Westermann

Totgesagte leben länger! HSV – Bayer 04 Leverkusen 2:1 (1:0)

+++ Aktualisierung: Leverkusen entlässt Hyypiä. Nachfolger ist Sascha Lewandowski +++

Was für ein Spiel, welch ein Spektakel! Der von Vielen schon als sicherer Absteiger abgeschriebene HSV erkämpft sich drei ganz wichtige Punkte gegen den Favoriten aus Leverkusen. Wann hat man zuletzt ein Spiel mit Hamburger Beteiligung gesehen, das so reich an Höhepunkten war, und in dem am Ende der HSV den Platz als Sieger verließ?! Ich kann mich gerade nicht erinnern. Bis es aber soweit war, glich das Spiel einer einzigen emotionalen Achterbahnfahrt: Hoffen, Jubel, Entsetzen, Bangen und Erlösung – das volle Programm, würde Dittsche sagen.

Der HSV begann in der von mir prognostizierten Aufstellung, während Hyypiä diverse Wechsel in der Startformation vornahm. So kam u.a. Julian Brandt auf dem rechten Flügel zum Einsatz.

Aufstellung: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Calhanoglu, Arslan, Badelj (33. Rincon), Jiracek – van der Vaart (68. Tesche) – Zoua (77. Maggio)

Spielverlauf: Der HSV begann die Partie furios. Es war zu spüren, dass die Mannschaft von Beginn an um ihre „letzte“ Chance kämpfte. Da wurde gerannt, gekämpft und sich gegenseitig geholfen, als gäbe es kein morgen. Das von mir erwartete, starke Offensivpressing der Gäste auf unsere Innenverteidigung im Spielaufbau fand zunächst kaum statt. Offenbar hatte auch hier Hyypiä seiner Mannschaft eine andere taktische Marschroute ausgegeben.
Bereits in der 4. Minute kam es zur Führung des HSVs. Kapitän van der Vaart, der in der ersten Spielhälfte als leidenschaftlich kämpfendes Vorbild voranging, legte einen Ball auf Calhanoglu ab. Hakan, der immer mehr zum absoluten Leistungsträger wird, fackelte nicht lange und schoss knallhart flach ins linke untere Eck des Gästetores. 1:0 für den HSV – ein Auftakt nach Maß!
Drei Minuten später trat Adler erstmals in Erscheinung. Er konnte gerade noch einen Schuss aus zentraler Position der Leverkusener parieren. Gut, dass wir diesen Mann im Kasten haben, dachte ich mir..
In der 20. Minute setzte dann der aufgerückte Mancienne(!) für den HSV einen Fallrückzieher knapp neben das Gehäuse der Gäste, während auf der anderen Seite Kießling, am linken Eck des Fünfmeter-Raumes stehend, den Ball am langen Pfosten vorbei schoss (22.). Nicht anders erging es Westermann (29.), der, nach einer Freistoßflanke von Calhanoglu, den Ball aus ca. fünf Metern links am Tor von Bayer vorbei beförderte. Was für Chancen hüben wie drüben! Zwischen den Chancen kämpften die Hamburger leidenschaftlich um jeden Ball und jeden Meter. Ich sah das mit einer Mischung aus Stolz und Sorge. Stolz, weil die Mannschaft ganz offensichtlich gewillt war, alle Unkenrufer Lügen zu strafen. Und Sorge, weil ich mir dachte: wenn das heute wieder nicht belohnt wird, dann könnte das mental der Genickbruch für die Truppe sein.
Dann kam Teil Eins dessen, was in dieser Seuchensaison des Hamburger Sportvereins wohl kommen muss: Badelj verletzte sich die Oberschenkelmuskulatur bei einem Torschussversuch und musste in der 33. Minute vom Feld. Für ihn kam „der General“ Rincon, die personifizierte „Kampfsau“ beim HSV.
In der 35. Minute kam der Ex-Hamburger und heutige Leverkusener Son aus fünf Metern zum Kopfball, aber Adler parierte einmal mehr überragend.
Die erste Hälfte endete in der Nachspielzeit mit gleich zwei Torgelegenheiten für den HSV. Erst schoss Calhanoglu mit Vollspann eine Bogenlampe auf das Tor der Gäste, die von Leno gerade noch über die Latte gelenkt werden konnte (45+1.), dann verpasste Jiracek denkbar knapp einen Ball, den der Gästetorwart abprallen ließ (45+2.). Kurz vor der Pause lag Zoua am Boden. Er hatte sich, so sah es jedenfalls aus, im Zweikampf eine Schienbeinprellung zugezogen. Beim Betrachten der Bilder schwante mir Übles, doch Zoua kam zur zweiten Hälfte zurück und konnte die Partie zunächst fortsetzen.

In der zweiten Spielhälfte war es erneut Calhanoglu, der aus halbrechter Position mit einem sehenswerten Schuss (54.) das lange obere Eck des Leverkusener Tores anvisierte. Aber auch hier war Leno auf dem Posten. Schade!
Nur eine Minute später trennte der Leverkusener Can im eigenen Strafraum Zoua mit äußerst robustem Körpereinsatz (55.) gerade noch vom Ball. Das hätte einen Strafstoß für den HSV geben können, gab es aber nicht. Angesichts der anderen, vom Schiedsrichter zugunsten des HSVs entschiedenen Strafraumszenen, sollte man sich aber aus Hamburger Sicht keinesfalls über diese Entscheidung beschweren…
Es kam die 58. Spielminute: der junge Julian Brandt nahm sein Herz in beide Hände und schoss aus 16 bis 17 Metern auf das Tor der Hamburger. Der Ball kam fast genau „auf den Mann“ und alles sah danach aus, als würde Adler den Ball mühelos fangen können. Weit gefehlt, leider! Der Ball sprang Adler aus den Armen, rotierte über dessen linken Unterarm und kullerte nebem dem linken Pfosten ins Tor der Hausherrn. 1:1  – ein klarer, eklatanter Torwartfehler. Darüber kann es keine Diskussion geben! Ich dachte sofort an das Braunschweig-Spiel und schickte umgehend eine SMS an den Fußballgott. Inhalt: Bitte erspare uns, dass uns ausgerechnet ein Fehler des ansonsten famosen Adlers am Ende die Punkte kostet!

Dann kam die nächste Hiobsbotschaft aus Sicht des HSVs: van der Vaart musste in der 68. Minute mit muskulären Problemen angeschlagen aus dem Spiel genommen werden. Es kam „Fußball-Gott“ Robert Tesche. Wer hätte vor wenigen Wochen noch gedacht, dass man sich als Hamburger noch glücklich schätzen würde, dass wir mit Tesche noch einen gestandenen Bundesligaprofi auf der Bank haben?

In der Folge übernahm eindeutig Bayer 04 das Kommando. Der unerwartete Ausgleich und die Umstellung hatten Spuren hinterlassen. Die Gäste drückten nun mit Macht auf den nächsten Treffer, während die Hamburger kaum noch Zugriff auf das Spiel, vor allem im Mittelfeld, bekamen. Plötzlich sah man nun auch das Offensivpressing der Leverkusener. Die Folge: Die Bälle wurden vom HSV mit Befreiungsschlägen einfach aus dem eigenen Strafraum herausgeschlagen, bzw. zu ungenau bei Konterversuchen hergeschenkt und kamen postwendend zurück. Das sah gar nicht gut aus, wenn man es mit dem Hamburger Sportverein hält, denn die Ordnung ging streckenweise verloren. Es wirkte so, als wäre der Führungstreffer für Leverkusen nur eine Frage der Zeit. An dieser Stelle ist aber nicht nur der bedingungslose Einsatz der gesamten Truppe zu loben, sondern auf zwei Dinge hinzuweisen:

1. Die hamburger Defensivspieler, allen voran beide Innenverteidiger, aber auch die beiden Sechser (Arslan!), antizipierten über weite Strecken des Spiels großartig die Anspielversuche der Leverkusener. So konnte Vieles schon im Ansatz entschärft werden. Bravo!;
2. Adler zeigte sich vollkommen unbeeindruckt von seinem schweren Fehler und setzte das Spiel fort, als wäre nichts geschehen. Er hielt, was zu halten war. Das ist mentale Stärke, das war einfach großartig!

Und weil es wohl dieses Jahr nicht genug Hiobsbotschaften aus Sicht des Hamburger Sportvereins geben kann, musste der bereits angeschlagene Zoua in der 77. Minute ebenfalls vom Feld und wurde vom U23-Stürmer Maggio ersetzt. Maggio konnte kaum wirkliche Akzente setzen, aber man sah sofort, dass er mindestens in Sachen Sprintgeschwindigkeit wettbewerbsfähig ist.
In der 78. Minute verpassten sowohl Maggio als auch Jiracek eine scharfe Hereingabe von Calhanoglu denkbar knapp vor dem Gehäuse der Gäste. Hyypiä ging nun angesichts der verbleibenden Spielzeit volles Risiko und brachte mit Derdiyok für Lars Bender (MIT) einen weiteren Stürmer. Und dann, als Hamburger glaubt man es ja kaum noch, hatte der Fußballgott ein Einsehen: Rincon schalltete schnell und richtig und passte zu dem aufgerückten Diekmeier auf den rechten Flügel. Dessen Hereingabe nahm, wer hätte das gedacht?!, ausgerechnet Westermann volley und drosch das Leder humorlos ins linke obere Eck. Leno war da vollkommen chancenlos. 2:1 für den HSV! Natürlich habe ich mich für die gesamte Mannschaft gefreut, aber das gerade dem oft zu unrecht gescholtenen Westermann dieser sehenswerte und unerhört wichtige Treffer gelang – das hat mich ganz besonders berührt…
In der Nachspielzeit (92.) wäre um ein Haar der erneute Ausgleich gefallen. Aber Adler konnte mit den Beinen einen Schussversuch Cans aus kürzester Distanz parieren. Welch ein Herzschlagfinale! So aber blieb es beim Sieg des Hamburger Sportvereins. Der Rest war kollektiver Jubel.

Fazit: Der HSV sendet ein kräftiges Lebenszeichen an die Konkurrenz. Der Sieg erscheint keineswegs völlig unverdient, wenn man an die diversen Ausfälle, die prekäre Ausgangslage und die grandiose kämpferische Leistung der Mannschaft denkt. Allerdings hatte die Truppe dieses Mal das nötige Glück auf ihrer Seite. Ich fühle mich in meiner Annahme (s.h. Vorschau zum Spiel) bestätigt, dass die vergangenen, relativ erfolglosen Wochen Spuren bei den Leverkusenern hinterlassen hatten. Die Mannschaft wirkte gerade zu Beginn der Partie nicht so sicher, wie man das eigentlich gewohnt ist. Ein Indiz dafür scheint mir auch zu sein, dass man nicht so aggressiv presste, wie man das schon von Bayer 04 gesehen hat. Der HSV springt zunächst auf Platz 15 auf Platz 16. Unabhängig vom Ausgang der Spiele der anderen, vom Abstieg gleichfalls bedrohten Mannschaften, erzeugt dies also Druck auf die Konkurrenz. Außerdem zeigte sich einmal mehr, hoffentlich auch so manchem Betrachter…!, dass auf Hamburger Seite keineswegs seelenlose, desinteressierte Söldner am Werk sind, sondern eine Mannschaft, die absolut gewillt ist, dem Verein die Schmach eines Abstiegs zu ersparen. Gelingt es nun, auswärts in Hannover nachzulegen, dann hält man alle Karten wieder selbst in der Hand. Aber auch wenn dies nicht gelingen sollte, zeigt sich erneut, dass man immer eine Chance auf weitere Siege hat, wenn man an sich glaubt und seine Hausaufgaben erledigt. Totgesagte leben bekanntlich länger – glauben wir dran!

Schiedsrichter: Dankert (Rostock). Hätte mindestens dreimal auf Elfmeter entscheiden können, wenn nicht gar müssen (Handspiel Djourou; Foul von Can an Zoua 55. Minute; Foul an Son in 73. Minute).  Wer sich als Hamburger gerne vom Schiedsrichter benachteiligt sieht – mit wesentlichen Entscheidungen Dankerts hat der HSV dieses Mal eindeutig Glück gehabt.

 

 

DAS RESTPROGRAMM


13. Hannover 96 (29 Pkt; -18):

Hamburger SV (H)
Eintracht Frankfurt (A)
VfB Stuttgart (H)
1. FC Nürnberg (A)
SC Freiburg (H)

14. SC Freiburg  (29 Pkt; -19):
Eintracht Braunschweig (H)
Borussia M’Gladbach (H)
VfL Wolfsburg (A)
FC Schalke 04 (H)
Hannover 96 (A)

15. VfB Stuttgart (27 Pkt; -13):
Borussia M’Gladbach (A)
Schalke 04 (H)
Hannover 96 (A)
VfL Wolfsburg (H)
Bayern München (A)

16. Hamburger Sportverein (27 Pkt; -15):
Hannover 96 (A)
VfL Wolfburg (H)
FC Augsburg (A)
Bayern München (H)
1. FSV Mainz 05 (A)

17. 1.FC Nürnberg (26 Pkt; -20)
VfL Wolfsburg (A)
Bayer Leverkusen (H)
1. FSV Mainz 05 (A)
Hannover 96 (H)
FC Schalke 04 (A)

18. Eintracht Braunschweig (25 Pkt; -22):
SC Freiburg (A)
Bayern München (H)
Hertha BSC (A)
FC Augsburg (H)
1899 Hoffenheim (A)

Eine Chance hat man immer: Vorschau auf Borussia M’gladbach – Hamburger SV

Die Partien gegen die anderen, unmittelbar in Abstiegesgefahr befindlichen Mannschaften liegen hinter uns. Am Sonntag kommt es nun zum Aufeinandertreffen mit einem anderen Traditionsverein, der Borussia aus Mönchengladbach. Die Gladbacher mussten vor Jahren ebenfalls schwere Zeiten durchstehen, bevor sich ihr kontinuierlich und unaufgeregt arbeitender Sportdirektor, Max Eberl, für Lucien Favre als neuen Trainer entschied. Seitdem geht es mit der Borussia aufwärts, auch wenn sie in dieser Saison ganz oben, bei den Plätzen, die zur Teilnahme an der Champions League berechtigen, wohl nicht anklopfen werden. Derzeit stehen die Gladbacher auf Platz 6, würden also in der kommenden Spielzeit in der Euro League starten. Etwas, wovon der HSV derzeit bekanntlich meilenweit entfernt ist.

Personell bleibt beim HSV die Lage fast unverändert. Einer kehrt zurück (Calhanoglu, nach überstandener Gelb-Rot-Sperre), dafür ist nun ein anderer, Milan Badelj, aufgrund seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Unser Trainer Mirko Slomka ist also erneut zu Umstellungen gewzungen. Mittelfristig scheint sich jedoch das Lazarett zu lichten, wei Slomka auf der PK andeutete, da wohl Demirbay, Lam und Ilicevic ab der kommenden Woche schrittweise ins Mannschaftstraining zurückkehren werden. Und auch bei Jansen scheint wohl denkbar, dass er vielleicht doch noch in dieser Saison zur Verfügung stehen könnte. Doch zurück zum Tagesgeschäft. Die Frage ist also, wie Slomka unseren defensiven Spielmacher, Badelj, ersetzt.

Da wir auswärts antreten, erscheint mir die wahrscheinlichste Variante ein 4-2-3-1 zu sein:
Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Jiracek – Lasogga.

Daraus könnte man situativ auch in ein 4-4-1-1 oder gar 4-4-2 wechseln: Die beiden offensiven Mittelfeldspieler auf der Außenbahn (Calhanoglu rechts, Jiracek links) fielen auf Höhe der beiden Sechser zurück, während van der Vaart als hängende hinter oder gar zweite Spitze neben Lasogga agieren würde. Diese Aufstellung hätte den Vorteil, dass der gesperrte Sechser Badelj 1:1 durch einen anderen, Rincon, ersetzt würde. Wobei natürlich nicht übersehen werden darf, dass Milans Stärken im Spielaufbau liegen, während Tomás eher der Typ „kampfstarker Zerstörer“ ist. Auch der fluide Wechsel zwischen den drei Formationen dürfte der Mannschaft inzwischen vertraut sein. Da ich Gladbach auch  für sehr spielstark halte, spricht einiges dafür, mit einem Fünfer-Mittelfeld die Räume zu verdichten, bzw. aus Sicht des HSVs zu versuchen, über die drei offensiven Mittelfeldspieler hinter Lasogga eigene Akzente nach vorne zu setzen. Denn spielen lassen sollte man die Borussia besser nicht.

Eine andere Variante wäre die folgende, angelehnt an die Erkenntnisse aus dem Spiel gegen den SC Freiburg: Adler, Diekmeier; Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Rincon, Jiracek – van der Vaart – Zoua, Lasogga.

Dieses 4-3-1-2 hat m.E. gegen den SC gut funktioniert. Auch hier könnte sich van der Vaart bei Bedarf in die defensivere Dreierkette einreihen. Wahlweise könnte er dann auch die offensiv-zentrale Spitze in einer Mittelfeldraute besetzen, während Rincon situativ(!) als alleiniger Sechser agieren würde. Für diese Formation sprechen folgende Argumente:
1. Mit Zoua hätte man vorn einen zweiten Mann neben Lasogga, der ebenfalls lange Bälle festmachen kann, was Lasogga mehr Räume verschaffen dürfte.
2. Durch gleich zwei nominelle Stürmer behielte das Spiel unseres Teams mindestens latent immer eine gewisse Tiefe, d.h. die Gladbacher müssten bei allem eigenen Vorwärtsdrang ein größeres Augenmerk auf die eigene Defensive legen.
3. van der Vaart könnte das Anbindungsproblem zwischen Abwehr/Mittelfeld und Spitze beheben, das ich hier schon mehrfach behandelt habe.
Der Gedanke hinter dieser Formation: Angriff ist die beste Verteidigung. Allerdings denke ich, dass Slomka doch zunächst etwas vorsichtiger, also mit Variante 1  beginnen lassen wird. Eine Umstellung bei einem eventuellen Rückstand auf diese etwas riskantere Formation hielte ich aber angesichts der insgesamt guten Leistung gegen den SC für absolut denkbar. Wie auch immer – in jedem Fall dürfte Robert Tesche früher oder später erneut ins Spiel kommen. Das hat er sich mit seinen bisherigen Auftritten unter Slomka auch durchaus verdient.

Gladbach erwarte ich in einem klaren 4-4-2:
Ter Stegen – Korb, Stranzl, Alvaro Dominguez, Daems – Hermann, Nordtveid (Jantschke?), Cramer, Arango – Raffael, Kruse
Bemerkenswert hier, dass Millionen-Mann Xhaka (ZM) zuletzt eine eher untergeordnete Rolle spielte. Je nach Spielverlauf (und seinen Trainingsleistungen, die ich natürlich nicht beurteilen kann) könnte er aber im Laufe der Partie eingreifen. Ziemlich sicher bin ich aber, dass Favre den flinken und trickreichen Younes (LA) als echte Alternative zu Arango im Blick haben wird.

Vorne den immer wieder intelligent die Räume nutzenden Kruse und den auch mit Ball enorm schnellen und wendigen Raffael – auf Hamburgs Defensive dürfte Schwerstarbeit zukommen. Auf unserer linken Seite könnte Westermann ähnliche Probleme gegen den flinken Hermann wie schon gegen den schnellen Stuttgarter Traoré bekommen. Allein daraus resultiert schon, dass man die Gladbacher möglichst nicht ins Spiel und ins Laufen kommen lassen darf. Denn einmal am Ball, könnten sich andernfalls brandgefährliche Standards rund um den Strafraum des HSVs häufen. Da wohl jeder die diesbezüglichen Qualitäten Arangos inzwischen kennt, sollte man derartige Fouls tunlichst vermeiden. Einmal mehr sind also gute Antizipation und intelligentes Zweikampfverhalten vor allem von unseren Kartensammlern im Mittelfeld (Rincon, Arslan) gefordert.

Medial wird derzeit gerne auf dem s.g. „Auswärtsfluch“ Slomkas herumgeritten. In bester Boulevardmanier wird aufgezählt, wie viele Spiele unsere Trainer zuletzt auswärts nicht gewonnen hat. Abgesehen davon, dass es in meinen Augen schlicht albern ist, Ergebnisse zu addieren, die mit zwei unterschiedlichen Mannschaften erzielt wurden, erzählt jedes Spiel seine eigene Geschichte. Vieles bleibt im Fußball, auch dies schrieb ich unlängst, vom Zufall und der Tagesform abhängig. Ein glücklich abgefälschter Ball, ein Sonntagsschuss, ein zurecht oder unrecht gegebener Elfmeter – schon ändert sich die gesamte taktische Ausgangslage und das Spiel nimmt u.U. einen gänzlich anderen Verlauf. In der Bundesliga kann, gerade das beweisen doch auch z.B. die Braunschweiger, fast jeder jeden schlagen – sehen wir einmal von den derzeit übermächtigen Seriensiegern aus München ab. Es bleibt also auch hier dabei: man muss seine eigenen Hausaufgaben erledigen. Wer nicht kämpft, der hat bereits verloren. Wer aber immer „dran bleibt“, nur dem können auch überraschende Erfolge gelingen. Erinnern wir uns also an unseren Erfolg gegen die andere Borussia aus Dortmund, anstatt schon im Vorfeld zu verzagen.

Abschließend noch ein Paar Worte zu den zugegebenermaßen etwas despektierlichen Aussagen Markus Weinzierls. Der Trainer des FC Augsburg hatte, angesprochen auf das angebliche Interesse des HSVs am Augsburger Linksverteidiger, Matthias Ostrzolek, geäußert, darüber könne er nur lachen, da die Hamburger selbst nicht wüssten, in welcher Liga sie ab der kommenden Saison spielen würden. In diesem Zusammenhang sagte er wörtlich: „Der HSV hat 100 Millionen Euro Schulden. Die wollen nach Augsburg kommen und uns die Spieler wegnehmen. Da sind wir relativ entspannt“. Der SPIEGEL titelte daraufhin, Weinzierl mache sich über den HSV lustig und – wen wundert es? – die Hamburger Mopo meinte gar zu wissen, der Augsburger Trainer lästere mit „Hohn und Spott“ über den HSV.
Meine Meinung: Seit geraumer Zeit wurde spekuliert, der HSV sei an dem Augsburger Vogt (DM) interessiert. Dies könnte insofern stimmen, sollte uns Rincon am Ende der Saison verlassen. Nun kam das Gerücht auf, Hamburg hätte auch am Augsburger Linksverteidiger (Backup oder schon Ersatz für Jansen?) Interesse. So etwas ist immer geeignet, Unruhe in einen Verein zu bringen. Für mich also absolut nachvollziehbar, dass Weinzierl dies schon im Ansatz unterbinden will. Und es mag ja den Fans des HSVs nicht schmecken, aber der Augsburger Trainer sagt zunächst einmal nur die Wahrheit, wenn er von der Unsicherheit der Ligazugehörigkeit oder dem Schuldenstand spricht. Da sollten wir ganz entspannt bleiben. Ganz nebenbei gehört es im Zweifel mit zum Transfergeschäft, dass man sich angesichts etwaiger Begehrlichkeiten der Konkurrenz tiefenentspannt äußert. Das treibt im Zweifel die Preise hoch. In meinen Augen hat uns der Augburger  Trainer hier eine Lektion erteilt: Man verkündet eben nicht lauthals, dass man Spieler unbedingt vom Hof haben will und mindert damit ihren Marktwert…
Fußball ist bekanntlich Tagesgeschäft. Sollte HSVPlus am 25. Mai beschlossen werden, auch das dürfte man  in Augsburg wissen, verändert sich auch die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des HSVs entscheidend. Und Hamburg wäre auch im denkbar schlimmsten Fall eines Abstiegs in die zweite Liga immer eine interessante Adresse. Jedenfalls für die, die es aus der beschaulichen Augsburger „Puppenkiste“ hinaus in die Welt zieht.

Zu guter letzt: Wer ihn noch nicht gesehen haben sollte, hier ein schöner Clip zur Einstimmung auf das Spiel: http://www.youtube.com/watch?v=54839hG4Z8w&feature=youtu.be