Arp

Der HSV spielt gegen Ingolstadt wie ein Absteiger

Hamburger SV – FC Ingolstadt 04 0:3 (0:1)

Nach den zuletzt enttäuschenden Leistungen hatte der HSV vor der Partie gegen den FC Ingolstadt 04 kurzfristig ein Trainingslager bezogen. Da Holtby unlängst aus bekannten Gründen suspendiert wurde, Aaron Hunt aufgrund von Rückenproblemen erneut ausfiel, und Gideon Jung zuletzt formschwach auftrat, kam die Rückkehr von Sakai ins Team für mich wenig überraschend. Auch mit der Nominierung von Wintzheimer konnte man grundsätzlich rechnen, da HSV-Trainer Wolf unlängst ungewöhnlich offen unbefriedigende Trainigsleistungen und nachlassende Laufleistungen einiger Spieler öffentlich kritisiert hatte, was nicht zuletzt auch Lasogga gegolten hat, wie man hörte. Einigermaßend überraschend hatte sich Jann-Fiete Arp im Trainingslager offenbar zumindest für einen Platz auf der Ersatzbank empfehlen können. Das Sturmtalent war vor Wochen ebenfalls aufgrund mangelnden Trainingseifers zur U21 abgeschoben worden und kehrte nun erstmals wieder in den Kader zurück. er sollte jdoch ohne Einsatz bleiben.

HSV-Trainer Wolf nominierte für das so wichtige Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 die folgende Startelf: Pollersbeck – Sakai (63. Vagnoman) , Lacroix, van Drongelen, Douglas Santos – Narey, Mangala (78. Janjicic), Özcan, Jatta – Wintzheimer, Hwang (63. Lasogga)

In der taktischen Ausrichtung ergab sich auf dem Papier aus Sicht des HSV ein 4-4-2 mit Witzheimer und Hwang als Doppelspitze. Im Verlauf der ersten Halbzeit war jedoch bereits zu sehen, dass sich Hwang oft ins Mittelfeld fallen ließ, auch weil wie bereits leider gewohnt das Anspiel der beiden Stürmer aus dem Mittelfeld überhaupt nicht funktionierte. Mangala sicherte meist das defensiven Mittelfeld, sodass das 4-4-2 in der ersten Halbzeit oft in ein 4-1-4-1 überführt wurde. Die Gäste aus Ingolstadt agierten ihrerseits in einem 4-4-2, bzw. in einem 4-3-3 sobald Pledl nach vorne rückte. Dabei störten sie von Anpfiff an zunächst konsequent das bekanntlich fehleranfällige Aufbauspiel des HSV und sorgten für erste Anzeichen für Nervosität und Unruhe in der Mannschaft der Gastgeber. Besonders der zuletzt von mir gelobte Lacroix zeigte schon in den ersten Minuten erste Anzeichen grober Schwächen als ihn sein Gegenspieler mit einer simplen Körpertäuschung aus dem Spiel nehmen konnte, was allerdings noch folgenlos blieb. Wenige Minuten später, in der 8. Minute, trat er sehr hoch ins Mittelfeld aufgerückt über den Ball. Da in der Situation van Drongelen ebenfalls hoch aufgerückt war, konnte der Ingolstädter Lezcano in Richtung des HSV-Tores allein auf und davon ziehen. Zwar wurde er von beiden Hamburger Innenverteidigern noch eingeholt, da aber beide passiv blieben (und nicht einer von ihnen den Stürmer attackierte), kam der Ingolstädter zum Abschluss. Das 0:1, aus meiner Sicht unhaltbar für Pollersbeck.

In der Folge wirkte die Mannschaft des HSV noch unsicherer. Alle waren bemüht, weitere Fehler zu vermeiden, was sich zunächst in einer wahren Orgie an Sicherheits-, Quer- und Rückpässen zeigte. Es fehlten sowohl Tiefe als auch Breite in ihrem Spiel. Bot beispielsweise der weit ins Mittelfeld aufgerückte Sakai Läufe in die Tiefe an, so wurde er gleich mehrfach übersehen, bzw. ignoriert. Narey und Jatta auf den Außénbahnen zogen (zu) häufig nach innen, sodass dem HSV-Spiel auch jede wirkliche Breite fehlte. Da auch Hwang, sofern er sich ins Mittelfeld zurückfallenließ, fast kein Wechselspiel mit Narey über außen zeigte, verpufften jegliche Hamburger Angriffsbemühungen im zentralen Raum vor der massierten Ingolstädter Abwehrmitte. Die Gäste kamen so meist relativ einfach zu ihren Ballgewinnen und konnten immer wieder ihrerseits für Entlastung und weitere Unruhe sorgen

Der HSV fand gegen die stark mannorientierte Verteidigung seiner nominellen Kreativspieler, Mangala und Douglas Santos, wie schon zuletzt mehrfach gesehen und kritisiert erneut keine Lösung. Eine Vielzahl von prinzipiell leicht zu verteidigenden langen Bällen nach vorne, die auch praktisch ohne jede Wirkung blieben, zeigte dies ebenfalls sehr deutlich. Mein Zwischenresümée zur Halbzeit war daher:

Das ist leider ein Klassenunterschied bisher. Der HSV spielt bisher wie ein Abstiegskandidat und liegt völlig zurecht zurück.

Nach der Pause begannen die Hamburger die zweite Halbzeit spielerisch zunächst leicht verbessert. Die Mannschaft versuchte nun erkennbar mehr die Breite des Feldes zu nutzen, um die Ingolstädter Abwehr auseinanderzuziehen. In der ersten Viertelstunde wurde nun insbesondere Jatta auf dem linken Flügel mehrfach freigepielt, der dann wahlweise Flanken aus dem Halbraum schlug, oder den Ball an die Strafraumgrenze zum nachrückenden Mangala zurücklegte. Offenbar hatte Wolf in seiner Halbzeitansprache auch mehr Abschlüsse aus der zweiten Reihe eingefordert. Leider verfingen sich diese Abschlüsse regelmäßig in der vielbeinigen Ingolstädter Abwehr oder verfehlten zu klar das Tor. In der Summe verlebte Ingolstadts Torhüter Tschauner jedenfalls einen viel zu ruhigen Nachmittag und wurde über die gesamte Spieldauer kaum je geprüft.

In der 63. Minute entschloss sich Wolf angesichts der fortdauernden Gästeführung zu einem Doppelwechsel: Der erneut praktisch völlig wirkungs – und bindungslos spielende Hwang wurde durch den langsameren aber robusteren und kopfballstärkeren Lasogga ersetzt. Zusätzlich sollte durch Vagnoman für Sakai offenbar nun auch mehr Tempo über den rechten Flügel kommen.

Fünf Minuten später gab es einen Eckball für den HSV. Da beide Hamburger Innenverteidiger als Kopfballadressaten des Eckballs im Strafraum der Gäste positioniert waren, spielte der junge Vagnoman den s.g. „letzten Mann“. Leider sprang ihm der abgewehrte Eckball bei der Ballannahme gleich mehrere Meter vom Fuß. Der Ingolstädter Pledl spritze dazwischen und lief tief aus der eigenen Hälfte kommend und vom unglücklichen Vagnoman verfolgt allein auf Pollersbeck zu. Sein Abschluss war dann so platziert, dass Pollersbeck erneut ohne Abwehrchance blieb. Das vorentscheidende 0:2 (68.) nach einem weiteren, schweren individuellen Fehler.

Nur wenige Minuten später landete ein Kopfball von Lacroix direkt vor den Füßen des Ingolstädters Gaus, dessen Schuss zusätzlich noch abgefälscht vom stürzenden Vagnoman für Pollerbeck ebenfalls unhaltbar zum 0:3 (73.) abgefälscht wurde. Um es in der Boxersprache auszudrücken: Der K.O. für den HSV.

In der Restpielzeit durften sich die erkennbar resignierenden Hamburger allein bei Pollersbeck bedanken, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel.

Fazit: Der HSV verliert auch in der Höhe völlig verdient. Über weite Strecken des Spiels glich das Hamburger Spiel einem spielerischen Offenbarungseid. Die von mir hier schon oft kritisierte Fehleranfälligkeit im Aufbauspiel, die Ideenarmut im Mittelfeld beim Übergang ins Angriffsdrittel – alles unverändert. In dieser Verfassung hat man nicht nur nichts in der 1. Bundesliga zu suchen sondern wäre über eine ganze Saison gesehen sogar klarer Abstiegskandidat aus der 2. Liga. Platz 16 in der Rückrundentabelle spricht hier ebenfalls Bände.

Kurztrainingslager gepaart mit öffentlicher Kritik an Einstellung und Trainingsleistungen, das wirkte auf mich schon vor der Begegnung mehr aktionistisch als tatsächlich erfolgversprechend.

Angeblich, so eine bliebte Legende unter HSVern, ist der HSV immer am besten, wenn der Druck hoch genug ist. Dieses Spiel könnte das Gegenteil belegen. Die Mannschaft wirkte nicht nur in diesem Spiel auch nervlich überfordert. Eine Vielzahl von schweren individuellen Fehlern in den letzten Wochen ist meines Erachtens auch Folge dieser mangelhaften mentalen Einstellung.

Hannes Wolfs gebetsmühlenartig eingeforderte „Schärfe“ kann nicht verdecken, dass es ihm erkennbar nicht gelungen ist, der Mannschaft offensiv stabile Lösungen zu vermitteln. Wenn Spieler immer wieder im Deckungsschatten verharren und sich nicht konsequent anbieten, auch deswegen gar nicht angespielt werden können (Özcan, Hwang, Narey), wenn gegen eine massierte Abwehr kopf- und erwartbar erfolglos penetrant-systematisch durch die Mitte gespielt wird anstatt die Breite des Feldes zu nutzen, dann kann man den Trainer nicht gänzlich aus jeder Verantwortung nehmen. Auch für die Einstellung der Spieler beim Training ist der Trainer zwar nicht allein aber eben auch mitverantwortlich zu machen. Zweifellos muss Hannes Wolf mit dem Nachteil arbeiten, dass er keine gemeinsame Sommervorbereitung mit der Mannnschaft hatte. Zweifellos hat er mit verletzungsbedingten Ausfällen (Jairo, Hunt) und strukturellen Problemen des Kaders (u.a. Abhängigkeit von Lasogga offensiv, schwankendes Leistungsbild vorgesehener Führungsspieler u.v.m.) zu kämpfen. Unter dem Strich steht jedoch inzwischen eine desaströse Rückrunde. Unter dem Strich wirkt die Mannschaft unter Wolf zu oft wie eine Ansammlung von Einzelakteuren aber eben nicht wie ein funktionierendes Kollektiv. Das soll nicht bedeuten, dass ich hier die Entlassung Wolfs fordere. Aber spätestens nach dieser erneut äußerst schwachen Leistung der Mannschaft und unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkte muss man darüber nachdenken dürfen, ob man die nächste Spielzeit tatsächlich mit einem Trainer angehen will, der nunmehr wenig Kredit genießen wird und sofort massiv unter Druck geraten würde, sollte der Saisonauftakt in der nächsten Spielzeit nicht wie gewünscht verlaufen.

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart). An ihm lag es nicht.

Einzelkritik:

Pollersbeck: Schuld- und chancenlos bei den Gegentoren. Verhindert eine noch höhere Niederlage.

Sakai: Bot in der ersten Halbzeit mehrfach Läufe in die Tiefe an und wurde mehrfach von seinen Kollegen sträflich übersehen.

Lacroix: Leitete mit seinem schweren individuellen Fehler die Niederlage ein. Mehrfach mit ganz schwachen Zweikampfverhalten und Stellungsspiel. Ob man ihn nach dieser „Leistung“ nach der Saison tatsächlich fest verpflichten will, muss überdacht werden.

van Drongelen: Mehrfach mit ungewohnten Schwächen beim Kopfball- und gewohnte Schwächen beim Aufbauspiel. Wirkte neben dem unsicheren Lacroix überfordert.

Douglas Santos: Versuchte Viel. Vieles gelang leider auch nicht.

Mangala: Unbestreitbar ein großes Talent. Seine Klasse blitzte aber nur bei wenigen offensiven Pässen wirklich auf. Ansonsten viel zu viel Quer- und Sicherheitspässe, kaum Ideen.

Özcan: Nicht zu sehen.

Narey: Kam erst in der zweiten Hälfte über den rechten Flügel. Zog zu schnell und häufig nach innen. Verzettelte sich zu häufig in Einzelaktionen.

Jatta: Wurde erst zu Beginn der 2. Halbzeit mehrfach links außen gesucht und gefunden. Kaum mit Wirkung.

Hwang: Ließ sich häufig ins Mittelfeld fallen, auch weil aus dem Mittelfeld keine Bälle in die Spitze kamen. Wenn auf rechts außen, machte er das Spiel eng statt breit. Ohne Bindung.

Wintzheimer: Bekam wenig Bälle. Bemüht, mehr nicht.

Vagnoman: Schwerer Fehler bei der Ballannahme vor dem vorentscheidenden 0:2.

Lasogga: Ohne jede Wirkung.

Janjicic: Durfte Musste auch noch mitspielen.

Chronik eines sich ankündigenden Scheiterns

Der HSV unterliegt dem 1. FC Magdeburg mit 1:2 (1:0)

(K)eine Trainerdiskussion

Wer meine Blogeinträge über die Jahre gelesen hat, der hat hoffentlich bemerkt, dass ich gewöhnlich nicht dazu neige, Einzelpersonen die Schuld am sportlichen Misserfolg in die Schuhe zu schieben. Dreißig Jahre im Sport haben mich gelehrt, dass es fast immer eine ganze Reihe von Gründen sind, an deren Kettenende Resultate stehen. Auch deswegen verwerfe ich regelmäßig monokausale Erklärungsansätze, denn in der realen Praxis sind es in aller Regel multiple Faktoren, die ein Leistungsbild vielfältig bedingen und zur Entstehung von Ergebnissen führen. Statistische Werte, eine seit einigen Jahren zunehmend im Fußball genutzte Modeerscheinung, mögen zur Legitimierung von Meinung dienen, da sie scheinbar die subjektive Wahrnehmung objektivieren, sind aber ohne Kontext und Ergänzung durch fachkundige qualitative Analyse zum wirklichen Verständnis nahezu wertlos. Ihr Benefit besteht meist nur darin, dass Erklärungssuchende vermeintlich schlagende Gründe benennen und damit Relevanz von subjektiver Meinung meinen behaupten zu können.

Im Folgenden werde ich mich dennoch klar festlegen, wer für die gestrige Niederlage des HSV gegen den 1. FC Magdeburg hauptsächlich verantwortlich ist. Und das sind nicht angeblich arrogante, selbstgefällige Spieler, sondern dies sind strukturelle Kaderprobleme und der für den gestrigen Gegner vollkommen gescheiterte taktische Ansatz des Trainers. Doch der Reihe nach.

Hannes Wolf vertraute der folgenden Startformation: Pollersbeck – Sakai (76. Narey), Bates, Papadopoulos, van Drongelen, Douglas Santos – Jung, Holtby (83. Köhlert), Mangala – Lasogga, Jatta (67. Özcan)

Wie man hier sieht, begann der HSV in jener 5-3-2, bzw. 3-5-2 Grundordnung, welche jüngst im Spiel gegen Paderborn zum Erfolg und damit zum Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals geführt hatte. Papadopoulos stand erneut in der Startelf und erweiterte die Innenverteidigung zu einer Dreierkette. Beide Außenverteidiger rückten bei Ballbesitz ins Mttelfeld vor, welches ansonsten durch Holtby, Mangala und Gideon Jung unterbesetzt geblieben wäre. Bei Ballverlust und erfolgslosem Gegenpressing ließen sich Douglas Santos und Sakai zurückfallen. So konnte die Dreierkette im Bedarfsfall grundsätzlich zügig zur Fünferkette erweitert werden.

Sofern Doulgas Santos mit Ball offensiv nach vorne drängte, wich Jatta nach links außen aus. So wurde Platz für den vorrückenden Brasilianer in der Mitte geschaffen, und gleichzeitig stand Jatta als Anspielstation auf dem Flügel zur Verfügung. Wenn man sich das Personal anschaut, so meine ich, dass sich schon vorab in der theoretischen Konzeption die Gefahr erkennen ließ, dass die rechte Außenbahn an Wirkung verlieren würe. Denn weder hat Sakai die Qualitäten eines Santos, noch waren der tendenziell nach rechts orientierte Sechser Gideon Jung oder Holtby vorab so stark einzuschätzen, dass man von ihnen eine gleichgewichtige Ausrichtung des HSV-Spiels im Zusammenspiel mit Sakai erwarten konnte. Dass ein Lasogga auf dem Flügel verschenkt ist, dies darf man wohl als längst hinlänglich nachgewiesen und bekannt voraussetzen und sei hier nur der Vollständigkeithalber erwähnt. Die erste daraus zu erwartende Problemzone soll das rechte Oval in der Grafik veranschaulichen.

Sofern Mangala bei Ballbesitz nach vorne stieß, rückte Jung zur Absicherung ins Zentrum. Da es sich längst auch bis nach Magdeburg herumgesprochen hat, dass es keine gute Idee ist, den HSV spielen zu lassen, es im Gegenteil sogar anzuraten ist, ihn möglichst frühzeitig zu beschäftigen, ließ Oenning seine Elf aus einem 4-4-2 entschlossen nach vorne pressen. Dadurch wurde Hamburgs heimlicher Spielmacher Douglas Santos meist defensiv gebunden. Zudem wurde im Spielverlauf eine zweite Problemzone aus Sicht des HSV erkennbar: Jung konnte als defensiverer der beiden Sechser vom 1. FCM oft mühelos personell umstellt werden, was zu Ball – und Tempoverlusten auf Seiten des HSV führte. Außerdem verschwanden die gedachten Anspielstationen im Mittelfeld aus Sicht der Hamburger Abwehr häufig im Deckungsschatten des vordrängenden Offensivpersonals der Gäste. In der Summe wirkten die Magdeburger, als seien sie bereits im Mittelfed permanent in der personellen Überzahl. Dies auch deswegen, weil klar erkennbar war, wie sehr es Jung in seiner derzeitigen Verfassung an Handlungsschnelligkeit und auch Selbstbewusstsein fehlt. Ich habe über 90 Minuten kaum einen Pass von ihm gesehen, den man nicht als Sicherheits(rück)pass einstufen muss. Strategische Pässe mit offensiver Wirkung? Fehlanzeige. In der 22. Minute hätte er bereits um ein Haar den Führungstrefer für die Gäste verschuldet, weil es ihm an Handlungsschnelligkeit fehlte, was zum Ballverlust im zentralen Mittelfeld führte. Der daraus resultierende schnelle Gegenstoß der Gäste führte zwar zu einem Torerfolg. Dieser wurde aber wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht anerkannt. Die erste einer Reihe von zweifelhaften Entscheidungen von Schiedsrichter Dankert und seinem Gespann.

Wenn man von einem vereinzelten Beinschussversuch von Holtby gegen Magdeburgs Torwart in der 13. Minute absieht, dann dominierten die Magdeburger vom Anpfiff an im Stile einer Heimmannschaft. Der HSV bekam insbesondere im Mittelfeld wenig Zugriff auf Ball und Gegner. So brauchte es einen Standard, einen von Douglas Santos getretenen Freistoß vom rechten Flügel, damit der HSV gefährlich wurde. Jatta reagierte am schnellsten auf die zu kurze Kopfballabwehr der Gäste und vollstreckte aus ca. 10 Metern ins lange Eck zur 1:0-Führung (31.) für den HSV. Kurz darauf holte sich Lewis Holtby für ein taktisches Foul im Mittelfeld den 5. gelben Karton (35.) und fällt daher gesperrt gegen den 1. FC Köln aus. Eine Minute später wären die Gäste fast durch einen Kopfball von Bültner zum Ausgleich gekommen, aber Sakai rettete für den bereits geschlagenen Pollersbeck. So ging es mit einer knappen und nicht unglücklichen Führung für die Hamburger in die Pause.

Sinnhaftigkeit der Startformation

Wer gedacht hatte, Hannes Wolf würde auf den Spielverlauf durch personelle Veränderungen in der Pause reagieren, sah sich nach Wiederbeginn rasch enttäuscht. Bevor man die von Wolf gewählte Startformation pauschal aber als „zu defensiv“ abqualifiziert, sind aus Fairnessgründen einige Argumente für eben diese Formation und Taktik zu erwähnen. Zum einen hat der HSV in dieser Grundformation erfolgreich das vorangegangene Pokalspiel absolviert. Zweitens scheint man der Auffassung zu sein, dass die Integration von Papadopoulos aufgrund seiner Leaderqualitäten einen Mehrwert für die Mannschaft bringt. Wenn man also nicht mit Bates oder van Drongelen einen der im bisherigen Saisonverlauf überwiegend gut performenden zwei Innenverteidiger opfern will, dann drängt sich der Gedanke mit der Dreierkette im Prinzip auf. Auch erscheint es keineswegs abwegig, die Gelegenheit nutzen zu wollen, um die Mannschaft in Erwartung des kommenden offensivstarken Gegners, 1. FC Köln, weiter mit diesem System vertraut zu machen. Dennoch ist hier kritisch festzustellen: Gideon Jung war eindeutig ein Unsicherheitsfaktor. Er ist erkennbar noch weit von seiner Bestform entfernt. Der rechte Flügel war mit Sakai allein (ohne Narey vor ihm) offensiv praktisch nicht existent. Der Spielverlauf zeigte erneut, wie wirkungslos zudem Lasogga ist, sofern er nicht maßgerecht ins Spiel eingebunden und bedient wird. Erneut konnte er kaum Bälle festmachen, erneut zeigte er technische Unzulänglichkeiten bei der Ballablage in Serie. Daraus resultierte der optische Eindruck, als spielten die Gäste fast mit zwei Mann mehr. Das Mittelfeldspiel des HSV, einmal mehr das Grauen. Ich hatte zur Pause auf Twitter die sofortige Umstellung auf ein 4-1-4-1 angedacht und dabei vor allem auf den Einsatz von Narey gehofft. Sinnvoller wäre mir jedoch eine Umstellung auf ein 4-2-3-1 erschienen, um zum einen das eigene Mittelfeld personell aufzustocken und die Chance hier auf den Zugriff zu erhöhen. Durch die offensive Aufwertung der rechten Außenbahn wäre der Gegner auch stärker in der eigenen Abwehr gebunden gewesen und das bis dahin meist einseitig akzentuierte Angriffsspiel wäre dadurch wahrscheinlich variabler geworden. Wolf aber beließ es bei der Grundordnung. Die wesentlichen Kernelemente seiner Idee, Dreierkette mit Papadopoulos und Schwachpunkt Jung, blieben unangetastet. Beinahe wäre dem HSV dennoch das zweite Tor gelungen, denn nach einem klaren Handspiel von Müller im Strafraum erkannte Dankert nicht auf den meines Erachtens klar fälligen Strafstoß.

Unter diesen Umständen kam, was fast schon kommen musste: nach erneutem Ballverlust im Mittelfeld konnte Bates im Laufduell die Innenbahn gegen Bültner nicht schließen, sodass diesem trotz dreier nomineller Innenverteidiger fast mühelos der Durchbruch durch die Defensive und dann auch der Ausgleichstreffer gelang (61.).

Wolf reagiert nun personell und nahm zu meinem größten Erstaunen ausgerechnet den schnellsten Offensivspieler, Jatta, vom Feld und brachte Özcan. Dieser besetzte den linken Flügel. Da er aber nun vermehrt von dort nach innen zog, war es Douglas Santos, der für die Breite auf dem Flügel sorgte. Deutlich besser wurde das Spiel des HSV dadurch meiner Meinung nach nicht. Weiterhin war zu sehen, dass zwischen Offensivpersonal und Abwehr oft Anbindung und Kompaktheit fehlten.

Mit dem nächsten Wechsel kam dann doch endlich der schnelle Narey, jedoch ging zugleich mit Sakai der Rechtsverteidiger vom Feld (76.). Die oben aufgezählten Grunddefizite, mangelnde Balance, mangelndes Tempo, mangelnde Anbindung, wurden dadurch wieder nicht angegangen, vielmehr wurde nun sogar die Abwehr geschwächt. Ein weiterer Fehler, wie sich noch zeigen sollte.

In der 83. Minute kam Köhlert zu seinem zweiten Einsatz. Für ihn musste Holtby weichen, der bis dahin gewohnt fleissig aber eben leider auch gewohnt ineffektiv gespielt hatte. Köhlert belebte die linke Außenbahn und erlaubte so Özcan nun zentraler hinter Lasogga zu spielen. Auch wenn der HSV in der Schlussphase auf den Siegtreffer drängte, so richtig klare Chancen ergaben sich auch dadurch nicht. Vielmehr lud man den Gegner wie bereits schon im Spiel gegen Darmstadt 98 zum kontern ein. Und so verwundert es nicht, dass Magdeburg in der Nachspielzeit ein Freistoß zugeprochen wurde, der dann über Umwege zu Türpitz kam, welchem fast mit dem Schlusspfiff der keineswegs unverdiente Siegtreffer für die Gäste gelang (90+4.).

Fazit: Hannes Wolf ist ein junger Trainer. Eine Trainerdiskussion ist meines Erachtens vollkommen fehl am Platz. Er hat nachweisbar die Mannschaft taktisch weiterentwickelt. Nach dem 4-1-4-1 zu Saisonbeginn, einem zwischenzeitlichen 4-2-3-1, nun also zum zweiten Male die Dreier- bzw. Fünferkette. Alle Systeme wurden zudem gegnerangepasst von ihm variiert. Dennoch muss man ihm wie schon gegen den SSV Jahn Regensburg, als er den deutlichst gelb-rot gefährdeten Mangala nicht rechtzeitig vom Platz nahm und so seine Mannschaft vor einem Spiel in Unterzahl bewahrte, für diese Partie eklatante Versäumnisse vorhalten. Dass Lasogga Defizite besitzt aber dennoch benötigt wird, führt bei der derzeitigen Personallage (ohne Hwang und Hunt und ohne den formschwachen Arp) zudem in jedem Spiel von vornherein zu gewissen Einschränkungen. Zwar steht die Mannschaft am Ende auf dem Platz, aber ein Trainer steht eben auch deswegen am Spielfeldrand, weil man ihm zubilligt, von dort den Überblick zu behalten. Fehleinschätzungen und Irrtümer sind nur menschlich. Auch Trainern können diese unterlaufen. Es ist aber auch klare, unbestreitbare Aufgabe eines Trainers, auf konkrete Spielverläufe zu reagieren, notfalls auch einen vorab ausgetüftelten Plan zu korrigieren, sofern dieser nicht die erwünschte Wirkung entfaltet. Dies hat Wolf hier gleich mehrfach sträflich versäumt. Der HSV verliert am Ende verdient und mit Ansage. Auch weil das in-Game-Coaching von Wolf zum wiederholten Male zu wünschen übrig ließ. Aber so sehr mich diese vermeidbare Niederlage auch ärgert, für Katastrophenszenarien besteht kein Anlass. Noch hat man in Sachen Aufstieg weiter alles in eigener Hand. Allerdings muss die Fehlerquote bei Mannschaft und Trainer sinken, will man ein böses Erwachen zum Saisonende vermeiden.

Am Ende ist und bleibt Fußball Ergebnissport. Die unlängst von Bernd Hoffmann in Richtung Hannes Wolf ausgesprochene Jobgarantie ist nichts mehr als eine erfreuliche Absichtserklärung im Hinblick darauf, dass man auch in zu erwartenden Krisen Geduld haben will. Um eine Garantie im eigentlichen Sinne handelt es sich natürlich nicht. Und das ist auch gut so. Viele Fehler dieser Art sollte sich Wolf zukünftig besser nicht leisten.

Schiedsrichter: Dankert (Rostock): Mehrfach mit zweifelhafter Regelauslegung. Einzig der nicht gegebene Elfmeter nach vermeintlichem Foul an Lasogga erscheint ohne Rautenbrille betrachtet unter den strittigen Entscheidungen richtig. Schwach.