Sakai

Derbysieger und Stadtmeister ist nur der HSV!

FC St. Pauli – Hamburger SV 0:4 (0:1)

Nach der Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth, die der HSV äußerst schwach bestritten und durchaus glücklich gewonnen hatte, waren sich (fast) alle „HSVer“ einig. So durfte es nicht weiter gehen, will der HSV am Ende dieser Zweitligasaison tatsächlich in die 1. Bundesliga zurückkehren. Sowohl Sportvorstand Becker als auch HSV-Trainer Hannes Wolf hatten nach dem Spiel gegen Fürth erfreulich klare Worte dazu gefunden. Ich war also gespannt, ob und wenn ja welche Früchte die kritische Nachbearbeitung dieser vorangegangenen Partie erbracht hatte.

Schon bei der Aufstellung war klar, dass sich Wolf für das Derby gegen den Stadtrivalen FC St. Pauli ein anderes taktisches Konzept überlegt hatte. Statt im gewohnten 4-1-4-1 mit Mangala als einzigem Sechser brachte er mit Janjicic einen zweiten Mann für das defensive Mittelfeld auf den Platz. Da er zugleich statt eines linken Außenbahnstürmers Özcan in die Startelf berief, und im Wolf’schen 4-1-4-1 bisher beide Außenverteidiger gewöhnlich nach innen rücken, drohte dem Spiel seiner Mannschaft damit theoretisch ein Verlust an Breite und Geschwindigkeit auf dem linken Flügel. Schon kurz nach Anpfiff der Partie wurde aber deutlich, wie Wolf dies zu kompensieren gedacht hatte. Douglas Santos spielte meist links außen und sehr offensiv, während Mangala ihn nach hinten absicherte. Özcan bespielte dafür meist weiter innen den linken Halbraum. Da Mangala damit etwas nach links verschoben agierte, hatte Janjicic erkennbar die Order, das defensive Zentrum zu schließen. So begann der HSV die Begegnung zwar in einem 4-2-3-1, dieses wandelte sich jedoch im Verlauf der Partie fluide in ein 4-3-3 oder für Momente in ein 3-4-3. Die Gastgeber des FC St. Pauli ihrerseits spielten bei Ballbesitz ein 4-2-3-1 und verteidigten gegen den Ball in einem 4-4-2. Sie ließen den HSV meist zunächst in Ruhe in dessen eigener Hälfte das Spiel aufbauen. Erst ca. 5-10 Meter hinter der Mittellinie versuchte der FC St. Pauli dann punktuell zu pressen, wobei die Viererketten relativ eng beieinander blieben, sodass sich für den das Spiel machenden und optisch dominierenden HSV zunächst wenig Räume boten. Beide Teams konnten sich somit keine klaren Torchancen herausspielen. In der 21. Minute hatte der HSV eine erste Möglichkeit, leider war jedoch der erste Ballkontakt von Douglas Santos suboptimal. Auf der anderen Seite hätte Alex Meier, bekanntlich von Beruf Fußballgott, in der 28. Minute nach einer zu kurzen Kopfballabwehr von van Drongelen mit einer schnörkellosen Direktabnahme beinahe Erfolg gehabt.

In der 31. Minute war es der sehr stark spielende Lasogga, der zunächste einen Freistoß für den HSV zentral vor dem Strafraum der St. Paulianer herausarbeiten konnte. Aaron Hunt hob den Ball sehenswert über die Mauer, traf aber leider nur die Querlatte. St. Pauli- Torwart Himmelmann wäre bereits hier chancenlos gewesen. Lasogga jedoch hatte keine Mühe, den zurückprallenden Ball mit dem Kopf an Himmelmann vorbei ins lange Eck des Tores zur Führung für die Rothosen zu befördern. Leider musste Wolf bereits kurz vor der Pause (44.) Hunt aufgrund muskulärer Probleme auswechseln. Bis dahin hatte dieser meist im Wechsel mit Özcan das zentral-offensive Mittelfeld hinter Lasogga besetzt. Statt des HSV-Kapitäns brachte Wolf Jatta in die Partie. Dadurch änderte sich erneut die Statik des HSV-Spiels. Jatta besetzte nun die linke offensive Außenbahn, während Douglas Santos nun etwas defensiver spielte und wie bislang gewohnt weiter nach innen rückte. Die freie Planstelle Hunts im Zentrum übernahm nun Özcan allein. Der „Motor“ des HSV-Spiels war aber eindeutig der herausragende Mangala, der in der 54. Minute die Vorlage für Özcan gab, der zunächst noch an Himmelmann scheiterte. Narey konnte den Abpraller dann jedoch zum 0:2 ins Tor schießen.

In der 61. Minute war es wieder Mangala, der mit einem feinen Pass den dieses Mal gut aufgelegten Jatta auf der linken Außenbahn auf die Reise schickte. Jatta drang bis zur Grundlinie vor und passte dann zurück. Über Narey kam der Ball zu Özcan und schließlich zu Lasogga, dem dann sein Doppelpack gelang. Das 0:3 für den HSV. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war die Partie bereits entschieden. Für „HSVer“ ein zu diesem Zeitpunkt einer Partie ein fast vergessen geglaubtes, beruhigendes Gefühl.

Den krönenden Schlusspunkt beim Auswärtssieg des Hamburger SV setzte Dougals Santos, der nach einem Freistoß in der 88. Minute auf der rechten Angriffsseite von Narey den Ball erhielt, kurz antrat und mit einem präzisen Flachschuss aus ca. 22 Metern das 0:4 für den HSV erzielte.

Nur kurz erwähnen möchte ich, dass ärgerlicherweise Pyromanen beider Fan-Lager mehrfach Bengalos abbrannten, was Schiedsrichter Brych zu gleich mehreren Unterbrechungen des Spiels zwang. Das ist umso bedauerlicher, da beide Seiten großartige Choreos zeigten und ihre Mannschaften ansonsten lautstark unterstützten. Zwischenzeitlich schickte Brych sogar beide Teams in die Kabinen, sodass die Begegnung für beide Vereine sicher wieder unnötige Konsequenzen haben wird.

Ein Extra-Lob möchte ich Hannes Wolf aussprechen. Seine taktischen Maßnahmen und die daraus resultierende fluide Spielweise machte diesen klaren Erfolg des HSV erst möglich. Aus seiner taktisch lobenswert geschlossen, diszipliniert und zunehmend auch gut spielenden Mannschaft ragten für mich Mangala, Douglas Santos und Lasogga heraus. Am Ende gewann der HSV auch in dieser Höhe verdient das Duell um die Stadtmeisterschaft. Der FC St. Pauli agierte zu bieder und bei seinen wenigen Gelegenheiten zu unpräzise, um den HSV ernsthaft gefährden zu können.

Fazit: Der individuell besser besetzte und heute auch eindeutig kollektiv bessere HSV gewinnt am Ende verdient das Derby. Ab heute heißt der „Stadtmeister“ nur der HSV! Durch diesen Sieg vergrößert sich zugleich der Abstand zu einem Verfolger und man festigte den eigenen 2. Tabellenplatz. Taktisch und spielerisch die erhoffte klare Leistungssteigerung auf Seiten der Rothosen, die zudem zeigte, dass die Mannschaft auch klare Siege erringen kann, was angesichts des Torverhältnisses nicht ganz unwichtig ist.

Aufstellung: Pollersbeck – Sakai, Bates, van Drongelen, Douglas Santos – Mangala (90+4. Jung), Janjicic – Narey, Hunt (43. Jatta), Özcan (81. Holtby) – Lasogga

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München). Souverän. Kam ohne jede gelbe Karte aus und behielt auch Ruhe und Übersicht, als die Pyromanen beider Seiten zündelten.

Rosthöschen und der „böse“ Wolf, oder: SSV Jahn Regensburg – HSV 2:1 (1:0)

HSV-Trainer Hannes Wolf sagte jüngst, nach dem Spiel in Regensburg wäre es Zeit Bilanz zu ziehen und zu entscheiden, ob der Start in die Rückrunde angesichts der personllen Ausfälle als dennoch gut, ordentlich oder verpatzt zu werten sei. Die Antwort kann nach dem heutigen Spiel beim SSV Jahn nur heißen: die Rückrunde verlief bisher aus Sicht des selbsternannten Aufstiegsaspiranten Hamburger SV absolut unbefriedigend und die Tendenz ist eindeutig negativ. Mögen die Tabellenführung und die meist knappen Siege über einiges hinweggetäuscht haben, so bieten die mittlerweile ausbleibenden Erfolgserlebnisse sowie das unverändert schlechte Chancenverhältnis nunmehr Anlass zu berechtigter Sorge, dass die aus finanziellen Gründen so dringend notwendige Rückkehr des Vereins in die 1. Bundesliga im Laufe der Rückrunde verpasst werden kann.

Der Trend ist negativ!

Die harten Fakten sind bescheidene 7 Punkte aus 6 Spielen (= 1,16 Punkte je Spiel) und ein negatives Torverhältnis von 7:10 (-3) Toren. Zu den harten Fakten ist inzwischen zudem als gesichert zu zählen, dass der HSV aufgrund eines für eine Spitzenmannschaft miserablen Torverhältnisses von 30:24 (+6) Saisonende wahrscheinlich einen Punkt mehr auf der Habenseite der Tabelle verbuchen muss als die unmittelbare Konkurrenz, will er sich am Ende tatsächlich vor dieser platziert wiederfinden.

Ein Grund für den Wechsel auf der Trainerposition von Christian Titz zu Hannes Wolf waren auch die ausbleibenden positiven Ergebnisse unter Ex-Trainer Titz. Tatsächlich wurde diese Ergebniss-Krise unter Wolf zunächst beendet und es gelang zwischenzeitlich der Sprung an die Tabellenspitze. Auffällig ist aber, dass der HSV kaum je überzeugende, deutliche Siege einfuhr sondern sich bisher euphemistisch formuliert meist als „Meister der Effizienz“ zeigte. Es ist müßig zu diskutieren, ob der zwischenzeitliche Aufschwung nicht auch Christian Titz mit einer Mannschaft gelungen wäre, die im Verlauf einer Saison gewöhnlich zunehmend besser aufeinander eingespielt ist. Tatsache ist aber, dass die Ergebniss-Krise nun auch unter Wolf zurückgekehrt ist. Und für ebenfalls fast unbestreitbar halte ich, dass sich die spielerischen Fortschritte in überschaubaren Grenzen halten.

Mängel im Kader und daraus resultierende taktische Zwänge

Charakterlich scheint mir das Team intakt, da ich der Mannschaft im Bezug auf ihre kämpferische Einstellung auch für die Partie in Regensburg kaum Vorwürfe machen kann. Immer offenkundiger wird jedoch, dass ein erfahrener alter Hase wie Aaron Hunt kaum zu ersetzen ist. Denn er allein scheint im insgesamt jungen Kader der Rothosen in der Lage, gerade in engen und hektischen Partien mit der nötigen Abgeklärtheit und Reife zu spielen. Und ebenfalls immer offenkundiger wird, dass es unverändert einen Mangel an robusten und zugleich kopfballstarken Abräumern für die Sechser-Position im Kader gibt. Nur daraus erschließt sich die taktische Notwendigkeit, den nominellen Mittelstürmer und kopballstarken Lasogga als zusätzliche Absicherung bei gegnerischen Standards bis in den eigenen Strafraum zurückzuziehen. Lasogga hat unbestreitbar seine Qualitäten im Durchsetzungsvermögen, seinem Abschluss, sowie mit dem Rücken zum gegnerischen Strafraum als Zielspieler. Jedoch gerade in Spielen, in denen ein Gegner wie der Jahn permanent drückt, ist er als etwaiger Konterspieler fast ein Totalausfall. Denn man mag bei Lasogga einiges an Qualitäten erkennen, aber läuferisch ist er höchstens biederstes Mittelmaß. Sogar für die zweite Liga.

Dabei begann die Partie in Regensburg aus Sicht des HSV gut und erfreulich. Wolf ließ wie gewohnt im 4-1-4-1 agieren und konnte dabei mit Sakai wieder einen echten, gelernten Außenverteidiger aufstellen. Die Gastgeber spielten gegen den Ball in einem offensiven 4-4-2 und versuchten, ganz wie es Wolf vor der Partie erwartet hatte, das Aufbauspiel des HSV durch frühes Pressing zu stören. Bei eigenem Ballbesitz griffen die Regensburger mit überraschend viel Personal an, sodass aus dem 4-4-2 ein 2-4-4 wurde. Zeitweilig rückten aber auch bis zu 7 Spieler der Heimmannschaft bis in und an den Strafraum des HSV auf. Dennoch zeigte sich der HSV zunächst unbeeindruckt, hielt kämpferisch dagegen, verteidigte aufmerksam, und in der 16. Minute konnte Bates nach Vorarbeit von Holby und Hwang aus kürzester Distanz den 0:1-Führungstreffer für die Hamburger abstauben. Hwang deutete auf dem linken Flügel mehrfach an, dass er läuferisch seinen Gegenspielern deutlich überlegen ist, jedoch fehlte es ihm mitunter an Zielgerichtetheit. Jatta, der in dieser Partie konsequent im ROM spielte, arbeitete defensiv sehr fleißig, dies ging jedoch zu lasten offensiver Aktionen. Mangala und Holby waren bemüht, defensiv zentral die Lücken zu schließen, konnten aber kaum je das Spiel offensiv konstruktiv ordnen und gestalten. Und was dennoch bis in den Strafraum des HSV kam, wurde von der guten Innenverteidigung, Bates und van Drongelen, oder mit vereinten Kräften aus dem Weg geräumt oder geblockt. Trotz des Drucks der Gastgeber erschien mir die Halbzeitführung keineswegs als unverdient, denn Lasogga hätte in der 24. Minute völlig frei und zentral im Strafraum des Jahn stehend das 0:2 machen müssen. MÜSSEN! Aber leider schob der sonst so treffsichere hamburger Mittelstürmer den Ball kläglich deutlich links neben das Tor.

Wolf hat sich vercoacht

In der zweiten Spielhälfte erhöhten die Gastgeber den Druck. Den jungen Rothosen des HSV gelang nun kaum noch etwas konstruktives nach vorne, was den Ausbau der Führung oder wenigstens Entlastung hätte bringen können. Einzig der kämpferische Einsatz des Teams blieb lange Zeit lobenswert. Leider hatte Mangala bereits in der 23. Spielminute den gelben Karton von Zwayer gesehen. Kurz nach Wiederanpfiff ließ Zwayer bei einem weiteren Foul von ihm noch Gnade vor Recht ergehen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war jedoch die Gefahr eines Platzverweises förmlich mit den Händen zu greifen. Hannes Wolf beließ Mangala dennoch auf dem Feld. Vermutlich in Ermanglung echter, auch nur annähernd gleichwertiger Alternativen. Gideon Jung stand nicht zur Verfügung, und Janjicic ist in meinen Augen bis zum heutigen Tage den konstanten Nachweis schuldig geblieben, dass er mehr sein kann als nur ein biederer Ergänzungsspieler in der 2. Liga.

Dennoch muss sich Wolf hier meines Erachtens einen klaren, eindeutigen Coaching-Fehler zurechnen lassen. Zwar ist richtig, dass man nicht zwingend einen bereits gelb verwarnten Spieler auswechseln muss, aber wer den Spielverlauf bis dahin gesehen hatte, der musste auch bemerkt haben, dass sich die Mannschaft nur unter Aufbietung aller Kräfte gegen den Sturmdrang der Gastgeber behaupten konnte. Wer aber permanent im Grenzbereich wandelt, gezwungenermaßen wandeln muss!, der überzieht eben auch ggf. mit hoher Wahrscheinlichkeit. Insofern kam die gelb-rote Karte wegen Handspiels vor dem eigenen Strafraum für Mangala (69.) mit Ansage. Mit etwas mehr Gespür hätte man Mangala hinaus nehmen und stattdessen Janjicic früher bringen müssen. Oder man hätte zur Not Lacroix als eine Art Vorstopper vor der Kette installieren können. Eine andere, denkbare Variante wäre meines Erachtens ein Wechsel Arp für Lasogga gewesen, durch den der HSV Druck von der eigenen Abwehr nehmen glaubwürdig mit schnellem Konterspiel hätte drohen können. Aber Wolf hielt offenbar Lasogga aufgrund der im Durchschnitt stärkeren Körperlichkeit der Regensburger (Al Ghaddioui!) in Kopfballsituationen für unverzichtbar. Wie auch immer: Es wäre bei einer 0:1-Führung sicherer gewesen, die Qualitätseinbuße durch den angesprochen Tausch „6er“ gegen „6er“ hinzunehmen, dafür aber die Mannschaft mutmaßlich vor einem Spiel in Unterzahl zu bewahren. So kam, was sich ebenfalls andeutete: Kaum hatte Mangala den Platz verlassen, gelang dem Jahn der Ausgleich durch Adamyan (71.).

Die weiteren Wechsel von Wolf erschienen mir alle nachvollziehbar, nur änderten sie nichts an der Niederlage. Denn in der 81. Minute gelang Grüttner mit dem 2:1 der Führungstreffer für die Gastgeber. Dass Janjicic in der 92. Minute wegen einer angeblichen Notbremse von Schiedsrichter Zwayer mit glatt Rot des Feldes verwiesen wurde, bleibt nur eine zusätzlich ärgerliche Randnotiz.

Fazit: Der HSV hat den Rückrundenauftakt verpatzt. Er verliert zurecht aufgrund eklatanter spielerischer Mängel in der enttäuschend von ihm geführten zweiten Spielhälfte und aufgrund eines eindeutigen Fehlers von Hannes Wolf. Eine wirklich nachhaltige, überzeugende spielerische Entwicklung der Mannschaft ist nicht erkennbar.

Aufstellung: Pollersbeck – Sakai, Bates, van Drongelen, Douglas Santos – Mangala – Hwang, Holtby (82. Arp), Özcan (71. Janjicic), Jatta (73. Lacroix) – Lasogga

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin). Zweifelhafte, ungleiche Maßstäbe bei der Beurteilung. Der Platzverweis gegen Janjicic dürfte in die Kategorie „höchst zweifelhaft“ fallen.