Lasogga

Der Dino ist noch einmal davongekommen: SpVgg Greuther Fürth – HSV 1:1 (0:1)

In der langen Geschichte des Hamburger Sportvereins lassen sich gewiss viele Spiele finden, die für den Verein von überragender Bedeutung waren. Finalspiele um die Deutsche Meisterschaft (als die Meisterschaft noch mit einem Finale entschieden wurde), Endspiele um den DFB-Pokal, den Europapokal der Pokalsieger, oder jene inzwischen legendäre Nacht von Athen, als Felix Magath den HSV bekanntlich auf den Olymp des europäischen Fußballs beförderte. Unvergessen. Doch (fast) immer ging es um Erfolge. Eine Niederlage wäre zwar enttäuschend gewesen, letztlich wäre aber bereits die Teilnahme an diesen Endspielen als Ausdruck einer erfolgreichen Saison bewertet worden. Nicht so am gestrigen frühen Abend. Eine Niederlage gestern, und der HSV wäre wohl mindestens für mehrere Jahre in den Niederungen der Zweitklassigkeit verschwunden.

Das torlose Unentschieden am Ende des ersten Relegationsspiels habe ich hier aus Sicht der Hamburger als durchaus glücklich und schmeichelhaft bezeichnet. Die Fürther hatten sich in dieser Partie dem HSV in praktisch allen Belangen überlegen gezeigt. Spielerisch, taktisch (kollektiv), läuferisch (Geschwindigkeit) und auch im Luftkampf, jedenfalls wenn dieser im Mittelfeld oder Offensivbereich geführt werden musste. HSV-Trainer Slomka zog aus all dem seine Schlüsse und schenkte der folgenden Aufstellung sein Vertrauen:

Drobny – Diekmeier, Djourou (30. Mancienne), Westermann, Jiracek – Calhanoglu, Arslan (64. Rincon), Badelj, Jansen – van der Vaart (75. Tesche) – Lasogga

Für die Nominierung Westermanns dürfte neben seiner stets vorbildlichen Einstellung allein die Tatsache gesprochen haben, dass Westermann im Offensivbereich ein klein wenig torgefährlicher als Mancienne einzuschätzen ist. Für Arslan und gegen Tesche dürfte gesprochen haben, dass Tolgay im läuferischen Bereich zu den sprintschnellsten Spielern im Hamburger Kader gehört. Jedenfalls ist dies meine Erklärung für diese Startelf.

Spielbericht: Bereits nach einer knappen Viertelstunde stellte ich einigermaßen erleichtert fest, dass der HSV in dieser alles entscheidenden Partie besser ins Spiel gefunden hatte, als noch in der ersten Begegnung beider Mannschaften. Den Fürthern fehlte jene bedingungslose Bissigkeit im Zweikampf, diese enorme Wucht des Offensivspiels, das sie noch wenige Tage zuvor auswärts ausgezeichnet hatte. Der HSV seinerseits stand zunächst sicher, d.h. kompakt und vermied jenes Kleinklein im Passspiel, was schon oft genug in dieser Saison zu Ballverlusten geführt hatte. Slomka sprach nach der Partie davon, dass seine Mannschaft vor dem Spiel den Auftrag erhalten habe, längere Bälle zu spielen. Längere Bälle – gemeint haben kann er nur, dass die Mannschaft klarere(sic!) Bälle spielen sollte, also einfacher statt umständlich, denn von einem Kick and Rush, so könnte man diese Vorgabe ja auch verstehen, war zum Glück nichts zu sehen.

Die erste wirklich nennenswerte Torchance gehörte dem HSV. Und genau genommen war es gleich eine Dreifachchance. In der 14. Spielminute setzte sich Lasogga an der rechten Angriffsseite der Hamburger im Strafraum der Fürther durch und legte zurück auf Calhanoglu. Hakan schoss sofort, traf aber nur den linken Außenpfosten. Der Ball sprang zu Jansen im linken Halbfeld des Fürther Strafraums, dessen Schuss durch ein Fürther Abwehrbein geblockt wurde. Dieser Abpraller flog aus dem Strafraum zu Arslan, dessen fulminanter Fernschuss zwar das Tor verfehlte, jedoch durch einen Abwehrspieler der Gastgeber zu einem Eckstoß für den HSV von dessen rechter Seite abgefälscht wurde. Van der Vaart, der gewöhnlich alle Ecken von dieser Seite ausführt, gelang eine gute Flanke. Lasogga konnte sich für einen Moment von seinem Gegenspieler in dessen Rücken absetzen. Der ohnehin im Vergleich zu Lasogga kleinere Fürstner sprang unter der Flanke hindurch. Lasogga hingegen traf den Ball mustergültig mit der Stirn. Sein Kopfball rauschte links oben in den Winkel. Für Hesl im Tor der Spielvereinigung blieb da keine Abwehrchance. Das 0:1 (14.) für den HSV war nicht nur für den weiteren Spielverlauf von Bedeutung, dürfte es doch zu einer gewissen Beruhigung der Nerven geführt haben. Noch viel wichtiger war, wie sich zeigen sollte, dass den Hamburgern damit ein Auswärtstor gelungen war. Somit stand schon früh fest, dass es weder eine Verlängerung noch ein Elfmeterschießen geben würde. Jedes Unentschieden, das war damit zementiert, hatte zur Folge, dass der Dino die Relegation schadlos überstehen würde. Dennoch wäre den Gastgebern beinahe postwendend der Ausgleich gelungen, aber ihr Fernschuss aus ca. 18 Metern verfehlte knapp links das erneut von Drobny tadellos gehütete Hamburger Gehäuse (15.). Es  blieb zunächst die einzige Torchancen für die Spielvereinigung.

Ab der 27. Spielminute folgten dann zunächst einige bange Minuten für die Hamburger. Djourou war bei einem Luftkampf mit einem Fürther unglücklich aber keineswegs spektakulär zu Boden gegangen und war plötzlich bewusstlos. Nach mehreren Minuten Behandlungspause wurde er mit Halsmanschette (vorsorglich) auf der Liege vom Platz getragen. Zum Glück stellte sich bei der nachfolgenden Untersuchung im Krankenhaus heraus, dass er „nur“ eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hatte. Slomka musste also auswechseln und brachte für den Verletzten Mancienne.

Nach drei Minuten Unterbrechung konnte das Spiel fortgesetzt werden (30.). Die nächste, klare Torchance gehörte erneut den Hamburgern. Jansen, der wieder die linke offensive Außenbahn beackerte, lief diagonal von links nach rechts in den Strafraum der Gäste und legte den Ball mit der Hacke zurück auf Lasogga. Hamburger Torjäger schoss sofort, aber Hesl war blitzschnell am Boden und konnte den Schuss parieren (35.).

In der 40. Minute dann das erste Lebenszeichen des im Hinspiel noch überragenden Fürther Angreifers, Azemi. Dessen Schuss aus halblinker Position und 10 Metern verfehlte aber knapp rechts das Hamburger Tor. Drobny musste nicht eingreifen. Fünf Minuten später zog der Fürther Weilandt aus 17 Metern und ebenfalls halblinker Position ab, aber auch dieses Mal verfehlte der Schuss knapp sein Ziel. Ansonsten war von der hochgelobten Fürther Offensive überraschend wenig zu sehen, was man getrost auch als Kompliment für die Leistung des Dinos in der ersten Spielhälfte werten darf.

Zur Halbzeit war (auch) ich durchaus erleichtert, zumal ich einen gänzlich anderen Spielverlauf befürchtet hatte. Der HSV stand bis zu diesem Zeitpunkt defensiv erfreulich stabil und war die bessere Mannschaft bis zur Pause gewesen.

Nach Wiederanpfiff wirkten die Gastgeber etwas zielstrebiger, dennoch gehörte auch die nächste, eindeutige Torchance dem HSV: In der 52. Minute flankte Calhanoglu in den Sechzehner der Gastgeber. Lasogga drückte den Kopfball lehrbuchreif mit der Stirn zu einem schwer zu haltenden Aufsetzer, aber Hesl parierte diesen Ball überragend. Was für eine Chance!

Die 58. Minute sah Arslan völlig frei halbrechts kurz vor dem gegnerischen Strafraum stehend. Doch leider traf er den Ball ganz schlecht und so verfehlte sein Schuss klar das Tor. Fast im Gegenzug fußballerisch für mich die schönste Szene: Fürths Stieber erhielt den Ball in halbrechter Position an der Grenze des Hamburger Strafraums und zog mit Ball parallel zur Strafraumgrenze ins Zentrum. Hamburgs Linksverteidiger, Jiracek,  ließ sich dadurch locken und lief ebenfalls parallel. Fürstner lief im Rücken der Hamburger Innenverteidigung  diagonal, und Stieber hatte dann keine Mühe, an Mancienne vorbei Fürstner in dem entstandenen Abwehrloch zu bedienen. Letzterer konnte dann mühelos aus 7 Metern den Ausgleich für die Spielvereinigung erzielen. Das 1:1 in der 59. Minute.

Und dann kam, was ich befürchtet hatte. Plötzlich schien es vorbei mit jeglicher Hamburger Souveränität. Das angesichts der bis dahin eher harmlosen Offensivbemühungen ihrer Mannschaft relativ ruhige Fürther Publikum erwachte, die gastgebende Mannschaft witterte Morgenluft, und der HSV begann plötzlich zunehmend defensiv zu schwimmen. Nur drei Minuten nach dem Ausgleich musste Drobny einen sehenswerten Fernschuss der Gastgeber parieren (62.). Zum Glück wirkten die Fürther zunächst nur spielbestimmender, konnten sich aber noch keine weiteren, eindeutigen Torchancen herausspielen. Dass sich aber das Nervenkostüm der Hamburger zunehmend verschlechterte, dies sah man u.a. an einem vom Mancienne völlig unnötig verursachten Eckstoß für die Gastgeber (78.),  der aber zum  Glück für den HSV keine Fürther Torchance zur Folge hatte.

Kurz vor Ende der regulären Spielzeit warfen dann die Gastgeber in dem verzweifelten Bemühen, doch noch den Siegtreffer zu erzielen, alles nach vorne. In der 87. Minute hatten sie diesen praktisch auf dem Fuße, doch der HSV hat in dieser Saison „den Papst in der Tasche“. Westermann verstolperte den Ball im eigenen Strafraum zum Fürther Azemi. Dieser wollte dieses Geschenk zu einem weiteren, zentral und völlig frei im Hamburger Strafraum stehenden Mitspieler spielen, schoss sich aber wohl den Ball gegen das eigene Standbein, sodass ein Hamburger den Ball annehmen und diese brandgefährliche Situation gerade noch klären konnte. Was diesen Lapsus von Azemi verursacht hat – ehrlich gesagt, ich konnte es gar nicht genau sehen, da ich kurzfristig einen „Herzanfall“ überstehen musste. Diese Schlussphase war der finale Horror für jeden, der es gut mit dem Dino meint.

In der 90. Minute flankte Stieber einen Freistoß für die Gastgeber in den Hamburger Strafraum. Sukalos Kopfball konnte der erneut sehr sicher und souverän wirkende Drobny mit den Fingerspitzen über die Querlatte lenken. Die Nachspielzeit dauerte aus Hamburger Sicht eine gefühlte Ewigkeit. Hier zeigte sich m.E. erneut, dass es einigen jüngeren Spielern schlicht an Erfahrung fehlt. So versuchte sich bspw. Calhanoglu an einem Heber über Hesl, anstatt mit Ball zur Eckfahne zu laufen, dort einen Frei- oder Eckstoß zu provozieren, bzw. um dort in jedem Fall „Zeit von der Uhr“ zu nehmen. Bei allem Lob für eine gute Rückrunde Hakans – man darf nicht übersehen, dass es nicht zuletzt auch derartige schwere taktische Fehler vor allem auch von Arslan und Calhanoglu waren, die den HSV die reguläre Saison mit einer desaströsen Bilanz von nur 27 Punkten abschließen ließen. Am Ende pflückte Drobny erneut ganz sicher eine Flanke der Gastgeber aus der Luft. Dann hatte Kircher ein Einsehen und pfiff die Begegnung ab.

Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg). Beruhigte die Gemüter angesichts der überragenden Bedeutung der Partie für beide Mannschaften. Souverän.

Fazit: Die Spielvereinigung Greuther Fürth war für mich in 120 von in der Addition gespielten 180 Minuten die bessere Mannschaft. Die Mannschaft hat, auch wenn sie kurz vor Schluss den Aufstieg verpasst hat, eine großartige Saison gespielt. Ein Kompliment an Trainer Frank Kramer und die ganze Fürther Truppe. Wenn man ihnen einen (kleinen) Vorwurf machen kann, dann den, dass sie im Hinspiel in Hamburg nicht mindestens einen Treffer erzielt haben, obwohl sie dort klar überlegen wirkten. So profitiert der HSV von der Auswärtstor-Regel und bleibt, obwohl ihm erneut kein Sieg gelang, der Dino der ersten Liga. Lasogga, dessen Verbleib beim HSV ich für sehr,  sehr unwahrscheinlich halte, geht somit in die Annalen des Vereins als der Retter ein.

Ein großes Kompliment erneut an Jaroslav Drobny. Seinerzeit als Stammtorhüter oft genug auch vom eigenen Anhang geschmäht, war er in beiden Relegationsspielen ein absolut souveräner Ruhepol und blieb fehlerfrei. In diesem Fall war es goldwert, dass sich der HSV den Luxus einer finanziell nicht günstigen 1b-Lösung auf der Bank gönnte.

Ein weiteres Kompliment möchte ich all den Spielern des Hamburger Sportvereins machen, die man bereits „aussortiert“ hatte, und mit denen der Verein z.T. haarsträubend umgesprungen ist. Gemeint sind: Rajkovic (Weiter gute Besserung, Boban!), Mancienne, aber auch Tesche. Sie, die (menschlich gesehen!) kaum einen Anlass hatten, sich für diesen Verein noch ins Zeug zu legen, waren da, als sie gebraucht wurden. Wer hier noch von charakterlosen Söldnern spricht oder schreibt, der sollte sich schämen.

Und natürlich gilt mein Dank auch den Spielern, z.B. Jansen, Rincon, Lasogga und van der Vaart, für die dieses Spiel möglicherweise der letzte Einsatz mit der Raute auf der Brust war.

Das größte Kompliment möchte ich aber dem Trainer,  Mirko Slomka, machen. Im Grunde erst geholt, als es schon fast zu spät war, mit einer Kaderzusammenstellung konfrontiert, für die andere vor ihm verantwortlich sind, und mit einer Mannschaft, die in allen Belangen, sowohl taktisch als auch konditionell, erhebliche Defizite aufwies. Er hat vieles, vieles richtig gemacht. Der abenteuerliche, peinliche Unsinn mit dem s.g. Geistheiler sei ihm verziehen.

„Was glaubst Du, wird der HSV den Abstieg noch vermeiden können?“, das ist wohl die Frage, die mir in den vergangenen Wochen am häufigsten gestellt wurde. Ich fand es regelmäßig problematisch, darauf zu antworten, da mir grundsätzlich die Kraft des positiven (und negativen) Denkens bewusst ist. Zudem waren die Leistungen der Mannschaft in den vergangenen Wochen alles andere als geeignet, um immer noch eine begründete, optimistische Prognose abzugeben. Optimismus braucht schließlich eine Grundlage, will man nicht als notorischer Schönredner missverstanden werden. Meine Antwort lautete daher: „wenn sie es doch noch schaffen sollten, dann hoffe ich darauf, dass der Abstieg wirklich erst in der Schlussphase des Rückspiels der Relegation vermieden wird! Denn dann, aber auch erst dann!, dürfte der eine oder andere rund um den Verein, der noch in einer Fantasiewelt lebt und die Realität beharrlich leugnet, vielleicht endlich, endlich begreifen, dass es so einfach nicht mehr weitergehen kann…“.  Nun, der Horror dieser Saison hat ein Ende und Teil eins meines Wunsches wurde erhört. Ob das jetzt tatsächlich dazu führt, dass ein Teil der Träumer erwacht, wage ich zu bezweifeln. Alle anderen aber, die nicht im Wolkenkuckucksheim leben, dürfte die Teilnahme des HSV an der Relegation und deren Verlauf noch einmal eindringlich vor Augen geführt haben, dass sich beim Dino Vieles verändern muss, andernfalls wäre das Aussterben des letzten seiner Art nur um ein Jahr aufgeschoben.

Der HSV muss, so denn die Verpflichtung von Lasogga scheitern sollte, dringend einen Ersatz finden. Rudnevs  kehrt bekanntlich zurück. Er, Zoua und Maggio werden es, sofern man denn überhaupt mit ihnen plant, offensiv nicht richten können. Bei Arslan muss jetzt dringend der nächste Schritt folgen. Stabilisiert er seine Leistung nicht im ersten Halbjahr der kommenden Saison, bzw. gewöhnt sich gewisse Mätzchen endgültig ab, dann muss in der kommenden Winterpause Klartext gesprochen werden… Überhaupt sollte man über beide Stammsechser, Badelj und Arslan,  gründlich nachdenken. Wenn Skejlbred ebenfalls zurückkehren sollte, dann sollte man m.E. mindestens ihm eine ernsthafte Chance im zentralen (defensiven) Mittelfeld einräumen, anstatt ihn auf der rechten offensiven Außenbahn verhungern zu lassen. Bei Hertha BSC hat er hinlänglich bewiesen, dass er dort spielen kann. Da alle personellen Überlegungen unter dem Vorbehalt ihrer finanziellen Realisierbarkeit stehen, sollte man vielleicht nicht so sehr in die Ferne schweifen. Gerade in derartigen Zeiten bräuchte man ansonsten ein gutes Scouting. Der HSV aber, dies war zuletzt mehrfach zu vernehmen, spart auch hier…

Ich meine, dass inzwischen unstrittig sein dürfte, dass die Gestaltung der Saisonvorbereitung (Sommer und Winter) keineswegs optimal verlaufen ist. Der HSV braucht eindeutig mehr Geschwindigkeit in seinem Spiel. Ich denke, man sollte unbedingt mindestens mittelfristig Slomka vertrauen und die (nicht nur aber auch) für die Grundlagenausdauer so eminent wichtige Sommervorbereitung durchziehen lassen. Die Mannschaft braucht nicht nur allem Anschein nach eine andere Vorbereitung und die ein oder andere personelle Veränderung, sondern sie braucht endlich einen Trainer, der ihr seine Handschrift und damit eine klare Spielidee über längere Zeit so vermitteln kann, dass sie absolut verinnerlicht und damit auch unter (Wettkampf-)Stress abrufbar bleibt. Der HSV 2013/14 spielte nicht Fisch, nicht Fleisch, also genau jene fatale, unsichere Mixtur, die diverse Trainer der letzten Jahre mit ihren jeweils höchst unterschiedlichen Vorstellungen hinterlassen haben.

Der Dino ist dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen. Viele, viele fatale, z.T. groteske Fehlentscheidungen der Verantwortlichen haben ihn mit mehr als einem Bein an den Rand des Aussterbens gebracht. Das ist vor allem vom HSV selbst verschuldet. Ich werde mich hier in den kommenden Tagen ausführlich mit alle jenen beschäftigen, die aus meiner Sicht den einstmals großen HSV an den Rand des Ruins abgewirtschaftet haben. Diese beschämende Spielzeit gemahnt den Hamburger Sportverein zu Demut und zu ernsthafter, schonungsloser Selbstkritik. Der HSV hat einmal mehr nur Glück, viel, viel Glück gehabt, dass der Dilettantismus auf allen Ebenen des Vereins nicht den im Grunde absolut verdienten Absturz in die Zweitklassigkeit zur Folge hatte. Die Wahrheit scheint mir: der Dino ist längst eine graue Maus, die zudem seit Monaten den Spielern keine Gehälter mehr hätte bezahlen können, hätte man nicht die Mittel der s.g. Campus-Anleihe im Grunde zweckentfremdet. Mit dem Klassenverbleib wurde das grundsätzliche Desaster dieser Saison lediglich in Grenzen gehalten. Doch davon mehr an einem anderen Tag.

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Verhaltene Freude und gedämpfter Optimismus: 1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV 3:2 (1:1)

Wöchentlich grüßt das Murmeltier. Der HSV spielt, der HSV verliert und profitiert am Ende dennoch, weil die Mitkonkurrenten ebenfalls verlieren. Selten habe ich nach einer Niederlage der Hamburger in derart viele entspannte Gesichter seiner Anhänger geschaut. Dafür dürfte es zwei Gründe gegeben haben:

1.) war zu diesem Zeitpunkt längst bekannt, dass der HSV die Relegationsspiele erreicht hatte,
2.) hat die Mannschaft über weite Strecken eine wirklich gute Leistung geboten.

Wäre jedoch einem der Konkurrenten aus Nürnberg oder Braunschweig ein Sieg gelungen, hätten sie den HSV doch noch vom vorerst rettenden 16. Platz verdrängen können, der Katzenjammer wäre nach dieser Leistung der Hamburger zurecht groß gewesen. Doch der Reihe nach.

HSV-Trainer Slomka vertraute in Mainz der folgenden Aufstellung:
Adler – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Jiracek – Rincon, Tesche (74. Arslan), Badelj, Calhanoglu – van der Vaart (83. Jansen)  – Lasogga (67. Ilicevic)

Diese Formation war im Grunde logisch und zu erwarten, dürfte sie doch zum jetzigen Zeitpunkt mit zum Besten gehören, was der HSV überhaupt aufbieten kann. Jiracek für Jansen, Westermann anstelle von Djourou – das sind Fragen, die man unter anderem unter dem Gesichtspunkt der Fitnesszustände betrachten kann. Wie überaus wichtig Lasogga für die Mannschaft der Hamburger ist, muss man nicht näher ausführen. Mit ihm gewinnt die Mannschaft, das zeigte sich gestern erneut, sofort eine ganz andere Qualität. Hinter dem für alle und jeden Offensichtlichen möchte ich aber erneut auf einen Spieler hinweisen, mit dem in Hamburg eigentlich niemand mehr gerechnet hat. Die Rede ist von Robert Tesche.

Tesche wurde einst auf Betreiben des damaligen Trainers, Bruno Labbadia, verpflichtet. Und im Grunde, daran dürfte Tesche ein gerütteltes Maß an Mitschuld tragen, hat kaum jemand verstanden, warum. Oft, viel zu oft klaffte bei ihm eine riesige Lücke zwischen teils überragenden Trainingsleistungen und, zumindest daran gemessen, enttäuschenden Darbietungen in den folgenden Spielen. Derzeit aber, das muss man nach der gestrigen Partie unterstreichen, darf sich der HSV glücklich schätzen, einen Tesche zu haben. Arslan oder Tesche – beide verfügen unbestreitbar über großes Talent. Der entscheidende Unterschied derzeit (sic!) ist für mich jedoch: Tesche spielt wie ein gestandener Bundesligaspieler, Arslan wie ein Talent.

Spielbericht: Hatte ich vor der Partie mit grundsätzlich offensiven Mainzern und einem HSV gerechnet, der vor allem um defensive Stabilität bemüht sein würde, so schien mindestens die erste Spielhälfte das Gegenteil zu belegen. Der HSV legte los wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Vom Anpfiff an wurde gerannt, gekämpft, und es wurden Torchancen erspielt. So verpasste der einschussbereite Rincon noch innerhalb der ersten Spielminute eine Flanke von Calhanoglu, weil der aufmerksame Mainzer Torwart, Karius, gerade noch die Hand dazwischen bekam. Überhaupt muss ich Rincon loben. Eigentlich kein Außenbahnspieler, weder offensiv noch defensiv, stellt er sich seit Wochen in den Dienst der Mannschaft und erledigt die ihm gestellte Aufgabe meist zuverlässig. Was ihn schon immer auszeichnete, sein unbändiger Kampfeswille, war auch gestern zu sehen. Er rannte vor allem in der ersten Halbzeit, als ginge es um sein Leben und schloss viele, viele Lücken. Einfach großartig. Auch ein Grund, warum die Mainzer zunächst kaum ins Spiel fanden. Der HSV knüpfte nahtlos an die über weite Strecken taktisch gute Leistung in der Vorwoche gegen die übermächtigen Bayern an. Man stand kompakt, die Abstände stimmten, und der ganzen Mannnschaft war anzumerken, dass sie tatsächlich begriffen hat, was die Stunde geschlagen hat.

Der HSV wäre nicht der HSV, jedenfalls nicht in dieser Saison, wenn er nicht immer mal wieder einen riesigen „Bock“ schießt. Es ist unfassbar! Da spielt mindestens in der ersten Halbzeit nur eine Mannschaft, nämlich die des Hamburger Sportvereins, und wer  geht in Führung? Der Gegner. Es segelte eine harmlose Flanke in den Hamburger Strafraum und Westermann, immerhin zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gehörend, will innerhalb des eigenen Fünfmeterraums, d.h. in unmittelbarer Nähe zum eigenen Tor!, den Ball mit der Brust zu Adler legen. Der Mainzer Soto ließ sich nicht lange bitten, spritzte dazwischen und hatte keine Mühe, den Ball im Hamburger Gehäuse unterzubringen. Das 1:0 (7.). Adler, Westermann, Jansen – dass der HSV in dieser Saison gegen den Abstieg spielt, ist auch darauf zurückzuführen, dass auch den namhaftesten Leistungsträgern regelmäßig schwere Patzer unterlaufen.

Zum Glück für den HSV verfügt er (noch) über Pierre-Michel Lasogga. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie der HSV in der nächsten Saison ohne ihn auskommen soll. Denn dass der Mann vom HSV nicht zu halten ist, davon muss man leider ausgehen. Aber noch spielt er ja für Hamburg. Der HSV ließ sich durch den Rückstand nicht beirren. Man stand weiter kompakt, antizipierte oder erkämpfte eine Vielzahl an Bällen, erzeugte oft Überzahl in Ballnähe und zeigte durchaus sehenswerte Spielzüge. Lasogga beschäftigte oft mehr als einen Mainzer,  ließ dennoch meist geschickt Bälle zum eigenen Mann prallen und sorgte so mit dafür, dass die Mittelfeldspieler, angetrieben vom überaus spielfreudigen van der Vaart, Raum und Zeit fanden, um geplante Spielzüge aufzuziehen. So wurden auch beide Außenverteidiger, Jiracek und Diekmeier, immer wieder ins eigene Spiel miteinbezogen, bzw. fanden den Weg an die gegnerische Grundlinie, um von dort Flanken in den Strafraum der Gastgeber zu schlagen. Einer dieser Spielzüge endete bei van der Vaart, der aus halblinker Position und etwas außerhalb des Mainzer Sechzehners stehend abzog. Der ansonsten gute Karius ließ den Ball nach vorne prallen. Lassoga bedankte sich und staubte  mit dem Kopf ab. Der bereits zu diesem Zeitpunkt hochverdiente Ausgleich zum 1:1 (12.).

Fortan spielte in der ersten Halbzeit nur noch der HSV. Von Mainz war offensiv praktisch nichts mehr zu sehen. Und damit komme ich zu meiner Bemerkung zurück, dass es schien, als habe mich die Hamburger Mannschaft Lügen strafen wollen. Denn tatsächlich waren die Hamburger sehr wohl, dass belegt das kompakte Mannschaftsverhalten, um defensive Stabilität bemüht. Die Vielzahl an Tormöglichkeiten, die man vor allem in der ersten Spielhälfte herausspielen konnte,  waren logische Folge eben dieser defensiven Kompaktheit. Ich schrieb es hier vor Wochen: wer defensiv kompakt bleibt, egal ob man das Spiel geschlossen nach vorne oder nach hinten verlagert, der verdichtet nicht nur die Räume für den Gegner, sondern der hat die kürzeren Wege zum Ball, die besseren Möglichkeiten, in Ballnähe eigene personelle Überzahl zu erzeugen, und damit auch die besseren Chancen, das Spielgerät zu erobern. Wer dann auch noch zusätzlich die Zuspielversuche des Gegners gut antizipiert, erwischt diesen oft in seiner Vorwärtsbewegung und damit eben auch in defensiver Unordnung. Die letztendliche Folge all dessen sind dann Möglichkeiten zum eigenen Torerfolg. Defensivspiel, das gilt heute mehr denn je, beginnt vorne. Hinter der ballorientierten aggressiven Spielweise des BvBs etwa liegt auch ein defensiver Grundgedanke: wer den Ball schnell zurückerobert, der verhindert eben nicht nur, dass der Gegner zu eigenen Chancen kommt, sondern der schafft sich gleichzeitig seine eigenen Möglichkeiten.

In der 22. Minute stand Tesche völlig frei, etwa 9 bis 10 Meter vor dem Mainzer Gehäuse.  Leider konnte er den den Flankenball nicht ausreichend mit der Stirn drücken. So setzte er den Kopfball leider knapp über das Tor. Nur zwei Minuten später hätte van der Vaart von der rechten Hamburger Angriffsseite mit seinem bekannt starken linken Fuß um ein Haar einen Eckstoß direkt ins Mainzer Tor gezirkelt. Leider stand am langen Pfosten ein Mainzer und konnte den Ball auf der Linie klären (24.). Nur eine Minute später warf Diekmeier einen langen Einwurf in den Strafraum der Mainzer. Tesche leitete den Ball per Kopf weiter zu van der Vaart, aber dessen Kopfball konnte Karius letztlich mühelos halten (25.). Wieder nur zwei Minuten später zirkelte erneut van der Vaart einen Freistoß mit Schnitt in Richtung Tor der Mainzer, aber wieder war es Karius, der in höchster Not vor dem  am langen Pfosten einschussbereiten Mancienne klären konnte (27.). In der 32. Minute flankte dann Jiracek von der linken Außenbahn. Lasogga kam aus ca. 6 Metern zum Kopfball, konnte aber ebenfalls den Ball nicht drücken und setzte ihn über das Tor. Auch die letzte nennenswerte Szene der ersten Halbzeit gehörte dem HSV: Tesche passte scharf von der rechten Seite in den Mainzer Strafraum, wo erneut Lasogga den Ball am langen Pfosten denkbar knapp verpasste (38.).

Wenn bei einem derartigen Spiel beim Spielstand von 1:1 nach dreißig Minuten bereits Gesänge der HSV-Fans angestimmt werden („Niemals zweite Liga! Niemals, niemals!“), dann zum einen, weil man die Spielstände der Konkurrenten kannte, zum anderen, weil wirklich für jeden Zuschauer erkennbar war, dass die gesamte Mannschaft der Hamburger ohne jeden Abstrich „wollte“. Ich jedenfalls war zur Halbzeit hochzufrieden, machte mir aber Sorgen, ob die Kräfte reichen würden. Denn man kennt das ja: eine Mannschaft macht das Spiel, vergibt Chance um Chance und am Ende triumphiert der Gegner. Und so kann man der Mannnschaft des HSVs nur einen Vorwurf machen: sie hätte zur Pause mindestens mit einem, wenn nicht gar mit zwei Toren führen müssen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte kamen zunächst die Mainzer wie ausgewechselt aus der Kabine. Kurz nach Wiederanpfiff zeigten sie ihren bis dahin schönsten Spielzug. Zum Glück für den HSV setzten sie den Abschluss aus ca. 20 Metern knapp neben das Hamburger Tor (47.). Kurz darauf zog der Mainzer Geis aus 22 Metern ab, aber Adler konnte den Ball über die Querlatte pfausten (49.). Nicht nur in dieser Drangperiode der Mainzer fand ich Mancienne sehr stark. Obwohl nicht sonderlich groß gewachsen, ist er defensiv im Kopfball kaum zu schlagen. Zudem antizipiert er oft sehr gut die gegnerischen Zuspiele und ist so meist einen Schritt früher als der jeweilige Stürmer am Ball. Dass man ihn (auch), wie geschehen, beim HSV vom Hof jagen wollte (oder will?) ist mir unverständlich.

Nach einer Viertelstunde bekam der HSV die Partie zunächst wieder in den Griff. So kam dieses Mal Calhanoglu völlig frei aus 6 Metern zum Kopfball. Hakan machte im Grunde fast alles richtig, denn er setzte den Kopfball erkennbar entgegengesetzt zur Laufrichtung des Torwartes. Leider verfehlte auch dieser Kopfball knapp das Tor (61.).

In der 65. Spielminute drehte sich der Südkoreaner Koo an der linken Seitenauslinie (aus Mainzer Sicht) um Rincon herum und konnte diesem enteilen. Hier mag eine Rolle gespielt haben, dass Rincon unbedingt eine gelbe Karte vermeiden wollte (oder sollte!), da er ansonsten für die Relegationsspiele gesperrt gewesen wäre. Jedenfalls passte Koo mustergültig zurück an die Strafraumgrenze der Hamburger, wo der starke Mainzer Malli frei stand. Dieser hatte keine Mühe, Adler zu überwinden. Sein Flachschuss rauschte neben dem kurzen Pfosten ins Hamburger Gehäuse zur Führung für die Gastgeber. Das 2:1.

Zwei Minuten später nahm Slomka Lasogga vom Feld, der ja bekanntermaßen wochenlang verletzt gewesen ist, und brachte Ilicevic. Man hatte also nun annäherend die Formation auf dem Feld, die gegen die Bayern gespielt hatte. Auf Hamburger Seite nahm jedoch die mannschaftliche Geschlossenheit nun zunehmend ab. Das mag zum einen an dem unglaublichen kämpferischen und läuferischen Aufwand gelegen haben, den die Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit betrieben hat, und der nun seinen Tribut forderte. Zum anderen spielte die Mannschaft zu viele ungenaue lange Bälle, die postwendend von den Mainzern abgefangen werden konnten. In Folge dessen eröffneten sich die bekannten Löcher zu den Offensivspielern, die bei nachlassenden Kräften nicht mehr schnell genug zurückkamen. Eine Minute später konnte Westermann in höchster Not den Torschuss eines Mainzers am Hamburger Fünfmeterraum gerade noch verhindern, indem er diesen am Rande des Erlaubten aus dem Tritt brachte (68.).

Das Spiel verlief nun eine Weile ohne weitere Höhepunkte. Der HSV war zunächst nicht mehr in der Lage, kontrollierte, planvolle Angriffszüge zu spielen. Zumal nun die Mainzer mit der eigenen Führung im Rücken kaum Räume für ein schnelles, vertikales Konterspiel des HSVs  über den eingewechselten Ilicevic anboten. Wer genau aufgepasst hat, der konnte erkennen, dass sich der für Tesche eingewechselte Arslan in einer Situation erneut wieder zu spät vom Ball getrennt hat. In der 83. Minute, auch das Folge des sich auflösenden Hamburger Mannschaftsverbundes, konnte Okazaki vom rechten Flügel ungestört mit Tempo auf die Hamburger Defensive zulaufen. Der Japaner hatte dabei den Vorteil, dass er agierte, während Mancienne nur (auf ihn) reagieren konnte. Gegen einen technisch starken Angreifer sieht fast jeder Verteidiger der Welt in solchen Situationen schlecht aus. Jiracek kam zu spät und so konnte der Mainzer Stürmer auch noch Adler ausgucken. Er lupfte den Ball an Adler vorbei zum vorentscheidenden 3:1 ins Netz der Gäste (82.).

Der Schlusspunkt der Partie, der allerdings nur noch für die Statistik von Belang ist, war dem HSV vorbehalten. Jiracek flankte von links außen. Ilicevic sprang der Ball an den Arm, was aber für das Schiedsrichtergespann aufgrund der Gesamtsituation kaum zu erkennen gewesen sein dürfte. Der Ball fiel jedenfalls vor Ivos Füße. Und so hatte er keine Mühe, ihn aus 6 Metern neben dem rechten Pfosten im Tor unterzubringen. Das 3:2.

Schiedsrichter: Kinhöfer leitete die Partie im Großen und Ganzen sicher. Grenzwertig war Westermanns Zweikampfverhalten im eigenen Strafraum (68.). Klar irregulär, jedoch aufgrund der Positionierung des Gespanns und der Spieler schwer zu erkennen, war der Anschlusstreffer der Hamburger.

Fazit: Die Mainzer freuten sich über den Einzug in  das internationale Geschäft (Glückwunsch!), müssen sich jedoch wohl um einen neuen Trainer kümmern, da Tuchel seinen Vertrag (bis 2015) in Mainz nicht mehr erfüllen möchte. Insofern dürfte dort die Freude getrübt sein. Der HSV verliert erneut, bleibt aber auf dem zunächst rettenden Platz 16, was allein schon für Erleichterung in Hamburg sorgt, auch wenn die ursprünglichen Zielsetzungen mehr als deutlich verfehlt wurden. Klassenziel war zuletzt nur noch die Vermeidung des Abstiegs. Wer während des Jahres zu oft ungenügende Leistungen bringt, der wird normalerweise nicht versetzt. Jämmerliche 27 Punkte als Saisonausbeute hätten normalerweise zwingend zum direkten Abstieg des Hamburger Sportvereins aus der ersten Liga führen müssen. Aber zum Glück für den HSV, anders kann man es in dieser Saison nicht bewerten, waren zwei Mannschaften noch schlechter als die Hamburger.
Unverständlich bleibt mir, dass eine Profimannschaft der Bundesliga erst unmittelbar kurz vor dem endgültigen Toreschluss zu begreifen scheint, dass man auf dem Spielfeld jederzeit als Mannschaft agieren muss. Dazu gehört, dass jeder einzelne Spieler, gerade wenn kein dominanter Taktgeber im Mittelfeld vorhanden ist, fortwährend die Abstände überprüft und ggf. zur kollektiven Ordnung beiträgt.
HSV-Trainer Slomka ist nicht zu beneiden. Ohne den Wandstürmer Lasogga fehlt es, jedenfalls wenn man nicht kontern kann, vorne an Durchschlagskraft. Dazu gesellen sich unverändert regelmäßig schwerste Aussetzer der Spieler, die der Mannschaft eigentlich ein stabiles Gerüst verleihen müssten. Geradezu grotesk wirkt, dass mit Mancienne (und zuvor Rajkovic) und Tesche ausgerechnet Spieler den Karren mit aus dem Dreck ziehen sollen, mit denen man als Verein zuvor auf beschämende Weise umgesprungen ist.
Im Hinblick auf die nun folgenden Relegationsspiele weckt vor allem die Rückkehr von Lasogga Hoffnungen. Aber die letzten beiden Spiele der Hamburger haben auch gezeigt, dass nicht nur die Moral der Mannschaft absolut intakt erscheint, sondern dass sie grundsätzlich endlich auch um die absolut unverzichtbare Kompaktheit bemüht ist. Während ich diese Zeilen schreibe, steht der Gegner noch nicht fest. Eins scheint mir aber sicher: Bringt die Mannschaft in beiden Spielen nicht eine ähnliche Leistung wie zuletzt, so könnte es sowohl gegen Fürth als auch gegen Paderborn doch noch ein böses Erwachen geben. Schützenhilfe durch die Konkurrenz gibt es ab sofort bekanntlich nicht mehr.
Es überwiegt also auch bei mir nach dieser Niederlage verhaltene Freude, dass der direkte Abstieg vermieden werden konnte, auch wenn die krassen individuellen Fehler, mit denen man sich regelmäßig um den Lohn bringt, ein stetes Ärgernis bleiben. Und ich sehe den beiden kommenden Endspielen mit gedämpftem Optimismus entgegen. Der HSV muss nicht, der HSV darf dank äußerst günstiger Umstände nachsitzen. Es liegt allein an ihm, ob er diese letzte Chance nutzen kann.

Nachtrag: Der 1. FC Köln und der SC Paderborn 07 steigen in die Erste Bundesliga auf. Herzlichen Glückwunsch! Gegner des Hamburger Sportvereins in der Relegation ist somit die SpVgg Greuther Fürth.