Stieber

Eine zu erwartende Niederlage des HSV, die zu neuen und alten Erkenntnissen führt.

Das musste ja so kommen. Kaum zeigt die Mannschaft des HSV in Berlin unter Zinnbauer zum ersten Mal eine tatsächlich schwache Leistung, schon wird vieles, was gestern noch mehrheitlich positiv notiert wurde, in Frage gestellt.

Zur sportlichen Lage und seinen Einflussmöglichkeiten als Trainer befragt, rechnete Zinnbauer neulich auf einer PK vor, dass er grundsätzlich in jeder Trainingswoche an zwei Tagen kaum inhaltlich didaktisch mit seiner Mannschaft arbeiten kann, da dann regenerative (Auslaufen) oder motivationale (Abschlusstraining) Aspekte im Vordergrund stünden. Dazu gesellte sich die Länderspielpause mit der zwangsläufigen Abwesenheit von Stammpersonal (Djourou, Behrami), oder eben eine englische Woche wie diese, in der es im Pokal gegen die Bayern ging. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass der Großteil der Mannschaft die Saisonvorbereitung noch unter seinem Vorgänger, Mirko Slomka, absolvierte und zudem beachtet, dass wichtige Spieler erst nach Saisonbeginn (Holtby) oder aber verletzt verpflichtet wurden (Müller), bzw. wochenlang verletzt ausfielen (Lasogga, van der Vaart), dann erklären sich für mich zum Teil die bisher schwankenden Leistungen der Mannschaft.

Wer aus einem einzigen, unbestreitbar schwachen Spiel des HSV gegen Hertha ableiten will, dies sei eben typisch für die Selbstzufriedenheit der HSV-Profis, der verirrt sich in meinen Augen im metaphysischen Humbug. Zinnbauer steht tatsächlich vor der Aufgabe, eine Vielzahl neuer Spieler  im laufenden Betrieb in eine Mannschaft zu integrieren, der die desaströse vorherige Saison unverändert in Köpfen und Gliedern steckt.

Zu einem Problem für Zinnbauer entwickelt sich aus meiner Sicht van der Vaart. Einerseits, da bin ich ganz beim Trainer, kann ein fitter van der Vaart immer noch ganz wichtig für diese Mannschaft sein. Andererseits, dies fiel mir nicht erst beim Gastspiel in Berlin auf, wirkt die Mannschaft mit ihm derzeit deutlich weniger kompakt und griffig in den Zweikämpfen. Lasogga und er laufen zwar die gegnerischen Torhüter oder Innenverteidiger an, jedoch wirkt es, als wolle man sich allein auf die Lenkung des gegnerischen Spielaufbaus beschränken. Ein kollektives, entschlossenes Gegenpressing, wie es der HSV ohne van der Vaart beispielsweise auswärts beim überraschenden Sieg gegen den BvB bereits zeigte, findet dann kaum noch statt. Wenn man aber offensiv-dominant zu spielen versucht, wenn man so hoch aufrückt, wie es der HSV gegen Hoffenheim und auch gegen die Hertha praktizierte, dann muss man m.E. entweder konsequent geschlossen bei Ballverlust ins Gegenpressing gehen, oder man muss läuferisch in der Lage sein, mehrheitlich schnell genug hinter den Ball zu kommen. Beides scheint mir mit einem van der Vaart in der zuletzt gezeigten Verfassung nicht zu funktionieren.

Um nicht missverstanden zu werden: es geht mir hier nicht darum, van der Vaart als Sündenbock auszugucken, denn der war bekanntlich verletzt. Es geht mir vielmehr um die Frage, wie mit dieser Personalie zu verfahren ist, solange van der Vaart nur dem Namen nach als eine Verstärkung erscheint. Um darauf eine klare Antwort zu liefern: ich, der ich das zum Glück nicht entscheiden muss!, würde ihn derzeit nicht mehr von Anfang an bringen. Ich würde es lieber sehen, wenn Zinnbauer ihn über Kurzeinsätze an die Mannschaft wieder heranführen würde.

Aus meiner Sicht war die Aufgabenstellung für das gestrige Pokalspiel gegen den Rivalen aus dem Süden klar: sich mit Anstand aus der Affäre ziehen, um nicht mit der Hypothek einer desaströsen Niederlage vor eigenem Publikum in die nächsten, gewiss nicht einfachen Wochen gehen zu können. Denn erst die nächsten Wochen werden aus meiner Sicht unzweifelhaft zeigen, ob es sich bei dem Auftritt gegen die Hertha um einen negativen Ausrutscher handelte, bzw. ob notfalls im Winter personell nachgerüstet werden muss.

Der Wettbewerb um den DFB-Pokal bezieht seinen Reiz auch aus dem Aufeinandertreffen von Favoriten und Außenseitern. Da bekanntlich ein einziges Spiel entscheidet, kommt es dabei immer wieder zu Überraschungen. Dennoch hoffte ich vor dem Spiel, dass Zinnbauer dem angeschlagenen Behrami eine Pause gönnen würde, auch wenn sich dadurch das ohnehin ungleiche Kräfteverhältnis unzweifelhaft noch weiter zugunsten der Bayern verschieben sollte. Der Schweizer erscheint mir schon jetzt derart unverzichtbar, dass ich ungern das Risiko eines längeren Ausfalls für die Liga in Kauf genommen hätte.  Am Ende bleibt die Bundesliga das Kerngeschäft.

Zinnbauer verzichtete tatsächlich gänzlich auf Behrami und vertraute zu Spielbeginn der folgenden Aufstellung:
Drobny – Götz, Djourou (69. van der Vaart), Westermann, Ostrzolek – Arslan (61. Kacar), Jiracek (18. Steinmann), N.Müller, Holtby, Stieber – Lasogga

Das Spiel:  Gelegentlich habe ich beim Betrachten der Spiele des HSV das Gefühl, ich sei im falschen Film. Wenn der Gegner nicht die Tore schießt, dann sorgt man selbst durch krasse individuelle Fehler dafür, dass man in Rückstand gerät. Die ohnehin auf dem Papier geschwächte Hamburger Elf (ohne Behrami und mit dem unerfahrenen Götz für Diekmeier) begann das Spiel sowohl läuferisch als auch kämpferisch durchaus engagiert, doch leider wurde die ohnehin kleine Chance auf ein Weiterkommen bereits in der 7. Spielminute praktisch zerstört. Die Bayern spielten einen Ball entlang der rechten Außenlinie. Westermann trabte zunächst gemächlich dem Ball Richtung Eckfahne hinterher, bis er plötzlich bemerkte, dass Thomas Müller ebenfalls dem Spielgerät hinterhersetzte. Unerwartet von Müller unter Druck gesetzt, wollte Westermann zu Drobny passen, traf aber den Ball derart schlecht, dass er zur unfreiwilligen Vorlage für Müller mutierte. Müller passte zu Lewandowski, dessen ersten Torschuss Djourou noch mit letztem Einsatz auf der Linie klären konnte. Gegen den Nachschuss des polnischen Ausnahmestürmers war dann aber keine Rettungstat mehr möglich. Derart früh 0:1 hinten gegen die Bayern mit einer Mannschaft, deren größtes Schwäche bislang in der mangelnden Durchschlagskraft im Offensivspiel zu sehen ist – es ist zum Haare raufen!

In der 18. Minute musste Zinnbauer dann auch noch den durchaus erfahrenen, jedoch kurz zuvor verletzten Behrami-Ersatz, Jiracek, vom Feld nehmen (Gute Besserung!), den ich gerne einmal länger im defensiven Mittelfeld gesehen hätte. Bemerkenswerterweise wählte Zinnbauer als Ersatz des Ersatzes nicht die vermeintlich sicherere Option Kacar, sondern warf mit Steinmann einen weiteren Nachwuchsspieler ins eiskalte Wasser gegen den Branchenprimus. Um dies vorwegzunehmen: Steinmann lieferte wie Götz eine respektable Leistung. Beide benötigen jedoch verständlicherweise weitere Wettkampferfahrung, um sich an das ungleich höhere Niveau anzupassen. Da auch in Bestbesetzung alles andere als ein Ausscheiden gegen die Bayern eine faustdicke Überraschung gewesen wäre, fand ich es gut, dass sich Zinnbauer für diese mutige Lösung entschied. Training bleibt Training, egal wie wettkampfnah es gestaltet wird. Insofern glaube ich, dass beide Spieler gestern wichtige Erfahrungen sammeln konnten, die sich hoffentlich bei ihrer weiteren Entwicklung auszahlen werden.

In der 21. Minute passte Lewandowski vermeintlich direkt auf Thomas Müller, der dann keine Mühe hatte, den Ball im Tor des HSV unterzubringen. Zum Glück für die Hamburger funktionierte hier die Zusammenarbeit im Schiedsrichtergespann. Denn der Ball war, was im ersten Moment durchaus schwer zu erkennen war, zuvor noch einmal durch Alaba berührt worden, was dann zur Abseitsstellung Müllers führte. Der Treffer fand daher richtigerweise keine Anerkennung.

Die Bayern dominierten wie erwartet das Spiel. Der HSV bot  jedoch m.E. ohne van der Vaart (s.o.) läuferisch, kämpferisch und taktisch eine grundsätzlich ordentliche Leistung, die Mehmet Scholl später in der Halbzeitanalyse der ARD zurecht lobte. Dies belegt auch die Tatsache, dass Drobny erst in der 43. Minute die nächste Großchance vereiteln musste, einen Schuss von Lahm aus kürzester Distanz.

Leider war die ansonsten großartig spielenden Nummer eins im Tor des HSV nur eine Minute später nicht ganz schuldlos am vorentscheidenden 0:2. Der flatternde Fernschuss Alabas aus 25 Metern erschien mir nicht gänzlich unhaltbar (44.).

In den ersten Minuten nach der Halbzeitpause entwickelte sich ein ähnliches Spiel. Die Bayern waren weiter eindeutig spielbestimmend, der HSV ließ aber weniger zu, als ich befürchtet hatte. Dass für den HSV nach vorne wenig ging, fand ich angesichts der Ausgangskonstellation nicht überraschend. So dauerte es bis zur 55. Minute, in welcher Ribery einmal mehr von der linken Außenbahn in Höhe Strafraumgrenze nach innen zog. Sein Torschuss wurde unglücklicherweise von Djourou abgefälscht, sodass Drobny keine Abwehrchance blieb. Mit dem 0:3 war das Spiel endgültig entschieden.

Bayern-Trainer Guardiola nutzte nun den Spielstand, um Leistungsträger zu schonen, bzw. Spielern wie Hjöbjerg und Rode noch zu einigen Einsatzminuten zu verhelfen. Auch Zinnbauer wechselte mit Blick auf die in der Liga wartenden, schweren Aufgaben. So kam Kacar zunächst für Arslan als zweiter Sechser neben Steinmann. Später rückte Kacar in die Innenverteidigung neben Westermann, denn Zinnbauer brachte van der Vaart ins Spiel, was zur Folge hatte, dass Holtby von der zentral offensiven Position  nach hinten, neben Steinmann rückte.

Die Wechsel waren meiner Meinung nach aus Sicht beider Trainer vollkommen nachvollziehbar. Eine grundlegende Wende war nicht mehr zu erwarten. Zinnbauer konnte sich so einen Eindruck von Kacar unter Wettkampfbedingungen auf gleich zwei Positionen verschaffen. Und zu van der Vaart habe ich ja bereits weiter oben Stellung genommen.

Warum man auf den Niederländer keineswegs vollkommen verzichten kann, zeigte er kurz vor Schluss der Partie. In der 86. Minute erlief er zunächst einen Ball rechts  im Strafraum der Bayern, den er dann wunderbar genau und gefühlvoll an den langen Pfosten lupfte, wo Lasogga dann nur noch zum 1:3 einnicken musste.

Nicht verschweigen will ich, dass sich den Gästen aus Bayern nach dem 0:3 zahlreiche Großchancen boten (58. T. Müller; 73. Ribery; 88. Ribery ; 91. T. Müller), die Drobny großartig vereitelte.

Schiedsrichter: Fritz (Korb). Sehr gute Kommunikation innerhalb des Gespanns, die in der 21. Minute erst die korrekte Entscheidung auf abseits beim vermeintlichen 0:2 durch Müller ermöglichte.

Fazit: Der HSV unterliegt dem FC Bayern mit 1:3 (0:2). Der Endstand ist nach dem Spielverlauf zwar als ein schmeichelhaftes Resultat für den HSV zu bewerten, dies finde ich jedoch nicht beunruhigend. Der FCB kann und darf derzeit nicht der Maßstab für den HSV sein.

Erfreulich finde ich die Reaktion der Mannschaft auf die größtenteils schwache Leistung gegen Hertha. Dass man sich dem übermächtigen Gegner keineswegs kampflos ergeben wollte, war durchaus zu erkennen.

Aus meiner Sicht hat Zinnbauer alles richtig gemacht. Im Hinblick auf die kommenden, ungleich wichtiger erscheinenden Liga-Spiele dürfte Behrami zurückkehren. Ob auf der linken offensiven Außenbahn Stieber oder Jansen aufläuft, dies dürfte nicht nur von Trainingseindrücken, sondern auch von der Frage der jeweiligen Gegenspieler abhängen. Auch die Rückkehr Diekmeiers ist zu erwarten und wird von mir als Verstärkung bewertet. Das ist aber nicht als Vorwurf gegen Götz gemeint. Beide Talente, Götz und Steinmann, haben sich für weitere Bewährungsproben empfehlen können, aber man sollte sie m.E. weiterhin behutsam aufbauen.

Sorgen bereitet unverändert die mangelnde Durchschlagskraft im Offensivspiel. Warum Rudnevs derzeit gar keine Rolle mehr spielt, vermag ich aus der Distanz nicht zu beurteilen. Ich würde mich nicht wundern, wenn die sportliche Leitung in der Wintertransferperiode nachzubessern versucht. Vergessen sollten wir jedoch nicht, dass zur Rückrunde hoffentlich mit Maxi Beister ein weiterer, schneller und beweglicher Offensivspieler zurückkehrt, der seine Torgefährlichkeit bereits nachgewiesen hat.

Trotz verpasstem Heimsieg überwiegt das Positive: Hamburger SV – TSG Hoffenheim 1:1 (1:1)

Vor dem Spiel wurde in den einschlägigen Hamburger „Qualitäts“-Gazetten ausführlichst die Frage behandelt, ob van der Vaart im offensiven Zentrum zum Einsatz kommen würde. Bemerkenswert dabei fand ich, dass auch im Hamburger Abendblatt, das gerade noch von einem direkten Ausscheidungskampf zwischen Holtby und van der Vaart um die Position in der Zentrale fabulierte, nun relativ unvermittelt auf der linken offensiven Außenbahn von einer Besetzung entweder mit Jansen oder Holtby die Rede war. Immerhin basierte diese neue Annahme im Gegensatz zu dem hier jüngst kritisierten Artikel auf den Eindrücken vom Training in dieser Woche. Und sie erwies sich für dieses eine Spiel tatsächlich als richtig.

Holtby ersetzte also Jansen. Ansonsten vertraute Joe Zinnbauer derselben Aufstellung, die gegen den BvB erfolgreich gewesen ist:  Drobny – Diekmeier (30. Götz), Djourou, Westermann, Ostrzolek – Arslan (79. Stieber), Behrami, N. Müller, van der Vaart (66. Jansen), Holtby – Lasogga

Das Spiel: Der HSV begann das Spiel gewohnt offensiv und hatte, da vermehrt im Ballbesitz, ein optisches Übergewicht. Man war erkennbar darum bemüht, durch schnelle vertikale Pässe vor allem auf van der Vaart oder Lasogga Torchancen herauszuarbeiten. Dabei wurde die Mehrzahl der eigenen Angriffe über den eigenen rechten Flügel entwickelt. Dies lag nicht nur an der  personellen Besetzung durch den schnellen Diekmeier und den trickreichen Nicolai Müller, sondern auch daran, dass man offenbar gezielt versuchte, diese Seite personell zu überladen. Van der Vaart bot sich immer wieder im rechten Halbraum an, und auch Tolgay Arslan und Behrami halfen immer wieder dabei, dort personelle Überzahl herzustellen. Zudem drängte Holtby von seiner linken Außenbahn in die Mitte. Daraus resultierte eine gewisse Rechtslastigkeit. Ostrzolek fehlte es auf der gegenüberliegenden Seite manchmal am nötigen Durchsetzungsvermögen, was aber m.E. z.T. auch auf einen Mangel an Unterstützung zurückzuführen ist.

Die TSG stand defensiv sehr stabil und beschränkte sich zunächst auf ein Mittelfeldpressing. Wenn sie einmal den Ball eroberten, dann konnte man sehen, warum die Mannschaft von Markus Gisdol inzwischen gelobt wird. Mit wenigen, schnellen Kombinationen wurde auf Offensive umgeschaltet und die eigenen Angriffe zielstrebig vorgetragen. In der 15. Minute konnte Holtby zentral vor dem gegnerischen Strafraum den Ball nicht behaupten. Ein vertikaler Pass genau in die Schnittstelle der beiden Hamburger Innenverteidiger erreichte Modeste, der dabei das Glück hatte, dass ihm der Ball vom eigenen Knöchel maßgenau in den Lauf fiel. Drobny, der aus seinem Tor herausgeeilt war, um ggf. den Steilpass abzufangen, hatte keine Chance an den Ball zu kommen. So hatte der Hoffenheimer Angreifer im Grunde alle Optionen: Drobny erst umkurven, sofort flach abschließen oder lupfen. Modeste entschied sich für den Beinschuss, was Drobny in dieser Szene zweifellos schlecht aussehen ließ. Ursächlich für den Führungstreffer der Gäste ist jedoch der Ballverlust Holtbys, sowie der Zufall, der bei der Ballannahme des Torschützen Regie führte.

Nur eine Minute später konnte man fast eine Kopie der Szene bestaunen, die zur Hoffenheimer Führung geführt hatte. Erneut verlor Holtby den Ball, erneut erreichte der Pass Modeste in aussichtsreicher Position, nur hatte dieser dieses Mal eben kein Glück.

Der HSV wurde mit seinen Aktionen erst in der 22. Minute wirklich torgefährlich. Erneut war es Müller, der mit einer spektakulären Einzelleistung die halbe gegnerische Defensive schwindelig spielte, sodass van der Vaart zum Abschluss kam. Leider erwies sich Baumann im Tor der TSG als sicherer Rückhalt seiner Mannschaft und konnte diesen Schuss, sowie einen Schuss Müllers nur eine Minute später, erfolgreich parieren.

Diekmeier, der bereits in den ersten Minuten nach einem Foul angeschlagen wirkte, musste bereits in der 30. Minute vom Feld. Zinnbauer blieb seiner Linie, vermehrt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, treu und  brachte den jungen Ashton Götz, der seine Sache ordentlich machte.

Mir fehlte in der ersten halben Stunde ein wenig die letzte Entschlossenheit des HSV beim Gegenpressing. Bei van der Vaart meinte ich die Folgen seiner Verletzungspause zu sehen, und Lasogga fand zunächst gar nicht statt.

Einmal mehr war es Nicolai Müller, der durch eine starke Balleroberung gegen Firmino die Wende herbeiführte. Der Ball kam zu Arslan, dem endlich einmal ein Vertikalpass in die Spitze glückte. Lasogga lief noch einige Meter und vollstreckte dann ruhig und platziert ins kurze Eck. Der Ausgleich zum 1:1 in der 34. Minute.

In der 43. Minute verpasste Westermann mit einem Kopfball nach Ecke durch van der Vaart denkbar knapp den Führungstreffer für den HSV, was sich beinahe noch vor der Halbzeitpause gerächt hätte. Der Hoffenheimer El Younoussi stand nach einer erneuten Unachtsamkeit der Hamburger sieben, acht Meter frei vor Drobny, aber Hamburgs Torhüter parierte den Torschuss großartig. Meiner Meinung nach entsprach das Unentschieden den bis dahin gezeigten Leistungen beider Mannschaften. Allerdings wirkten auf mich die Hoffenheimer etwas reifer in ihrer Spielanlage.

Im zweiten Spielabschnitt gingen die Hamburger erkennbar mehr Risiko und drängten nun deutlich stärker auf den Führungstreffer. Beide Außenverteidiger schoben sehr weit nach vorne ins Mittelfeld, und die beiden Innenverteidiger standen situativ ebenfalls innerhalb der gegnerischen Hälfte. Da man nun auch im Gegenpressing noch entschlossener agierte, konnte man die Hoffenheimer zum einen tief in deren eigene Hälfte zurück drängen, zum anderen konnte man verloren gegangene Bälle meist schnell zurückerobern, d.h. die gefährlichen Konter der Gäste bereits im Ansatz unterbinden. Vor allem der gefährliche Firmino wurde mannorientiert meist erfolgreich bekämpft. Seine beste Chance und zugleich wohl die eindeutigste für die TSG während der zweiten Halbzeit hatte er in der 55. Minute, als er mit einem Schuss aus 17 Metern am linken (Innen-)Pfosten scheiterte. Zum Glück für den HSV prallte der Ball vom Pfosten nicht ins Tor, sondern diagonal durch den Strafraum, ohne dass ein Hoffenheimer zum Nachschuss kam.

Aus Sicht des HSV war offensiv die eklatante Leistungssteigerung Lasoggas vor allem in der zweiten Halbzeit bemerkenswert.  Aber entweder parierte Baumann im Tor der Gäste (64.), sein sehr gut geschossener Freistoß verfehlte denkbar knapp das gegnerische Gehäuse (66.), oder sein ebenfalls sehenswerter Torschuss traf nur den Querbalken des Tores (79.). Aber auch der eingewechselte Stieber hatte in der 83. Minute aus 15 Metern zentral vor dem Tor eine große Chance, die aber ebenfalls Baumann vereitelte.

Der Schlusspunkt in Sachen Torchancen war wiederum den Gästen vorbehalten, aber El Younoussi verpasste den aufgrund der zweiten Halbzeit dann doch unverdienten Siegtreffer für die TSG (85.).

Schiedsrichter: Sippel (München). Außer einem Freistoßpfiff gegen Holtby nach glasklarer „Schwalbe“ eines Hoffenheimers, der aber folgenlos blieb, sind mir keine klaren Fehlentscheidungen aufgefallen. Ist mir aufgrund seines Auftretens, seiner Körpersprache nicht sympathisch. Das ist aber mein Problem.

Fazit: Am Ende steht ein leistungsgerechtes Unentschieden gegen grundsätzlich starke Hoffenheimer. Mit etwas mehr Glück hätte der  HSV allerdings auch gewinnen können und dies wäre dann aufgrund der deutlichen Leistungssteigerung im zweiten Durchgang auch nicht unverdient gewesen. Auch wenn es der HSV erneut verpasst, nach einem gewonnenen Spiel mit einem Dreier nachzulegen, sieht man m.M.n., dass sich die Mannschaft unter Zinnbauer auf einem guten Weg befindet. In der letzten Saison wäre dieses Spiel nach dem frühen Rückstand höchstwahrscheinlich sang und klanglos verloren worden.

Nach der heutigen Leistung Holtbys auf der linken Außenbahn bezweifle ich sehr, dass dies eine Dauerlösung werden wird. Zumal dort mit Jansen, Stieber und bald wohl auch Ilicevic diverse Alternativen zur Verfügung stehen. Jansen, das sollte man nicht vergessen, kam vor dem Spiel gegen Dortmund aus einer mehrwöchigen Verletzungspause und ist ohnehin ein Spieler, der sehr stark über seine Physis (Fitness) kommt. Ich gehe daher davon aus, dass Zinnbauers Verzicht auf Jansen in der Startformation aus Gründen der Belastungssteuerung erfolgte.

Hervorheben möchte ich heute die Leistung Tolgay Arslans, dem nicht nur ein Assist gelang, der aber auch ansonsten überzeugend spielte. Djourou spielte neben einem sehr soliden Westermann ebenfalls eine starke Partie. Müller zeigte in mehreren Szenen, warum er eine klare Verstärkung der Mannschaft ist, auch wenn ihm nicht alles gelang.

Die Hamburger Mannschaft ist weiter in einem Findungsprozess, scheint sich aber Schritt für Schritt von den Schatten der desaströsen letzten Saison zu befreien. Zu kritisieren ist, dass die Mannschaft nach dem Rückstand kurzzeitig den Faden verlor. Positiv aber bleibt festzuhalten, dass man sich nicht nur erfolgreich in die Partie zurückkämpfte, sondern am Ende mit Macht auf den Siegtreffer drängte. Das tatsächliche Leistungsvermögen dieser Mannschaft wird man m.E. erst im Laufe der Rückrunde sehen. Erfreulich einmal mehr, dass das Publikum des HSV dies wohl mehrheitlich begriffen hat. Dies schließe ich u.a. aus dem anerkennenden Applaus nach Spielende. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf das nächste Wochenende und den Auftritt des HSV hier in Berlin gegen die Hertha.