Monat: März 2014

Einen Punkt gewonnen: FC St. Pauli – FC Ingolstadt 0:0 (0:0)

Aufstellung: Tschauer – Ziereis, Mohr, Gonther, Schachten – Bartels (77. Verhoek), Trybull, Halstenberg, Maier (68. Kringe) –  Nöthe, Gregoritsch (46. Buchtmann)

Schiedsrichter: B. Steinhaus

In einem aus Hamburger Sicht eher enttäuschend geführten Spiel verpasst Pauli die Chance, in der Tabelle auf einen Aufstiegsplatz zu klettern. Ingolstadt war über die gesamte Distanz das bessere Team, konnte jedoch seine Überlegenheit nicht in Tore und damit in einen möglichen „Dreier“  ummünzen.
Paulis Trainer, Roland Vrabec, reagierte mehrfach durch Auswechselungen und Umstellungen auf den Spielverlauf. So mangelte es den Boys in Brown in dieser Partie an der nötigen Präzision im Passspiel. Immer wieder gingen die Bälle viel zu schnell verloren, bzw. fehlte der vorletzte oder letzte Pass. Auch körperlich, vor allem bei hohen Bällen, war gegen die Ingolstädter oft kein Kraut gewachsen. Zur Pause erfolgte daher mit der Herausnahme der zweiten Spitze Gregoritsch und der Hereinnahme des spielstarken Buchtmanns die Umstellung vom 4-4-2 auf ein 4-2-3-1. Gegen den Ball arbeitete man zeitweilig auch mit einem 4-3-1-2, ohne dass diese Umstellungen zu der gewünschten Leistungssteigerung führten. Auch der Wechsel von Jugend (Maier) zu Routine (Kringe) führte nicht zu deutlich mehr Sicherheit oder Genauigkeit. In der 77. Spielminute musste Vrabec dann verletzungsbedingt Bartels vom Feld nehmen (Frissur der Kniescheibe; voraussichtlich 3 Wochen Pause), der als einziger auf mich den Eindruck machte, er könnte vielleicht an diesem Tag eine zündende Idee entwickeln. Die daraus resultierende erneute Umstellung auf einen Zwei-Mann-Sturm blieb ebenfalls wirkungslos. Am Ende stand ein aus Sicht Paulis eher schmeichelhaftes 0:0. Allerdings hätte man sich über eine Heim-Niederlage gegen die überraschend souverän agierenden Ingolstädter auch nicht beklagen dürfen, denn die hatten eindeutig die klareren Torchancen und zeigten die reifere Spielanlage.

Fazit: Paulis relativ junge Mannschaft kann in dieser Saison weiterhin, muss aber nicht aufsteigen. Daher ist der verpasste „Dreier“ gegen die Gäste kein Beinbruch. Es gab Zeiten, da hätte man ein solches Spiel wohl verloren. So gesehen ist der eine Punkt ein Erfolg für Trainer und Team. Mit dem Millerntor-Roar im Rücken lange Bälle nach vorne schlagen und hoffen, dass man den Ball irgendwie reinwürgt, reicht, auch wenn das oft genug gelingt, auf Dauer nicht, um Ambitionen auf Höheres anmelden zu können. Entscheidend bleibt aber die Gesamtentwicklung der Mannschaft. Und die ist aus meiner Sicht positiv zu bewerten.
Interessant wird nun sein, ob und wie die Mannschaft den Ausfall ihres Aktivpostens, Bartels, in den kommenden Partien kompensieren kann.
Wenig überrraschend und einmal mehr großartig war das Publikum am Millerntor. Gunesch, immerhin mehr als acht Jahre in Diensten des FC St. Paulis und nunmehr unter Vertrag in Ingolstadt, durfte zwar für die Gäste nicht auflaufen, wurde aber vor der Partie durch Paulis Fans gefeiert. Bei der Verkündung der Gästeaufstellung ertönte nach jedem Vornamen ein lautstarkes „Guneeeesch“. Es bleibt also bis auf weiteres dabei: erstligareif bei Pauli ist (aktuell) fast nur das Publikum. Aber Pfiffe gegen die eigene Mannschaft, wie sie z.T. nach Abpfiff zu hören waren, sollte man sich schnellstens wieder abgewöhnen.

In die Falle getappt und verloren: VfB Stuttgart – HSV 1:0 (0:0)

Aufstellung: Adler – Westermann, Mancienne, Djourou, Diekmeier – Arslan (86. Rincon), Badelj (80. Tesche),  Ilicevic, Calhanoglu – van der Vaart (58. Jiracek) – Zoua

Besondere Vorkommnisse: gelb-rot für Calhanoglu

Schiedsrichter: Brych

Spielverlauf: Einen interessanten taktischen Schachzug galt es zu Beginn zu notieren. Der  schnelle, wendige und trickreiche Traoré spielte nicht, wie ich im Vorbericht vermutet hatte, auf der linken sondern auf der rechten Stuttgarter Mittelfeldseite. Links spielten stattdessen Konstantin Rausch und der Japaner Sakai. Wie sich rasch zeigen sollte, konnte dieses Gespann Hamburgs rechte Seite, vor allem den schnellen Diekmeier, meistens gut kontrollieren. Diekmeier, gegen Nürnberg noch mit zahlreichen Läufen und Flanken von der gegnerischen Grundlinie, fand kaum Räume für eigene Vorstöße. Zudem zeigte sich schnell, dass insbesondere Sakai auch den läuferischen Geschwindigkeitsvergleich mit Hamburgs Rechtsverteidiger keineswegs scheuen musste. Im Duett konnten die beiden Stuttgarter Hamburgs rechte Seite derart gut neutralisieren, dass nach ca. zwanzig Minuten Calhanoglu und Ilicevic die Seiten tauschten (Aber auch diese Maßnahme änderte nichts daran, dass man aus Sicht des HSVs kaum Lücken vorfand, bzw. sich entscheidend durchsetzen konnte. Daher kehrten Ilicevic und Calhanoglu zu Beginn der zweiten Hälfte auf ihre angstammten Positionen zurück).

Es war schnell zu sehen, dass Stevens aus einer massierten Abwehr spielen lassen wollte. Getreu seinem bekannten Motto: Die Null muss stehen! Der VfB zog sich bei Ballbesitz der Hamburger weit in die eigene Hälfte zurück, schloss diszipliniert die Räume und überließ dem HSV die Spielgestaltung. Eigentlich etwas ungewöhnlich für eine Mannschaft, die im eigenen Stadion spielt, aber der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Der HSV war vor allem zu Beginn der Partie bemüht, über Offensivpressing zu Ballgewinnen zu kommen, erstarrte jedoch mit zunehmender Spieldauer in einem statischen Aufbauspiel. Hamburgs Innenverteidiger standen bei eigenem Ballbesitz oft sehr hoch, nämlich fast an der Mittellinie, was dazu führte, dass außer Adler und ihnen der Rest der Mannschaft die ohnehin beengten Räume in der Stuttgarter Hälfte bevölkerte. In der Folge zeigte sich, wenn man an die Zeit unter Ex-Trainer Fink etwa denkt, ein aus Hamburger Sicht  durchaus bekanntes Bild: viel Ballbesitz – wenig Ertrag. Aus dem Spiel heraus ergab sich lediglich in der 39. Minute eine Möglichkeit für den HSV. Aber Badeljs strammer Schuss nach Ablage rauschte über die Latte und verfehlte somit das Stuttgarter Tor. Stuttgart auf Sicherheit bedacht und der HSV ohne Ideen, um den Abwehrriegel der Gastgeber knacken zu können. Beiden Mannschaften war zudem der aus der tabellarischen Situation resultierende, enorme Druck anzumerken. Beide versuchten, Risiko zu vermeiden, um ja nicht in Rückstand zu geraten. Ein 0:0 der eher langweiligen Sorte zur Pause war die Folge, an dem allenfalls Taktik-Interessierte und Trainer Gefallen gefunden haben dürften.

Die zweite Hälfte zeigte zunächst das gewohnte Bild: Der HSV war bemüht, das Spiel zu machen. Doch einmal in der Stuttgarter Hälfe angekommen gelang es nicht, sich entscheidend durchzusetzen. Alles schien auf eine Punkteteilung hinauszulaufen. Dann aber kam es zur Schlüsselszene des Spiels: Der bereits nach Foulspiel in der ersten Halbzeit gelb verwarnte Calhanoglu verfolgte einen ballführenden Stuttgarter im Mittelfeld. Ein kurzer Griff Hakans an dessen Schulter genügte, und der Stuttgarter sank wie vom Blitz getroffen zusammen. Schiedsrichter Brych wertete diese Aktion vermutlich als taktisches Foul. Gelb-rot war insofern die logische, da regelgerechte Konsequenz. In meinen Augen dennoch eine harte Entscheidung. Nicht nur, dass es überhaupt erst das zweite Foul Calhanoglus in der ganzen Partie bis zu diesem Zeitpunkt war – es mag ja in meinen Auge als „clever“ durchgehen, dass man als Gegenspieler eine solche Einladung zum Kartenschinden annimmt, doch für mich bleibt diese bundesligatypische Theatralik, mit der 90- oder 100 Kilo-Männer beim leisesten Windhauch zu Boden sinken, ein stetes Ärgernis. Man wünscht sich in solchen Momenten, dass diese Spieler zu mindestens einer Saison Premier League verdonnert werden. Das dortige Publikum wüsste derartiges sehr schnell angemessen zu honorieren… Aber auch der DFB mit seinen Schiedsrichterbeobachtern, gern als Lordsigelbewahrer angeblich korrekter Regelauslegung unterwegs, trägt hier grundsätzlich ein gerütteltes Maß an Schuld. Angesichts der Tatsache, dass die Partie bis zu diesem Zeitpunkt von beiden Seiten keineswegs unfair geführt wurde, und angesichts der enormen Bedeutung des Spiel und des daraus reslutierenden Drucks für die Spieler, hätte man sich hier das berühmte Fingerspitzengefühl vom Schiedsrichter und eine letzte, ernste Ermahnung für Calhanoglu gewünscht. Der DFB aber setzt auf eine „akademische“ Regelauslegung. Formal ist die korrekt und nicht zu beanstanden. In der Praxis führt dies aber zur weiteren Verfestigung der leider seit Jahrzehnten gewohnten und sattsam bekannten theatralischen Mätzchen in der Liga. Und ganz nebenbei nehmen Schiedsrichter einen entscheidenden Einfluss auf den jeweiligen Spielausgang, ohne dass dies wirklich zwingend erforderlich wäre.

Hamburg also ab der 57. Minute in Unterzahl und nunmehr bemüht, wenigstens den einen Punkt noch zu retten. Die fortan in Überzahl spielenden Gastgeber bekamen nun erkennbar Oberwasser und drängten auf mehr. Slomka reagierte umgehend und nahm mit van der Vaart, der läuferisch ohnehin noch nicht spritzig wirkte, einen Offensiven zugunsten des grundätzlich kampfstarken Jiraceks vom Feld.

In der 69. Minute verschätzte sich der erneut aushilfsweise als Linksverteidiger aufgebotene Westermann bei einem Kopfball im Stellungsspiel. Statt ein, zwei Schritte zurück zu machen, um den Ball mit der Stirn und mit Druck weit nach vorn oder ins Seitenaus köpfen zu können, unterlief er ein wenig den Ball und köpfte vor die Füße Traorés. Einmal mit dem Ball am Fuß und Geschwindigkeit aufnehmend hatte dieser kaum Mühe, sich gegen den im direkten Vergleich hüftsteifen Westermann auf dem linken Flügel durchzusetzen. Es folgte ein langer Querpass durch den Hamburger Strafraum, bei dem sich auch der Rest der Abwehr mehr als interessierte Beobachter zeigte. Der kurz zuvor von Stevens eingewechselte Maxim hatte daher keine Mühe, den Ball am langen Pfosten im Tor der Gäste unterzubringen. 0:1 – aus Hamburger Sicht.

Mit einem Mann in Unterzahl und im Rückstand war der HSV zwar bemüht (Westermann), evtl. doch noch den Ausgleich zu schaffen. Slomka nahm zudem mit Badelj den defensiveren „6er“ aus dem Spiel und brachte den etwas offensiveren und abschlusstärkeren Tesche in der 80. Minute. Aber außer einigen wenigen, zudem kaum gefährlichen Kopfbällen konnte sich der HSV praktisch keine Ausgleichschance erarbeiten. Wenig überrraschend, dass auch der Wechsel Rincon für Arslan (86.) daran nichts mehr änderte.

Fazit: Mit Traoré auf rechts und der Einwechselung des Torschützen Maxims hatte Stevens an diesem Tag das glücklichere Händchen. Durch die Vorgabe, vor allem das eigene letzte Drittel zuzustellen und dem HSV das Spiel zu überlassen, wurde der HSV in die Falle gelockt. In der personell überladenen Stuttgarte Hälfte fehlten Hamburgs Spielern genau jene Räume, die sie noch gegen Nürnberg mit Geschwindigkeit bespielen und nutzen konnten (Diekmeier, Ilicevic, Calhanoglu). Gerade bei einer derartigen taktischen Ausrichtung des Gegners zeigt sich, dass dem fleißigen, aber in dieser Partie ansonsten vollkommen wirkungslosen Zoua jene körperliche Präsenz fehlt, die Lasogga (auch) auszeichnet. So sehr es auch den HSV ehrt, dass er die Einladung annahm, das Spiel zu machen, so klug wäre es in manchen Situationen gewesen, geduldiger hinten herum zu spielen, um die Stuttgarter aus der eigenen Hälfte zu locken. Denn das Stuttgarter Publikum schien bereits in der ersten Hälfte durchaus unruhig und mit der Leistung der eigenen Mannschaft unzufrieden zu werden. Im Offensivdrittel zeigte sich Hamburg ideenlos, was auch an mangelnder Bewegung, bzw. der Tatsache gelegen hat, dass (im Vergleich zum Branchenführer aus Bayern) meist die Positionen durch dieselben Spieler gehalten wurden. Mit anderen Worten: es wurde zu wenig gelaufen, gekreuzt, sich angeboten und damit den Gastgebern die Zuordnung in der Defensive erleichtert. Mit der regelkonformen gelb-roten Karte nahm Brych entscheidenden Einfluss auf das Spiel. Ohne Überzahl/Unterzahl wäre es mutmaßlich bei einer Punkteteilung geblieben. Hamburg steht nun wieder auf dem Relegationsplatz und erneut mit dem Rücken zur Wand. Zudem fehlt nun für eine Partie Calhanoglu. Psychologisch eine höchst knifflige Ausgangslage vor dem am Mittwoch folgenden Spiel gegen den SC Freiburg. Doch damit beschäftige ich mich dann in meinem Ausblick auf die kommende Partie.

Ergänzung: wie Ihr seht, hat sich etwas am Erscheinungsbild des Blogs getan. Mir gefällt der neue Look und insbesondere das Logo. Was meint Ihr?
Ich finde, da hat der Entwickler, Udo, mal wieder ganze Arbeit geleistet, was allerdings angesichts seiner sonstigen, großartigen Arbeiten in diesem Bereich für Kenner nicht sonderlich überraschend ist. Vielen, vielen Dank, Udo!