Autor: Trapper Seitenberg

Ich interessiere mich für fast alle Sportarten. Schwerpunktmäßig für Fußball und Pétanque (Boule). Dabei interessiert mich nicht nur das eigentliche Spiel, sondern auch dessen Hintergründe. Also z.B. Training, Taktik, Mentale Wettkampfführung (Sportpsychologie) und die mediale Berichterstattung. Weitere Interessen sind u.a. Psychologie, Politik und Geschichte mit speziellem Augenmerk auf die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zur Entstehung devianten menschlichen Verhaltens in all seinen Facetten.

Grundsätzliches

„Was ich ebenfalls bedenklich finde ist, dass der HSV zu wenig Punkte macht, gute oder halbgute Leistungen, die mit knappen Niederlagen enden sind nichts wert. Wir machen zu wenig Tore, selbst wenn wir gute Konterchancen haben ist die Chancenauswertung schlecht (BVB – Spiel)“

Diese Sätze aus einem Kommentar zu meinem letzten Artikel treffen es in meinen Augen ganz gut, wenn es darum geht, die gegenwärtigen Probleme des HSV zu benennen. Wer wollte es auch bestreiten?! Nur drei selbst erzielte Tore nach bereits neun Spieltagen, und am Ende der bisher absolvierten Spieltage fehlten Punkte. Selbst gegen keineswegs unbezwingbar einzuschätzende Gegner (wie z.B. Köln, Paderborn oder die Hertha) musste man sich mit einem torlosen Remis begnügen, oder  man verlor am Ende sogar deutlich und absolut zurecht.

Beides, die bisher ungenügende offensive Durchschlagskraft und die fehlenden Punkte, ist zweifellos besorgniserregend. Punkt.

Etwas anders sehe ich es im Bezug auf die Behauptung, gute oder halb gute Leistungen, die in Niederlagen münden, seien nichts wert. Tabellarisch bleibt auch dies unbestreitbar richtig, aber die Analyse der Leistungsentwicklung einer Mannschaft und damit auch der Arbeit eines Trainers darf sich nicht ausschließlich auf Resultate und Tabellenstände beziehen. Das ist mir zu vordergründig.

Was wie ein Freifahrtschein für Zinnbauer missverstanden werden kann, ist ausdrücklich so nicht gemeint. Auch er ist am Ende an Ergebnissen zu messen. Niemandem wäre damit gedient, würde die Mannschaft unter seiner Leitung zwar gut spielen, am Ende der Saison jedoch sang und klanglos absteigen. Dennoch halte ich es für wichtig, ob Niederlagen aufgrund schlechter Leistungen wie gegen Hertha zustande kommen, bzw. gegen wen (FC Bayern München) verloren wird.  Wann, wie und gegen wen dürfen nicht vollkommen ignoriert werden. Auch die Auswirkungen der unbestreitbar katastrophalen letzten Saison müssen berücksichtigt werden. Nicht nur für die mentale Verfassung der Mannschaft, sondern auch in den Köpfen der Betrachter.

„Gegen wen will der HSV denn überhaupt gewinnen?“, wurde ich gefragt. Auf den ersten Blick und angesichts bisher ausbleibender Punkte erscheint auch mir dies als eine mehr als berechtigte Frage. Bewusst oder unbewusst addiert man die Pleiten, auch die der letzten Saison!, und schon scheint sich nichts zum positiven zu verändern. Mehrheitlich beziehen wir uns dabei alle auch auf eine boulevardeske Sportberichterstattung, die nur allzu gern auch aus s.g. „Serien“ Schlagzeilen strickt. Der Trainer, der seit x Spielen auswärts nicht gewann, der Torjäger der seit x Minuten nicht traf – man kennt das. Und dann gewinnt der HSV auswärts gegen den BvB. Alle Schlagzeilen, alle Serien wirken plötzlich albern und hinfällig.

Jetzt geht es aufwärts, der sprichwörtliche Knoten scheint geplatzt, denkt man hoffnungsfroh. Doch so einfach ist eben nicht, es folgen weitere Rückschläge. Plötzlich erscheint ein achtbares 0:0 gegen Bayern in der Liga und ein Auswärtssieg gegen zuvor hoch favorisierte Dortmunder fast wertlos. Der Gegner war eben schwach, der HSV keinesfalls tatsächlich gut. Nichts habe sich in  Wahrheit geändert, schon gar nicht zum besseren. Eine Handschrift Zinnbauers sei nicht zu erkennen.

Was als vermeintlich objektive Sachbotschaft daherkommt, ist zunächst nur Selbstauskunft der Verfasser. Oder um es mit einem Zitat Favres zum Fußball-Journalismus auszudrücken: Wer schreibt, was er alles weiß, zeigt immer auch, was er nicht weiß. Das gilt natürlich auch für mich und meine Einschätzung.

Mein Eindruck ist, dass das Erkennen einer s.g. Handschrift des Trainers mehrheitlich über positive Resultate erfolgt. Gewinnt die Mannschaft, glauben fast alle, diese ominöse Handschrift zu erkennen. Verliert sie, dann ist sie angeblich nicht vorhanden. Damit verbinde ich keinen Vorwurf, denn dieses Phänomen ist auch Folge einer größtenteils oberflächlichen, sensationsheischenden medialen Berichterstattung. Und worauf sonst sollte die Meinungsbildung der Masse beruhen?

Tatsächlich belegbar scheint, dass sich Trainerwechsel vor allem kurzfristig auswirken. Auf längere Sicht scheinen u.a. die grundsätzlichen Möglichkeiten ausschlaggebend zu sein, die durch die Zusammenstellung des jeweiligen Kaders vorgegeben werden. Dennoch ist nicht unwichtig, wer eine Mannschaft wie trainiert.

Neben der viel, viel zu lange ungenügenden, systematischen Entwicklung des HSV-Kaders durch einen Sportdirektor, wirkt sich bei der aktuellen Mannschaft in meinen Augen unverändert der Schlingerkurs des Vereins negativ aus. Jeder Trainer der Vergangenheit holte sich sein bevorzugtes Personal, versuchte seine Vorstellungen vom Fußball zu verwirklichen. Beides wurde dann vom jeweiligen Nachfolger mit zum Teil grotesken Folgen über den Haufen geworfen. So besteht der aktuelle Kader unverändert aus Spielern, die nicht nur die finanzielle Bilanz belasten, sondern deren sportlicher Nutzen für das, was der Club nunmehr angestrebt, ungewiss erscheint. Ein konzeptioneller, kostenintensiver Flickenteppich. Insofern bin ich der Meinung, dass der Verweis auf den angeblich fünftteuersten Kader der Liga in die Irre führt.

Jeder Trainer hat nicht nur Spuren bei der Zusammenstellung des Kaders hinterlassen. Auf den Ballbesitz orientierten Fußball Finks folgte, klammern wir das Intermezzo van Marwijk einmal aus, der das schnelle Umschaltspiel favorisierende  Slomka. Dessen Nachfolger Zinnbauer bekennt sich nun wieder zu einer dominant-offensiven Spielweise. Dabei ist zu berücksichtigen, dass hier das Übel nicht nur in einer grundsätzlich widersprüchlichen taktischen Ausrichtung zu vermuten ist. Der Teufel lauert auch im Detail. Schon die Viererkette kann man auf unterschiedliche Weise spielen lassen. Auch Raumdeckung ist nicht gleich Raumdeckung usw. usf.

Nicht von ungefähr, ich erwähnte dies in einem meiner vorangegangenen Einträge bereits, stellte der Trainer des SC Freiburg, Christian Streich, fest, dass es Jahre benötige, um einer Mannschaft ein System tatsächlich zu vermitteln. Bis dahin, so füge ich hinzu, lässt sich u.a. ein Phänomen menschlichen Lernens beobachten. Denn Training ist auch systematisches Lernen unter kontrollierten Bedingungen.

Bevor ein bestimmtes Verhalten in Fleisch und Blut übergeht und damit auch unter Wettkampfdruck konstant abgerufen werden kann, erfolgen Zwischenschritte. Beispielsweise klappt etwas bereits im Training, kann aber unter dem ungleich höheren Stress des realen Wettkampfes noch nicht, jedenfalls nicht stabil, umgesetzt werden. Wenn ich zudem einen Kader, und dies ist für einen Teil des aktuellen HSV m.E. zu unterstellen, sowohl in der grundsätzlichen Ausrichtung als auch im Detail mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen konfrontiere, dann bleiben auch Lerninhalte z.T. bruchstückhaft oder gar widersprüchlich. Wenn ich also grundsätzlich für Kontinuität plädiere, dann nicht um ihrer selbst willen. Zinnbauer hat auch für mich keine Narrenfreiheit. Man kann aber nicht jahrelang zurecht die permanenten Trainerwechsel kritisieren und nun schon wieder einem Trainerwechsel das Wort reden.

Ich bleibe dabei: Bayern darf nicht der Maßstab für den HSV sein. Bis der HSV auch nur annähernd mit dem Branchenprimus konkurrenzfähig sein wird, vergehen noch Jahre. Mehrere Jahre. Wer daher beklagt, dass man mit einer 1:3-Niederlage bereits zufrieden sei, der verkennt vollkommen, dass es sich bei der angeblichen Ausgeglichenheit der Bundesliga um eine durchsichtige Marketing-Lüge handelt. Die Bayern sind dem Rest der Liga vollkommen enteilt.

Ob nun Tuchel, Hiddink, Mourinho, Magath oder Zinnbauer – wer glaubt, dass sich durch Handauflegen vermeintlicher Wundertrainer der Erfolg einstellt, der irrt in meinen Augen. Gründlich.

Die Bundesliga, auch dies bleibt selbstverständlich unbestreitbar, wartet auf niemanden. Zinnbauers Arbeit bleibt daher auch von Resultaten abhängig. Um seine Arbeit jedoch tatsächlich bewerten zu können, sollte man eine Vielzahl von Faktoren zur Kenntnis nehmen, die sich dem Außenstehenden im Regelfall entziehen. Ich reklamiere für mich keineswegs, unzweifelhaft im Besitz der letzten Wahrheit zu sein. Gleichwohl verweise ich darauf, dass die Dinge vielschichtiger und deutlich komplizierter liegen, als es so mancher, aus welchen Motiven auch immer, wahrhaben möchte. Skepsis scheint mir angebracht, Hysterie jedoch nicht.

Eine zu erwartende Niederlage des HSV, die zu neuen und alten Erkenntnissen führt.

Das musste ja so kommen. Kaum zeigt die Mannschaft des HSV in Berlin unter Zinnbauer zum ersten Mal eine tatsächlich schwache Leistung, schon wird vieles, was gestern noch mehrheitlich positiv notiert wurde, in Frage gestellt.

Zur sportlichen Lage und seinen Einflussmöglichkeiten als Trainer befragt, rechnete Zinnbauer neulich auf einer PK vor, dass er grundsätzlich in jeder Trainingswoche an zwei Tagen kaum inhaltlich didaktisch mit seiner Mannschaft arbeiten kann, da dann regenerative (Auslaufen) oder motivationale (Abschlusstraining) Aspekte im Vordergrund stünden. Dazu gesellte sich die Länderspielpause mit der zwangsläufigen Abwesenheit von Stammpersonal (Djourou, Behrami), oder eben eine englische Woche wie diese, in der es im Pokal gegen die Bayern ging. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass der Großteil der Mannschaft die Saisonvorbereitung noch unter seinem Vorgänger, Mirko Slomka, absolvierte und zudem beachtet, dass wichtige Spieler erst nach Saisonbeginn (Holtby) oder aber verletzt verpflichtet wurden (Müller), bzw. wochenlang verletzt ausfielen (Lasogga, van der Vaart), dann erklären sich für mich zum Teil die bisher schwankenden Leistungen der Mannschaft.

Wer aus einem einzigen, unbestreitbar schwachen Spiel des HSV gegen Hertha ableiten will, dies sei eben typisch für die Selbstzufriedenheit der HSV-Profis, der verirrt sich in meinen Augen im metaphysischen Humbug. Zinnbauer steht tatsächlich vor der Aufgabe, eine Vielzahl neuer Spieler  im laufenden Betrieb in eine Mannschaft zu integrieren, der die desaströse vorherige Saison unverändert in Köpfen und Gliedern steckt.

Zu einem Problem für Zinnbauer entwickelt sich aus meiner Sicht van der Vaart. Einerseits, da bin ich ganz beim Trainer, kann ein fitter van der Vaart immer noch ganz wichtig für diese Mannschaft sein. Andererseits, dies fiel mir nicht erst beim Gastspiel in Berlin auf, wirkt die Mannschaft mit ihm derzeit deutlich weniger kompakt und griffig in den Zweikämpfen. Lasogga und er laufen zwar die gegnerischen Torhüter oder Innenverteidiger an, jedoch wirkt es, als wolle man sich allein auf die Lenkung des gegnerischen Spielaufbaus beschränken. Ein kollektives, entschlossenes Gegenpressing, wie es der HSV ohne van der Vaart beispielsweise auswärts beim überraschenden Sieg gegen den BvB bereits zeigte, findet dann kaum noch statt. Wenn man aber offensiv-dominant zu spielen versucht, wenn man so hoch aufrückt, wie es der HSV gegen Hoffenheim und auch gegen die Hertha praktizierte, dann muss man m.E. entweder konsequent geschlossen bei Ballverlust ins Gegenpressing gehen, oder man muss läuferisch in der Lage sein, mehrheitlich schnell genug hinter den Ball zu kommen. Beides scheint mir mit einem van der Vaart in der zuletzt gezeigten Verfassung nicht zu funktionieren.

Um nicht missverstanden zu werden: es geht mir hier nicht darum, van der Vaart als Sündenbock auszugucken, denn der war bekanntlich verletzt. Es geht mir vielmehr um die Frage, wie mit dieser Personalie zu verfahren ist, solange van der Vaart nur dem Namen nach als eine Verstärkung erscheint. Um darauf eine klare Antwort zu liefern: ich, der ich das zum Glück nicht entscheiden muss!, würde ihn derzeit nicht mehr von Anfang an bringen. Ich würde es lieber sehen, wenn Zinnbauer ihn über Kurzeinsätze an die Mannschaft wieder heranführen würde.

Aus meiner Sicht war die Aufgabenstellung für das gestrige Pokalspiel gegen den Rivalen aus dem Süden klar: sich mit Anstand aus der Affäre ziehen, um nicht mit der Hypothek einer desaströsen Niederlage vor eigenem Publikum in die nächsten, gewiss nicht einfachen Wochen gehen zu können. Denn erst die nächsten Wochen werden aus meiner Sicht unzweifelhaft zeigen, ob es sich bei dem Auftritt gegen die Hertha um einen negativen Ausrutscher handelte, bzw. ob notfalls im Winter personell nachgerüstet werden muss.

Der Wettbewerb um den DFB-Pokal bezieht seinen Reiz auch aus dem Aufeinandertreffen von Favoriten und Außenseitern. Da bekanntlich ein einziges Spiel entscheidet, kommt es dabei immer wieder zu Überraschungen. Dennoch hoffte ich vor dem Spiel, dass Zinnbauer dem angeschlagenen Behrami eine Pause gönnen würde, auch wenn sich dadurch das ohnehin ungleiche Kräfteverhältnis unzweifelhaft noch weiter zugunsten der Bayern verschieben sollte. Der Schweizer erscheint mir schon jetzt derart unverzichtbar, dass ich ungern das Risiko eines längeren Ausfalls für die Liga in Kauf genommen hätte.  Am Ende bleibt die Bundesliga das Kerngeschäft.

Zinnbauer verzichtete tatsächlich gänzlich auf Behrami und vertraute zu Spielbeginn der folgenden Aufstellung:
Drobny – Götz, Djourou (69. van der Vaart), Westermann, Ostrzolek – Arslan (61. Kacar), Jiracek (18. Steinmann), N.Müller, Holtby, Stieber – Lasogga

Das Spiel:  Gelegentlich habe ich beim Betrachten der Spiele des HSV das Gefühl, ich sei im falschen Film. Wenn der Gegner nicht die Tore schießt, dann sorgt man selbst durch krasse individuelle Fehler dafür, dass man in Rückstand gerät. Die ohnehin auf dem Papier geschwächte Hamburger Elf (ohne Behrami und mit dem unerfahrenen Götz für Diekmeier) begann das Spiel sowohl läuferisch als auch kämpferisch durchaus engagiert, doch leider wurde die ohnehin kleine Chance auf ein Weiterkommen bereits in der 7. Spielminute praktisch zerstört. Die Bayern spielten einen Ball entlang der rechten Außenlinie. Westermann trabte zunächst gemächlich dem Ball Richtung Eckfahne hinterher, bis er plötzlich bemerkte, dass Thomas Müller ebenfalls dem Spielgerät hinterhersetzte. Unerwartet von Müller unter Druck gesetzt, wollte Westermann zu Drobny passen, traf aber den Ball derart schlecht, dass er zur unfreiwilligen Vorlage für Müller mutierte. Müller passte zu Lewandowski, dessen ersten Torschuss Djourou noch mit letztem Einsatz auf der Linie klären konnte. Gegen den Nachschuss des polnischen Ausnahmestürmers war dann aber keine Rettungstat mehr möglich. Derart früh 0:1 hinten gegen die Bayern mit einer Mannschaft, deren größtes Schwäche bislang in der mangelnden Durchschlagskraft im Offensivspiel zu sehen ist – es ist zum Haare raufen!

In der 18. Minute musste Zinnbauer dann auch noch den durchaus erfahrenen, jedoch kurz zuvor verletzten Behrami-Ersatz, Jiracek, vom Feld nehmen (Gute Besserung!), den ich gerne einmal länger im defensiven Mittelfeld gesehen hätte. Bemerkenswerterweise wählte Zinnbauer als Ersatz des Ersatzes nicht die vermeintlich sicherere Option Kacar, sondern warf mit Steinmann einen weiteren Nachwuchsspieler ins eiskalte Wasser gegen den Branchenprimus. Um dies vorwegzunehmen: Steinmann lieferte wie Götz eine respektable Leistung. Beide benötigen jedoch verständlicherweise weitere Wettkampferfahrung, um sich an das ungleich höhere Niveau anzupassen. Da auch in Bestbesetzung alles andere als ein Ausscheiden gegen die Bayern eine faustdicke Überraschung gewesen wäre, fand ich es gut, dass sich Zinnbauer für diese mutige Lösung entschied. Training bleibt Training, egal wie wettkampfnah es gestaltet wird. Insofern glaube ich, dass beide Spieler gestern wichtige Erfahrungen sammeln konnten, die sich hoffentlich bei ihrer weiteren Entwicklung auszahlen werden.

In der 21. Minute passte Lewandowski vermeintlich direkt auf Thomas Müller, der dann keine Mühe hatte, den Ball im Tor des HSV unterzubringen. Zum Glück für die Hamburger funktionierte hier die Zusammenarbeit im Schiedsrichtergespann. Denn der Ball war, was im ersten Moment durchaus schwer zu erkennen war, zuvor noch einmal durch Alaba berührt worden, was dann zur Abseitsstellung Müllers führte. Der Treffer fand daher richtigerweise keine Anerkennung.

Die Bayern dominierten wie erwartet das Spiel. Der HSV bot  jedoch m.E. ohne van der Vaart (s.o.) läuferisch, kämpferisch und taktisch eine grundsätzlich ordentliche Leistung, die Mehmet Scholl später in der Halbzeitanalyse der ARD zurecht lobte. Dies belegt auch die Tatsache, dass Drobny erst in der 43. Minute die nächste Großchance vereiteln musste, einen Schuss von Lahm aus kürzester Distanz.

Leider war die ansonsten großartig spielenden Nummer eins im Tor des HSV nur eine Minute später nicht ganz schuldlos am vorentscheidenden 0:2. Der flatternde Fernschuss Alabas aus 25 Metern erschien mir nicht gänzlich unhaltbar (44.).

In den ersten Minuten nach der Halbzeitpause entwickelte sich ein ähnliches Spiel. Die Bayern waren weiter eindeutig spielbestimmend, der HSV ließ aber weniger zu, als ich befürchtet hatte. Dass für den HSV nach vorne wenig ging, fand ich angesichts der Ausgangskonstellation nicht überraschend. So dauerte es bis zur 55. Minute, in welcher Ribery einmal mehr von der linken Außenbahn in Höhe Strafraumgrenze nach innen zog. Sein Torschuss wurde unglücklicherweise von Djourou abgefälscht, sodass Drobny keine Abwehrchance blieb. Mit dem 0:3 war das Spiel endgültig entschieden.

Bayern-Trainer Guardiola nutzte nun den Spielstand, um Leistungsträger zu schonen, bzw. Spielern wie Hjöbjerg und Rode noch zu einigen Einsatzminuten zu verhelfen. Auch Zinnbauer wechselte mit Blick auf die in der Liga wartenden, schweren Aufgaben. So kam Kacar zunächst für Arslan als zweiter Sechser neben Steinmann. Später rückte Kacar in die Innenverteidigung neben Westermann, denn Zinnbauer brachte van der Vaart ins Spiel, was zur Folge hatte, dass Holtby von der zentral offensiven Position  nach hinten, neben Steinmann rückte.

Die Wechsel waren meiner Meinung nach aus Sicht beider Trainer vollkommen nachvollziehbar. Eine grundlegende Wende war nicht mehr zu erwarten. Zinnbauer konnte sich so einen Eindruck von Kacar unter Wettkampfbedingungen auf gleich zwei Positionen verschaffen. Und zu van der Vaart habe ich ja bereits weiter oben Stellung genommen.

Warum man auf den Niederländer keineswegs vollkommen verzichten kann, zeigte er kurz vor Schluss der Partie. In der 86. Minute erlief er zunächst einen Ball rechts  im Strafraum der Bayern, den er dann wunderbar genau und gefühlvoll an den langen Pfosten lupfte, wo Lasogga dann nur noch zum 1:3 einnicken musste.

Nicht verschweigen will ich, dass sich den Gästen aus Bayern nach dem 0:3 zahlreiche Großchancen boten (58. T. Müller; 73. Ribery; 88. Ribery ; 91. T. Müller), die Drobny großartig vereitelte.

Schiedsrichter: Fritz (Korb). Sehr gute Kommunikation innerhalb des Gespanns, die in der 21. Minute erst die korrekte Entscheidung auf abseits beim vermeintlichen 0:2 durch Müller ermöglichte.

Fazit: Der HSV unterliegt dem FC Bayern mit 1:3 (0:2). Der Endstand ist nach dem Spielverlauf zwar als ein schmeichelhaftes Resultat für den HSV zu bewerten, dies finde ich jedoch nicht beunruhigend. Der FCB kann und darf derzeit nicht der Maßstab für den HSV sein.

Erfreulich finde ich die Reaktion der Mannschaft auf die größtenteils schwache Leistung gegen Hertha. Dass man sich dem übermächtigen Gegner keineswegs kampflos ergeben wollte, war durchaus zu erkennen.

Aus meiner Sicht hat Zinnbauer alles richtig gemacht. Im Hinblick auf die kommenden, ungleich wichtiger erscheinenden Liga-Spiele dürfte Behrami zurückkehren. Ob auf der linken offensiven Außenbahn Stieber oder Jansen aufläuft, dies dürfte nicht nur von Trainingseindrücken, sondern auch von der Frage der jeweiligen Gegenspieler abhängen. Auch die Rückkehr Diekmeiers ist zu erwarten und wird von mir als Verstärkung bewertet. Das ist aber nicht als Vorwurf gegen Götz gemeint. Beide Talente, Götz und Steinmann, haben sich für weitere Bewährungsproben empfehlen können, aber man sollte sie m.E. weiterhin behutsam aufbauen.

Sorgen bereitet unverändert die mangelnde Durchschlagskraft im Offensivspiel. Warum Rudnevs derzeit gar keine Rolle mehr spielt, vermag ich aus der Distanz nicht zu beurteilen. Ich würde mich nicht wundern, wenn die sportliche Leitung in der Wintertransferperiode nachzubessern versucht. Vergessen sollten wir jedoch nicht, dass zur Rückrunde hoffentlich mit Maxi Beister ein weiterer, schneller und beweglicher Offensivspieler zurückkehrt, der seine Torgefährlichkeit bereits nachgewiesen hat.