VfL Wolfsburg (H)
Bayern München (A)

16. Hamburger Sportverein (27 Pkt; -20):
Bayern München (H)
1. FSV Mainz 05 (A)

17. 1.FC Nürnberg (26 Pkt; -28)
Hannover 96 (H)
FC Schalke 04 (A)

18. Eintracht Braunschweig (25 Pkt; -28):
FC Augsburg (H)
1899 Hoffenheim (A)

Ein Unentschieden, das mehr Fragen aufwirft als es beantwortet: HSV – SC Freiburg 1:1 (0:0)

Aufstellung: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Badelj, Jiracek (62. Tesche) – van der Vaart – Zoua, Lasogga

Schiedsrichter: Aytekin

Spielverlauf: Beide Mannschaften begannen die Partie verhalten. Beide überließen dem Gegner zunächst das Abwehrdrittel und begannen ihre Attacken auf den ballführenden Gegenspieler erst ca. 20 Meter vor der Mittellinie. Doch rasch wurde klar, dass die Gastgeber besser ins Spiel gefunden hatten. Bereits nach 15 Minuten betrug das Torschuss-Verhältnis 3:1 zugunsten der Hamburger. Jedes Mal auf Seiten des HSVs beteiligt: Pierre-Michel Lasogga. Leider verfehlten seine Kopfbälle knapp das gegnerische Gehäuse. In der 10. Minute „hämmerte“ er einen Freistoß auf das Tor der Gäste. Leider kam der Schuss ein wenig zu zentral auf das Tor und  so konnte der dieses Mal sehr sichere und souveräne Rückhalt der Gäste, Baumann, den Ball gerade noch zur Ecke klären.

Anders als von mir vermutet, zog sich der SC nicht in die Abwehr zurück, um von dort aus zu kontern, sondern er wurde mit zunehmender Spielzeit von den Hausherren immer weiter zurück gedrängt. Man merkte der Hamburger Mannschaft an, dass sie ihr Heim- und Überholspiel unbedingt gewinnen wollte. Es kam zu einer Reihe von Freistößen für den HSV aus dem Mittelfeld, die, allesamt von van der Vaart getreten, in den Strafraum der Freiburger segelten, meist jedoch leider völlig ungefährlich blieben. Gleiches galt auch für die Eckstöße, die ebenfalls kaum Gefahr erzeugten. Wenn man etwas an der ersten Halbzeit zu bemängeln hat, dann sind es die mangelhafte Chancenausnutzung aus Sicht der Heimmannschaft und die in der Regel torungefährlichen Standards. Allein Lasogga hätte bei optimaler Chancenausnutzung zwei bis drei Tore erzielen können. Ansonsten zeigte sich die gesamte Mannschaft sehr konzentriert und motiviert. Die Innenverteidigung stand sicher, Diekmeier kam, meist vom starken Arslan in Szene gesetzt, zu Flankenläufen. Sein Pendant Westermann agierte solide und ohne größere Stockfehler. Im Mittelfeld funktionierte die erstmalig aufgebotene Kette aus gleich drei Sechsern tadellos (4-3-1-2) und konnte die Angriffsbemühungen der Gäste oft schon im Keim ersticken. Vorne (und hinten) sicherte der fleißige Zoua viele Bälle, und Lasogga war von der Abwehr des Sporclubs kaum zu bändigen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hatte er eine weitere, großartige Chance zur Führung, aber sein Gewaltschuss konnte von Baumann mit Mühe pariert werden. Es blieb also bei einem torlosen Remis zur Pause.

Im Fußball muss nun einmal das Runde ins Eckige. Und so kam es nach der Pause, wie man es schon so oft gesehen hat: Eine dominierende Mannschaft vergibt eine Vielzahl an Chancen und befindet sich dennoch pötzlich im Rückstand. Was war geschehen? Der SC kam deutlich offensiver aus der Pause und agierte schneller und zielgerichteter in Richtung eines eigenen Torerfolgs. Vor allem die linke Hamburger Abwehrseite wurde nun gefordert, und so konnten sich die Gäste vor allem auf dieser Seite zu Beginn der zweiten Hälfte mehrfach ins letzte Drittel vorspielen. In der 50. Minute verlor die Hamburger Abwehr kurzfristig den Überblick. Klaus scheiterte noch am linken Pfosten, doch der Ball kam aus halblinker Position vor die Füße des heranstürmenden Daridas, der sofort abzog – schon zappelte der Ball neben dem kurzen Pfosten im Netz der konsternierten Gastgeber. 0:1 für den SC Freiburg. Das Spiel war buchstäblich auf den Kopf gestellt! Zum Glück verlor die Mannschaft des HSVs nun nicht den Kopf, sondern agierte weiter konzentriert und motiviert. So konnte – wer sonst?! – Lasogga schon in der 55. Spielminute ausgleichen. Zoua konnte einen Ball vor dem Strafraum der Gäste sichern und auf van der Vaart ablegen. Dessen Schuss wurde noch durch Freiburger Abwehrbeine geblockt und abgefälscht. Der Ball kam zu Lasogga, der aus halblinker Position innerhalb des Strafraumes einmal mehr nicht lange zögerte und flach abschloss. Dieses Mal wurde er belohnt: 1:1 – der überlebenswichtige Ausgleich.

In der Folge sah man ein ausgeglicheneres Spiel. Streichs Mannen jetzt immer wieder mit eigenen Offensiv-Aktionen (meist über die Außenbahnen), und der HSV bemüht, seinerseits das Siegtor zu erzielen.

In der 62. Minute änderte Slomka die taktische Marschroute und nahm den defensiveren Jiracek zugunsten des moderat offensiveren Tesche vom Feld. Der HSV agierte nun im 4-4-2. Tesche nahm zunächst die linke Halbposition ein (tauschte gegen Ende der Partie jedoch mit dem nun halbrechts spielenden Arslan die Seite), während van der Vaart die zentral-offensive Mittelfeldposition bezog. Der Wechsel belebte durchaus etwas die Angriffsbemühungen der Gastgeber, da sich Tesche nahtlos einfügte und einige gute Aktionen hatte. So kam er etwa in der 74. Minute im Fallen(!) noch zu einem sehenswerten Abschluss, den Baumann jedoch gleichfalls parieren konnte, da der Ball etwas zu sehr „auf den Mann“ kam.

In der 83. hatten dann die Gäste die letzte, wirklich torgefährliche Aktion: Ein strammer Schuss vom eingewechselten Schmid konnte von Adler nur mit äußerster Mühe schräg nach vorn halblinks in den eigenen Strafraum abgewehrt werden. Dort stand zum Glück für den HSV der eingerückte Westermann und konnte den Ball endgültig klären. Gerade in der Schlussphase missfiel mir erneut Djourou. Erst ließ er sich an der Außenlinie schlafmützig düpieren, später „prügelte“ er nur noch Bogenlampen aus dem Strafraum. Das hatte weder etwas mit konstruktivem Aufbauspiel noch mit klaren Befreiungsschlägen zu tun.

Ärgernisse:
1.) sowohl Arslan für den HSV (17.) als auch Klaus und Schmid (78.) auf Seiten der Freiburger zeigten, wie schnell Bundesligaspieler beim kleinsten Windhauch zu Boden gehen können, um Straf- oder Freistöße und Karten für den Gegner zu schinden. Für mich ein Ärgernis, das ich schon in meinem Spielbericht zum Spiel gegen den VfB hier thematisiert habe: https://viertermann.com/2014/03/23/in-die-falle-der-statik-getappt-und-verloren-vfb-stuttgart-hsv-10-00/
2.) mehrere ausgedehnte Behandlungspausen, zwei Tore und diverse Einwechselungen – da sind die vom Schiedsrichter Aytekin zugebilligten zwei Minuten Nachspielzeit einfach unangemessen und inakzeptabel.

Fazit: Freiburg gelingt,  was dem HSV gegen den VfB versagt blieb. Sie halten den unmittelbaren Konkurrenten auf Distanz und verhindern das Überholmanöver. Grundsätzlich erscheint der eine Punkt aus Sicht des Hamburger Sportvereins zu wenig. Vollkommen unverdient ist die Punkteteilung jedoch nicht.
Der HSV zeigte in dem ungewohnten 4-3-1-2 eine gute, konzentrierte und engagierte Leistung, muss sich jedoch den Vorwurf gefallen lassen, zu veschwenderisch mit seinen Chancen umgegangen zu sein. Ob sich der verpasste „Dreier“ in der Endabrechnung rächen, oder sich der eine Punkt noch als goldwert erweisen wird – wer weiß?!
Zoua mit Licht und Schatten: Einerseits enorm fleißig und wichtig beim Sichern vor allem von hohen und halbhohen Bällen. Andererseits wurden alle seine Flankenversuche mühelos geblockt. Auch strahlte er erneut keinerlei Torgefahr aus.  Man sah also, wie unglaublich wichtig ein gesunder Lasogga für die Mannschaft der Hamburger ist. Da ich davon ausgehe, dass Rudnevs nicht zurückkehrt, Lasogga den Verein am Ende der Saison verlassen wird, da er für den HSV unbezahlbar erscheint, stellt sich die Frage, wer zukünftig beim HSV im Sturm die Tore schießen soll? Zoua wird sich, so denke ich weiter entwickeln, aber ob er je ein Knipser wird, das muss ernsthaft bezweifelt werden.
Die Systemfrage wurde erfolgreich um eine weitere Variante erweitert. 4-4-2 (flach oder mit Raute), 4-4-1-1 oder 4-3-1-2? Ich habe den Eindruck, dass vor allem Zoua in der zu letzt genannten Variante besser zur Geltung kommt. Mit einem weiteren Stürmer an seiner Seite und van der Vaart dahinter – das sah nicht schlecht aus.
Mancienne erneut mit einer souveränen Vorstellung. Er konnte sogar gelegentlich offensiv Akzente setzen. In dieser Form niemals ein Verkaufskandidat. Stellt sich also auch hier die Frage, wie man mit dem Überangebot an Innenverteidigern umgehen will. Westermann macht seine Sache als Aushilfe als LV ordentlich, wird aber niemals ein zeitgemäßer Außenverteidiger. Zu hüftsteif und schwach im offensiven 1:1. Kehrt also Jansen zurück, und sollte „Cello“ dem Verein nach der Saison erhalten bleiben – wohin mit Heiko? Charakterlich tadellos, polyvalent einsetzbar, aber eben auch mit deutlichen Schwächen. Zudem (vermutlich) einer der Großverdiener.
Setzt man auf den jüngeren, wuchtigeren (leider derzeit schwer verletzten) Rajkovic? Trennt man sich vom bislang nicht restlos überzeugenden Djourou, oder wird gar Westermann zum Einsparungsopfer, sobald alle Mann wieder an Bord sind?  Last but not least: Gelingt Tesche etwa doch noch kurz vor Toreschluss der Durchbruch beim HSV? Fragen über Fragen.

Auch wenn die Enttäuschung aus Sicht eines Fans überwiegen mag, so meine ich, dass sich die Mannschaft unter Slomka stetig weiter entwickelt. Auch wenn die nun kommenden Gegner tabellarisch höher stehen, so sehe ich unverändert eine realistische Möglichkeit, nicht abzusteigen. Die (auf dem Papier) stärkeren Mannschaften werden tendenziell vermutlich mehr nach vorne spielen, was dem HSV zum einen die alleinige Last der Spielgestaltung abnehmen und zum anderen Räume eröffnen dürfte. Die Lage hat sich aus Sicht der Hamburger sicher nicht entspannt. Um so mehr gilt jetzt: Mund abputzen, weiter machen!