Djourou

Ein schmeichelhaftes Unentschieden: HSV – SpVgg Greuther Fürth 0:0 (0:0)

So ist das zur Zeit. Nach einer sorgenvollen, unruhigen Nacht schreibe ich meinen Spielbericht und stelle nur die Hälfte online. Die andere Hälfte verschwindet ungewollt und ungespeichert im virtuellen Nirwana. Es kommt derzeit alles zusammen. Also auf ein Neues!

HSV-Trainer Slomka musste kurzfristig die Mannschaft umbauen, da Adler nach dem Aufwärmen über Rückenschmerzen klagte. Für ihn kam Drobny zum Einsatz. Wohl dem, der so eine 1b-Lösung auf der Bank weiß. Überraschender und möglicherweise schon ein Fingerzeig für die Zukunft beim HSV war die Tatsache, dass Westermann ebenfalls auf der Bank Platz nehmen musste, weil Slomka auf Djourou vertraute. Er schickte also folgende Aufstellung zu Beginn auf das Feld:

Drobny – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Jiracek – Rincon (90. Westermann), Tesche (60. Jansen), Badelj, Calhanoglu – van der Vaart – Lasogga

Die Partie begann verhalten und ohne große Höhepunkte, da beide Mannschaften zunächst darauf bedacht schienen, defensiv stabil zu stehen. Die Partei glich zu Beginn mehr einem wechselseitigen Abtasten beider Mannschaften, die sich weitestgehend neutralisierten. So dauerte es bis zur 26. Minute, als der sehr agile  Fürther Angreifer, Ilir Azemi, sich mit einem schönen Trick durch den Strafraum der Hamburger spielte. Zum Glück für die Gastgeber kam er dabei am Ende etwas aus dem Tritt und traf den Ball nicht mehr absolut sauber. Drobny stand im kurzen Eck, Azemi schien ihn “tunneln” zu wollen, aber Hamburgs Torhüter bekam schnell genug die Beine zusammen und konnte diesen Schuss aus sieben Metern abwehren.

Insgesamt wirkten das Spiel der von Frank Kramer trainierten Gäste taktisch reifer, flüssiger, zielstrebiger, konsequenter und vor allem selbstbewusster. Der HSV spielte vergleichsweise altmodisch. Der Dreischritt, Ballannahme, schauen, passen, wurde regelmäßig zum Vierschritt erweitert: Ball annehmen, auf den richtigen Fuß legen, schauen, passen. Oder es wurde mit dem Ball gelaufen, weil man keine Anspielstation fand. So verwundert es nicht, dass auf diese Weise wertvolle Sekunden(–bruchteile) vergeudet wurden, die es den überaus lauffreudigen Gästen erlaubten, evtl. vorhandene Lücken im eigenen Defensivverbund rechtzeitig zu schließen. Es dauerte daher bis zur 44. Minute, bis Calhanoglu nach einer Einzelaktion aus 18 Metern auf das Tor der Gäste schoss. Aber dieser Ball verfehlte klar rechts das vom Ex-HSVer Hesl gehütete Gehäuse der Gäste. Mehr Chancen des Erstligisten? Fehlanzeige. Traurig, aber wahr.

In der 45. Minute kam erneut Azemi aus neun Metern rechts im Strafraum der Hamburger zum Schuss, aber wieder hatte der HSV Glück. Der Winkel war derart spitz, dass Drobny erneut parieren konnte.

Mein Zwischenfazit zur Halbzeitpause: Der HSV begann zu schwimmen, sobald die Fürther schnell, direkt und flüssig spielten. Greuther Fürth wirkte auf mich wie der tatsächliche Erstligist. Der HSV seinerseits war stets bemüht…

In der zweiten Spielhälfte gehörte die erste Torchance ebenfalls den Gästen. Nach einem Eckstoß von ihrer rechten Angriffsseite kam Azemi(?) aus fünf Metern zum Kopfball, konnte den Ball aber nicht entscheidend drücken. So segelte auch dieser Versuch folgenlos für den HSV über die Querlatte.

Nach einer halben Stunde hatte Slomka genug gesehen und nahm den dieses Mal blassen Tesche zugunsten Jansens aus dem Spiel (60.). Jansen spielte nun links offensiv vor Jiracek.  Calhanoglu rückte von außen in die Zentrale und bemühte sich im Wechselspiel mit van der Vaart, das eigene Spiel anzukurbeln. Der HSV kam nun etwas besser ins Spiel. Nur fünf Minuten später erreichte Lasogga eine Flanke vom linken Flügel, doch sein Kopfball aus sieben Metern in Richtung langes Eck fehlte der Druck, sodass Hesl den Ball sogar fangen konnte.

Zwei Minuten später erschien es für einen Moment, als hätte der HSV das bis dahin aus seiner Sicht enttäuschend verlaufene Spiel erfolgreich gedreht, denn Lasogga hatte den Ball nach einer Freistoßflanke ins Netz befördert. Leider stand der  Schütze klar im Abseits. Dem vermeintlichen Führungstreffer  wurde daher vom Schiedsrichtergespann völlig zurecht die Anerkennung verweigert. Es blieb also beim Unentschieden.

In der 74. Minute flankte Fürth von linken Flügel aus 32 Metern vor das Hamburger Tor, aber der sehr auffällige Azemi beförderte den  Ball aus fünf Metern über das Hamburger Gehäuse. Nur zwei Minuten später war es erneut Azemi, der eine weitere scharfe Hereingabe vom linken Fürther Flügel um wenige Zentimeter verpasste (76.).

In der Schlussphase wurde es dann turbulent: In der 85. Spielminute rutschte einem Verteidiger der Franken im eigenen Strafraum eine Flanke Jiraceks von der linken Hamburger Angriffsseite über den Kopf. Lasogga stand goldrichtig am rechten Eck des Fünfmeterraumes, nahm den Ball volley, traf ihn aber nicht perfekt. So konnte Hesl die bis dato erste klar herausgespielte Tormöglichkeit des HSVs letztlich parieren.

In der letzten Minute der regulären Spielzeit entschloss sich Slomka zu seiner zweiten und letzten Auswechselung. Es kam Westermann für Rincon. Dahinter stand wohl der Gedanke, über den hochgewachsenen und kopfballstarken Westermann hinten wenigstens das Unentschieden zu sichern, bzw. evtl. bei einer eigenen Standardsituation doch noch zum Siegtreffer zu kommen. Fürths Trainer Kramer hat in der Schlussphase übrigens dreimal gewechselt. Dass Slomka auf seinen letzten Wechsel verzichtete, weil er ihm offenbar nicht mehr sinnvoll erschien, spricht Bände über den derzeitigen HSV-Kader.

In der zweiten Minute der Nachspielzeit (90+2.) flankte Diekmeier auf Höhe der Grundlinie vom rechten Flügel. Hesl unterlief zwar die Flanke, aber ein Fürther Abwehrspieler konnte den Ball gerade noch vor dem einschussbereiten Jansen am langen Pfosten klären. Eine Minute später stand van der Vaart am linken Eck des Fünfmeterraumes der Gäste nach Zuspiel  Calhanoglus frei, traf aber den Ball so schlecht, dass der aufmerksame Hesl erneut mühellos parieren konnte (90+3.).

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin) leitete die Partie souverän und ohne größere Fehler.

Fazit: Zu loben ist zunächst das Publikum des HSVs. Es unterstützte seine Mannschaft lautstark während der gesamten Spielzeit. Aus Sicht der Hamburger muss das Unentschieden durchaus als glücklich bezeichnet werden. Die am gestrigen Tag eindeutig bessere Mannschaft kam für mich aus Fürth. Die Gäste zeigten schnörkellosen, modernen, variablen Fußball. Der HSV wirkte im unmittelbaren Vergleich höchstens in Ansätzen konkurrenzfähig. Wenn Lasogga nach dem Spiel davon sprach, die Gäste hätten sich ja nur hinten hineingestellt, um auf Konter zu spielen, dann verkennt er vollkommen die Realität. Fürth hat sehr wohl situationsabhängig auch Offensivpressing gespielt, rückte aber während der gesamten Spieldauer konsequent geschlossen nach hinten, wenn man den Ball nicht schnell genug zurückgewann.

Dem HSV fehlte mit zunehmender Spielzeit erneut die Kompaktheit. Praktisch allen eigenen langen, vertikalen Bälle fehlte die Genauigkeit. Entweder wurde sie irgendwo ins Nirgendwo gespielt, oder sie konnten mühellos durch die Defensive der Spielvereinigung abgefangen werden. Fürth konnte drei frische Leute im Laufe des Spiels einsetzen, der HSV nicht, jedenfalls aus Sicht des Trainers nicht sinnvoll. Die bekannt lauffreudigen Gäste wirkten auch deswegen zum Ende der Partie eindeutig frischer, während der eine oder andere HSV-Spieler stehend k.o. wirkte. Vergleicht man beide Mannschaften mit einem Vierzylinder-Auto, so wirkte allein der HSV so, als liefe sein Motor nur auf drei „Töpfen“. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass vor der nun kommenden, für die Klassenzugehörigkeit entscheidenden Partie die Vorteile eher auf Seiten des Zweitligisten liegen. Dessen Spieler zeigten sich auch nach der Partie entspannt und mit  der eigenen Leistung zufrieden, während beim HSV einmal mehr das Prinzip Hoffnung zu regieren scheint.

Der HSV wirkte über weite Strecken gelähmt von der eigenen Angst, Fehler zu begehen. Auch wenn man sein Heimspiel nicht gewinnen konnte, so ist immerhin positiv, dass man das torlose Remis über die Zeit brachte. Angesichts der Auswärtstor-Regelung könnte daher jedes Unentschieden mit einem oder mehreren Treffern  auf fremden Platz zum Klassenverbleib bereits reichen. Das ist zwar mathematisch ein Vorteil, aber wie schon Rummenigge wusste: Fußball ist bekanntlich keine Mathematik.

Das Momentum liegt aus meiner Sicht eindeutig auf Seiten der Fürther. Diese haben nicht zuletzt sich selbst mit einem couragierten Auftritt bewiesen, dass sie sich mindestens auf Augenhöhe mit dem namhaften Rivalen befinden. Mit dieser Überzeugung und dem mehrheitlich eigenen Publikum im Rücken wird der HSV eine gewaltige Leistungssteigerung benötigen, möchte man sich auch nach der Partie noch zu den Erstligisten zählen dürfen. Wer es bis jetzt immer noch nicht einsehen wollte – es ist, egal wie das Spiel am Sonntag auch ausgehen mag, die Notwendigkeit zu tiefgreifenden Veränderungen beim HSV mehr als evident. Die Mannschaft wird, neben einer taktisch außerordentlich disziplinierten Leistung und einem souveränen Torhüter (Bravo, Drobny!) auch eine gehörige Portion Glück brauchen, um die Klasse halten zu können. In diesem Sinne – der Worte sind genug gewechselt.

Von Narren, Dinos und Scheidewegen: 1. FSV Mainz 05 – Hamburger SV

Morgen ist es also soweit: Der HSV trifft im letzten Saisonspiel des regulären Spielplans auf Mainz 05. Und ehrlich gesagt bin ich erleichtert. Erleichtert, dass diese desaströse Saison aus Sicht der Hamburger nun endlich zu einem Ende kommt. Seit Wochen gleicht jedes Denken über die sportliche Situation des Dinos einem nie endenwollenden Horror vacui. Spieltag für Spieltag blieben viele, viel zu viele Fragen offen. Fast alle zwischenzeitlich vermeintlich gefundenden Antworten erwiesen sich binnen kürzester Zeit als untauglich und hinfällig. Mit Mirko Slomka beschäftigt man bekanntlich inzwischen (nach Thorsten Fink und Bert van Marwijk) den dritten Trainer in dieser Spielzeit.  Und man darf aus guten Gründen daran zweifeln, ob dieser Trainer, so er denn mit dem HSV absteigen sollte, auch in der zweiten Liga Trainer des Hamburger Sportvereins sein wird. Denn mit der Realität hat man es nicht so in Hamburg. Im Zweifel zählen die sprichwörtliche „Raute im Herzen“ oder das Image mehr als die fachliche Qualifikation. Man fühlt sich stets zu Höherem berufen und verpflichtet „Namen“. Als Ausdruck dieser Denke darf man getrost das vom Vorstandvorsitzenden Jarchow verkündete ursprüngliche Saisonziel, Platz 6 und der Einzug in das internationale Geschäft, werten. Eine nüchterne sportliche Analyse der Leistungen in der Vorsaison hätte meiner Meinung nach zur Vorsicht gemahnen müssen. Zwar wurde unter dem damaligen Trainer, Thorsten Fink,  Platz 7 erreicht, jedoch waren die Leistungen schon damals alles andere als berauschend, teilweise sogar desolat. Die Mannschaft spielte bereits damals äußerst wechselhaft. Vor allem gegen Ende der Saison wurde zunehmend deutlich, dass die von Fink verordnete Spielanlage, u.a. abkippender Sechser und einrückende offensive Außenbahnspieler, alles andere als sattelfest wirkte. Im Gegenteil! In der Theorie war Finks Taktik durchaus vielversprechend,  interessant und anspruchsvoll. In der Praxis spielte der HSV absolut schematisch und leicht vorhersehbar. So verwundert es nicht, dass die gegnerischen Trainer alsbald eine eigene taktische Lösung gegen den HSV fink’scher Prägung  gefunden hatten. Man stellte im Zentrum die Räume zu, attackierte konsequent bereits den Spielaufbau des HSVs und musste nur auf die vorhersehbaren Ballverluste der  Hamburger warten. Wahlweise konnte man dann über die entblößten Flügel oder sogar durch die Mitte kontern. (Um Missverständnisse zu vermeiden: Was sich vielleicht wie eine Abrechnung mit Fink liest, ist so nicht gemeint. Ich halte Finks System für unverändert interessant und glaube, dass man das mit einer anderen, einer individuell besseren Mannschaft durchaus erfolgreich spielen lassen kann.) Wenn man in Hamburg jedoch schon nicht die ganz großen Namen präsentieren kann, dann, darauf kommt es mir hier an, will man sich wenigstens umgehend den Abglanz der tatsächlich Großen holen. Ausdruck dessen sind für mich dann Namen wie Fink und auch Kreuzer, die dem Verein endlich das bayrische „Sieger-Gen“ verschaffen soll(t)en. Dabei wurde, so mein Eindruck, viel zu lange übersehen, dass der Erfolg der Münchner auf vielen Säulen beruht, die alle aufzuzählen ich mir hier erspare. Allein das viel zitierte „mia san mia“-Credo der Münchner ist es jedenfalls nicht, sondern vor allem fachliche Kompetenz im Verein auf allen Ebenen. In Hamburg hingegen blendet man sich traditionell mit bekannten Namen, Bert van Marwijk war auch so einer, und kündigt permanent Konzepte an, die oft schon nach wenigen Wochen wieder in Frage gestellt werden. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln – auch das ist der Hamburger Sportverein. Dass sich der HSV einen grotesk aufgeblähten Aufsichtsrat bis heute leistet, dessen wesentliches Merkmal die Tatsache ist, dass Interna umgehend nach außen getragen werden, um sie in der örtlichen Boulevardpresse zu lancieren, und in welchem man sportliche Kompetenz seit Jahrzehnten mit der Lupe suchen musste, auch das begründet die Behauptung, dass die tatsächlichen Narren der Liga nicht beim kommenden Gegner in Mainz, sondern längst in der Hansestadt beheimatet sind.

Der Mainzer Manager, Heidel, schrieb es dem HSV vor Wochen in einem überaus lesenswerten Interview mit der FAZ ins Gebetbuch. Nachzulesen ist es hier:

http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/im-gespraech-mainz-manager-heidel-was-der-hsv-macht-ist-grundfalsch-12806212.html

Ich möchte daraus nur einen Gedanken aufgreifen: Heidel stellt m.E. zutreffend fest, dass der HSV eine vereinseigene Philosophie entwickeln müsse, die unabhängig von jeweils neuen Personal (u.a. Trainer, Sportdirektor) zu funktionieren habe. Die Realität beim HSV ist unverändert eine andere. Inzwischen ist Sportdirektor Kreuzer m.E. erkennbar darum bemüht, die z.T katastrophalen personellen Entscheidungen der Vergangenheit, z.B. die Aussortierung der Ex-Chelsea-Spieler (Fink), die Abgabe Rudnevs an Hannover 96 (Fink und van Marwijk), oder die Verpflichtung der nur eingeschränkt bundesligatauglichen Perspektivspieler, John und Bouy (van Marwijk), den ehemaligen Trainern in die Schuhe zu schieben. Natürlich, das sehe ich wohl, sollte man als sportliche Führung möglichst in inhaltlichen Bewertungen übereinstimmen. Dass aber ein Manager in Hamburg einen Trainer umgehend entlässt, weil dieser seiner Meinung nach nicht zur Vereinsphilosophie passt, so geschehen seinerzeit bei Jörn Andersens Entlassung durch Heidel in Mainz, das ist in Hamburg praktisch unvorstellbar. Denn eine tatsächliche Vereinsphilosophie hat der HSV, wenn wir mal von der relativ kurzen Ära Hoffmann/Beiersdorfer absehen, ebenso wenig, wie profifußballspezifische Kompetenz in seinen Gremien. Zu wahrer Meisterschaft hat es der HSV in den vergangenen Jahrzehnten meist nur im regelmäßig überhöhten Anspruch an sich selbst und in seinen diversen Possenspielen gebracht. Auch hier steht der HSV am Scheideweg: inzwischen ist der HSV auch aufgrund der vielen Fehlentscheidungen finanziell bekanntlich in einer derart prekären Lage, dass man, auch wenn man in Einzelpunkten das Ausgliederungsvorhaben der Initiative HSVPlus kritisch sehen mag, am 25. Mai entweder die notwendige Mehrheit von 75,1 Prozent der stimmberechtigten Vereinsmitglieder erreicht, oder  sich mindestens dauerhaft aus der ersten Liga verabschiedet. Dass die Ausgliederungsgegner trotz eines deutlichen Wählervotums bei der Mitgliederversammlung im Januar mit 54 (in Worten: vierundfünfzig!) einzelnen Anträgen noch diese Entscheidung verhindern wollen – mehr Narretei ist in meinen Augen fast unvorstellbar.

Vor dem kommenden Spiel  dürfte die tabellarische Ausgangslage hinlänglich bekannt sein. Jeder ist in der Lage, die Tabelle zu lesen und entsprechende Rechnungen anzustellen. Der HSV hat, das ist entscheidend, sein Schicksal in den eigenen Händen. Ermutigend erscheint mir, dass der schmerzlich vermisste Torjäger Lasogga wohl wieder zur Verfügung steht. Unklar erscheint mir jedoch, ob seine Fitness einen Einsatz von Beginn an zulassen wird. Gleiches scheint mir für beide nominellen Außenverteidiger, Diekmeier und Jansen, sowie für Djourou fraglich. Ich tippe mal auf die folgende Aufstellung:

Adler – Diekmeier, Westermann, Mancienne, Jiracek (Jansen) – Calhanoglu, Badelj, Tesche, Ilicevic – van der Vaart – Lasogga

Bei Diekmeier stimmt mich allerdings nachdenklich, dass er zuletzt wenig mit der Mannschaft trainiert hat. Jansen hat laut Slomka nur „integrativ“, also nicht vollständig mit der Mannschaft trainieren können. An einen Startelfeinsatz glaube ich bei ihm daher nicht. Alternativ könnte ich mir auch in Anlehnung an das Spiel gegen den FCB und unter Berücksichtung der mutmaßlichen Fitnesszustände diese Aufstellung gut vorstellen:

Adler – Westermann, Djourou, Mancienne, Jiracek (Jansen) – Rincon, Badelj, Tesche (Arslan), Calhanoglu – van der Vaart – Ilicevic

Hier würden Westermann und Rincon die rechte Außenbahn bespielen. Auch wenn Rincon kein offensiver Außenbahnspieler ist, so hat er diese Position im Verbund mit Diekmeier zuletzt ordentlich gespielt, finde ich. Für einen Einsatz Arslans spräche, dass er nach seiner Sperre vollkommen ausgeruht sein dürfte. Angesichts der Bedeutung des Spiels und des damit einhergehenden nervlichen Drucks auf die Spieler wäre mir jedoch wohler, er bliebe zunächst auf der Bank. Es geht mir hier nicht darum, über diesen jungen Spieler den Stab endgültig zu brechen, aber in den letzten Spielen hat er aus meiner Sicht alles andere als überzeugt. Zu oft bot er Alibi-Fußball und zu naives taktisches Verhalten in meinen Augen. Aber vielleicht bringt ihn Slomka ja doch, und Tolgay straft mich Lügen. Ich hätte nichts dagegen. Denn dass er nicht nur Talent besitzt, sondern auch gute Spiele machen kann, auch das hat er vor allem in der Rückrunde bereits mehrfach bewiesen. Bei jungen Spielern ist einfach immer mit einer gewissen Leistungsschwankung zu rechnen. Auch ein Grund, warum ich derzeit dem erfahreneren Tesche bevorzugen würde. So oder so – sollte der wort case eintreten, dann dürfte es ohnehin der letzte Auftritt diverser Spieler im Dress des HSVs werden. Ich gehe ohnehin davon aus, dass wir mindestens van der Vaart, Jansen, Rincon und Lasogga in der nächsten Saison in anderen Trikots sehen werden. Schon allein aus finanziellen Gründen…

Tuchels Mainzer spielen in einer ähnlichen Grundformation wie der Hamburger Sportverein, also in einem 4-2-3-1. Der Mainzer Trainer ist bekannt dafür, dass er zu jedem Gegner einen ganz speziellen Match-Plan entwickelt. Das macht zwar in meinen Augen tatsächlich jeder Trainer, dennoch dürften wenige Übungsleiter in der Liga gegnerbedingt ggf. so viele personelle Umstellungen vornehmen, wie es der Mainzer regelmäßig exerziert. Ich erwarte, dass er seine Mannschaft grundsätzlich offensiv einstellen wird. Dazu gehört, dass man mindestens phasenweise mit konsequentem Offensivpressing das Nervenkostüm der Hamburger testen wird. Dass die Hamburger immer mal wieder für einen Aussetzer gut sind, davon kann sicher nicht nur der leidgeprüfte HSV-Anhang inzwischen ein Lied singen. Aus Sicht des HSV spricht zunächst wenig dafür, die eigene Defensive zugunsten eigener Angriffsbemühungen zu vernachlässigen. Sicher, so konnte man es bei der PK vor dem Spiel bei Slomka heraushören, wird man fortlaufend von den Spielständen bei der Konkurrenz unterrichtet und ggf. darauf reagieren. Insofern wäre auch denkbar, dass man, ähnlich wie gegen Bayern, zunächst eher auf Konter spielt, bzw. über die lauffreudigen Ilicevic und van der Vaart versucht, die Mainzer entscheidend zu attackieren. Lasogga bliebe dann als erste Option zunächst auf der Bank und käme nach seiner Verletzung erst im Laufe der zweiten Halbzeit ins Spiel, bzw. würde in Abhängigkeit vom jeweiligen Stand der Dinge frischen Elan bringen können.

Ich gehe also grundsätzlich von offensiven Mainzern und einer zunächst um defensive Stabilität bemühten Hamburger Mannschaft aus. Vermag es der HSV erneut kompakt zu agieren, ohne sich durch haarsträubende Aussetzer selbst um den Lohn zu bringen, dann wird dieses Spiel nur die erste Weggabelung auf dem Weg zum Klassenerhalt. Verfällt der Dino jedoch in seinen sattsam bekannten Kardinalsfehler, taktisch nicht als Team zu spielen, dann könnte man leider bereits zur Sportschau feststellen müssen, dass sich der Dino faktisch selbst ausgerottet hat. Und da ich inzwischen davon überzeugt bin, dass es mit Sicherheit in und rund um den Verein mehr als genug Narren gab und unverändert gibt, wäre sein Aussterben zwar allemal beklagenswert, aber eben vor allem selbst verschuldet. Morgen wird, hoffentlich, hoffentlich!, vorerst nur die sportliche Zukunft (vor)entschieden. Der HSV aber muss sich in diesen Tagen und Wochen endlich grundsätzlich entscheiden, was er zukünftig sein möchte: Ein selbstverliebter, realitätsleugnender Gernegroß, ein Maulheld nicht eingelöster Ankündigungen, oder ein Verein, der die vielfältigen Lektionen der letzten Jahre endlich gelernt hat. Wer es jetzt noch nicht begriffen hat, dem ist m.E. kaum noch zu helfen. Am Ende bekommt man nur das, was man sich verdient. So oder so. Dieser Dino wäre jedenfalls der erste, der nicht durch höhere Mächte, sondern durch eigenes Verhalten ausstirbt.

Die Partie wird geleitet von Schiedsrichter Kinhöfer.