Tesche

Heute Heilsbringer beim HSV, gestern als angeblich bundesligauntauglich aussortiert…

Das ging ja wieder schnell: Gestern Rajkovic, heute Mancienne (und morgen Tesche?) – aussortiert, verfemt und als angeblich bundesligauntauglich längst abgeschrieben, sind sie plötzlich unverzichtbar. Vom kommenden (Super-)Star zum Aussetzigen und retour. Dazu gesellen sich u.a. Rudnevs, Skjelbred und Berg – in Hamburg durchgefallen, fanden sie allem Anschein nach andernorts ihr Glück. Man könnte es sich einfach machen und mit der Behauptung, so sei eben Fußball, manchmal passe es und manchmal eben nicht, den Artikel sogleich beenden. Ich glaube dennoch, dass es lohnen könnte, sich mit einigen grundsätzlichen Fragen zu beschäftigen.

Betrachten wir zunächst die s.g. Chelsea-Boys (Mancienne, Rajkovic, Bruma, Töre). Ich behaupte, dass diese in Hamburg zunächst unter zwei Nachteilen zu leiden hatten:

1. Sie waren jung, kamen aus einer fremden Liga, hatten dort teilweise überwiegend im Nachwuchs gespielt, d.h. wenig PL-Erfahrung auf höchstem Niveau gesammelt und kannten den speziellen Stil der (Ersten) Bundesliga nicht;

2. Als angebliche Belege für fehlgeschlagene Arnesens Tranfers wurden sie in Hamburg von interessierter Seite dazu benutzt, um die Demission des damaligen Sportdirektors zu betreiben, bzw. nachträglich zu rechtfertigen.

Göhan Töre wurde nach nur einer Saison noch unter Frank Arnesen mit Gewinn an Rubin Kasan  abgegeben und ist derzeit bei Besiktas Istanbul unter Vertrag. Der hochveranlagte Bruma wechselte vor dieser Saison in die Ehrendivisie zum PSV Eindhoven zurück. Bleiben also noch Michael Mancienne und der leider unlängst schwer verletzte Rajkovic. Ist man in Hamburg nunmehr gewillt, beiden Spielern Bundesligatauglichkeit zu bescheinigen, so kann man kaum umhin kommen, in diesem Zusammenhang Arnesen eine Trefferquote von drei aus ursprünglich vieren zu attestieren. Nicht schlecht, wenn man in Rechnung stellt, dass jeder Transfer gewisse Unwägbarkeiten beinhaltet und man gerade bei jungen Spielern stets damit rechnen muss, dass nicht jedes Nachwuchstalent auch im Seniorenbereich die Erwartungen einlöst. Eigentlich sollte man das beim HSV längst wissen. Copado, Wuttke und Schatzschneider, um nur einige Fälle zu nennen, lassen grüßen.

Aus meinem ersten Punkt wäre abzuleiten gewesen, dass man von Seiten des Vereins Geduld und grundsätzliches Verständnis hätte aufbringen müssen. Aber Rajkovic wurde, nachdem er sich eine Rangelei beim Training mit dem Südkoreaner Son geliefert hatte, als alleiniger Sündenbock ausgeguckt, während Werbeträger Son, der „Transmissionsriemen“ [Anm: Insider-Scherz] des HSV zum asiatischen Markt…, unverständlicherweise straffrei ausging. Damit soll das Vergehen Rajkovic keineswegs nachträglich entschuldigt werden, jedoch mit Nachdruck nochmals auf eine in der Sache nicht nachvollziehbare Ungleichbehandlung hingewiesen werden. Es folgte, was zwar nicht zwingend aber aus Sicht des Spielers doch durchaus verständlich war: Rajkovic ging in einem törichten Interview seinen damaligen Trainer Fink frontal an, womit er endgültig sein Schicksal in Hamburg besigelt zu haben schien. Slobodan, der Prügler des Sunnboys und Medienlieblings Son, ohnehin gehandicapt als Transfer des angeblich unfähigen Arnesen und dann noch den Vorgesetzten öffentlich angehen – zwischenzeitlich gewann man aufgrund der Berichterstattung den Eindruck, ein talentfreier,  charakterloser Schwerstkrimineller stünde am Pranger. Da half dem Spieler auch nicht, dass er nach einiger Zeit sein Fehlverhalten einsah, sich öffentlich entschuldigte und nachdrücklich Besserung gelobte. Der Verein, als Arbeitgeber moralisch in einer Fürsorgepflicht und aus Eigennutz ansich mit dem Interesse, Marktwerte der Spieler zu erhalten, bzw. wenn möglich deutlich zu steigern, erklärte Rajkovic mit einer ganze Reihe anderer, gleichfalls aussortierter Spieler zur Persona non grata.

Mancienne, der den urprünglich höher eingeschätzten Bruma als Innenverteidiger ausgestochen hatte und bis zu einer schweren Verletzung Bänderverletzung im Sprunggelenk, die ihn zu rund zwei Monaten Pause zwang, ordentlich gespielt hatte, fand sich nach seiner Rückkehr überraschenderweise ebenfalls im Kreis derjenigen wieder, die der Verein in Person des neuen Sportdirektors Kreuzer mit Macht vom Hof jagen wollte. Es verging praktisch keine Woche, ohne dass Kreuzer via Boulevard trompetete, dass es für keinen der Aussortierten jemals mehr ein Zurück ins HSV-Trikot geben würde. Fairerweise sei zu Kreuzers Gunsten allerdings angeführt, dass die finanzielle Lage des Vereins zu der Vorgabe des Vorstandes führte, den Personaletat deutlich zu senken. Eine Vorgabe, die er bisher übrigens klar verfehlt haben dürfte, obwohl ihm, im Gegensatz zu Arnesen, angeblich ein Millionenbetrag zur Verfügung gestellt wurde, der abwanderungswilligen Spielern den Ausstieg aus ihren Verträgen schmackhaft machen sollte.

Rudnevs, trotz ätzender Fehlurteile des Boulevards, mit 12 Toren in seiner ersten Saison durchaus als Stürmer in Hamburg erfolgreich, wurde dem Vernehmen nach zu lächerlichen Konditionen an 96 abgeben, wo er prompt das Vertrauen erneut mit Toren zurückzahlte; Berg, einer seiner Vorgänger, in Hamburg nie wirklich angekommen und akzeptiert, wechselte nach Griechenland zu Panathinaikos Athen und steht in der laufenden Saison bei 13 Toren und 7 Vorlagen. Und schließlich Skjelbred, ein weiterer Beleg für die angebliche Unfähigkeit Arnesens: Er ist inzwischen bei Hertha BSC unumstritten und außerordentlich beliebt. Er darf dort aber aus der Zentrale, wo eindeutig seine Stärken liegen, das Spiel lenken, anstatt als Notnagel nur sporadisch auf den Halbpositionen oder der für ihn noch ungeeigneteren Außenbahn zu verhungern.

Auf der Gegenseite zu den zuvor Genannten stehen Namen wie Rost, Mathijsen, Jarolim aber auch Trochowski. Spieler, die einmal in Hamburg etabliert und mit den üblichen Claqueuren des Boulevards verbandelt, unter Artenschutz standen. Um nicht falsch verstanden zu werden: alle diese Spieler haben unbestreitbare Qualitäten und Verdienste. Ihre jahrelange Unumstrittenheit ist zunächst daher vollkommen verständlich. Dennoch, so meine ich, hätte man viel früher beim HSV realisieren müssen, dass sich der Fußball mindestens in der Budesliga speziell in den letzten Jahren stark verändert hat. Kennzeichnend scheint mir hier die stetige Beschleunigung der Spielgeschwindigkeit, das inzwischen oft zitierte vertikale Spiel, Häufigkeit und Bedeutung des (Offensiv-)Pressings und damit auch die wachsende Bedeutung der Rolle von Torhütern und Verteidigern in Sachen Spielaufbau. Ich behaupte also: Hätte der HSV kontinuierlich einen qualifizierten Sportdirektor beschäftigt, statt sich den prinzipiell unverzeihlichen Fehler zu erlauben, diese Position im Grunde zwei Jahre unbesetzt zu lassen, dann wären zwei Grundfehler unwahrscheinlicher geworden: Man hätte durch das überlange Festhalten an etablierten Platzhirschen nicht den Anschluss auch an das Spiel ansich verloren, und man hätte geduldiger und verständiger den Neuaufbau der Mannschaft betreiben können. Das hätte helfen können, Geld zu sparen. Vor allem wäre aber mancher heftiger Kollateralschaden, auch menschlich, vermeidbar gewesen.

Beim HSV addieren sich, so sehe ich es jedenfalls, Fehler und Versäumnisse. Für den sportlichen wie finanziellen Niedergang des Dinos ist nicht einer allein (auch kein Kreuzer), sondern sind viele verantwortlich  (Ich klammere das sattsam bekannte Ärgernis namens AR hier aus Zeitgründen bewusst aus): ich beginne mit einem Vorstandsvorsitzenden Jarchow, der, offenbar unfähig die sportliche Entwicklung der Mannschaft angemessen zu bewerten, bis in den Spätherbst an seinem zu Saisonbeginn fabulierten sechsten Platz als zu erreichendes sportliches Ziel festhält und damit schon gleich zu Beginn die Zündschnur für die Entlassung Finks legte. Denn den erheblichen öffentlichen Druck, der dann kurz darauf eilfertig als Begründung für die Trennung von Fink herhalten musste, den hat Jarchow durch seine irrlichternden Fehleinschätzungen („auf Augenhöhe mit Schalke“) maßgeblich selbst befördert. Es geht weiter über die Auswirkungen eines jahrelangen konzeptionellen Planungs- und Entwicklungsstaus (Fehlender Sportdirektor) und die vereinspolitischen Intrigen gegen Arnesen. Es folgte die Bestellung eines neuen Sportdirektors, der mindestens zu Beginn seiner Tätigkeit in Hamburg vollkommen überfordert wirkte und der Einsparungsvorgaben offenbar fast um jeden Preis exekutieren sollte. Und es wird flankiert von der gewohnt unsachkundigen, fast allein auf reißerische Sensationsmache ausgelegten Berichterstattung, die selbstverständlich die öffentliche Meinungsbildung und damit auch die Erwartungshaltung des Publikums beeinflusst und von der sich der Verein beinahe traditionell treiben lässt. Und natürlich nicht zu vergessen ist, dass eine Vielzahl von unterschiedlichen Trainern mit unterschiedlichsten Personalwünschen und Systemvorstellungen eine klare Spielanlage bis ins Groteske, fast vollkommen Unkenntliche verwässert hatten.

Aus den neuesten Wendungen, aus den angesprochenen veränderten Leistungsbildern sollte der Verein, sollten aber auch seine Anhänger u.a. lernen, dass Spieler und Trainer ein geeignetes Umfeld brauchen. Dazu gehört in meinen Augen grundsätzlich ein leistungsförderndes, statt leistungshemmendes Arbeitsklima. Dazu gehört, dass man eine zum Personal passende Spielidee entwickelt, bzw.  geeignete Spieler für die eigene Spielidee verpflichtet. Stürmer wie Rudnevs und Berg etwas hätte man mit Anspielen in die Gasse oder in einem auf Konter basierenden Stil durchaus gebrauchen können. Ein Skjelbred ist nicht am Mysterium Hamburg oder mangelhaftem Talent sondern daran „gescheitert“, dass man ihn falsch eingesetzt hat. Und Rajkovic, Mancienne, Zoua aber auch aktuell van der Vaart gemahnen, die Dinge im Zusammenhang zu sehen, nicht vorschnell zu personalisieren und/oder zu urteilen. Wer den Neuaufbau will, wer notorisch nach Talenten fragt, der muss auch bereit sein, die nötige Geduld zu investieren. Der muss verstehen, dass Talent Voraussetzung ist, aber keine Garantie (für den Durchbruch) bietet. Der muss die damit also einhergehende Unwägbarkeiten mit ins Kalkül ziehen.

Wenn wir diese Saison noch etwas Gutes abgewinnen können wollen, dann müssen die Beteiligten, allen voran Jarchow und Kreuzer, endlich die überfälligen Lehren für die Zukunft ziehen. Mit einem glaubwürdig kommunizierten sportlichen Konzept ließe sich m.E. sehr wohl die Bereitschaft des Publikums fördern, einen Weg über mehrere Jahre gemeinsam mit dem Verein zu gehen und eigene Ansprüche auf ein gesundes Maß zurückzuschrauben. Gleichzeitig gewänne der Verein etwas, was bekanntlich in der Liga äußerst knapp bemessen scheint und im Umgang mit Talenten dennoch unverzichtbar bleibt: Zeit.

Erfolgreich überholt: Hamburger SV – 1.FC Nürnberg 2:1 (0:0)

Aufstellung: Adler – Westermann, Mancienne, Djourou, Diekmeier – Arslan (88. Rincon), Badelj  Ilicevic (85. Jiracek), Calhanoglu – van der Vaart (82. Tesche) – Zoua

Schiedsrichter: Fritz

Vorbemerkung: Der HSV begann in der von mir erwarteten Aufstellung. Kapitän van der Vaart kehrte in die Startaufstellung zurück, Calhanoglu rutsche auf die rechte Außenbahn und Rincon blieb zunächst auf der Bank. Van der Vaart agierte die meiste Zeit als hängende Spitze, sodass der HSV gegen den Ball mit einem 4-4-1-1 agierte. Einem Interview mit dem Trainer unter der Woche entnahm ich unlängst, dass Slomka Raphael offenbar ähnlich einschätzt wie ich. So hatte ich ja mehrfach bestritten, dass der Niederländer ein klassischer Spielmacher ist und zugleich darauf hingewiesen, dass die Bindung zwischen Defensive und Offensive dringend verbessert werden müsse. Mit anderen Worten: van der Vaart sollte sich in meinen Augen auf seine Stärken, unmittelbare Torschuss-Vorlagen, eigener Abschluss sowie die Standards, konzentrieren können, anstatt sich die Bälle von zu weit hinten holen zu müssen. Slomka sagte nun sinngemäß, dass die Sechser zukünftig ihre Räume im Mittelfeld besser halten sollten, also sich nur ausnahmsweise die Bälle zwischen den Innenverteidigern abholen sollten, da er beiden Innenverteidigern den Spielaufbau durchaus zutraue. Durch die dadurch höher agierenden Sechser sei es auch weitestgehend unnötig, dass van der Vaart zu weit zurückkomme, was fast zwangsläufig auch zu einer besseren Bindung zwischen Raphael und dem jeweiligen Stürmer führe, bzw. van der Vaart in eine Position brächte (vorderstes Drittel), in der seine Stärken besser zur Geltung kämen. Man darf das wohl getrost als Abgesang auf den abkippenden Sechser Fink’scher Prägung verstehen. Den wird es unter Slomka wohl nur noch ausnahmsweise zu sehen geben.

Spielverlauf: Der HSV begann von Anfang an couragiert und schien nahtlos an die zweite Hälfte des Frankfurt-Spiels anknüpfen zu wollen. Auffällig zunächst beide Außen. Sowohl Calhanoglu als auch Ilicevic zeigten sich sehr unternehmungslustig. Aber auch der (nicht nur von mir) oft kritisch beäugte Arslan wusste zu gefallen. Er eroberte enorm viele Bälle und konnte durch seine Ballsicherheit oft jene Bindung (s.o.) herstellen, an der es in der Vergangenheit allzu oft gemangelt hatte.
Nürnberg war stets brandgefährlich. So traf Feulner etwa in der 24. Minute den Außenpfosten und es gab mehrere Momente, in denen die Hamburger nur mit Glück und Geschick einen Gegentreffer vermeiden konnten. Ingesamt entwickelte sich ein sehr unterhaltsames Spiel, in welchem beide Mannschaften erkennbar darum bemüht waren, Fußball zu spielen und Tore zu schießen – ohne dabei den Kampf zu vernachlässigen.
In der 20. Minute hätte der HSV nach einer Ringkampfeinlage im Strafraum der Nürnberger einen Strafstoß zugesprochen bekommen können. Aber entweder sah Schiedsrichter Fritz Westermann zu sehr selbst beteiligt, oder ihm ist die ganze Aktion entgangen. Glück für Nürnberg.
Spätestens nach ca. dreißig Minuten sprag der berühmte Funke von der Mannschaft auf das Publikum endgültig über und es gab Szenenapplaus. Der HSV störte immer wieder erfolgreich bereits den Spielaufbau der Gäste durch die lauffreudigen Zoua und van der Vaart. Zoua war es dann vorbehalten, mit einem Treffer an den Außenpfosten (Vorarbeit Ilicevic) den Schlussakkord aus hamburger Sicht für die erste Halbzeit zu setzen. Überhaupt muss ich Zoua loben. Sicher fehlt ihm noch die Torgefährlichkeit eines Lasoggas, aber was der Junge im Dienst der Mannschaft ackert, wie viele hohe Bälle er sichern konnte – auch das muss mal gewürdigt werden! Zur Halbzeit gab es verdienten Applaus des Publikums für beide Mannschaften. Ein torloses Unentschieden der eindeutig besseren Sorte.

Die zweite Hälfte sah dann über weite Strecken einen überlegenen HSV, der sich folgerichtig eine Vielzahl an Chancen erspielen konnte. Meist parierte der glänzend aufgelegte Nürnberger Torhüter Schäfer, oder es stand jemand anderes im Weg. So konnte Pinola in der 70. Minute einen Kopfball von Zoua gerade noch von der Linie köpfen. Schade, Jacques, Du hättest einen Treffer verdient gehabt.
In der 80. Minute wurden die permanenten Hamburger Angriffsbemühungen endlich belohnt. Calhanoglu zog aus halblinker Position kurz vor dem Strafraum ab und hatte das Glück, dass sein Ball von einem Nürnberger Bein noch leicht abgefälscht wurde. Die daraus resultierende Bogenlampe senkte sich hinter dem chancenlosen Schäfer unhaltbar ins Netz des Gästetores. 1:0 für den HSV, endlich! Kurz darauf wurde gewechselt. Tesche wurde, wie von mir ebenfalls erwartet, belohnt und kam für van der Vaart. Der gerade eingewechselte Jiracek wollte vom linken Flügel den in der Mitte lauernden Zoua bedienen. Der Ball kam aber etwas zu nah vor das Tor der Gäste, wo er vom Nürnberger Frantz bei einem missglückten Rettungsversuch in bester Torjägermanier im eigenen Tor versenkt wurde. 2:0 in der 86. Spielminute und offiziell nur noch 4 Minuten auf der Uhr, da konnte doch fast nichts mehr schief gehen, oder? Weit gefehlt! Der ansonsten tadellos spielende Djourou vertändelte hoch in der eigenen Hälfte stehend leichtfertig den Ball gegen gleich zwei Nürnberger. Resultat: Unordnung in der Hamburger Rückwärtsbewegung und der Anschlusstreffer durch den ansonsten durch die HSV-Defensive fast vollständig abgemeldeten Drmic zum 2:1 in der 90. Minute. In den vom Schiedsrichter verhängten drei Minuten Nachspielzeit musste daher aus Hamburger Sicht vollkommen unnötig gezittert werden. Und beinahe wäre den Gästen tatsächlich in der 94.(!) Minute der Ausgleich gelungen. Aber der sichere Adler konnte einen wirklich gut über die Hamburger Mauer gehobenen Freistoß gerade noch aus dem Torwinkel kratzen. So blieb es dann doch beim 2:1-Erfolg für den Hamburger Sportverein.

Fazit: Der Mannschaft des HSVs kam entgegen, dass auch die Nürnberger stets schwungvoll nach vorn und Fußball spielen wollten, anstatt sich auf destruktive Spielzerstörung zu beschränken. In Anbetracht der zweiten Hälfte ist der Sieg des HSVs verdient, wäre jedoch um ein Haar noch verschenkt worden.

Slomka hatte im Vorfeld der Partie von einem Überholspiel gesprochen. Und endlich einmal konnte die Hamburger Mannschaft eine tabellarische Möglichkeit nutzen. So zog man für ’s Erste in der Tabelle an Nürnberg und Stuttgart vorbei und kletterte auf den 14. Platz. Mit nunmehr 23 Punkten kommt sogar die Eintracht aus Frankfurt (26 Punkte) wieder in Reichweite. Spielerisch wie taktisch ist der Aufwärtstrend der Hamburger Mannschaft unter Slomka unübersehbar. Auch individuell wirken die Spieler sicherer. Verdienter Lohn sind nun sieben Punkte aus vier Spielen. Der gesamten Mannschaft darf man zu dieser Leistung gratulieren. Mich persönlich freut besonders, dass auch die in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu schlecht weggekommenen Mancienne, Jiracek, Tesche und Zoua ihren Anteil an diesem Sieg hatten. Etwas schade, dass Djourous ansonsten wirklich gute Leistung durch seinen Leichtsinnsfehler überschattet wurde. Aber auch seine Leistungssteigerung ist grundsätzlich unübersehbar. Nun gilt es, in der nächsten Partie gegen den VfB nach Möglichkeit nachzulegen. Dort ist ja inzwischen der auch in Hamburg bestens bekannte „Knurrer aus Kerkrade“ Trainer geworden. Gegen Disziplinfanatiker Stevens und seine Stuttgarter wird es vermutlich wieder ein ganz harter Gang. Die grundsätzliche Entwicklung aus Hamburger Sicht gibt allerdings allen Anlass zur Zuversicht, auch wenn sicher weitere Möglichkeiten zur Leistungsverbesserung vorhanden sind.

Und zu guter letzt: Das gerade zu Hause oft zurückhaltende oder gar nörgelnde Hamburger Publikum hat die Mannschaft während der gesamten Partie wirklich großartig unterstützt. So stell‘ ich mir das vor! Es wäre schön, wenn dies so bliebe.