Löw

Was man als Hamburger von den Augsburgern lernen kann: FC Augsburg – HSV

Wir nähern uns bekanntlich dem Saisonfinale. Und es ist keine Frage, aus Sicht des Hamburger Sportvereins ist dies bereits jetzt, obwohl die Saison ja noch gar nicht beendet ist, einmal mehr eine absolut enttäuschende Spielzeit.

Zu Beginn der Runde hatte bekanntlich Hamburgs Vorstandsvorsitzender, Carl Edgar Jarchow, Platz 6 und damit die Teilnahme am internationalen Geschäft als Saisonziel ausgegeben.  Im gleichen Atemzug fabulierte er von einer angeblichen Augenhöhe seines Vereins mit dem FC Schalke 04. Spötter fragten schon damals, ob er vielleicht die Hühneraugen der Knappen meinte. Aber so ist das eben beim HSV in den letzten Jahrzehnten fast durchweg: man schwelgt vor jeder Spielzeit in Größenfantasien, kündigt Großes an und am Ende der Saison heißt es einmal mehr: Denkste, Püppi!

Platz 16, das ist die raue Wirklichkeit. Zehn Plätze hinter der von Jarchow propagierten Zielstellung. Und als wäre das noch nicht schlimm genug – als Anhänger des Vereins muss man sich größte Sorgen machen, ob wenigstens dieser Platz, der zur Relegation berechtigt, gehalten werden kann. Als Verantwortlichem kann einem gar nicht deutlicher vor Augen geführt werden, dass man mit seiner Einschätzung zur sportlichen Leistungsfähigkeit kolossal falsch gelegen hat.  Auch aus finanzieller Sicht könnten Anspruch und Wirklichkeit nicht weiter auseinander liegen. Der FC Schalke baut seit Jahren seine exorbitanten Verbindlichkeiten ab. Herr Jarchow hingegen verantwortet einen inzwischen katastrophalen Anstieg des Negativen Eigenkapitals beim HSV. Einmal mehr dürfte die angestrebte schwarze Null deutlichst verfehlt werden. Und hätte man nicht zwischenzeitlich Spieler unter Marktwert verschleudert (z.B. Aogo), hätte man nicht die für das Campus-Projekt eingesammelten Gelder prinzipiell zweckentfremdet, der HSV wäre wohl spätestens in diesem Monat nicht mehr in der Lage gewesen, die Gehälter für seine Angestellten zu bezahlen. Dass Hamburgs Vorstandsvorsitzender dem Vernehmen nach davon ausgeht, dass er das Amt auch zukünftig bekleiden darf – eine Randnotiz, die einen kaum noch verwundern kann. Notorische Selbstüberschätzung, desaströse Leistungsbilanzen – all das hat schließlich auch Tradition, beim abgewirtschafteten Hamburger Sportverein. Doch ich schweife ab, denn im Augenblick muss alle Konzentration dem Sportlichen gelten. Und hier könnte das Ziel nicht klarer zu definieren sein: Die Mannschaft muss in der Ersten Bundesliga bleiben.

Der kommende Gegner, der FC Augsburg, spielt vergleichweise eine starke Saison. Derzeit steht man auf dem achten Platz. Im Hintergrund arbeitet  Sportdirektor Stefan Reuter erfreulich unaufgeregt mit einem durchaus übersichtlichen Etat, während der Luhukay-Nachfolger, Trainer Markus Weinzierl, seiner Mannschaft einen klaren Spielstil eingeimpft hat, den man als relativ erfolgreich würdigen muss. Denn bei derzeit 43 Punkten ist für den FC Augsburg längst Gewissheit, was beim HSV noch höchst zweifelhaft erscheint: der FCA wird auch in der nächsten Saison der höchsten deutschen Spielklasse angehören. Auch wenn man das internationale Geschäft am Ende wohl verfehlen wird, so dürfte diese Spielzeit bereits jetzt als eine der erfolgreichsten in die Annalen der Bayern eingehen.

In der taktischen Grundformation lässt Weinzierl den FCA mit einem 4-4-1-1 gegen den Ball arbeiten. Vorderste Spitze spielte zuletzt meist Sascha Mölders. Alternativ stünde hier Raul Bobadilla zur Verfügung, der im Hinspiel den 0:1-Siegtreffer für die damaligen Gäste erzielen konnte. Hinter dem Stürmer fungiert gewöhnlich Halil Altintop als eine Art Neuneinhalber. Linksaußen spielen  Tobias Werner oder der vom VfB Stuttgart vor der Saison verpflichtete junge Österreicher Holzhauser. Mit dem im Winter ablösefrei hinzugeholten Esswein steht eine weitere Alternative als Linksaußen zur Verfügung. Da Esswein jedoch Rechtsfuß ist, kann er  grundsätzlich auch auf der rechten Außenbahn spielen. Dort spielt gewöhnlich jedoch eine der Entdeckungen dieser Saison, der schnelle, beidfüßige André Hahn. Angesichts der fortwährenden Verletzungsprobleme bei Gomez und Klose würde es mich nicht wundern, sollte Hahn den Sprung in den endgültigen Kader Löws für die WM in Brasilien schaffen. Sei es, wie es sei – nach dieser Spielzeit wechselt Hahn zur Borussia aus M’Gladbach. Und da Favre als mehr als sorgsam im Umgang mit Spielerverpflichtungen bekannt ist, darf man dies getrost als Anzeichen für Qualität werten.
Im zentral-defensiven Mittelfeld der Augsburger ragt spielerisch Daniel Baier heraus, der so etwas wie das bayrische Pendant zu Hamburgs Milan Badelj darstellt. Daneben spielt der zweiundzwanzigjährige Kevin Vogt. Mit 1,94 m (laut Transfermarkt.de) bringt er in den Bereich des defensiven Mittelfeldes eine imposante Größe auf das Feld neben dem mit 1,75 m doch eher klein gewachsenen Baier. Ein Detail, das man auf Hamburger  Seite seit Jahren sträflich missachtet hat. Denn mindestens beim Duo Arslan und Rincon fehlt es u.a. deutlich an Zentimetern, wenn es gilt, Kopfbälle zu erobern. Zuletzt gleich mehrfach und folgenreich zu beobachten… Angeblich ist der HSV an Vogt interessiert. Man darf gespannt sein, ob sich dies bewahrheitet und seine Verpflichtung gelingt. Ebenfalls interessiert soll der HSV auch an Augsburgs Linksverteidiger, Matthias Ostrzolek, sein. Ich werte dies als weiteres Indiz dafür, dass  Marcel Jansen den HSV zum Saisonende verlassen wird. Erstens dürfte Jansen vor dem letzten großen Vertrag seiner Karriere stehen. Zweitens wird er sportlich höhere Ziele anstreben, als sie mit dem HSV in den nächsten Jahren realistisch zu erreichen sind. Drittens muss der HSV bekanntlich sparen, sparen und noch einmal sparen.

Was die taktische Grundformation (s.o.) und deren Umsetzung angeht, so könnten die Spieler des Hamburger Sportvereins beim FCA Anschauungsunterricht nehmen. Im Gegensatz zum HSV zeichnet sich die Mannschaft der Augsburger durch ein hohes Maß an Kompaktheit aus. Bei Ballbesitz des Gegners besetzt man zunächst den zentralen Raum im Mittelfeld, blockiert also für den Gegner nach Möglichkeit den kürzestens Weg zum eigenen Tor. Dann presst man kollektiv(!) offensiv. Während die beiden Spitzen bereits den gegnerischen Spielaufbau durch dessen Innenverteidiger stören, bleiben die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, bzw. zwischen den Kettengliedern eng. Der Gegner findet also kaum Räume im Zentrum und wird systematisch zu langen Bällen über die Außenbahnen genötigt. Dies hat zwei grundsätzliche Vorteile aus Sicht der Augsburger:

1.) ist für den Gegner der Weg über außen zum Tor länger, was dem FCA prinzipiell Zeit verschafft, um etwaige Lücken zentral vor dem eigenen Tor doch noch schließen zu können;
2.) sind lange, hohe Bälle des Gegners immer leichter zu verteidigen.

Sind die Augsburger einmal nicht in der Lage, den Ball durch ihr Offensivpressing zu erobern, so zieht sich die Mannschaft geschlossen(!) zurück und verdichtet vor dem eigenen Strafraum noch weiter die Räume. Das so ein taktisches Verhalten durchaus von Erfolg gekrönt sein kann, ist  hinlänglich bekannt und konnte zuletzt auch wieder beim Spiel Real Madrid gegen den FC Bayern (1:0) beobachtet werden. Es half den Bayern bekanntlich wenig, dass sie regelmäßig tief in die Hälfte des Gegners vordrangen und dort meist im Ballbesitz waren.

Aus Sicht des Hamburger Sportvereins ist also zu erwarten, dass man wie zuletzt auch gegen den VfL Wolfsburg schon beim Spielaufbau gestört wird. Für den HSV wird es einmal mehr darauf ankommen, das richtige Maß zwischen Offensive und Defensive zu finden. Doch egal wie man dieses eminent wichtige Spiel auch angeht, man sollte tunlichst als Mannschaft kompakt bleiben. Der FC Augsburg hat bei vier Punkten Rückstand nur noch theoretisch die Chance, auf Platz sieben zu klettern und ins internationale Geschäft einzuziehen. Nach unten geht für die Mannschaft ohnehin nichts mehr. Der HSV hingegen müsste im Grunde mit dem Mute der Verzweiflung um eine seiner allerletzten Chancen kämpfen.

Slomka ist ja mit der Mannschaft vorzeitig angereist, um die Mannnschaft noch einmal auf diese Partie einzustimmen. Hoffen wir, dass es hilft. Anlass zur Hoffnung gibt mir, dass vermutlich sowohl Badelj als auch Jansen wieder zur Verfügung stehen und spielen können. Nicht zur Verfügung stehen Djourou und van der Vaart, die aber angeblich Mitte der nächsten Woche  wieder mit der Mannschaft trainieren können.

Wäre ich der Trainer des Hamburger Sportvereins (was ich natürlich nicht bin!), ich würde die folgende Aufstellung ins Auge fassen:

Adler – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Jansen (Jiracek) –  Tesche, Badelj, Demirbay (Rincon), Ilicevic – Calhanoglu – Zoua

Bei Arslan habe ich nach dem letzten Spiel Zweifel, ob er tatsächlich verstanden hat, was ohne wenn und aber gefordert ist. Aber natürlich ist Slomka näher an der Mannschaft. Ein Einsatz von Demirbay wäre sicher ein Risiko, da der Junge über wenig Erfahrung verfügt, könnte aber u.a. auch jenen Schuss Unbekümmertheit bringen, ohne den man verkrampft. Letztlich muss der Trainer entscheiden, ob er dieses Risiko einzugehen bereit ist. Wenn also die Entscheidung gegen Kerem fiele, dann wäre für mich, der ich das alles aus der Ferne beobachte, Rincon die Alternative. Mag man Tomas auch einen Mangel an Kreativität bescheinigen – einen derart eklatanten Mangel an Kampfgeist, wie man ihn bei Arslan zuletzt beobachten musste, hat man bei ihm in all seinen Jahren beim HSV nie gesehen.

Gelingt dem HSV eine Kopie der Augsburger Spielanlage, spielt er von Anfang an engagiert, konzentriert und kompakt, dann ist trotz angeblichem Auswärtsfluch sogar eine erfolgreiche Revanche für die Niederlage gegen denselben Gegner absolut im Bereich des Möglichen.

DAS RESTPROGRAMM

15. VfB Stuttgart (32 Pkt; -11):
VfL Wolfsburg (H)
Bayern München (A)

16. Hamburger Sportverein (27 Pkt; -18):
FC Augsburg (A)
Bayern München (H)
1. FSV Mainz 05 (A)

17. 1.FC Nürnberg (26 Pkt; -28)
Hannover 96 (H)
FC Schalke 04 (A)

18. Eintracht Braunschweig (25 Pkt; -28):
FC Augsburg (H)
1899 Hoffenheim (A)

Verlieren für beide verboten – Auch Bayer 04 steht unter Druck

Am Freitagabend trifft der HSV auf Bayer 04 Leverkusen. Zunächste einmal wird das ein Wiedersehen mit Heung-Min Son. Jenem talentierten Offensivspieler, den sie seinerzeit um ein Haar zurück nach Südkorea geschickt hätten, bevor man es sich im fast letzten Moment noch anders überlegte. In der Folge wurde Son beim HSV ausgebildet und reifte zu einem vollwertigen Bundesligaprofi heran. Lange galt er gar als eine Art Hoffnungsträger. Bis es aber soweit war, musste man in Foren und Blogs manchen unqualifizierten Kommentar über ihn lesen. Denn mit Talenten verhält es sich in Hamburg in aller Regel so: lautstark wird traditionell der angeblich fehlende Ertrag der Nachwuchsschmiede beklagt. Schafft ein junger Spieler dann den Sprung „nach oben“, so hat er gefälligst sofort fehlerlos zu agieren. Gelingt dies nicht, was wiederum die Regel und nicht die Ausnahme (Tah) ist, dann bekommt das Talent umgehend das Etikett „bundesligauntauglich“ verpasst. Die üblichen Verdächtigen fordern reflexhaft öffentlich und lautstark, der Verein möge den vermeintlichen Taugenichts bitte umgehend verscherbeln, notfalls gar verschenken. Nur hinfort mit dem! Angesichts fortdauernder Führungs- und Konzeptwechsel im Nachwuchsbereich des Vereins und dieses gestörten ambivalenten Verhältnisses breiter Teile der Anhängerschaft zu den eigenen Talenten muss es schon fast verwundern, wenn es irgendeinem Spieler, wie  z.B. Son, dennoch gelingt, sich dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren. Dann aber, das ist doch klar, sollte er am besten ein Leben lang die „Raute im Herzen“ tragen. Wechselt er dennoch den Arbeitgeber, dann ist auch dafür meist schnell eine Begründung zur Hand: „typischer Söldner eben!“. So einer wird dann zur Begrüßung gerne ausgepfiffen. Gleichzeitig ist meist  die Verachtung jener, die ihm einst die Klasse absprachen, in heimlichen Respekt umgeschlagen. Viele beginnen dann bereits vor dem Spiel zu unken: der schießt uns ab – wirst Du sehen! Ich hoffe in diesem Fall, dass Son kein Tor gelingt, freue mich aber auf das Wiedersehen.

HSV-Trainer Slomka betonte in der PK vor dem Spiel die Wichtigkeit der anstehenden Partie, die schon fast gewonnen werden müsse. Zugleich fand er lobende Worte für die Leistungsentwicklung seiner Spieler in den vergangenen Wochen, sowie die intakte Moral der Mannschaft, die u.a. auch in ihren Offensivbemühungen trotz eines Zwei-Tore-Rückstandes in der Schlussphase des Spiels gegen Gladbach zum Ausdruck kam. Was die Personallage angeht, so fällt Torjäger Lasogga definitiv für dieses Spiel aus. Beim „Seuchenvogel“ Ilicevic besteht, das entnehme ich seinen Ausführungen, eine kleine Chance, dass er zum Einsatz kommen könnte. Einen Einsatz in der Startelf halte ich jedoch auch aufgrund des Trainingsrückstandes für sehr unwahrscheinlich. Es ist schon fatal: Da man unverändert in akuter Abstiegsgefahr schwebt, und der Kader im Offensivbereich nach dem Abgang Rudnevs kaum Alternativen bereit hält, müssen angeschlagene Spieler schnellstmöglich wieder auflaufen – ein gleich im mehrfachen Sinne beständiger Tanz auf der Rasierklinge…

Nachdem die noch von van Marwijk empfohlene Leihgabe Ola John gegen Gladbach einmal mehr enttäuscht hat, scheint Slomka auf der Suche nach Alternativen fündig geworden zu sein: Matthia Maggio, deutsch-italienischer Stürmer der U23, trainierte diese Woche bei den Profis. Der zwanzigjährige Nachwuchsspieler machte in den letzten drei Partien seiner Mannschaft mit gleich vier Toren auf sich aufmerksam. Bei den Profis netzte er „zur Begrüßung“ im Training ebenfalls gleich zwei Mal. Kein schlechter Einstand. Das scheint auch Slomka so gesehen zu haben, denn er ließ durchblicken, dass der beidfüßige 1,86-Mann durchaus realistische Chancen besäße, sich für den Kader gegen Leverkusen zu qualifizieren. Slomkas Fazit: Maggio sei sehr, sehr unangenehm als Gegenspieler…

Ich erwarte als wahrscheinlichste Aufstellung die Folgende: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Calhanoglu, Arslan, Badelj, Jiracek – van der Vaart – Zoua.

Ilicevic kommt, wenn überhaupt, wohl eher für einen Kurzeinsatz in der zweiten Spielhälfte in Frage. Maggios große Chance sollte, so er den Trainer im Abschlusstraining nicht mehr groß enttäuscht hat, spätestens dann kommen, wenn der HSV in Rückstand gerät. Dann denke ich, wird Slomka in Ermangelung anderer Alternativen den jungen Mann ins kalte Wasser werfen. Und wer weiß?! – vielleicht erleben wir ja den legendären Beginn einer Profi-Karriere. Wunder darf  man von dem jungen Mann im Falle seines Einsatzes nicht verlangen, aber man wird ja noch träumen dürfen, oder?! Doch bis es soweit ist, müssen die Offensivspieler des HSVs kaltschnäuziger beim Ausnutzen der Torchancen werden. Slomka hat im Training versucht, vor allem den Stürmern durch wettkampforientierte Übungen mehr Sicherheit zu verleihen. Die Spieler mussten auf bestimmte Vorgaben, die vom Trainerteam jeweils sehr spät zugerufen wurden, blitzschnell intuitiv reagieren und das „Problem“ lösen. Slomka sagte in diesem Zusammenhang, dass zu viel Denken im Spiel schade. Dies ist einmal mehr absolut zutreffend. Ich verweise an dieser Stelle auf die Passagen früherer Artikel, in denen ich mich zum s.g. „Flow“ geäußert habe. Der Trainer weiter:

„Wenn ich erst einmal daran denke, dass ich einen Fehler machen kann, dann passiert es ja auch meistens“.

Er nannte  hier Badelj als Vorbild in unserer Mannschaft, von dem er meint, dass dieser „instinktiv“ und mit wenig Angst (vor dem Fehlpass etc.) spiele. Ansonsten bemängelte der Trainer die Gegentore, welche die Mannschaft gegen die Borusssia nach Eckstößen kassiert hatte. Dies, so Slomka, sei umgehend nach der Partie aufgearbeitet worden. Danach begann dann die zielgerichtete Vorbereitung auf das nun anstehende Heimspiel.

Die Gäste haben, zum Glück für uns, ebenfalls einige prominente Ausfälle zu beklagen. Die Namhaftesten: Toprak (IV, Wadenprobleme), Reinartz (DM, Fersenprobleme); Sidney Sam (OM; muskuläre Probleme). So kommt es also wohl nicht zu einem weiteren Wiedersehen mit dem in Hamburg ebenfalls ausgebildeten Sidney Sam. In diesem Fall bin ich ganz froh darüber. Nicht etwa, weil ich Sam etwas Schlechtes wünsche, sondern weil der Neu-Nationalspieler auch immer für ein Tor gut ist.

Leverkusens Trainer, Hyypiä, lässt Bayer 04 in einer (in der Bundesliga) eher ungewöhnlichen Mischung aus 4-3-3 und 4-5-1 auflaufen. Vor der Viererkette der Abwehr agiert meist Can (alternativ: Rolfes) zentral als defensivster Mittelfeldspieler. Flankiert wird er von dem etwas links davor postierten Guardado und dem rechts auf gleicher Höhe mit dem Mexikaner spielenden Lars Bender. Im Sturm spielen links außen der schon erwähnte Son und rechts außen Castro, die gelegentlich die Flügel tauschen. Bei der zentralen Sturmspitze dürfte die Wahl wohl auf Kießling (alternativ: Derdiyok) fallen. Vor allem beim beidfüßigen Son dürfte aus seiner Hamburger Zeit bekannt sein, dass er gerne von beiden Flügeln nach innen zieht, um aus den Halbpositionen zum Abschluss zu kommen. Kießling ist ein Konterstürmer, kein Spieler, der durch seine Fähigkeiten im Pass-Spiel besticht (Das ist auch der Grund, warum er bei der von Löw gecoachten und auf Ballbesitz spielenden deutschen Nationalmannschaft keine Chance besitzt.). Über seine Torgefährlichkeit muss man nach den letzten Jahren wohl kein Wort mehr verlieren.
Es ist damit zurechnen, dass beide Flügelstürmer im Offensivpressing unsere Innenverteidigung beim Spielaufbau oft unter Druck setzen, während Kießling Adler als Anspielstation (bei Rückpässen) „bedroht“. Bei Ballbesitz dürfte also ebenfalls Schwerstarbeit auf unsere Verteidigung zukommen. Bleibt zu hoffen, dass man die Nerven heute im Griff behält…
Bei Ballverlust ziehen sich beide Flügelstürmer zurück und verdichten die Räume im Mittelfeld. Für den HSV kommt es also darauf an, dennoch Räume aufzuspüren, ohne in der Offensivbewegung dort den Ball zu verlieren und damit die Gäste zu ihren brandgefährlichen Kontern einzuladen.

Auch für die Gäste steht einiges auf dem Spiel. In den letzten elf (!) Spielen gelang ihnen nur ein einziger Sieg. Zuletzt konnten sie auswärts am 27. Spieltag gegen den FC Augsburg gewinnen. Daheim folgte dann jedoch eine aus Sicht Leverkusens wohl erneut enttäuschende Punkteteilung (1:1) mit Aufsteiger Braunschweig. Noch ist Bayer 04 mit 48 Punkten Vierter in der Tabelle, wird aber bereits vom VfL Wolfsburg (47 Pkt.) bedrängt. Man droht also den Anschluss nach oben zu verlieren. Der ewige Zweite Leverkusen („Vizekusen“) hat grundsätzlich den Anspruch, sich für die ChampionsLeague zu qualifizieren. Es kann daher kaum verwundern, dass Trainer Hyypiä zunehmend in der Kritik steht. Es ist daher davon auszugehen, dass auch die Gäste inzwischen unter erheblichem Erfolgsdruck stehen. Ein Punktverlust in Hamburg oder gar eine Niederlage – spätestens dann dürfte es in Leverkusen sehr, sehr ungemütlich werden, auch wenn man als Hamburger diese Luxus-Probleme derzeit nur zu gerne eintauschen würde. Ich gehe davon aus, dass die letzten, relativ erfolglosen Monate auch in Leverkusen Spuren hinterlassen und am Selbstvertrauen genagt haben. Psychologisch also nicht die schlechteste Ausgangsposition für den HSV. Für den Ausgang des Spiels könnte daher aus taktischer Sicht als auch in den Köpfen eine vorentscheidende Rolle spielen, wem das erste Tor gelingt.

Die Partie wird geleitet von Schiedsrichter Dankert aus Rostock.

+++ Ergänzung: dem Vernehmen nach wurde Djourou aufgrund einer Vertragsklausel im Ausleihvertrag mit Arsenal durch seinen 20. Einsatz für den HSV (gegen M’Gladbach) für eine Ablösesumme von € 2,5 Millionen fest verpflichtet. Sein Vertrag soll auch für die Zweite Liga gelten. +++