Gouaida

Schwache Hamburger unterliegen dem VfB Stuttgart verdient mit 0:1 (0:1)

So geht es nicht. So geht es definitiv nicht! Was ich da gestern Abend sehen musste, das treibt mir auch heute noch, also mit dem Abstand einer Nacht, die Zornesröte ins Gesicht. Das war ein Offenbarungseid des HSV in jeder Hinsicht: Taktisch, spielerisch, technisch und mental – überwiegend ungenügend bis mangelhaft. Und wenn ich nach dieser erschreckenden Vorstellung nach dem Spiel Statements lese, in denen allen Ernstes behauptet wird, man habe das Spiel auf unerklärliche Weise aus der Hand gegeben, dann wähne ich mich im falschen Film. Was der HSV da gestern Abend in seinem Heimspiel anbot, das gibt Anlass zu schlimmsten Befürchtungen. Wenn aus dieser desaströsen Leistung nicht schnell die richtigen Lehren gezogen werden, dann droht am Ende dieser Saison allen unbestreitbaren Verbesserungen zum Trotz der Abstieg.

Der Spielverlauf zu Beginn der Partie konnte kaum überraschen. Dass VfB-Trainer Stevens größten Wert auf defensive Stabilität legt, dies dürfte längst als allgemein bekannt gelten. Es konnte daher überhaupt nicht verwundern, dass sich die Schwaben in einem Auswärtsspiel zunächst tief in die eigene Hälfte zurückzogen. Ich interpretiere dies als Steven’schen Versuch, taktisch gleich drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Aus meiner Sicht wollte er:

1.) einen frühen Rückstand vermeiden;
2.) den HSV zu eben jener Aufgabe nötigen, die den Hamburgern unverändert schwer fällt, nämlich die Spielgestaltung, bzw. das Herausspielen von klaren Torchancen und
3.) vor allem über den schnellen Harnik zu eigenen Torchancen im Umschaltspiel kommen.

Folgerichtig standen die Stuttgarter zunächst tief in der eigenen Hälfte und verdichteten in Richtung des eigenen Strafraums zunehmend die Räume. Dem HSV gelang es daher zu Beginn der Partie, sein Spiel bis zur Spielfeldmitte relativ ungestört zu entwickeln. Dabei war das bereits bekannte Muster zu erkennen: Beide Außenverteidiger schoben weit nach vorne in Richtung Mittelfeld, und Behrami kippte zwischen die beiden weit auseinander geschobenen Innenverteidiger, während van der Vaart erneut als Verbindungsspieler fungieren sollte. In der Theorie. In der Praxis gelang den Hamburgern die Umsetzung dieses Schemas von Minute zu Minute schlechter, denn vor allem Harnik und Maxim pressten auf die ballführenden Hamburger Defensivspieler, während die Stuttgarter Sechser van der Vaart mannorientiert weitestgehend aus dem Spiel nahmen.

Die Hamburger kamen zwar zunächst mit Ball bis zur Mittellinie, fanden aber spätestens dort keine weiteren spielerischen Lösungen. Djourou verstolperte unter Druck eines attackierenden Stuttgarters bereits  der 8. Spielminute leichtfertig einen Ball. Zwar konnte er diese Situation selbst bereinigen, wirkte aber auf mich ab diesem Moment mental angeschlagen und unsicher. Ein mir unverständlicher Leistungseinbruch nach zuletzt guten bis sehr guten Spielen des Schweizers. Bei Behrami meinte ich erneut zu sehen, dass seine Stärken eindeutig in der Arbeit gegen Ball und Gegner liegen (Gelegentlich spielte er sogar eine Art „letzter Mann“ hinter beiden Innenverteidigern). Und so war es der vergleichsweise unerfahrene Cléber, der situativ über die linke Seite in freie Räume vorstieß. Er war erkennbar bemüht, das Offensivspiel der eigenen Mannschaft zu beleben, ließ sich aber im weiteren Verlauf der Begegnung von der zunehmenden Unsicherheit des Abwehrverbundes anstecken.

Van der Vaart blieb spielerisch weitestgehend wirkungslos. Nur einmal, in der 12. Minute, spielte er einen guten Pass in die Schnittstelle zwischen zwei Stuttgarter Verteidiger auf Lasogga. Aber Ulreich im Tor der Gäste war früher am Ball als Hamburgs Stoßstürmer. Ansonsten trat der Niederländer nur bei Standards und mehrfach mit fragwürdiger Zweikampfführung in Erscheinung, die ihm in der zweiten Halbzeit dann die verdiente fünfte gelbe Karte eintrug. Er wird daher im nächsten Spiel gegen Schalke fehlen. Fast bin ich versucht, zu schreiben: Gott sei Dank. Das war auch vom Kapitän einmal mehr zu wenig.

Symptomatisch, dass es Djourou war, der in der 16. Spielminute einen Eckball verursachte, der durch verbesserte Kommunikation innerhalb der Abwehr vermeidbar erschien. Nach der Ausführung des Eckstoßes von der rechten Seite kam Stuttgarts Harnik am linken Eck des Fünfmeterraumes vor dem Hamburger Tor frei zum Schuss, jagte den Ball jedoch über das Tor. Glück, Glück, Glück für den HSV, denn das hätte das 0:1 sein müssen!

Sah das Spiel der Hamburger die ersten zwanzig Minuten noch halbwegs passabel wenn auch ungefährlich aus, so glaubten die Gäste spätestens jetzt an ihre Chance. Sie beschränkten sich nun zunehmend nicht nur auf vereinzelte, offensive Nadelstiche, sondern übernahmen Mitte der ersten Halbzeit das Kommando. Frei nach dem Motto: „gegen diese nervösen, ideenlosen Hamburger geht doch etwas!“.

Den Stuttgartern boten sich nun zahlreiche weitere, große Chancen, um in Führung zu gehen. Allein Harnik hätte den HSV schon frühzeitig chancenlos in Rückstand bringen müssen (23., 32. und 38. Minute). Da die Hamburger immer wieder weit aufrückten, boten sich ihm genau die Räume, die er für sein Spiel braucht.

Die offensichtlichste Großchance für den VfB hatte jedoch der aufgerückte Niedermeier. Nach einem weiteren Eckstoß von der rechten Angriffsseite des VfB kam er zum Kopfball, den jedoch Holtby auf der Linie klären konnte (35.).

Kurz vor der Pause wollte van der Vaart unbedingt Lasogga ins Spiel bringen und übersah den völlig frei auf dem Flügel mitlaufenden Marcos. Es kam, was nach dem Spielverlauf schon fast zwingend kommen musste: Der Pass wurde abgefangen. Behrami hatte den Konter der Gäste schon fast unterbunden, verstolperte den Ball jedoch in den Lauf des Stuttgarters Maxim. Dieser legte vor für Klein, der dann zur inzwischen mehr als verdienten 0:1-Führung für die Gäste abschloss (42.).

Unmittelbar vor der Halbzeitpause musste der offenbar angeschlagene Lasogga vom Feld. Er wurde durch Gouaida ersetzt. Und ähnlich wie bei van der Vaart frage ich mich, ob die Mannschaft ohne ihn auf Schalke nicht sogar besser ist. Hamburgs Wandstürmer strahlt derzeit kaum Torgefahr aus und kann, was ich noch viel schlimmer finde, vorne kaum Bälle behaupten.

Zur Halbzeit gab es Pfiffe des Hamburger Publikums. Und obwohl ich kein Freund des Auspfeifens bin – ich konnte diese Reaktion gut verstehen. Der HSV hatte das Spiel ordentlich begonnen, aber dann den Gegner systematisch durch eigenes Unvermögen aufgebaut. Grausam.

In der 53. Minute zeigte der Stuttgarter Baumgartl Schwächen in der Ballannahme. Rudnevs spritzte dazwischen und lief mit Ball in Richtung des Strafraums der Gäste. Niedermeier zupfte, Rudnevs fiel (vor der Linie) und Dr. Brych entschied auf Freistoß für den HSV und Platzverweis für Niedermeier. Aus meiner Sicht war der Platzverweis eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Bei dem nachfolgenden Freistoß durch van der Vaart hatte der HSV etwas Pech, denn der gut geschossene Ball wurde durch die Stuttgarter Mauer abgefälscht und traf nur die Querlatte des Tores.

Ich erspare mir und Euch eine genaue Darstellung des zweiten Spielabschnitts, zumal keine weiteren Tore fallen sollten. Stattdessen folgen hier nun einige Beobachtungen und Gedanken zu den Ursachen:

Das Offensivspiel des HSV wirkt unverändert schematisch und damit leicht zu dechiffrieren. Die Stuttgarter haben ihr Spiel ähnlich defensiv angelegt, wie vor Wochen die Werderaner. Denen hatte ich nach der damaligen Begegnung vorgeworfen, dass sie aus ihrer Sicht grundsätzlich zu passiv verteidigt hätten. Der VfB hat aus meiner Sicht genau dies besser gemacht. Man hat den Passweg von Behrami auf  van der Vaart konsequent verstellt, bzw. die beiden prinzipiell kreativsten Hamburger, Müller und van der Vaart, aggressiver verteidigt.

Hamburg spielte auch in Überzahl ideenlos und ungefährlich. Das liegt meines Erachtens auch an technisch-taktischen Defiziten. Alles dauert viel zu lange. So die Ballannahme und -verarbeitung und das Erfassen der Spielsituation. Pässe werden ohne Druck und damit zu oft ohne Geschwindigkeit gespielt. So kommt man nie zu einer schnellen Ballzirkulation und bringt die massierte Deckung eines Gegners in Unterzahl nicht in Bewegung. Als Folge ergeben sich kaum Lücken, die man erfolgreich bespielen könnte. Dieses Phänomen wird zudem davon begünstigt, was ich hier schon oft beklagt habe: Die Angreifer bewegen sich wenig und verharren z.T. im Deckungsschatten gegnerischer Spieler. Wer dann einen doppelt gedeckten Stürmer anspielt, in Ermangelung von Alternativen schon fast anspielen muss, der braucht sich über Ballverluste, Konter und Gegentore kaum wundern.

Das Zinnbauer in der 71. Minute Behrami durch den etwas offensiveren Arslan ersetzte, fand ich grundsätzlich richtig. Allerdings ist es ein Armutszeugnis für Tolgay, dass der junge Gouaida deutlich abgeklärter und damit effektiver spielte als er.  Grausam auch Arslans Ballverlust in der 81. Minute, als er in der Vorwärtsbewegung den Ball verstolperte. Hier trifft meines Erachtens jedoch den jungen Marcos eine Mitschuld, denn Arslan suchte erkennbar in dieser Situation nach einem Abnehmer. Marcos aber lief nicht nur in dieser Situation zur Unzeit in den Strafraum und nahm dem Spiel seiner Mannschaft eben jene Breite, die man gerade gegen einen derart defensiv agierenden Gegner gewährleisten muss. Sicher hatte Marcos erneut auch gute Szenen, das will ich gar nicht bestreiten. Ich frage mich aber langsam, was Ostrzolek „verbrochen“ hat. Weder sind Marcos Pässe oder Flanken besser, noch ist es sein taktisches Verhalten. Wäre es nach mir gegangen, ich hätte Marcos zur Halbzeit vom Feld genommen. Nicht um ihn abzustrafen, sondern weil die Mannschaft erkennbar nervös und konfus spielte. Ostrzolek ist der erfahrenere Mann, von dem ich mir mehr Klarheit in den Aktionen erwarten dürfen muss. Dass Zinnbauer dies offenbar  anders sah, verwundert mich.

Auch Zinnbauers Coaching in dieser Partie finde ich diskutabel. Es ist ja schön, gut und grundsätzlich nachvollziehbar, wenn man in einem Heimspiel offensiv spielen lässt. Aber ich fand, dass das Gegentor „mit Ansage“ fiel, da die stetig zunehmende Unsicherheit ganz offensichtlich war. Natürlich sind seine Einwirkungsmöglichkeiten von der Seitenlinie während des laufenden Spiels begrenzt, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass er frühzeitig eben darauf z.B. durch Umstellung vom 4-1-3-2 auf ein 4-4-2 bis zur Pause reagiert, um eben dort dann die Mannschaft neu einstellen zu können.

Wer kein Tempo durch schnelle Ballzirkulation und Laufwege erzeugt, wer keine Bälle in der vordersten Spitze behaupten kann, der erstarrt in seinen Offensivbemühungen fast zwangsläufig. Wenn allein Gouaida und mit Abstrichen Müller, Rudnevs und Cléber zu gefallen wussten, dann muss auch die Frage nach der Qualität des Personals erlaubt sein. In dieser Verfassung wird es für den HSV jedenfalls schwer, die Klasse zu halten. Ganz schwer.

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München).
Der Platzverweis für Niedermeier bleibt diskussionswürdig, da man aus Stuttgarter Sicht begründet argumentieren kann, dass keine klare Torchance für Rudnevs vorgelegen hat. Übersah ein Handspiel eines Stuttgarters in der Nachspielzeit, was mir aber herzlich egal ist, denn der HSV hatte an diesem Tag nichts anderes verdient als eine Niederlage. Dass die Mannschaft erneut gekämpft hat, halte ich im Grundsatz für selbstverständlich.

In dieser Besetzung hat der HSV gespielt: Drobny – Diekmeier, Djourou, Cléber (83. Stieber), Ostrzolek – Behrami (72. T. Arslan) – N. Müller, van der Vaart, Holtby – Lasogga (45. Gouaida), Rudnevs

 

Der HSV verpasst einmal mehr den zweiten Streich: SC Freiburg – HSV 0:0 (0:0)

Nach dem Sieg des HSV vor heimischen Publikum gegen den 1. FSV Mainz 05 hatte HSV-Trainer Joe Zinnbauer wenig Anlass, um die taktische Formation oder die Startelf tiefgreifend zu verändern. Dass Behrami Jiracek ersetzen würde, sofern der Schweizer rechtzeitig wieder spielfähig sein würde, das durfte als sicher gelten. Auch einen erneuten Auftritt der Hamburger mit zwei Stürmern konnte man erwarten, da Lasogga als einziger Sturmspitze in den Spielen zuvor die Durchschlagskraft fehlte. Wirklich gespannt war ich, ob Zinnbauer weiterhin am jungen Ronny Marcos als Linksverteidiger festhalten würde. Ich gebe zu: hätte ich tippen müssen, ich hätte falsch gelegen. Denn ich dachte vor dem Spiel des HSV im Breisgau, dass Ostrzolek nach einer Denkpause nun wieder ins Team zurückkehren würde. Marcos hatte in meinen Augen ordentlich gespielt und keineswegs enttäuscht, aber stärker als Ostrzolek hatte ich ihn auch nicht gesehen. Aber Zinnbauer sieht die Spieler täglich im Training, ich nicht.

Aufstellung: Drobny – Diekmeier, Djourou, Cléber, Marcos – Behrami – N. Müller (71. Gouaida), van der Vaart (65. Jiracek), Holtby – Lasogga (90+2. Stieber), Rudnevs

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag nach zwanzig Sekunden: Djourou wollte einen Ball hoch und weit aus dem Hamburger Strafraum köpfen. Marcos setzte links außen innerhalb des Sechzehners zu einem Befreiungsschlag an, und der in seinem Rücken positionierte Freiburger Klaus sprang (!) dazwischen und wurde von Marcos getroffen. Schiedsrichter Stark konnte die Szene offenbar nicht eindeutig bewerten und entschied nach Rücksprache mit seinem Assistenten an der Linie auf Strafstoß für die Gastgeber. Für mich eine Fehlentscheidung (s.h. weiter unten). Zum Glück für den HSV schoss Darida den nachfolgenden Elfmeter „blind“ und zu mittig, sodass Drobny den Ball parieren konnte (2.). Es blieb beim 0:0, und ich  verbuchte dies in der Kategorie „ausgleichende Gerechtigkeit“.

Der Spielaufbau bleibt eine Schwachstelle

Die Hamburger begannen die Partie erneut in jener 4-1-3-2 Staffelung, die man in der Vorwoche ca. eine Stunde lang gespielt hatte, bevor man mit einer 2:0-Führung im Rücken auf ein flaches 4-4-2 umstellte. Bei eigenem Ballbesitz ließ sich meist Behrami zwischen die breit stehenden Djourou und Cléber fallen, um von dort das Spiel aufzubauen. Van der Vaart kam ihm dann entgegen, um als Verbindungsspieler zu fungieren. Des Öfteren sah man hier aber auch einen Rollentausch zwischen beiden Spielern, d.h. van der Vaart holte sich den Ball zwischen beiden Innenverteidigern ab, während sich Behrami als Verbindungsspieler versuchte. In der Theorie spricht einiges für diese flexible Rollenverteilung, da sie für den Gegner schwerer auszurechnen ist. In der Praxis konnte sie mich jedoch überhaupt nicht überzeugen. Denn wenn schon van der Vaart in meinen Augen spielerisch kein Stratege ist – für Behrami gilt dies erst recht. Der Schweizer spielt solide Pässe, der Mannschaft fehlt jedoch dann fast durchweg jedes Überraschungsmoment aus dem defensiven Mittelfeld.  Mit anderen Worten: Spielaufbau und -entwicklung des HSV wirkten auf mich erneut unsicher und wenig überzeugend. Streich hatte seine Mannschaft natürlich auf diese Achillesferse des HSV eingestellt. Mir schien, als würden die Freiburger auch deswegen in jenen Situationen ein wenig aggressiver pressen (als der HSV), in denen ihr Gegner den Ball aus der eigenen Abwehr zu spielen versuchte. Der HSV seinerseits lief vor allem durch Rudnevs ebenfalls die ballführenden gegnerischen Abwehrspieler an, jedoch mit etwas weniger Konsequenz. Man begnügte sich meist damit, das Aufbauspiel des Gegners auf die gewünschte Weise zu lenken.

Es entstand ein Spiel, wie man es häufiger sieht: Beide Mannschaften standen in einem Korridor zwanzig Meter links und rechts der Mittellinie, verdichteten dort massiv die Räume und neutralisierten sich weitestgehend wechselseitig.

Der erste Torschuss des HSV kam in der 21. Minute von Behrami, bei dessen Distanzschuss Bürki im Tor der Gastgeber immerhin nachfassen musste. Ansonsten wurden die Angriffsbemühungen beider Seiten bereits im Mittelfeldpressing erstickt.

Immerhin kontrollierte der HSV das Spiel ungefähr ab diesem Zeitpunkt. In der 30. Minute konnten die Hamburger im Mittelfeld den Ball erobern und liefen mit drei, vier Mann einen Tempogegenstoß. Leider war Lasogga in dieser Szene viel zu eigensinnig, übersah seine gut aufgefächert mitgelaufenen Mitspieler und schloss vollkommen unnötig überhastet aus der Distanz ab. Dass der Ball deutlich das Tor verfehlte, Bürki also nicht einmal eingreifen musste, passte ins Bild. Da hat der HSV einmal eine viel versprechende Spielsituation, in der ein Spieler mit Übersicht in die Schnittstelle spielt und dann wird sie einfach verschenkt. Grausam.  Lasogga rieb sich ansonsten wie gewohnt im Zentrum auf und war vor allem bei hohen Bällen um Balleroberungen oder Ablagen bemüht. Es blieb jedoch seine einzig nennenswerte Szene, denn er bekommt weiterhin auch zu wenig Bälle, die leichter zu verarbeiten wären. Rudnevs gefiel mir im direkten Vergleich deutlich besser. In der 35. Minute zeigte er eine schöne Einzelleistung auf der linken Außenbahn. Kurz  vor dem Strafraum der Gastgeber zog er nach innen, verfehlte jedoch mit seinem Abschluss das Tor.

Der HSV verschob, auch dies hat man unter Zinnbauer schon häufiger gesehen, stark ballorientiert, konnte jedoch in der ersten Spielhälfte bei Flügelwechseln der Freiburger etwaige Lücken schnell genug schließen. Als Zwischenfazit zur Pause notierte ich leichte Vorteile für den HSV in einer  Partie, der es ansonsten an Höhepunkten mangelte. Bemerkenswert gut fand ich erneut die Leistung von Cléber, der neben dem starken Djourou wieder eine tadellose Partie ablieferte. Beide Innenverteidiger liefen sogar situativ vereinzelt Vorstöße, was ich als Fortentwicklung der Spielentwicklung des gesamten Teams begrüße. Denn spielerisch bleibt der HSV unverändert noch zu oft vieles schuldig.

Des Glückes oder Unglückes Schmid

Nach dem Seitenwechsel kamen die Gastgeber besser ins Spiel. Diekmeier hatte nun mit Freiburgs Linksaußen Schmid erhebliche Mühe. Erst ließ er ihn in der 49. Minute kurz aus den Augen, sodass Schmid eine Flanke gefährlich auf das HSV-Tor köpfen konnte. Da musste sich Drobny  schon ganz lang machen, um den gut platzierten Ball parieren zu können. Nur zwei Minuten später kam erneut Schmid vom linken Strafraumeck zum Torabschluss, aber sein Schuss in Richtung des langen Pfostens verfehlte dies Mal ganz knapp das Tor. Glück für den HSV. Und noch einmal fünf Minuten später war es erneut Schmid, den eine Flanke von Diekmeier innerhalb des Freiburger Strafraums an dem Arm traf (56.). Hier hätten sich die Freiburger nicht beschweren dürfen, wenn es Strafstoß für den HSV gegeben hätte. Gab es aber nicht.

Die torgefährlichste Szene aus Sicht der Hamburger entwickelte sich in der 63. Minute: Nicolai Müller setzte sich rechts im Freiburger Strafraum nahe der Torlinie durch. Sein Schuss aus spitzem Winkel (vermutlich wollte er quer passen) wurde durch das lange Bein eines Freiburgers abgefälscht und touchierte (nur) die Querlatte.

Das Hamburger Spiel wurde nun zunehmend durch Fehlpässe und Missverständnisse geprägt. Ernüchternd, wie einfachste Bälle serienweise zum Gegner oder ins Seitenaus gespielt wurden. Da muss man sich nicht wundern, dass man tabellarisch nur mühsam vom Fleck kommt.

Zinnbauer nahm den dieses Mal nahezu wirkungslosen van der Vaart frühzeitig vom Feld (wieder mit eher schwachen Standards…) und ersetzte ihn durch Jiracek (65.). Offenbar erwartete er zunehmenden Druck von Seiten der Hausherren und wollte daher das defensive Zentrum stabilisieren.

Mit zwei „Abräumern“ vor der Abwehr war die Richtung vorgegeben: Mindestens einen Punkt mitnehmen und damit die Freiburger in der Tabelle auf Distanz halten. Das ohnehin defizitäre spielerische Element wurde durch diesen Wechsel sicher nicht gestärkt.

In der 73. Minute setzte der kurz zuvor für Müller eingewechselte Gouaida nach schöner Flanke von Marcos einen Kopfball knapp neben das Freiburger Gehäuse. Auch Jiracek verfehlte mit einem sehenswerten Volleyschuss leider das Tor (78.).

Auf der anderen Seite machte es der für Klaus eingewechselte Zulechner nicht besser. Auch hier musste der Torhüter nicht eingreifen (81.).

In der Nachspielzeit (90+3.) hatte der quirlige Mehmedi, den die Hamburger Defensive ansonsten gut im Griff hatte, eine letzte Torchance für den Sportclub, aber der einmal mehr sichere Drobny war auf dem Posten. Es blieb daher beim torlosen Remis.

Schiedsrichter: Stark (Ergolding).
In meinen Augen traf er auf Anraten seines Assistenten eine falsche Entscheidung beim Elfmeter gegen den HSV. Der Freiburger hat keine Chance, an den Ball zu kommen oder den Ball tatsächlich zu spielen, da er vorher schon abspringt. Und er springt allein mit der Absicht ab, den Kontakt zu provozieren. Gab zudem keinen Handelfmeter für den HSV, obwohl die Körperfläche des Freiburger Spielers durch dessen Armhaltung vergrößert wurde, was eine mindestens diskutable Bewertung der Szene darstellt.

Fazit: Eine von beiden Seiten läuferisch und kämpferisch engagiert geführte Partie, die spielerisch jedoch einiges zu wünschen übrig ließ. Der HSV hält mit dem Punktgewinn im Breisgau die Freiburger auf Distanz, verpasst aber erneut eine realistische Chance, sich durch einen dreifachen Punktgewinn vorerst ins gesicherte Mittelfeld abzusetzen.

Das Wechselspiel zwischen Behrami und van der Vaart konnte nicht überzeugen, bleibt aber auch der ungenügenden Zusammenstellung des Kaders geschuldet. Hier ist zu hoffen, das Lauf- und Passwege in der Rückrundenvorbereitung besser abgestimmt werden können, sodass die im Ansatz durchaus vorhandenen Möglichkeiten in absehbarer Zeit besser genutzt statt leichtfertig verschenkt werden (s.o., Lasoggas Eigensinn).

Holtby, Müller und Rudnevs sind enorm fleißig, aber vor allem Holtby trennte sich für meinen Geschmack in der einen oder anderen Szene zu spät vom Ball.

Am Ende bleibt für mich neben dem Punktgewinn vor allem die Leistungsentwicklung beider Innenverteidiger das erfreulichste, was ich aus dieser Partie mitnehme.