Ito

Der SV Darmstadt 98 erteilt dem HSV eine bittere Lektion

HSV – SV Darmstadt 98 2:3 (2:0)

Der HSV begann sein Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 in der von mir prinzipiell erwarteten Aufstellung. Jatta kehrte gegen den körperlich robusten Gegner in die Startelf zurück, und Özcan übernahm die Position des leider erneut länger ausfallenden Aaron Hunt im zentralen offensiven Mittelfeld. Lewis Holtby musste sich also zunächst wieder mit einem Platz auf der Bank begnügen. Doch wie heißt es so schön? „Never change a winning team!“ In der taktischen Formation begann der HSV somit erneut in einem 4-2-3-1. Mangala und Janjicic bildeten die Doppelsechs, wobei Mangala erneut deren linken Part bildete. Sofern die Hamburger ballorientiert nach rechts verschoben, rückte der zunächst auf linksaußen beginnende Jatta auf halblinks ein, während der offensivstarke Linskverteidiger Douglas Santos dann die Breite auf der linken Außenbahn herstellte.

Die Darmstädter ihrerseits spielten im Wechsel aus einem 4-4-1-1, bzw. 4-4-2.

Auftakt nach Maß aus Hamburger Sicht

Die Hamburger knüpften zu Beginn der Begegnung nahtlos an die gute Leistung aus dem vorangegangenen Derby an und waren das zunächst in allen Belangen eindeutig überlegene Team. Die Angriffe wurden zielstrebig vorgetragen und wurde ein Ball verloren, so ging man konsequent ins Gegenpressing über. Meist konnten die Hamburger den Ball dann unverzüglich und scheinbar fast mühelos zurückerobern. Grundsätzlich lief der Ball aber auffallend sicher durch die eigenen Reihen und so wirkten die Gäste aus Darmstadt zunächst nur wie überforderte Statisten in einer Partie, die der HSV deutlich überlegen begann.

Bereits in der 5. Spielminute gelang Bakery Jatta mit einem Kopfball aus zentraler Position vor dem Tor nach einem Freistoß von der linken Angriffsseite der Führungstreffer. Als Schiedsrichter Badstübner nach einer Viertelstunde nach einem Foul von Wittek im Strafraum an Narey auf den Punkt zeigte, und Lasogga den Strafstoß sicher zum 2:0 vollstreckte (15.), schien die bis dahin einseitige Partie zum reinen Selbstläufer für den HSV zu geraten.

Mit der deutlichen Führung im Rücken spielte der HSV nun abwartender, ohne zunächst jedoch die Kontrolle über den Spielverlauf zu verlieren. Nach 32 Minuten hatte Gäste-Coach Grammozis bereits genug gesehen und wechselte Yannick Stark für Jones. Ein Wechsel, der sich im Laufe der Begegnung auszahlen sollte. Zunächst ging es aber mit einer verdienten 2:0- Führung für den HSV in die Pause.

Die Oper ist erst vorbei, wenn die dicke Frau gesungen hat!

Nach der Halbzeit spielten die Gäste aus Darmstadt erkennbar bissiger und aggressiver. Sie pressten das Aufbauspiel des HSV nun deutlich früher und konsequenter, was, dies zeigte sich zuletzt im Spiel der Hamburger gegen die SpVgg Greuther Führt, der Hamburger Mannschaft nicht behagt. Yannick Stark stand nun auch enger am „Motor“ des Hamburger Spiels, an Mangala. In der Folge verlor das Spiel des HSV von Minute zu Minute an Sicherheit und Selbstverständlichkeit. Und da die nun vermehrt eingestreuten langen Bälle auch durch mangelhaftes Zweikampfverhalten und Stellungsspiel zunehmend zu keinen brauchbaren eigenen Angriffen führten, kam Darmstadt immer besser ins Spiel. Plötzlich gewannen die Gäste gefühlt jeden s.g. zweiten Ball, und der HSV lief der Musik wieder einmal hinterher.

In der 52. Minute hatte Sakai den Darmstädter Mehlem in seinem Rücken vollkommen aus den Augen verloren. Da van Drongelen(?) das Abseits aufhob, stand Mehlem nach dem seitenverlagernden Zuspiel plötzlich sträflich frei. Dies führte in der Folge zum Anschlusstreffer für die Gäste.

Ich hatte gehofft, dies wäre Warnung genug für den HSV gewesen. Aber die Hamburger verzettelten sich bei ihren Angriffsbemühungen, trennten sich ein ums andere Mal zu spät vom Ball (Mangala, Narey) oder brauchten gefühlte Ewigkeiten, um den freien eigenen Mann zu sehen und anzuspielen (van Drongelen, Bates, Mangala). Das Spiel der Hamburger lief nun nicht mehr flüssig, sondern nach dem Muster „Ball stoppen, schauen, passen“. Notwendig aber wäre gewesen, dass man sich vor(!) der Ballannahme im Hinblick auf Anspieloptionen orientiert, nicht erst dann, wenn man den Ball erhalten hat. So machte man es den immer selbstbewusster und mutiger attackierenden Gästen denkbar leicht, ihr eigenes Spiel durchzusetzen.

Hannes Wolf reagierte auf den Spielverlauf und brachte den trickreichen Ito für Narey. Da Ito linksaußen spielte, wechselte also Jatta auf die rechte offensive Außenbahn. Wenig später durfte auch der bis dahin fleißige Özcan duschen. Statt des jungen Türken kam nun Holtby ins Spiel. Mit beiden Wechseln versuchte Wolf vor allem dem nachlassenden offensiven Spiel seiner Mannschaft die nötigen neuen Impulse zu geben. Zunächst schien dies auch zu gelingen, aber die Hamburger verzettelten sich zu sehr in Einzelaktionen. Sie spielten fast körperlos, vergeudeten unnötig viel Zeit, oder es fehlte an Qualität im Abschluss (Jatta, Ito, Mangala), sodass beinahe ein Schuss vom Darmstädter Stark bereits zum Ausgleich geführt hätte, doch Stark scheiterte noch am Pfosten (70.).

Wolf zog nun seine letzte Option und brachte Arp für Lasogga in die Partie. Da Lasogga zuletzt viel geackert hatte und Arp für ein schnelleres Umschaltspiel der bessere Mann ist, eine aus meiner Sicht ebenfalls absolut nachvollziehbare Maßnahme (78.).

In der 82. Minute gelang Kempe mit einem direkt verwandelten Freistoß vom linken Strafraumeck der Darmstädter Angriffseite in den Torwinkel des HSV der zwischenzeitlich verdiente Ausgleichstreffer.

Angesichts der damit entrissenen drei Punkte begann die Mannschaft der Gastgeber nun erkennbar plötzlich wieder ihrerseits zu fighten. Die Mannschaft des HSV muss sich die Frage gefallen lassen: Warum erst jetzt?! Leider fehlte den eigenen Abschlüssen, obwohl gefährlich, am Ende die entscheidende Qualiät. Ein drittes Tor wollte nicht gelingen. In der Nachspielzeit lief der HSV dann mal wieder nur Begleitschutz und bekam keinen Zugriff auf den Ball, sodass Mehlem sogar noch der Siegtreffer für den SV Darmstadt 98 gelang (90+1.) Angesichts der tollen Moral der Gäste keineswegs unverdient. Vielmehr die verdiente Strafe für das Hamburger Team, dass sich des Sieges offenbar viel zu früh zu sicher wähnte.

Nach dem auch emotionalen Höhepunkt des Derbys hatte es den Anschein, als betrachteten die Hamburger aufgrund ihrer deutlichen Überlegenheit in der Anfangsphase die Restspielzeit als reine Routineaufgabe. Der Spannungsabfall insbesondere nach der Pause, und das plötzlich nach dem Ausgleichstreffer unvermittelt wieder aufflammende Engagement deuten für mich darauf hin. Der SV Darmstadt 98 erteilte der jungen Hamburger Mannschaft eine offenbar notwendige, ganz bittere Lektion: Auch ein in allen Belangen scheinbar vollkommen unterlegener Gegner ist erst nach dem Abpfiff besiegt. Wer seinen Gegner zurück ins Spiel kommen lässt, steht am Ende u.U. selbstverschudet mit leeren Händen da. Ich hoffe, die Mannschaft des HSV hat das jetzt gelernt.

Fazit: Der HSV gibt eine komfortable Zwei-Tore-Führung aus der Hand und verliert am Ende ärgerlicherweise selbstverschuldet sein Heimspiel. Gegen eigentlich schon fast(!) geschlagene Darmstädter wäre aufgrund der klaren Führung sogar eine Punkteteilung grundsätzlich zu wenig gewesen. Am Ende verschenkt das Team sogar drei Punkte. Den Hamburgern fehlte über weite Strecken der zweiten Spielhälfte jegliches Durchsetzungsvermögen, vor allem der nötige Biss in den Zweikämpfen. In der Konsequenz wurden bis auf die Schlussphase kaum noch s.g. zweite Bälle erobert und den Darmstädtern das Spiel überlassen. Aufgrund mangelnder Handlungsschnelligkeit, Übersicht und Zielstrebigkeit bei eigenen Angriffsbemühungen versäumte es der HSV, das wohl endgültig entscheidende 3:0 zu erzielen und ließ den bereits besiegt geglaubten Gegner zurück ins Spiel kommen. Die Niederlage ist nicht Schuld des Schiedsrichters, auch wenn es vor dem Siegtreffer der Gäste eigentlich einen Eckball für den HSV hätte geben müssen. Auch Wolf trägt m.E. keine Schuld, denn seine Personalwechsel erschienen mir logisch und begründet. Der eklatante Spannnungsabfall innerhalb des Teams angesichts der zwischenzeitlich beruhigenden Führung war deutlich zu bemerken. Für mich ist die Ursache eine Mischung aus einer mental ärgerlich schwachen Wettkampfführung und fehlender Reife der insgesamt eben jungen Mannschaft. Merke: „körperlos“ gewinnt man keine Spiele, auch nicht gegen einen Gegner, der bereits am Boden liegt.

Aufstellung: Pollersbeck – Sakai, Bates, van Drongelen, Douglas Santos – Janjicic, Mangala – Narey (57. Ito), Özcan (65. Holtby), Jatta – Lasogga (78. Arp)

Schiedsrichter: Florian Badstübner (Windsbach). Nicht fehlerfrei. Mitunter zweifelhafte Zweikampfbewertungen. Vor dem Angriff, der zum Siegtreffer Darmstadts führte, hätte es m.M.n. Eckstoß für den HSV geben müssen.

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Derbysieger und Stadtmeister ist nur der HSV!

FC St. Pauli – Hamburger SV 0:4 (0:1)

Nach der Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth, die der HSV äußerst schwach bestritten und durchaus glücklich gewonnen hatte, waren sich (fast) alle „HSVer“ einig. So durfte es nicht weiter gehen, will der HSV am Ende dieser Zweitligasaison tatsächlich in die 1. Bundesliga zurückkehren. Sowohl Sportvorstand Becker als auch HSV-Trainer Hannes Wolf hatten nach dem Spiel gegen Fürth erfreulich klare Worte dazu gefunden. Ich war also gespannt, ob und wenn ja welche Früchte die kritische Nachbearbeitung dieser vorangegangenen Partie erbracht hatte.

Schon bei der Aufstellung war klar, dass sich Wolf für das Derby gegen den Stadtrivalen FC St. Pauli ein anderes taktisches Konzept überlegt hatte. Statt im gewohnten 4-1-4-1 mit Mangala als einzigem Sechser brachte er mit Janjicic einen zweiten Mann für das defensive Mittelfeld auf den Platz. Da er zugleich statt eines linken Außenbahnstürmers Özcan in die Startelf berief, und im Wolf’schen 4-1-4-1 bisher beide Außenverteidiger gewöhnlich nach innen rücken, drohte dem Spiel seiner Mannschaft damit theoretisch ein Verlust an Breite und Geschwindigkeit auf dem linken Flügel. Schon kurz nach Anpfiff der Partie wurde aber deutlich, wie Wolf dies zu kompensieren gedacht hatte. Douglas Santos spielte meist links außen und sehr offensiv, während Mangala ihn nach hinten absicherte. Özcan bespielte dafür meist weiter innen den linken Halbraum. Da Mangala damit etwas nach links verschoben agierte, hatte Janjicic erkennbar die Order, das defensive Zentrum zu schließen. So begann der HSV die Begegnung zwar in einem 4-2-3-1, dieses wandelte sich jedoch im Verlauf der Partie fluide in ein 4-3-3 oder für Momente in ein 3-4-3. Die Gastgeber des FC St. Pauli ihrerseits spielten bei Ballbesitz ein 4-2-3-1 und verteidigten gegen den Ball in einem 4-4-2. Sie ließen den HSV meist zunächst in Ruhe in dessen eigener Hälfte das Spiel aufbauen. Erst ca. 5-10 Meter hinter der Mittellinie versuchte der FC St. Pauli dann punktuell zu pressen, wobei die Viererketten relativ eng beieinander blieben, sodass sich für den das Spiel machenden und optisch dominierenden HSV zunächst wenig Räume boten. Beide Teams konnten sich somit keine klaren Torchancen herausspielen. In der 21. Minute hatte der HSV eine erste Möglichkeit, leider war jedoch der erste Ballkontakt von Douglas Santos suboptimal. Auf der anderen Seite hätte Alex Meier, bekanntlich von Beruf Fußballgott, in der 28. Minute nach einer zu kurzen Kopfballabwehr von van Drongelen mit einer schnörkellosen Direktabnahme beinahe Erfolg gehabt.

In der 31. Minute war es der sehr stark spielende Lasogga, der zunächste einen Freistoß für den HSV zentral vor dem Strafraum der St. Paulianer herausarbeiten konnte. Aaron Hunt hob den Ball sehenswert über die Mauer, traf aber leider nur die Querlatte. St. Pauli- Torwart Himmelmann wäre bereits hier chancenlos gewesen. Lasogga jedoch hatte keine Mühe, den zurückprallenden Ball mit dem Kopf an Himmelmann vorbei ins lange Eck des Tores zur Führung für die Rothosen zu befördern. Leider musste Wolf bereits kurz vor der Pause (44.) Hunt aufgrund muskulärer Probleme auswechseln. Bis dahin hatte dieser meist im Wechsel mit Özcan das zentral-offensive Mittelfeld hinter Lasogga besetzt. Statt des HSV-Kapitäns brachte Wolf Jatta in die Partie. Dadurch änderte sich erneut die Statik des HSV-Spiels. Jatta besetzte nun die linke offensive Außenbahn, während Douglas Santos nun etwas defensiver spielte und wie bislang gewohnt weiter nach innen rückte. Die freie Planstelle Hunts im Zentrum übernahm nun Özcan allein. Der „Motor“ des HSV-Spiels war aber eindeutig der herausragende Mangala, der in der 54. Minute die Vorlage für Özcan gab, der zunächst noch an Himmelmann scheiterte. Narey konnte den Abpraller dann jedoch zum 0:2 ins Tor schießen.

In der 61. Minute war es wieder Mangala, der mit einem feinen Pass den dieses Mal gut aufgelegten Jatta auf der linken Außenbahn auf die Reise schickte. Jatta drang bis zur Grundlinie vor und passte dann zurück. Über Narey kam der Ball zu Özcan und schließlich zu Lasogga, dem dann sein Doppelpack gelang. Das 0:3 für den HSV. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war die Partie bereits entschieden. Für „HSVer“ ein zu diesem Zeitpunkt einer Partie ein fast vergessen geglaubtes, beruhigendes Gefühl.

Den krönenden Schlusspunkt beim Auswärtssieg des Hamburger SV setzte Dougals Santos, der nach einem Freistoß in der 88. Minute auf der rechten Angriffsseite von Narey den Ball erhielt, kurz antrat und mit einem präzisen Flachschuss aus ca. 22 Metern das 0:4 für den HSV erzielte.

Nur kurz erwähnen möchte ich, dass ärgerlicherweise Pyromanen beider Fan-Lager mehrfach Bengalos abbrannten, was Schiedsrichter Brych zu gleich mehreren Unterbrechungen des Spiels zwang. Das ist umso bedauerlicher, da beide Seiten großartige Choreos zeigten und ihre Mannschaften ansonsten lautstark unterstützten. Zwischenzeitlich schickte Brych sogar beide Teams in die Kabinen, sodass die Begegnung für beide Vereine sicher wieder unnötige Konsequenzen haben wird.

Ein Extra-Lob möchte ich Hannes Wolf aussprechen. Seine taktischen Maßnahmen und die daraus resultierende fluide Spielweise machte diesen klaren Erfolg des HSV erst möglich. Aus seiner taktisch lobenswert geschlossen, diszipliniert und zunehmend auch gut spielenden Mannschaft ragten für mich Mangala, Douglas Santos und Lasogga heraus. Am Ende gewann der HSV auch in dieser Höhe verdient das Duell um die Stadtmeisterschaft. Der FC St. Pauli agierte zu bieder und bei seinen wenigen Gelegenheiten zu unpräzise, um den HSV ernsthaft gefährden zu können.

Fazit: Der individuell besser besetzte und heute auch eindeutig kollektiv bessere HSV gewinnt am Ende verdient das Derby. Ab heute heißt der „Stadtmeister“ nur der HSV! Durch diesen Sieg vergrößert sich zugleich der Abstand zu einem Verfolger und man festigte den eigenen 2. Tabellenplatz. Taktisch und spielerisch die erhoffte klare Leistungssteigerung auf Seiten der Rothosen, die zudem zeigte, dass die Mannschaft auch klare Siege erringen kann, was angesichts des Torverhältnisses nicht ganz unwichtig ist.

Aufstellung: Pollersbeck – Sakai, Bates, van Drongelen, Douglas Santos – Mangala (90+4. Jung), Janjicic – Narey, Hunt (43. Jatta), Özcan (81. Holtby) – Lasogga

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München). Souverän. Kam ohne jede gelbe Karte aus und behielt auch Ruhe und Übersicht, als die Pyromanen beider Seiten zündelten.